"Der ÖEHV hat mich nicht kontaktiert"

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Bernd Brückler ist zurück in Österreich. Der 31-Jährige unterschreibt bei RB Salzburg für diese Saison und hat somit seinen Traum von einer Rückkehr nach Russland ad acta gelegt.

Obwohl Salzburg mit Alex Auld und Luka Gracnar über zwei Keeper auf EBEL-Niveau verfügt, verstärkt der gebürtige Steirer die Mozartstädter in der laufenden Saison.

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Im Gespräch mit LAOLA1 erzählt er über sein Engagement in der Mozartstadt, die Zeit in Russland und seinen Rauswurf bei Sibir Novosibirsk. Weiters klärt er über die Missverständnisse, seine Person und das Nationalteam betreffend, auf.

LAOLA1: Du hast mit Salzburg einen neuen Klub gefunden. Wie schwer war die vereinslose Zeit für dich?

Bernd Brückler: Das war nicht einfach, denn ich kannte diese Situation in meiner Karriere noch nicht.

LAOLA1: Du hast zuletzt noch darüber gesprochen, nach Russland zurückkehren zu wollen. Was hat den Ausschlag für Österreich bzw. Salzburg gegeben?

Brückler: Als ich Mitte August in Russland etwas überraschend entlassen worden bin, war der Drang, in Russland zu bleiben, natürlich sehr groß. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt drei Jahre in der KHL gespielt, mich eingelebt, die Liga und das Eishockey kennen gelernt und auch die Sprache gelernt. Ich habe mich einfach wohl gefühlt und es war mein zu Hause im Eishockey. Die zwei Monate ohne Team haben aber schlussendlich den Ausschlag gegeben, denn durch den Lockout habe ich mich auch bei vielen Jobs in Russland hinten anstellen müssen. Wenn kein Ende in Sicht ist, ist es schwer und mit Salzburg hat sich ein europäischer Topklub für mich interessiert und jetzt bin ich einfach gierig, dass ich wieder spiele.

LAOLA1: Wie wurde dir deine Entlassung bei Sibir Novosibirsk mitgeteilt?

Brückler: Das kam aus dem Nichts. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Vorbereitungsspiele absolviert und im letzten Testspiel gegen ein finnisches Team ein Shutout gehabt. Fünf Wochen Vorbereitung mit der Mannschaft lagen bereits hinter mir und ich hatte Top-Werte in den Fitnesstests. Vor unserem vierten Aufbauspiel, welches ich von Anfang an bestreiten hätte sollen, holt mich der Trainer während meiner Spielvorbereitung zu sich und teilt mir mit, dass ich meine Sachen zusammenpacken kann und der Vertrag aufgelöst wird. Er sagte mir, es sei eine Business-Entscheidung des Managements und er wünsche mir alles Gute.

Für Brückler war das Nationalteam immer ein Thema

LAOLA1: Da warst du dann aber doch mit Sicherheit sehr niedergeschlagen?

Brückler: Ich wusste in diesem Moment gar nicht, was ich davon halten soll. Ich war in der Vorbereitung auf ein Spiel und hatte bereits Adrenalin im Körper. Ich habe mich einfach mal hingesetzt und wusste nicht so genau, was da gerade geschehen war und wie es weitergeht.

LAOLA1: Ist es in Russland so leicht, einen Vertrag aufzulösen?

Brückler: Jein. Es gibt, ähnlich wie in der NHL, gewisse Regelungen im Kollektivvertrag der KHL, die sich damit beschäftigen. Wenn man einen Spieler vor der Saison, es spielt keine Rolle, ob im April oder im August, entlässt, dann muss der Verein 25 Prozent des ausständigen Gehalts als Abfindung auszahlen. Wenn der Spieler das erste Saisonspiel absolviert hat und man trennt sich danach von ihm, muss man 50 Prozent des Gehalts überweisen, und wenn du nach dem 15. Jänner jemanden hinausschmeißen willst, musst du 100 Prozent bezahlen. Das ist in Ordnung, denn da weiß jeder Spieler bei Vertragsunterzeichnung, worauf er sich einlässt.  

LAOLA1: Mit Gracnar und Auld stehen bereits zwei Keeper bei Salzburg unter Vertrag. Hat man mit dir darüber gesprochen, warum man dich zusätzlich geholt hat?

Brückler: Details, wie es genau weitergeht, kenne ich nicht. Ich habe erst am Donnerstag, um 15:00 Uhr, Herrn Page kennengelernt. Ich bin mir sicher, wir werden darüber noch sprechen. Der Trainer hat den beiden Goalies ebenfalls mitgeteilt, dass ich kommen werde, damit sie nicht überrascht sind und die Neuigkeit nicht aus den Medien erfahren. Ich habe mir darüber aber keine Gedanken gemacht, denn wenn man als neuer Torhüter geholt wird, zeigt das, dass Interesse des Vereins da ist, dass man ins Spielgeschehen eingreift. Wenn meine Leistung passt, habe ich es mir sicher verdient, dass ich spiele.

LAOLA1: Du hast dich zuletzt in Graz fitgehalten und hattest Zeit, die EBEL genauer zu beobachten. Wie siehst du das Niveau im Vergleich zur KHL?

Brückler: Ich war bei drei Spielen der Graz99ers vor Ort. Ich habe diese aber mit meinen beiden Kindern, die ein und zwei Jahre alt sind, verfolgt. Da ist das Spielgeschehen nicht so leicht zu beobachten, da man mehr damit beschäftigt ist, den Kindern hinterherzulaufen. Aber dennoch finde ich das Niveau sehr anständig und gut. Ein Unterschied ist sicher die Dichte in den Teams. In der KHL ist das Gefälle von einem Superstar wie Ilya Kovalchuk zu einem Viert-Linien-Spieler, der aber dennoch im Junioren-Nationalteam spielt, nicht so krass, wie zum Beispiel in Innsbruck oder Dornbirn.

LAOLA1: Ist Salzburg für dich nur eine Zwischenstation auf dem Weg zurück nach Russland oder hast du vor, länger in Österreich zu bleiben?

Brückler: Für mich hatte es in erster Linie Priorität, einen Verein zu finden und zu spielen. Darüber hinaus habe ich mir keine Gedanken gemacht, sondern nur versucht topfit zu bleiben. Dadurch, dass ich nur bis Saisonende in Salzburg unterschrieben habe, bleibt meine weitere Zukunft offen. Sollte ein Angebot aus der KHL kommen, müsste ich mir das im nächsten Jahr überlegen. Bis dahin weiß ich aber auch, wie das hier in Salzburg abläuft und auf welchem Niveau die österreichische Liga ist. Dann kann ich das besser abwägen. Im Moment bin ich nur daran interessiert, dass das Kapitel Salzburg gut beginnt und verläuft.

LAOLA1: In der letzten Zeit hast du immer wieder für das Nationalteam abgesagt. Da du nun in Österreich spielst, ist das Nationalteam für dich wieder ein Thema?

Brückler: Das wurde ein bisschen missinterpretiert. Ich selbst habe nur einmal abgesagt und das war vor zwei Jahren. Herr Gilligan war damals Coach und hat mich Mitte März einberufen. Er sagte damals: In drei Tagen, es war der 18. März, findet ein Trainingscamp in Graz statt. Ich erklärte ihm die Situation, dass ich in Russland wäre und mein Vertrag bis Ende April liefe. Es ist normal in Russland, wenn man die Playoffs verpasst, dass die Mannschaft eine Woche frei bekommt und danach weitertrainiert wird. Damals haben wir einen neuen Trainer bekommen und der wollte seine Spieler kennenlernen. Daraufhin habe ich für das Trainingscamp, welches am 21. März starten sollte, abgesagt, nicht aber für die Weltmeisterschaft. Herr Gilligan sagte mir darauf, er habe auf der Torhüter-Position mit Starkbaum, Weinhandl, Penker, Divis und Swette super Optionen, sodass er mir keinen Platz in den Top drei garantieren könne. Ich sollte kommen und mich beweisen. Das hätte ich gerne gemacht, nur musste ich in Russland bleiben. Dann war Funkstille und drei Wochen später, nachdem sich Divis und Starkbaum verletzt hatten, und er nicht mehr so tolle Optionen hatte, wollte er mich als Einser-Torhüter. Zu dem Zeitpunkt habe ich dann abgesagt.

LAOLA1: Warum hast du abgesagt?

Brückler: Auf Anraten meines Managers. Wir waren damals in Vertragsverhandlungen mit einem russischen Team und da ging es um einen Zwei-Jahres-Vertrag. Das ist, um ehrlich zu sein, in Russland aus finanzieller Sicht ein Rentenvertrag. Dafür müsste ich zehn Jahre in Österreich spielen. Das war sowohl vom monetären, als auch karrieretechnischen Standpunkt enorm wichtig für mich. Das konnte ich damals nicht aufs Spiel setzen. Hätte ich mich drei Wochen vor der WM beim Nationalteam verletzt, wäre mein Vertrag hinfällig gewesen.  Heuer wurde ich nicht einberufen und in meinem ersten KHL-Jahr war ich verletzt. Das ich mehrmals abgesagt hätte, ist in den Medien falsch vermittelt worden. Ich habe nur ein einziges Mal abgesagt.

LAOLA1: Du sagst also, der ÖEHV habe dich vor der B-WM in Ljubljana gar nicht kontaktiert.

Brückler: Nein. Ich habe vom Nationalteam seit dem Turnier im Dezember 2010 nichts mehr gehört.

LAOLA1: Aber du würdest gern wieder im Nationalteam spielen.

Brückler: Ja, das habe ich auch immer bekundet. Wenn meine Leistung stimmt, würde es mich freuen, für das österreichische Nationalteam zu spielen.

LAOLA1: Wie sieht es mit deinem Fitnesszustand aus? Bist du bereits einsatzfähig?

Brückler: Ich habe in den letzten zwei Monaten bei einer U20 trainiert. Das ist nicht das Level, auf welchem die EBEL spielt. Es wird sicher eine Zeit dauern, bis ich mich wieder an die Profi-Schüsse gewöhnt habe. Körperlich bin ich fit und gesund und hoffe, dass ich mich schnell an den Speed der Profis anpasse.

LAOLA1: Das Spiel am Freitag kommt somit zu früh?

Brückler (lacht): Ich glaube, dass ich nicht aufgestellt werde. Wissen tue ich es aber nicht.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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