Playoffs: Der Capitals-Schreck

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"Oftmals unten sein, um wieder oben zu stehen"

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Für die Black Wings Linz ist er ein Segen. Für die Vienna Capitals ein Schreckgespenst.

Gregor Baumgartner hat eine Vorliebe: Tore zu schießen. Und zwar gegen die Wiener. Sieben Mal hat er es im laufenden Bewerb schon getan. Eine Scoring-Streak, welche er in Viertelfinale vier (Ab 17:30 Uhr im LIVE-Ticker) prolongieren möchte.

Die sportliche Depression inklusive Lungenquetschung aus dem Vorjahr ließ der rechte Flügel längst vergessen. 16 Punkte waren für einen Mann, dessen Rechte im NHL-Draft 1997 (35. Stelle/Montreal) und auch ’99 (156./Dallas) begehrt waren, desillusionierend. Eine Saison zum Abhaken.

Ungeachtet dessen genoss der 32-Jährige stets die Rückendeckung der Oberösterreicher. Die Dankbarkeit bringt er nun mit seiner Klasse würdigen Performances zum Ausdruck.

Wie Baumgartner den Tor-Instinkt erneut weckte, warum er gegen die Wiener so häufig trifft und welcher Traum haarscharf platzte, erklärt er im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Ihr konntet am Donnerstag die Führung in der „Best of seven“-Serie übernehmen. Was gab zu euren Gunsten den Ausschlag?

Gregor Baumgartner: Der Beginn war besser. Wir erarbeiteten uns erstmals die Führung, für die Caps war das ein anderes Szenario. Wir fanden mit Fortlauf besser hinein und hatten die Kontrolle. Es war wichtig, den Heimvorteil in Spiel drei zurück zu erobern. Wir wollen die Form aus der Regular Season in den Playoffs umsetzen. Die letzten beiden Partien zeigten, wir nähern uns der alten Verfassung.

LAOLA1: Fehlte der Mannschaft womöglich die gesunde Playoff-Anspannung?

Baumgartner: In dieser Zwischenrunde hatten wir viele Spiele, wo wir nicht mit voller Konzentration antraten. Wir konnten bald die Spitze absichern. Oft war die Intensität beider Mannschaften nicht so hoch. Beim ersten Viertelfinale befanden wir uns nicht hundertprozentig auf dem Niveau. Wir hatten längere Zeit keine Spiele von großer Bedeutung, im Gegensatz dazu mussten die Capitals lange in der Qualirunde kämpfen. Ich glaube, in Wien kamen wir so richtig in den Playoffs an. Es war eine deutlich bessere Leistung.

LAOLA1: Für die Hauptstädter bist du ein wahres Schreckgespenst: In fünf Kräftemessen konntest du dich acht Mal in die Scorerliste eintragen. Warum triffst du gegen deinen Arbeitgeber von 2003 bis 2006 so gern?

Baumgartner: Mir war das überhaupt nicht bewusst, vielmehr machten mich die Journalisten darauf aufmerksam. Klarerweise ist es für mich nicht so schwer in Wien zu spielen, weil das Umfeld etwas familiär für mich ist. Die Halle wurde leicht umgebaut, grundsätzlich veränderte sich aber wenig. Wenn man die Gegebenheiten kennt, fühlt man sich leichter wohl. Es ist für uns stets herausfordernd, denn meine Linie läuft meist gegen Benoit Gratton, Jonathan Ferland und Francois Fortier auf, bis jetzt hat das nicht schlecht geklappt.

LAOLA1: Wie schwer ist es gegen das Parade-Trio der Caps zu bestehen?

Baumgartner: Sie können in jeder Situation für Gefahr sorgen, das macht es überaus interessant und spannend. Man muss als Spieler ständig auf der Hut sein, jederzeit könnte ein Konter kommen. Ihnen darf man nicht viele Chancen geben, was uns wiederum motiviert. Wenn wir die Linie halbwegs im Griff haben oder gar besser spielen, steigert das die Chancen, zu gewinnen.

LAOLA1: Im Vorjahr zerbombte Fortier die EBEL. Man hat so das Gefühl, er findet, je länger die Saison andauert, zurück zu seiner Kaltblütigkeit. Wie gefährlich ist das für Linz?

Baumgartner: In Wien hatte er ein Top-Spiel. Der zweite Treffer war ein toller, von der Torlinie unter die Latte zu treffen, zeugt von Qualität. Er ist ein sehr gefährlicher Mann, wir wollen nicht, dass er richtig in Fahrt kommt. Das wäre kein guter Zeitpunkt. Am Donnerstag hatten wir alles gut im Griff. Man muss einfach bei jedem Wechsel und jeder Situation aufpassen.

LAOLA1: Du blühst 2011/12 richtiggehend auf, mit 49 Scorerpunkten konntest du sogar dein Career-High einstellen. Was sind die Unterschiede zum vergangenen Seuchenjahr?

Baumgartner: In einer Karriere gibt es diverse „Ups and Downs“. Letzte Saison war sicher kein Hoch. Heuer profitiere ich natürlich von den Sturm-Partnern, dem Spielsystem und der Mannschaft. Wenn wir gewinnen und ein eisläuferisches Konzept mit viel Bewegung verfolgen, kommt mir das zugute.

Linzer Parade-Linie produziert auf Hochtouren

LAOLA1: Derzeit befindest du dich im Höheflug: Die von der sportlichen Leitung entgegen gebrachte Geduld, lohnt sich nun. Nichtsdestotrotz ist das keine Selbstverständlichkeit.

Baumgartner: Ich hatte einen gültigen Vertrag für diese Saison, das war positiv. Sonst wäre es wohl schwierig geworden, einen Verein zu finden, der mir eine Chance gibt. Wobei man berücksichtigen muss, dass es solche Schwankungen geben kann. Wenn jemand eine schlechte Saison hat, sollte man den Spieler nicht auf das Abstellgleis schieben. Es gibt eben Zeiten, wo der Körper nicht so tut, wie man will. Vielleicht gibt es Probleme mit dem Betreuerstab oder im Privatleben. Sportler sind auch Menschen, da spielen andere Faktoren im Hintergrund eine Rolle. Ich war froh, einen Vertrag und weiterhin das Vertrauen vom Verein zu haben. Die Saison zeigt, dass solche Tiefs auch zu Hochs führen können. Ich bin sehr dankbar dafür.

LAOLA1: Inwiefern hast du damit noch gerechnet?

Baumgartner: Nach der verpatzten Saison war ich davon überzeugt, dass er nur mehr bergauf gehen kann. In der Vergangenheit arbeitete ich sehr viel mit Mentalcoach Chris Hamilton, der schon in Wien während der Erfolge unter Jim Boni tätig war. Seit rund acht Jahren hilft er mir im mentalen Bereich.

LAOLA1: Schon als 15-Jähriger hast du in Nordamerika angeheuert, um dir den Traum von der NHL zu erfüllen. Haben dir diese Erfahrungen geholfen, so etwas besser zu verkraften?

Baumgartner: Wenn man Ziele im Leben verfolgt, gibt es häufig Rückschläge. Oftmals muss man ganz unten sein, um wieder oben zu stehen. Über die Jahre hinweg, wo ich in Nordamerika meist auf mich alleine gestellt war, habe ich vieles gelernt. Was ich mitnehmen konnte ist, dass man konstant in eine Richtung gehen soll. Vom Gefühl her war ich kurz davor, den Sprung in die NHL zu schaffen. Ich kann nicht sagen, mein Ziel verfehlt zu haben. Mein Traum war, Eishockey-Profi zu werden. Das bin ich seit nunmehr 13 Jahren. Leider Gottes nicht in der höchsten Liga der Welt, trotzdem kann ich mein Leben mit dem Sport führen. Ein wunderschönes Gefühl.

LAOLA1: Du wurdest zwei Mal von einer Franchise gedraftet, was hat letztlich gefehlt?

Baumgartner: Im Mannschaftssport müssen viele Aspekte passen. Es gab sicher Zeiten, wo ich nicht meine Leistung abrufen konnte. Teilweise wurde, was körperliche Fitness betrifft, nicht ideal trainiert - nicht zu wenig, sondern einfach falsch. In manchen Situationen bräuchte man etwas Glück. Aber das größte Problem war, dass ich nicht immer konstant meine Qualität zeigen konnte. In Nordamerika ist das wohl am wichtigsten, um sich durchzusetzen.

LAOLA1: Konstanz zeichnet dich diese Saison aus: Inwiefern ist das auch deinen Kollegen geschuldet?

Baumgartner: (lacht) Sie haben viel Schuld daran. Mike Ouellette und Pat Leahy sind Top-Leute in der Liga. Zusammen mit Curtis Murphy sowie Adrian Veideman harmonieren wir auf dem Eis ganz gut, es war von Saisonbeginn an so. Im Mannschaftssport braucht man hervorragenden Mitspieler, um gute Leistungen abzurufen. Sie zeichnet ihre Konstanz aus, dadurch bin ich selbst konstant. Zudem sind sie erfahren und arbeiten professionell. Wir gehen jeden Tag als Gruppe in die Halle und versuchen, das Bestmögliche herauszuholen. So etwas ist sehr motivierend. Der Erfolg, wie er vorhanden ist, gibt dir noch den Extra-Boost, sodass man das beständig verfolgt. Das ganze Jahr strebt man nach Finale und Meistertitel, das ist unser Ziel.

LAOLA1: Dein Arbeitsverhältnis mit den Black Wings endet im Sommer. Vertrags-Verlängerung oder neues Abenteuer?

Baumgartner: Es gab mit Linz schon einige Gespräche, noch ist allerdings nichts fixiert. Dennoch sieht es so aus, dass es eine weitere Zusammenarbeit geben wird. Mein Leben war allerdings immer etwas abenteuerlich. Die Möglichkeiten müssen sich ergeben. Wieder im Ausland herumzuschwirren, wäre sicher nochmals schön. Nur bin ich in einem Alter, wo ich einfach froh bin, das schöne Spiel betreiben zu dürfen.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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