"Niveau wie in Tschechiens Liga"

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Liga-Neuling Znojmo zufrieden: "Feedback ist positiv"

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Seit rund zwei Monaten ist die EBEL mit dem HC Orli Znojmo um ein elftes Team reicher. Zeit, um eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Sportlich stehen die Tschechen mit dem neunten Platz durchaus ordentlich da. Auch abseits der Eisfläche sind die Leute trotz anfänglicher Skepsis mit dem Liga-Wechsel zufrieden.

„Das Feedback ist durchwegs positiv. Der Zuschauerschnitt ist stark gestiegen. Ich glaube, um mehr als tausend auf ca. 2500 Besucher pro Spiel“, meint Znojmo-Trainer Martin Stloukal im Gespräch mit LAOLA1.

Auch KAC-Trainer Manny Viveiros zeigt sich von der Stimmung in der südmährischen 35.000-Einwohner-Stadt begeistert: „Es macht Spaß, hier zu spielen. Die Zuschauer sind sehr laut. Das ist keine schlechte Mannschaft. Man darf nicht vergessen: Tschechien ist ein A-Gruppe-Land.“

LAOLA1: Interessant, dass du auch Agent bist. Kannst du uns mehr über diesen Job erzählen?

Stloukal: Wir haben 42 Spieler in der NHL. Im letzten Jahr war ich dafür zuständig, die EBEL zu beobachten. Mein Job war es, zu schauen, ob einer unserer Spieler, der keinen Vertrag bekommt, dort unterkommen könnte.

LAOLA1: Was sind die Stärken deines Teams?

Stloukal: Wir sind sehr gute Eisläufer und setzen auf starkes Forechecking. Vor dieser Saison haben wir uns zweieinhalb Monate vorbereitet. Das ist unser Vorteil. Wir brauchen aber noch Zeit, um unser neues System einzuspielen. Wir wollen mit einem 2-1-2 auftreten, um das Forechecking zu perfektionieren und die anderen Mannschaften damit in Bedrängnis zu bringen.

LAOLA1: Welche Ziele habt ihr in dieser Saison?

Stloukal: Unser vorrangiges Ziel ist es, nicht Letzter zu werden. Aber wir schauen auch Richtung Playoffs.

Zurück in einer Top-Liga

Letzte Saison spielten die „Adler“ noch in der zweiten tschechischen Spielklasse, genannt 1. Liga. Dorthin stiegen sie 2009 aus finanziellen Gründen freiwillig ab. Nach zehn Jahren in der Extraliga (höchste Leistungsstufe) verkaufte der Klub seine Lizenz. Die Kosten, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, waren aufgrund des Ausstiegs eines Großsponsors zu hoch geworden.

Nun ist Znojmo wieder in einer Top-Liga vertreten. „Das bietet uns eine bessere Perspektive. Die Spieler sind wieder auf höherem Niveau im Einsatz. Auch unsere Sponsoren waren an einem Wechsel in die EBEL interessiert“, weiß Übungsleiter Stloukal.

Der ehemalige Assistenztrainer stieg erst Anfang Oktober zum Head-Coach auf. Nach Meinungsverschiedenheiten mit seinem Ex-Chef Karel Soudek schenkte ihm der Vorstand das Vertrauen. Über die Hintergründe des Trainerwechsels, die hohe Qualität der EBEL und das Potenzial, das in seiner Mannschaft noch schlummert, spricht Stloukal im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Wie gefällt es euch in der EBEL?

Martin Stloukal: Ich kenne diese Liga schon ein paar Jahre, weil ich auch für eine Firma aus den Vereinigten Staaten als Agent arbeite. Ich wusste also, worauf wir uns einlassen. Die Qualität in dieser Saison ist aber noch einmal höher als letztes Jahr. Ich glaube, das liegt daran, dass allgemein mehr Geld in der Liga vorhanden ist. Ich schätze, dass die EBEL von der Qualität her fast mit der Extraliga, der höchsten tschechischen Liga, mithalten kann.

LAOLA1: Wer waren bisher eure stärksten Gegner?

Stloukal: Sehr stark ist Zagreb, auch Ljubljana.

LAOLA1: Du nennst gar keine österreichischen Teams.

Stloukal: Wenn Gratton spielt, dann sind auch die Capitals stark. Auch der KAC ist ein sehr gutes Team, aber gegen die haben wir erst ein Drittel gespielt (Spielabbruch, Anm.). Gegen Salzburg haben wir 3:1 gewonnen, das war ein gutes Spiel von uns. Am Dienstag spielen wir wieder gegen sie.

LAOLA1: Was erwartest du von dieser Partie?

Stloukal: Die gleiche Leistung wie im ersten Drittel gegen den KAC. Wir müssen den Gegner früh unter Druck setzen.

LAOLA1: Einen Monat nach dem Saisonstart wurde dein Vorgänger Karel Soudek entlassen. Was waren die Gründe für den Trainerwechsel?

Stloukal: Ich war Assistent. Mein Ex-Kollege und ich, wir hatten zwei verschiedene Coaching-Philosophien. Zwischen uns gab es Meinungsverschiedenheiten, aber ich glaube, dass ich vom ersten Moment an richtig lag. Auch das Management stand hinter mir und hat sich deswegen für den Trainerwechsel entschieden.

LAOLA1: In der letzten Saison bist du mit dem U20-Team des HC Znojmo Meister geworden. Ist der Umgang mit jungen Spielern deine Stärke?

Stloukal: Ja, das war sicher auch ein Punkt, warum mir das Vertrauen geschenkt wurde. Wir haben ein sehr junges Team mit zehn Junioren in vier Linien. Zudem sind unsere beiden Torhüter 1990er-Jahrgänge. Wir glauben, dieser junge Weg ist der richtige.

LAOLA1: Wie viel Potenzial hat deine Mannschaft noch?

Stloukal: Sie kann sicher noch 20 Prozent zulegen.

LAOLA1: Danke für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Jakob Faber

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