Wer schafft den Aufstieg ins Halbfinale?

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Mit Medvescak Zagreb, Olimpija Ljubljana und dem KAC stehen bereits drei Halbfinalisten fest. Im brisanten siebenten Spiel wird nun am Sonntag (17:10 Uhr bei ServusTV) in Linz zwischen den Black Wings und den Vienna Capitals der letzte Teilnehmer des Semifinales ermittelt.

Die Serie sorgte in den ersten sechs Spielen für viel Brisanz, gipfelnd im Phantom-Tor der Wiener im letzten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten.

Doch die Karten vor dem Entscheidungsspiel sind neu gemischt und die Meinungen über den Ausgang der Partie gehen auseinander. Auch wir in der Redaktion sind gespannt, ob dem großen Showdown wie ein Flitzebogen. Es bildeten sich in den letzten Tagen zwei Lager. Auf der einen Seite jene, die den Black Wings den Aufstieg zutrauen, auf der anderen jene, die an die neuerworbene Stärke der Capitals glauben.

Stellvertretend dafür haben zwei Redakteure ihre Meinung zu "Papier" gebracht und erläutern, warum die jeweilige Mannschaft den Aufstieg unter die besten vier Teams der EBEL schafft.

Skandal als Motivationsschub!

Ein Kommentar von Christoph Köckeis

Der letzte Sieg einer Serie ist stets der schwerste. Oder: Ein angeschlagener Boxer ist ganz besonders gefährlich. Jährlich grüßt das Murmeltier: Nähert sich die Saison der heißen Phase, werden eben genau jene Binsenweisheiten ausgegraben. Auch Funktionäre und Spieler der Black Wings verinnerlichten diese. Nach Spiel vier wurde fortlaufend das Phrasenschwein strapaziert. Möglicherweise so sehr, dass man das Wesentliche vergaß: Konzentration auf eigene Vorzüge.

Die zugegeben befreit aufgeigenden Capitals setzten der bislang überzeugenden Offensiv-Abteilung der Linzer gehörig zu. Selten konnten die Oberösterreicher ihr schnelles Kombinations-Spiel aufziehen, es fehlte schlichtweg Sicherheit und Durchsetzungsvermögen. War man gedanklich in der Regular Season den Schritt voraus, ließen Caps-Schreck Gregor Baumgartner oder der Linzer Topscorer Mike Ouellette genau dies zuletzt vermissen. Die Dominanz ist gebrochen, so der Anschein. Die Spieler auch?

Eine Frage, welche es zweifelsfrei zu verneinen gilt. So unverständlich das klingen mag, der Skandal in Spiel sechs war der unüberhörbare Weckruf. Schaffen es die Black Wings, die Fassungslosigkeit ob des Phantom-Tores bis zum D-Day in positive Bahnen zu lenken, wäre es der entscheidende Motivations-Kick. „Professor“ Rob Daum (Hier geht’s zum Interview) wird dank seines besonnenen Auftretens bestimmt dafür sorgen, dass seine Schützlinge hoch konzentriert den Showdown suchen. Und keinesfalls mit aufgestautem Frust.

Das Schicksal der Graz99ers, für die nach Gewinn des Grunddurchgangs 2009/10 in Runde eins gegen die Hauptstädter sämtliche Träume platzten, kann Linz abwenden. Momentum hin oder her. Mit dem Hexenkessel „Keine Sorgen Arena“ weiß man das stets wiederkehrende Unwort auszuklammern. Denn auf den Capitals lastet mittlerweile sehr wohl die Erwartungshaltung. Die Fans spekulieren schon mit dem Meistertitel. Um nochmals einige Floskeln anzustrengen: Für sie geht‘s nun um alles oder nichts. Siegen oder Fliegen. Halbfinale oder Urlaub.

Das Wesentliche ist ab sofort essentiell, somit darf das Linzer Kollektiv weiter auf die Krönung hoffen.

Weil das Werkl rennt!

Ein Kommentar von Sebastian Rauch

Böse Zungen würden wohl behaupten, die Vienna Capitals bräuchten am Sonntag in Linz gar nicht mehr aufzulaufen, die Halbfinalteilnahme der Wiener wurde ohnehin bereits in höheren Gremien entschieden. Verdenken kann man es dem allgemeinen Eishockey-Fan nach dem Phantom-Tor am Donnerstag wahrlich nicht. Der Schatten, den dieser Skandal auf die Serie, den Verein und die Liga respektive die Schiedsrichter wirft, ist ein mehr als ein dunkler.

Dennoch gilt es nicht aus den Augen zu lassen, dass die Hauptstädter nicht nur aufgrund der Hilfe der "Zebras" ein Entscheidungsspiel in Linz erzwungen haben. Es gerät ein wenig in Vergessenheit, welche Entwicklung die Caps als Mannschaft in dieser Viertelfinal-Serie genommen haben.

Nach all den Querelen der Vergangenheit hat man sich der Unruhe-Herde entledigt und übrig geblieben ist ein funktionierendes Team. Die Tage, in welchen Tommy Samuelsson lediglich über eine schlagfertige Linie verfügte, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Nathan Robinson performt endlich in der Art und Weise wie sich das die Verantwortlichen von ihm erhofft haben, seine jungen Sturmpartner Taylor Holst und Mario Seidl profitieren davon. Auch Marcel Rodman und Filip Gunnarsson scheinen endlich in der Saison angekommen zu sein.

Das Werkl rennt und die Capitals sind dadurch offensiv schwerer auszurechnen. Es ist Samuelsson gelungen, das schnelle Konterspiel der Linzer taktisch zu unterbinden und sich defensiv soweit zu stabilisieren, um dem besten Sturm der Liga den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die Wiener sind bereit für den finalen Showdown und haben mit dem grandiosen Comeback nach dem verkorksten Grunddurchgang und dem 1:3-Rückstand in der Serie überspitzt gesagt keinen Druck. Dass die im Vorfeld so hoch gehandelten Linzer bis zuletzt gefordert werden konnten, stellt bereits einen Erfolg dar. Die mentale Belastung der Oberösterreicher ist hingegen enorm. Nach der dominanten Saison käme ein vorzeitiges Ausscheiden einer Katastrophe gleich. Diese Belastung lähmt die Beine und wird am Ende den Unterschied zu Gunsten der Wiener ausmachen.

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