"Man kann ihn fast nicht von der Scheibe trennen"

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Lange Zeit hielt sich der Rekordmeister zurück.

Während andere EBEL-Klubs wie die Vienna Capitals, die Graz99ers und der Erzrivale aus Villach sich am NHL-Lockout-Spielermarkt bedienten, ließ man beim KAC die Finger von den Cracks aus der besten Liga der Welt.

Jetzt haben die Klagenfurter gleich zweimal zugeschlagen. Erst stieß mit Tyler Myers am Samstag ein Sabres-Klubkollege von Thomas Vanek zu den „Rotjacken“, dann folgte am Montag der nächste Transfer-Knaller:

Sam Gagner von den Edmonton Oilers unterschrieb beim KAC bis zum Ende der Saison. „Er ist technische unheimlich talentiert, man kann ihn fast nicht von der Scheibe trennen. Außerdem hat er eine tolle Übersicht“, schwärmt KAC-Sportdirektor Manny Viveiros im Gespräch mit LAOLA1 in höchsten Tönen von seiner jüngsten Neuverpflichtung.

Verletzungsmisere zwingt KAC zum Handeln

Dass der Zeitpunkt des Transfers etwas mit der schmerzhaften Derby-Niederlage gegen den VSV vom Sonntag zu tun hat, weist der ehemalige Verteidiger lächelnd als puren Zufall zurück.

„Wir haben immer gesagt, dass wir zunächst keine NHL-Cracks holen werden, aber wir haben uns die Option offen gehalten. Da bei uns momentan viele Spieler verletzt ausfallen, mussten wir handeln“, nennt der 46-Jährige den Hauptgrund für das plötzliche Umschwenken der Klagenfurter.

Vielmehr hängt das Timing mit der anstehenden Saisonphase zusammen, schließlich ist der Terminplan der Erste Bank Eishockey Liga im November und Dezember dicht gedrängt. „Die nächsten zwei Monate sind wir ständig im Einsatz und wenn du viele Ausfälle im Kader hast, dann kostet das enorm viel Kraft und erhöht zusätzlich das Risiko von weiteren Verletzungen“, beschreibt Viveiros den Teufelskreis.

In 366 NHL-Partien kommt Gagner auf beachtliche 220 Scorerpunkte

EBEL profitiert von Lockout

Es ist allerdings nicht nur die Personalsituation, die die Verantwortlichen des KAC zum Handeln bewegt hat. Natürlich spielten auch Marketing-Überlegungen eine Rolle. Der Sportdirektor weiß, dass man als Rekordmeister seinem Publikum etwas schuldig ist.

„Für unsere Zuschauer ist der Lockout eine super Sache. Sie haben die Chance, zwei NHL-Spieler in Klagenfurt zu sehen. So etwas bekommt man hier nicht jedes Jahr vorgesetzt. Aber nicht nur für unseren Klub ist der Streit zwischen Spielergewerkschaft und Eigentümern in Nordamerika von Vorteil, die ganze Liga profitiert davon. Solche Cracks heben das Niveau der gesamten EBEL auf eine andere Stufe.“

Neben der sportlichen- und marketingtechnischen Seite gibt es noch einen dritten Punkt, der laut Viveiros für die Verpflichtung der NHL-Cracks sprach: Vorbildwirkung für die Jugend.

„Das ist für die Jungen etwas ganz besonderes. Sie haben die Möglichkeit von zwei NHL-Spielern, von Cracks, die täglich auf dem höchsten Niveau arbeiten, zu lernen“, ist Viveiros von einem positiven Effekt für den gesamten KAC-Nachwuchs überzeugt.

„Könnten auch ohne Lockout-Cracks mithalten“

Kategorisch ausschließen kann der Familienvater jedenfalls, dass man sich erst jetzt in Nordamerika bediente, weil man fürchtete, den Anschluss an die EBEL-Klubs, die sich bereits mit „NHL-Power“ verstärkt haben, zu verlieren.

„Wir haben uns mit den beiden Jungs zweifelsfrei verbessert, aber wenn alle unsere Spieler fit wären, könnten wir auch ohne Lockout-Cracks mit den anderen Teams mithalten“, ist Österreichs Nationaltrainer von der Qualität des KAC-Kaders überzeugt.

Im Gegensatz zu Thomas Vanek oder Michael Grabner, die beide nur bis Anfang November bzw. Ende Oktober in Graz und Villach unterschrieben haben, ging man beim KAC zudem auf Nummer sicher und stattete beide Neuverpflichtungen mit Verträgen bis Saisonende aus. Nicht ohne Hintergedanken.

„Wir haben natürlich keinen Einfluss darauf, was in Nordamerika passiert, aber wenn die ganze NHL-Saison ausfällt macht das unsere Mannschaft noch stärker“, hofft Viveiros ein klein wenig mit einem Totalausfall der besten Eishockeyliga der Welt.

Krueger hat den Deal nicht eingefädelt

Kein Kontakt zu Krueger

Obwohl damit spekuliert wurde, hatte Edmonton-Coach Ralph Krueger mit der Verpflichtung von Gagner nichts zu tun. Der Deutsch-Kanadier und Viveiros kennen sich zwar schon lange, dennoch lief der Deal über den Agenten des Spielers ab.

Wer allerdings denkt, der ÖEHV-Teamchef habe sich im Vorfeld nicht ausführlich mit Gagner und auch Myers beschäftigt, der irrt. Auch bei NHL-Stars gilt es schließlich nicht die Katze im Sack zu kaufen.

„Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man mitten in der Saison einen Lockout-Spieler verpflichtet. Er muss ins System passen und vom Charakter her in Ordnung sein. Er muss gewillt sein, auf dem Eis zu arbeiten und hart zu trainieren“, schränkt der Ex-Defender ein.

Vorerst keine weiteren Transfers

Das Warum und der Zeitpunkt der Transfers wären also geklärt. Doch wie sieht die Zukunft aus? Erwartet uns in Kärntens Landeshauptstadt schon bald der nächste Transfer-Kracher?

„Es sind keine weiteren Verpflichtungen geplant, wir hoffen, dass ein paar unserer verletzten Cracks bald zurückkommen“, bremst Viveiros die Hoffnungen der Fans. Eine Hintertür hält er sich allerdings noch offen:

„Niemand  weiß, wie lange der Lockout anhält. Das kann zwei Monate dauern, das kann aber nur zwei Wochen dauern. Da kann man nicht langfristig planen.“

 

Fabian Santner

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