„Im Eishockey muss man mit Verletzungen rechnen“

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7. Oktober 2012.

KAC-Spieler Gregor Hager setzt im Heimspiel gegen die Black Wings Linz zum Sprint an. Die „Rotjacke“ schaut zum Puck führenden Teamkollegen und übersieht dabei den von der Seite kommenden Linzer Brian Lebler.

Letzterer prallt mit der Schulter gegen Hagers-Kopf und der Klagenfurter bricht zusammen. Der Stürmer kommt ohne Hilfe nicht mehr auf die Beine und wird unter aufmunternden Applaus des Publikums von mehreren Personen vom Eis getragen. Diagnose: Gehirnerschütterung und Ausfall auf unbestimmte Zeit.

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Kopfverletzungen sind lebensgefährlich

Checks gegen den Kopf sind in der Erste Bank Eishockey Liga keine Seltenheit. Hager reiht sich neben Thomas Hundertpfund, Patrick Harand und Jonathan Ferland in eine Liste ein, in der alle aufgrund einer schweren Kopfverletzung mehrere Wochen ausfallen.

„Kein Spieler sollte mehr an Kopf-Checks denken“

Der ehemalige Nationalteam- und jetzige VSV-Arzt Dr. Pekka Muttonen verurteilt die Zunahme von Kopfverletzungen aufs Schärfste und fordert vonseiten des Strafsenates eine strengere Sanktionierung. „Die Strafe soll dermaßen rigoros sein, dass die Spieler an Kopf-Checks gar nicht mehr denken“, sagt der Mediziner im Gespräch mit LAOLA1.  

„Denn“, so der Finne, „Kopfverletzungen können Spätfolgen, bis hin zu Alzheimer, mit sich bringen.“

Der Kopf gehört wie das Knie, die Schulter und das Gesicht  zu den häufigsten Verletzungsflächen bei einem Eishockey-Profi. Jedoch ist der Eishockeysport von der Verletzungs-Häufigkeit hinter anderen Sportarten zu reihen. „Wenn es aber zu welchen kommt, dann sind die dafür schwerwiegender“, so Muttonen.  

Wie es sich anfühlt mit einer schweren Verletzung mehrere Monate außer Gefecht zu sein, weiß Vienna-Capitals-Stürmer Rafael Rotter nur zu gut. Der Wiener Publikumsliebling hat sich in der Saison 2011/2012 in der 4. Runde das Kreuzband gerissen und fiel die gesamte Saison aus. „Es war tragisch, als ich von der Diagnose erfahren habe.“

Welser spielte trotz Kieferbruch weiter

„Der Spieler ist während dem Spiel in einem Ausnahmezustand. Durch den körpereigenen Endorphin-Ausstoß spürt der Betroffene zum Teil keine Schmerzen und nimmt Verletzungen nicht wahr. Durch die körpereigenen Drogen, werden manche Cracks sogar ohne Betäubung genäht“, erklärt Dr. Muttonen ein solches Verhalten.

Schmunzelt fügt der Mediziner noch hinzu, dass es „fast unmöglich ist“ einen verletzten Spieler zur Aufgabe zu überzeugen.

Verletzungen gehören im Eishockey-Sport dazu. Da sind sich alle Protagonisten einig. Jedoch müssen die Checks gegen den Kopf und in den Rücken die volle Härte des Strafsenats nach sich ziehen. Kein Spieler sollte bleibende Schäden wegen einem Eishockeyspiel davontragen.

Und zudem sollte jeder Spieler das Privileg Profi-Sportler zu sein auch ehren. Denn wie Rafael Rotter es richtig anmerkt, „es könnte im Leben immer schlimmer sein.“

 

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Alexander Planasch

Am meisten vermisste der 25-Jährige das „Schmähführen in der Kabine.“  Auch dass er hilflos auf der Tribüne saß und dem Team in den schweren Stunden nicht helfen konnte, war „schlimm.“

Moderne Hallen würden den Sport sicherer machen

Der in Villach lebende Mediziner ist aber mit Rotter im Einklang, dass ein Eishockeyspieler mit „Verletzungen rechnen muss.“ Jedoch könnte durch eine bessere Hallen-Infrastruktur die Anzahl verringert werden.

In Skandinavien, Kanada und in den USA sind die Banden niedriger und elastischer. In den veralteten österreichischen Eishallen geben die Eisbegrenzungen nicht nach, und somit muss der Spieler die komplette Wucht eines Checks auf sich nehmen. „Eine modernere Halle könnte gewisse Verletzungen verhindern“, so der „Adler“-Arzt.   

Rotter ist der Meinung, dass ein Spieler nicht zu viel über Verletzungen nachdenken sollte, denn „sonst verlierst jeden Zweikampf.“

„Und außerdem“, fügt Österreichs-Starspieler hinzu, „so tragisch ein Kreuzbandriss für einen Eishockeyspieler auch ist, es gibt genug Menschen, denen es Hunderttausendmal schlechter geht.“

„Das ist fast unmöglich“

Bis zu einem gewissen Grad muss ein Eishockeyspieler eine masochistische Ader haben, wenn bedacht wird, dass sich Cracks in einen Schlagschuss von bis zu 120 km/h werfen.

So bekommt unter anderem RB Salzburg-Stürmer Daniel Welser am 4. November im Spiel gegen den VSV den Puck ins Gesicht. Der gebürtige Klagenfurter fährt daraufhin mit gesenktem und blutüberströmtem Haupt in die Kabine, nimmt aber nach einer kurzen Pause wieder am Spiel teil. Am darauffolgenden Tag wird ein Kiefer- und Nasenbeinbruch diagnostiziert.

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