"Dauert noch zwei Wochen bis zum echten Vanek"

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Nach dem Ende der Pressekonferenz erhob sich Mario Richer und ergriff im Hinausgehen noch einmal das Wort.

„Es ist echt toll, dass ihr hier seid“, wandte er sich an die Medienvertreter, „aber ich möchte euch hier viel öfter sehen, auch wenn Thomas nicht hier ist. Die 99ers sollten mehr in den Medien vorkommen, wir müssen das Publikum zurück in die Halle bringen!“

Nach dem 5:4-Erfolg nach Penaltyschießen gegen Zagreb konnte man dem Trainer der Graz 99ers durchaus gemischte Gefühle attestieren – in vielerlei Hinsicht.

Wie beinahe jeder im Liebenauer Eisbunker war auch der 47-Jährige angetan von der Dramaturgie der großen Vanek-Rückkehr – allerdings mehr aus atmosphärischer und marketingtechnischer, denn aus sportlicher Perspektive.

„Als Coach mochte ich nicht, was ich gesehen habe“

„Das Spiel ging bis ins Shootout, es war unglaublich aufregend, dazu gab es einige Fights – eine tolle Show. Ich bin sicher, dass das Publikum mochte, was es gesehen hat. Ich als Coach mochte jedoch nicht, was ich gesehen habe.“

Sein Team habe viel zu viele Fehler begangen, die Scheibe viel zu oft an die Kroaten verloren. „Ich glaube, unsere Spieler haben im ersten Drittel nur auf Thomas geschaut. Wir waren ein bisschen nervös, haben nicht unseren Spielstil durchgezogen“, kritisierte Richer.

Dass sich sein Team vom Vanek’schen Premierenfieber in der steirischen Landeshauptstadt anstecken ließ, käme nicht überraschend. Eine Partie, die derart im Fokus der Öffentlichkeit steht, mit derartigem Ambiente, sind die 99ers nur bedingt gewohnt.

Selbst der Hauptdarsteller gab nach Spielende unumwunden zu, dass er nervös gewesen sei. Vanek beurteilte seine Leistung trotz Treffers grundsätzlich selbstkritisch.

„Es dauert zwei Wochen bis zum echten Vanek“

Seinen Trainer wiederum wunderte es wenig, dass sein Superstar beim Einstand noch die eine oder andere Anlaufschwierigkeit hatte:

Fest steht, dass der Grazer Eisbunker wieder aus allen Nähten platzen wird. So lange Vanek an der Mur aufs Eis läuft, sind die Heimspiele garantierte Bestseller.

Womit wir wieder bei Richers gemischten Gefühlen wären. Der Kanadier genoss die spezielle Atmosphäre beim Vanek-Debüt sichtlich.

„Die Leute in Graz sollten zu jedem Heimspiel kommen“

Gleichzeitig verhehlte er auch nicht, dass er sich solch einen Support auch im grauen, Vanek-losen Liga-Alltag wünschen würde. Denn was eingangs für die Medienwelt galt, gilt auch für potenziell Eishockey-Interessierte in Graz:

„Es ist sehr wichtig, dass wir erstmals ausverkauft waren. Jetzt ist Vanek bei uns. Aber die Leute in Graz sollten zu jedem Heimspiel kommen und ihr Team verfolgen. Denn eines ist gewiss: Wir haben ein wirklich aufregendes Team.“

Wenn sein Sport durch sein Engagement neue Fans gewinnt, hätte Vanek wohl eines seiner Ziele in Graz erreicht.

Peter Altmann

„Das war sein erstes Spiel. Er muss noch unser System kennenlernen, hat einen Jetlag, die Liga ist eine andere. Aber er hat sein Bestes gegeben, ein Tor erzielt – alles bestens. Im nächsten Spiel wird er besser sein.“

Richers Prognose: „Es wird ungefähr zwei Wochen dauern, bis wir den echten Thomas Vanek sehen werden. Dann hat er genügend Matchpraxis, und wir werden sehen, wie gut er ist.“

Eine Einschätzung, die der NHL-Legionär tendenziell teilt. Sein letzter Auftritt für die Buffalo Sabres datiert vom 7. April. Mit den Trainingseinheiten und Spielen wird auch die viel zitierte „Game Shape“ kommen.

Tempo keine Überraschung für Vanek

„Ich hatte Probleme mit mir selber, das hatte mit dem Tempo der Partie nichts zu tun, von dem war ich nicht überrascht“, betonte der 28-Jährige, „im Großen und Ganzen kann ich auf alle Fälle mehr bringen.“

Schmunzelnd erzählte er von seinen Umstellungsschwierigkeiten auf die größere Eisfläche: „Ich wollte die Scheibe eigentlich gleich immer passen, hatte aber viel mehr Zeit, als ich geglaubt habe.“

Noch mehr Zeit als gegen die „Bären“ aus Zagreb könnte der Flügelstürmer gegen die „Haie“ aus Innsbruck bekommen, rangieren die Tiroler doch abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz.

Das Matchup am Sonntag (ab 17:15 Uhr LIVE auf ServusTV) mangelt dennoch nicht an Brisanz, ist es doch das erste Aufeinandertreffen der beiden NHL-Exporte Vanek und Andreas Nödl.

Keine Konzentration auf Nödl

„Andi ist ein guter Spieler, ein guter Arbeiter, er wird den Innsbruckern sicher helfen. Aber wir konzentrieren uns auf die Mannschaft von Innsbruck und nicht auf einen Spieler“, erklärt Vanek zu dieser Begegnung.

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