Vom Henker zum Denker

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"Der Löwe ist in die Ecke gedrängt"

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Vom Henker zum Denker

Erfolg hat meist viele Gesichter. Beim 4:0-Sieg der Klagenfurter bei den Vienna Capitals unter anderem auch jenes von Mike Siklenka. Der baumlange Verteidiger steuert zwei Treffer zum Erfolg bei und darf sich durchaus als Matchwinner fühlen.

Trotz des zweifelsohne mitentscheidenden Auftritts des KAC-Profis, lässt der 33-jährige Defender die Kirche im Dorf und reicht die Lorbeeren lieber an die Teamkollegen weiter.

„Ich fühle mich nicht als Matchwinner. Es geht nie um den persönlichen Erfolg, sondern immer nur um die Mannschaft. Du bist nur so gut, wie deine Mitspieler. Deine Kollegen machen dich besser“, streut Siklenka dem kompletten Team Rosen.

Ungewohnte Seiten

Doch es waren nicht nur seine Treffer zum 2:0 und 3:0 gegen Ende des ersten bzw. zu Beginn des zweiten Drittels, die Siklenka an diesem Abend herausstechen ließen.

Der aufgrund seiner harten Spielweise mit dem Beinamen „Der Henker“ bedachte Routinier, wirkte ungewohnt besonnen und ruhig in seiner Spielweise. Trotz zahlreicher Möglichkeiten ging der Kanadier, der sonst gerne mal die Fäuste auspackt, den sich bietenden Schlägereien größtenteils aus dem Weg.

Auch nach einem Check von Capitals-Kapitän Benoit Gratton gegen Keeper Rene Swette blieb der Hüne zum Erstaunen der Zuschauer überraschend ruhig.

Er umklammerte seinen Kontrahenten, der ebenfalls kein Kind von Traurigkeit ist, mit festem Griff und hielt ihn dadurch in Schach. Anstatt mit Fäusten wirkte Siklenka jedoch mit Worten auf seinen Landsmann ein. Am Ende handelten sich die beiden dennoch jeweils zwei Minuten ein, der große Fight blieb aber aus.

„Es war in dieser Situation einfach das Richtige. Benoit ist ein körperlicher Spieler und versucht durch sein Spiel seine Kollegen mitzureißen. Er hat getan, was er musste und ich war einfach nur dabei“, bringt der „Henker“ ungewohntes Verständnis für seinen Kontrahenten auf.

Disziplin als Erfolgsrezept

Die Disziplin Siklenkas in dieser Situation ist ein Spiegelbild der bisherigen Final-Serie der Klagenfurter.

Jeder Crack hat im ausgeklügelten Gameplan von Head Coach Christer Olsson einen speziellen Auftrag. Unnötige Strafen, Vernachlässigung der Pflichten oder fehlender Teamspirit werden vom Schweden nicht gerne gesehen.

Bislang zeigt die Taktik des Trainers ihre Wirkung. Jeder fühlt sich als Teil eines großen Puzzles und verzichtet auf Einlagen, die der Mannschaft und dem gemeinsamen Ziel schaden könnten.

„Offensichtlich müssen wir am Freitag nicht viel an unserem Gameplan ändern, sondern einfach konsequent unsere Vorgaben erfüllen“, vertraut Siklenka auf die Anweisungen seines Chefs.

KAC ist auf der Hut

Unterschätzen wird man den angeknockten Konkurrenten, der ursprünglich mal als Favorit in die Serie gestartet war, aber trotz der Dominanz im letzten Aufeinandertreffen nicht.

„Die Capitals haben ein gutes Team und es ist noch nicht vorbei. Die Wiener kommen nach Klagenfurt um zu gewinnen und nicht um sich kampflos zu ergeben. Sollte ihnen das gelingen, kann es schnell gehen und das Momentum kippt zu ihren Gunsten. So gut es sich nun anfühlt in Wien mit 4:0 zu gewinnen, wir müssen noch ein Spiel erfolgreich bestreiten und im Vergleich zum letzten Erfolg nochmals zulegen.“

Um zu veranschaulichen, in welcher Situation sich die beiden Teams befinden, bedient sich Siklenka einer Metapher.

„Wir haben den Löwen in die Ecke gedrängt und er will da raus und mit allen Mitteln kämpfen, die er zu Verfügung hat. Wir müssen den Kampf annehmen und zusehen, dass er in der Ecke bleibt.“

Ein Kampf, der durch Disziplin und nicht durch Fäuste gewonnen wird. Aber das kann Siklenka in der derzeitigen Verfassung ja nur recht sein.

Sebastian Rauch

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