NHL-Profi soll EBEL-Schiris besser machen

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Dass sich die EBEL-Klubs alle einig sind, kommt nicht oft vor.

Aber als Ende Mai bei der Liga-Sitzung die Schiedsrichter auf der Tagesordnung standen, herrschte unter den Präsidenten schnell Einigkeit: „Es muss etwas passieren, und zwar rasch“, so die Forderung.

Noch in Klagenfurt wurde ein Grundsatz-Beschluss gefasst, dass man sich stärker im Bereich der Schiedsrichter engagieren und auch finanzielle Mittel zur Verfügung stellen will – mit dem langfristigen Ziel, in der Saison 2012/2013 Profi-Schiedsrichter aufs Eis zu schicken.

NHL-Import für die EBEL

Wie LAOLA1 exklusiv erfuhr, wird dieses Projekt ein Mann auf Schiene bringen, der selbst jahrelang Profi-Schiedsrichter war.

Aber nicht irgendwo, sondern in der NHL, der besten, schnellsten und härtesten Eishockey-Liga der Welt.

Nach LAOLA1-Informationen handelt es sich um den Kanadier Lyle Seitz.

Bei insgesamt 736 NHL-Games stand der 42-Jährige meist als Linesman, aber auch als Head Referee am Eis.

Erfolgreich auch ohne Play-offs

Vor mittlerweile mehr als 19 Jahren leitete Seitz seine erste Partie: Calgary Flames gegen Los Angeles Kings mit dem Sensations-Fight Craig-Berube vs. Marty McSorley, der noch heute bei YouTube für Diskussionen sorgt.

Am 7. April 2010 hängte Seitz sein schwarz-weiß gestreiftes Jersey mit der Nummer 61 an den Nagel.

Einziger Wermutstropfen: Für einen Einsatz in den Play-offs und also auch im Stanley-Cup reichte es nicht. Dafür war Seitz beim Winter Classic 2010 vor 38.112 im Fenway Park in Boston mit von der Schlittschuh-Partie.

Nach seiner aktiven Karriere wechselte der aus Brooks, Alberta stammende dreifache Familienvater als Marketing-Vorsitzender ins Executive Board der NHLOA (Schiedsrichter-Vereinigung) und machte sich außerdem in Calgary mit einem eigenen Business selbständig.

Eine Reise mit Ziel EBEL

Von Insidern wird Seitz, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, als „Macher“ beschrieben, als "Selfmade-Referee" und jemand, der eine Chance erkennt und zupackt, wenn es sich lohnt.

„Life is a journey, not a destination“, schrieb ihm ein Freund zum Schiri-Abschied ins Stammbuch.

Das Leben ist eine Reise und kein Ziel. Und diese Reise führt Seitz jetzt nach Österreich und in die EBEL.

"Wir arbeiten daran!"

Liga-Manager Christian Feichtinger gibt sich auf LAOLA1-Nachfrage bedeckt.

„Es gibt noch keine finale Bestätigung, deshalb ist es müssig darüber zu sprechen“, so Feichtinger, um dann aber doch nachzuschicken: „Ja, wir arbeiten daran, einen langgedienten Profi aus der NHL für die Erste Bank Liga zu verpflichten.“

Alles Weitere wird in den nächsten Tagen mit dem Schiedsrichter-Führungsteam besprochen, die Ergebnisse werden den EBEL-Referees dann im Rahmen eines Abstimmungs-Meetings Mitte August in Kapfenberg präsentiert.

Die endgültige Bestätigung erfolgt dann bei der Generalversammlung der Liga am 3. September.

Ausbildung und Ansprechpartner

Schiri-Obmann Martin Labitzke freut sich jedenfalls schon auf den Nordamerika-Import, der zunächst die Aus- und Weiterbildung der Unparteiischen reformieren und Kontaktmann zwischen Verband und Vereinstrainern sein soll.

„Welche Aufgaben er dann im Detail übernehmen wird, müssen wir uns noch anschauen“, so der Kärntner im Gespräch mit LAOLA1.

Die Einführung von Profi-Schiedsrichtern wird jedenfalls erst in zweiter Konsequenz passieren.

Für Labitzke ein „richtiger und wichtiger Schritt“, auch wenn der pensionierte Polizist gleich nachschickt: „Es ist natürlich eine Kostenfrage, lauter Profi-Schiedsrichter werden wir uns nicht leisten können.“

Interesse alleine ist zu wenig

Selbst in der DEL pfeifen nur drei Referees professionell, also hauptberuflich. „Einer bringt halt nicht viel, aber zwei, vielleicht sogar drei sind sicher realistisch.“

Für Liga-Manager Feichtinger gilt es neben der Finanzierung auch die Frage „der Verfügbarkeit dieser Menschen“ zu klären.

Angebote von Schiedsrichtern hat er bereits einige am Tisch, aber: „Nur weil Interesse vorhanden ist, heißt das noch nicht, dass ich auch das Zeug zum Profi habe.“

Wer das Zeug zum Profi hat, darüber wird dann Lyle Seitz entscheiden.

Stephan Schwabl

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