Dornbirn gehen die Goalies aus

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Scouting Report: Die EBEL-Woche im Rückblick

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Die vergangene EBEL-Woche hatte wieder einiges geboten.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat sich die Partien zwischen den RB Salzburg und dem VSV und den Graz99ers und Olimpija Ljubljana sowie die Duelle der Vienna Capitals mit dem Dornbirner Eishockey Club und dem HC Bozen angesehen.

Seine Eindrücke und Analysen bietet in gewohnter Form der Scouting-Report, in dem sich der 46-Jährige wie immer kein Blatt vor den Mund nimmt.

 

14.10.: Vienna Capitals – Dornbirner Eishockey Club 2:1

Die Torwartsituation in Dornbirn gestaltet sich derzeit skurril. Neuzugang Nathan Lawson verließ in seinem zweiten Spiel nacheinander wegen Hüftproblemen vorzeitig das Eis – handelt es sich hier um eine mitgebrachte Verletzung?

Er präsentierte sich in seinen Kurzeinsätzen als großgewachsener Goalie, der das Tor gut abdeckt und mit seiner Stockarbeit fast wie ein dritter Verteidiger agieren kann.

David Madlener erlebte in Znojmo seine erste schwere Bewährungsprobe, wirkte dann auch nach seiner Einwechslung in Wien noch etwas gezeichnet.

DEC bat Liga um Sondergenehmigung

Der mental starke Goalie sollte auch diese Phase verkraften, aber eine kleine Erholungspause täte ihm gut – die bekommt er jetzt auch aufgrund einer Kopfverletzung aus dem KAC-Spiel.

Am Wochenende spielte gar wieder Mike Murphy eine Rolle, der sich nach seiner Gehirnerschütterung und aufgrund der Personalnot wieder zurückmeldete.

Für das Spiel in Innsbruck suchten die Vorarlberger bei der Liga sogar schon um eine Sondergenehmigung für einen weiteren Torhüter an, falls Murphy ausgefallen wäre. Auch drei Torhüter können manchmal nicht genug sein.

Jeitziner bekam zuletzt viel Eiszeit

Jeitziner zeigt auf

Das Engagement von Verteidiger Nick Crawford kam um keinen Moment zu früh, die Verletzung von Jon D’Aversa in Znojmo ließ die Dornbirner in Wien mir nur fünf Defendern dastehen.

Kein Wunder, dass die Truppe von Dave MacQueen über weite Strecken im eigenen Drittel festgenagelt wurde. Das Engagement eines zusätzlichen Legionärstürmers dürfte auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Immerhin kam Alexander Jeitziner zu genügend Eiszeit, um ihn bewerten zu können. Der 20-Jährige, vor den letzten Playoffs fast aus dem Nichts zu Dornbirn gestoßen, bringt Größe und durchaus gute Beinarbeit mit.

Allerdings tendiert er ab und an dazu, im eigenen Drittel herumzudriften und sucht dabei ab und zu seine Aufgabe. Verwendet auch die Backhand etwas zu viel. Kann vor dem Tor aber auch physisch agieren und spielt einen soliden ersten Pass. Sollte in Zukunft auch an der Seite von Routiniers eingesetzt werden, was seiner Entwicklung gut tun wird.

 

16.10.: RB Salzburg – VSV 6:1

Villach war den Salzburgern von Haus nicht gewachsen, vor allem die eisläuferische Überlegenheit war eklatant.

Das Trio Fortier-Krog-Haydar fand sich meist in der eigenen Zone festgenagelt und war bis auf Haydars Treffer kaum ein offensiver Faktor in diesem Spiel. Vor allem Fortier präsentierte sich desolat.

Interessant, wie Jason Krog in den Special Teams verwendet wurde: In Unterzahl führte er die meisten Faceoffs im eigenen Drittel aus. Gut, wenn er sie gewinnt wie zu Beginn – das Team kann klären und er sich auswechseln lassen. Schlecht, wenn er sie verliert – Villach hat dann so ziemlich den letzten Mann am Eis, der man sich dort in Unterlegenheit wünschen sollte.

Siutz muss sich noch steigern

Bei einem 5-3-Powerplay nahm Krog den rechten Point ein, Altmann ging vors Tor. Krog versuchte von dort die Scheibe zu verteilen, bewegte die Beine dabei aber überhaupt nicht. Überhaupt sind die Hände bei ihm und Haydar natürlich noch immer deren herausragende Stärke, die Beinarbeit dagegen bei beiden sicher nicht.

Aufgrund der Absenzen von Pretnar und Jarrett kam Philip Siutz doch zu einigen Shifts als sechster Villacher Verteidiger. Er bestätigte meine Eindrücke aus der EBYSL: Guter Eisläufer, kann sich in alle Richtungen gut drehen, hat auf diesem Niveau aber riesige Probleme mit dem Positionsspiel.

Er muss auch unbedingt an seiner Muskelkraft arbeiten, sonst wird einfach keine 1-1-Duelle gewinnen und ist gegen körperlich starke Spieler hoffnungslos unterlegen.

Lamoureux wurde am Kopf getroffen

Kuriose Schiri-Entscheidungen

So beunruhigend es ist, wenn Jean-Philippe Lamoureux regungslos auf dem Eis liegt: Aber es war schon überraschend, dass die Refs nach dem Tor von Kyle Beach zum Video gingen, regelrecht abstrus war dann die Entscheidung, dieses abzuerkennen.

Beach zog einfach kraftvoll zum Tor, bei seinem Haken kollidierte sein Bein mit dem Kopf von Lamoureux. Der in den letzten Jahren kreierte Begriff des „Good Goals“ war niemals zutreffender als hier.

Dass dann Geoff Waugh Minuten später auch noch eine Schlägerei mit dem unwilligen Beach anzettelte und ohne Instigator-Strafe davonkam, war auch keine bessere Entscheidung.

RBS könnte mehr Physis vertragen

So überragend das Eislaufen und die Scheibenkontrolle der Salzburger gegen einen solch willfähigen Gegner waren – aber ist die Truppe von Dan Ratushny wirklich für Playoffserien gegen Gegner wie Linz oder die Capitals gebaut?

Für meinen Geschmack wäre dann etwas mehr Größe und defensive Zweikampfstärke angebracht, die Heimniederlagen gegen Znojmo und Fehervar sollten mehr als nur Alarmzeichen sein.

Eine Mixtur zwischen den Kadern von Don Jackson (mit spielerisch limitierten Gate-Crashern wie Brophey, Keith und Nödl)  und dem kleineren und begabteren Ratushny-Team wären wohl ideal.

17.10.: Vienna Capitals – HC Bozen 2:1

Mit Bozen stellte sich der nach Salzburg stärkste Auswärtsgegner in Wien-Kagran vor, es spricht aber für die Defensivstärke der Capitals, dass auch hier die bis dahin üblichen zwei Tore reichten.

Sehr stark diesmal: Niki Hartl, der leider solche Leistungen nur allzu selten mit Toren vergolden kann. Wenn er nur ein wenig seiner Geschwindigkeit für etwas mehr Ruhe und Übersicht eintauschen könnte.

Bei Bozen-Neuzugang Bryan Rodney merkte man schon vom ersten Shift an, dass hier ein jahrelanger AHL-Qualitätsverteidiger am Werk ist.

Keinerlei Panik in seinem Spiel, mit einem irrsinnig niedrigen Ruhepuls ausgestattet und mit exzellentem Positionsspiel. Er verpokerte sich im Sommer beim Warten auf einen besseren Vertrag, das war Bozens Glück.

Iberer überzeugt vollends

Wenn wir schon von Qualitätsverteidigern reden: Florian Iberer spielt bis jetzt eine ausgezeichnete Saison.

Vorne mit dem Blick fürs freie Eis im Rücken der Gegner, vor allem mit ihm funktioniert die Powerplay-Variante, wo der Puck innerhalb einer Dreierkette immer um eine Station weiterwandert.

Defensiv auch sehr solide, er hat über die Jahre einiges an Muskelmasse zugelegt. Iberer, der den KAC aufgrund von Off-Ice-Issues verlassen musste, präsentierte sich bisher als der konstanteste Wiener Verteidiger.

19.10.: Graz99ers – Olimpija Ljubljana 5:4

Tyler Cuma stellte sich wie angekündigt vor: Ein guter Eisläufer ohne Probleme in der Rückwärtsbewegung, verwendet seinen Stock sehr aktiv und kann die Scheibe daher im Duell zu seinem Nebenmann spitzeln.

Spielt auch unter Druck einen soliden ersten Pass. Im Angriffsdrittel pincht er ab und an und hat auch einen kraftvollen Schuss. Er ist sicher ein überdurchschnittlicher EBEL-Defensivverteidiger, jetzt schon klagen einige Teams darüber, dass Cuma ihnen durch die Lappen gegangen ist.

Denn aufgrund seines Punktelevels (1.5) und seines Alters (24) ist er mit Teamspielern wie Isopp, Mühlstein, Pallestrang und Schumnig zu vergleichen – und das sicher positiv.

Einzig Dominique Heinrich und Schweiz-Legionär Stefan Ulmer liegen in ihrem Leistungsniveau über ihm, spielen allerdings auch in einer ganz anderen Preisklasse.

Schön, Tyler Scofield wieder in der Liga zu sehen, sein „End-To-End-Speed“ gehört zu den besten in der EBEL. Sollte er fit bleiben, sicher ein Schnäppchen für die Grazer.

Werner ist bereits der 10. Tryout-Crack

...und der nächste Tryout-Crack

Mit Stephen Werner stellt sich ein weiterer Tryout-Spieler bei den Grazern vor und wird wohl die Rolle von Marek Zagrapan einnehmen.

Der 30-jährige Amerikaner gilt als guter Playmaker, der Pässe Schüssen (zu sehr) vorzieht. Defensiv solide, gut bei Faceoffs, gute Beinarbeit, aber nicht sehr physisch.

Die zweite Saisonhälfte ging ihm bei Augsburg allerdings ganz daneben, dem Vernehmen nach spielte er allerdings mit einer Handverletzung.

Kader-Reduzierung vor Länderspiel-Pause

Der Kader von Todd Björkstrand umfasst damit 85 Punkte, allerdings inklusive Langzeitverletzter wie Coetzee oder Petruska sowie dem freigestellten Wiedergut.

Der Kader soll allerdings schon vor der Länderspielpause und deutlich vor der Deadline am 19. November auf Stromlinie gebracht werden.

Ljubljana kämpfte wie immer aufopfernd, aber es fehlt natürlich an allen Ecken und Enden an Qualität.

Ihr Einserblock im Powerplay heißt Zanoski-Music-Bishop-Degon-Leban - kaum vorstellbar, dass auch nur einer dieser Spieler bei einem anderen EBEL-Verein diese Rolle einnehmen würde.

Der einzementierte letzte Platz spiegelt natürlich auch das Finanzniveau der Slowenen wider, ihr Jahresspielerbudget entspricht ungefähr einem Monatsbudget eines österreichischen EBEL-Teams.

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