Goalie-Rochaden beim DEC, neuer KAC-Coach

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Das EBEL-Wochenende hatte wieder einiges geboten.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat sich die Partien zwischen dem KAC und dem Dornbirner Eishockey Club, sowie die Duelle der Graz99ers mit dem HC Innsbruck sowie dem HC Znojmo und den Black Wings Linz angesehen.

Seine Eindrücke und Analysen bietet in gewohnter Form der Scouting-Report, in dem sich der 46-Jährige wie immer kein Blatt vor den Mund nimmt.

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Darüber hinaus gibt er seine Einschätzung zum neuen KAC-Coach Doug Mason ab und liefert Insider-Wissen zu diversen EBEL-Neuzugängen:

 

2.10.: KAC-Dornbirn 2:0

Wenig Energie auf den Rängen, noch weniger auf dem Eis: Eine äußerst harzige Partie mit sehr wenigen offensiven Ideen auf beiden Seiten.

Beschreibung des neuen KAC-Coaches Doug Mason durch einen Kenner der Szene:

„Kann eine Mannschaft sicher kurzfristig wieder auf Vordermann bringen, kommt mit den Spielern eigentlich gut aus und vermittelt auch Spaß an der Arbeit. Gut strukturiert, auf die Gegner auch gut vorbereitet. Sollte die Liga zumindest aus den TV-Übertragungen gut kennen. Bevorzugt ein aggressives Spiel, versucht im Angriff Überzahl zu schaffen. In der eigenen Zone muss der Center als Bumper sich stets für kurze Pässe der Verteidiger anbieten, grundsätzlich soll der Gegner hier in 1-1-Duellen bekämpft werden. Zieht sein Ding beim Training und beim Spielsystem schon seit Jahren durch, ist dahingehend sicher ein Sturschädel. Spieler, die bei ihm in Ungnade fallen, bekommen auch keine zweite Chance. Wird aber interessant sein zu sehen, wie sehr er auf die neuen Regeln reagiert und ob er in Klagenfurt über den Sommer hinaus eine Zukunft hat.“

Madlener im Fokus

Interessantester Mann auf dem Eis: Dornbirns Goalie David Madlener. Kam nach der Verletzung von Mike Murphy zu regelmäßigen Einsätzen und war mit dem bloßen Auge von einem Routinier nicht zu unterscheiden.

Spielt sehr ruhig und abgeklärt, fast mit Bierruhe, hat kaum überflüssige Bewegungen in seinem Spiel. Laterale Bewegungen enden mit dem Pfosten (und nicht darüber hinaus wie beim letztjährigen Torhüter Adam Dennis). Macht in der Bewegung keine Löcher auf. Hält die Schultern hoch, nimmt auch mit seiner Größe die hohen Ecken weg.

Deckt mit „Paddle-Down“-Moves den unteren Torbereich bei Verkehr ab. Nicht der schnellste Torhüter, braucht nach Saves etwas lange, wieder auf den Beinen zu sein. Hat etwas Problemen mit flachen Schüssen, die auf seine Beine zielen.

Spiel mit Puck soll eine Schwäche sein, war aber in diesem Spiel kein Faktor.  Kaum „Desperation Saves“, mehr ein Torhüter, der die „High-Percentage“-Shots abdeckt.   Dürfte mentale und technische Voraussetzungen für eine Karriere haben und gilt als harter Arbeiter.

Sowohl Headcoach Dave McQueen als auch Goaliecoach Peter Sidorkiewicz lobten ihn schon vor der Saison und stellten ihm mehr Einsätze als in der Vorsaison in Aussicht. Auch für die "Operetten-Länderspiele" im November sollte Madlener ein Thema sein.

Murphys Zeit in Dornbirn dauerte nicht lange

Experiment Murphy fehlgeschlagen

Das Experiment Mike Murphy hätte wohl nicht nur aufgrund dessen Gehirnerschütterung nicht viel länger gedauert, finanziell erwuchs den Vorarlbergern aufgrund einer Ausstiegsklausel kein Schaden.

Dass Murphy in nordamerikanischen Fachkreisen zuletzt keine große Reputation hatte, belegt folgende Story aus dem Sommer: Ein DEL-Manager suchte einen Import-Torhüter und legte befreundeten NHL-Scouts eine Liste mit acht Namen vor und bat sie, diese zu reihen.

Wenig überraschend kamen ganz unterschiedliche Listen zurück, jeder dieser Scouts reihte seine Favoriten anders. Die einzige Konstante: Mike Murphy bildete in allen Rankings das Schlusslicht.

Das ist Dornbirns neuer Goalie

Scouting-Report aus Nordamerika über Dornbirns neuen Goalie Nathan Lawson:

„Gute Größe, ausgezeichnetes Spiel mit der Scheibe, kann zeitweise wie ein dritter Defender agieren. Auch sehr aktiv mit dem Stock im Verkehr ums Tor herum, gibt gegnerischen Stürmern auch gerne eine mit.

Passiver Butterfly-Goalie mit guter Reboundkontrolle. Gute Kraft in den Beinen, aber seine Balance hat zuletzt etwas nachgelassen und laterales Spiel ist durchschnittlich.

Sieht im Tor eher noch größer aus und deckt viel Raum ab. Etwas starr im Butterfly, dreht sich dann nicht sehr gut seitwärts. War früher ein guter dritter Torhüter in einer NHL-Organisation, zuletzt eher eine Nummer Vier und ein Backup für jüngere Goalies.“

Lawson gilt selbst nach Goalie-Maßstäben als exzentrisch, seine Warmup-Rituale vor Spielbeginn sollten für Fans und TV-Sender interessant sein. Der 31-jährige war schon lange kein Mann mehr, der alle Spiele bestreiten kann, Madlener sollte auch deshalb weiter zu seinen Einsätzen kommen.

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Verteidiger wird noch gesucht

Aufgrund der Abschlussschwäche der Dornbirner klingt es vielleicht kurios, dass nach einem neuen Goalie auch ein siebenter Verteidiger kommen soll.

Doch Madlener kann natürlich die Last nicht alleine tragen, in der Defensive würde schon bei einer Verletzung Land unter gelten. Allerdings sollte der ausstehende Defender doch ein Puck Mover mit guten Beinen sein, sehr beweglich ist die Dornbirner Verteidigung sicher nicht und mit reinen Defensivverteidigern eigentlich schon voll belegt.

An vorderster Front lassen natürlich einige Cracks derzeit aus, Adam Miller ist aber die größte Enttäuschung: Er galt immer als „Perimeter Player“, der gerne von der Seitenbande als Spielmacher in Erscheinung tritt. Doch derzeit lässt der 29-jährige fast jede Präsenz ums Tor herum vermissen und seinen Beinen dürfte der letztjährige Asien-Abstecher nicht gut getan haben.

3.10.: Graz99ers - HC Innsbruck 2:3 n.P.

Ein weit dynamischeres und intensiveres Spiel als die Partie in Klagenfurt am Tag zuvor.

Trotz stets wechselnder Besetzung ist die Handschrift von Todd Bjorkstrand doch schon sichtbar:

Die Flügel in steter Verfolgung der Scheibe („Puck Pursuit“), der Center agiert wie ein dritter Verteidiger. Im eigenen Drittel kümmert man sich weniger um den Gegner an den Banden und an der blauen Linie, die Spieler nehmen aber vor allem die Pass- und Schusswege vor dem Tor weg und bauen auf schnelle Konter.

Zahlreiche Tryout-Cracks

Jyrkkiö, Lammassaari, Zagrapan, Jekimovs – die Grazer Legionärs-Tryouts der letzten Wochen haben eines gemeinsam: Sie sind keine „Grinder“, sondern Spieler, die irgendwann einmal als Scorer in Erscheinung traten.

Ein Beweis dafür, dass das Talentlevel des Teams nach der Vorbereitung nicht ausreichte. Der frühere Firstrounder Marek Zagrapan bewies am Freitag allerdings auch, warum es für ihn in den letzten Jahren bergab ging:

Sicher mit guten Händen gesegnet, aber sehr kraftlos und mit wenig Dynamik in seinem Spiel. Der Lette Roberts Jekimovs agierte dagegen mit mehr Energie, aber auch nicht übermäßig auffällig.

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Cuma ein Schnäppchen

Trotz der vielen Tryouts der letzten Wochen handeln die Grazer nicht nur für den Moment:

Beim Neo-Österreicher Tyler Cuma sicherte man sich einerseits mit einer Ausstiegsklausel, andererseits auch mit einer Option für die nächste Saison ab.

Wenn der 24-Jährige nur einigermaßen ansprechend agiert, ist er aufgrund seines Punktewerts (1.5) und seines überblickbaren Gehalts eine echte Mezzie.

HCI stark verbessert

Innsbruck ist zweifellos gegenüber den Vorsaisonen ein verändertes Team: Weit mehr strukturierter und mit mehr Disziplin, ein Donati alleine hat im Vergleich wohl die Defensivzone öfters verfrüht verlassen als das ganze heurige Team gesamt.

Dazu kommt auch, dass Cracks wie Dustin VanBallegooie, Johan Björk oder Kris Beech alleine durch ihre Physis schwerer zu bespielen sind als ihre Vorgänger.

Das Personalkostüm ist aber weiter dünn, Verletzungen könnten schnell zu einem rapiden Leistungsabfall führen.

Ein Ex-Trainer über Hai Matt Siddall: „Sein Schuss hat NHL-Kaliber.“ Keineswegs Hyperbole, sein Treffer gegen Danny Sabourin bewies auch, dass er vor seinem Abschluss nicht langsamer werden muss („Does not have to break stride“).

5.10.: HC Znojmo - Black Wings Linz 6:3

Wie so oft bei dieser Paarung ging es hoch her, ein von Beginn an intensives und physisches Spiel. Linz verwertete in entscheidenden Moment seine Chancen nicht, was ihnen das Spiel kostete. Andrew Kozek verlor nach seinem vergebenen Penalty sogar die Contenance und trat die (nicht festgemachte) Spielerbank um.

Im Eishockeylexikon sollte eigentlich sein Bild neben „free-wheeling defenceman“ aufscheinen: Sebastian Piche nimmt sich viele Freiheiten, so fand er sich etwa bei einer 4-5-Unterlegenheit als vorderster Mann wieder. Oft verfolgt ihn der Puck selbst nach Fehlern, aber zweitweise agiert er auch etwas zu lässig.

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Mit Martin Baca haben die Adler einen dringend benötigten Defensivverteidiger mit physischer Präsenz gefunden. Auf der Goalie-Position wird allerdings auch der aus der dritten tschechischen Liga gekommene Patrik Nechvatal nicht die Lösung sein.

Aus der Liga:

Ein Report eines langjährigen NHL-GMs über VSV-Neuzugang Darren Haydar:

„Jahrelang ein dominierender AHL-Scorer, spielte auch in einer Reihe mit Krog und Sterling. Hat verglichen mit Sterling die bessere Übersicht und Playmaking-Skills, Sterling spielt dafür mit mehr Härte ums Tor herum. Sehr gute Übersicht und vor allem einen schnellen, ansatzlosen Schuss. Als Mensch top. Das Eislaufen war immer seine Schwäche, hat ihn in Kombination mit seiner Größe auch von der NHL ferngehalten. Das dürfte ihn auch in Europa etwas einschränken. Hat vor allem im Powerplay seine Stärken.“

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