Von versteckten Schüssen und kurzen Shifts

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Die Eishockey-Saison ist in vollem Gange: Sei es EBEL, CHL oder DEL.

Kein Wunder, dass Bernd Freimüller viel zu tun hat. Innerhalb von vier Tagen hat der 46-Jährige vier Spiele beobachtet und analysiert.

Bei LAOLA1 bereitet der Scout seine Erkenntisse von vier EBEL-Partien für die Fans auf und gibt wie gewohnt einen Insider-Blick auf die Liga:

 

 

18.9.: Red Bull Salzburg – Graz99ers 6:4

 

Schön zu sehen: die beiden Youngsters Alexander Rauchenwald und Alexander Cijan als Bestandteil des Salzburger Penaltykillings. In Unterlegenheit verwendet Coach Dan Ratushny aber einen Großteil seines Kaders und setzt auf immens kurze Shifts (einmal sogar fünf Wechsel in 120 Sekunden!)

Vor allem bei Ratushnys Toplinie mit Sterling, Walter und Hughes gut zu sehen: In der Offensivzone ist ständiges Rotieren angesagt, ein Verteidiger wird immer aktiviert, um so Überzahlsituationen herzustellen oder in den Rücken der Gegner zu kommen.

Wie so oft bei jüngeren Goalies: Irgendwann laufen sie an eine Wand und brauchen eine Pause. Bei Luka Gracnar dauern die guten Phasen aber von Saison zu Saison länger, er sollte bald ein absoluter Einser-Goalie sein.

Wenn die beiden Speedster Luke Walker und Manuel Ganahl forechecken, sieht man in Ansätzen die Handschrift von Graz-Coach Todd Bjorkstrand. Speed gepaart mit solidem Zwei-Wege-Spiel, nach dieser Kombination sucht der US-Amerikaner noch im Rest des übervollen Kaders…

Ob Neuzugang Marek Zagrapan, nach dem Abgang von Tomi Wilenius nun der 15. Legionär im Kader, die Grazer glücklich machen wird, darf bezweifelt werden: Der Slowake legte in den letzten Jahren ein Intensitätslevel an den Tag, das infrage stellen lässt, ob er überhaupt noch selbst an seine Karriere glaubt. Sowohl in Trinec als auch in Kladno spielte sich der ehemalige Erstrunden-Draftpick aus dem Lineup…

 

19.9.: VSVHC Innsbruck 5:1

 

Eines jeder Spiele, das schon im Vorfeld kein gutes Scouting verspricht. Ein Gefühl, das sich dann beim Blick auf das Lineup verfestigte. Drei Ausfälle bei Innsbruck, zwei davon elementar (Beech, Valdix) und schon ist eine Verlegenheitsaufstellung angesagt. Benedikt Schennach und Verteidiger Stefan Pittl als Center zwei und drei, das lässt eher an INL, als an EBEL denken. Auch wenn die Innsbrucker weit strukturierter und kompakter als in der letzten Saison auftreten, sind die Löcher im Kader weiter offensichtlich.

Lässt irgendein EBEL-Goalie mehr Tore von außerhalb seines Drittels zu als Adam Munro? Der an einen Golfabschlag gemahnende Treffer von VSV-Youngster Adis Alagic war nicht der erste dieser Sorte, der bei Munro einschlug. Bereits in seiner Zeit in Szekesfehervar ging seine Konzentration zeitweise flöten.

Erster EBEL-Treffer für Sean Ringrose, der an der Seite von Fortier und Benji Petrik bewies, dass er das Niveau einer Linie erhalten kann. Ob er es auch anheben kann, werden die nächsten Wochen beweisen. Apropos Francois Fortier: Wenn er sich wie bei der Vorarbeit zu Ringroses Treffer aus eigenem Antrieb vor das Tor drängt und mit einem Wraparound für Verwirrung sorgt, überschreitet er die Linie zwischen einem „Finesse Player“ und einem „Power Forward“. Dies konstant zu tun, war in den letzten Jahren sein Hauptproblem.

Mario Huber teilte sich in diesem Spiel die Eiszeit mit Max Steinacher und Daniel Frischmann an der Seite von Marcus Olsson und Jeff Ulmer. Der 18-Jährige zeigt sich gegenüber der Vorsaison um 13 kg leichter, Conditioning und das Spiel ohne Scheibe sind aber weiter die Faktoren, die über seine Zukunft entscheiden werden. Seine Fortschritte in den letzten Jahren waren überschaubar bis nicht vorhanden, was auch einige NHL-Scouts konstatieren mussten.

 

20.9.: Black Wings LinzHC Bozen 5:2

 

Hauptgrund für das 5:2 der Linzer: Goalie Michael Ouzas wartete in Schnittmomenten mit Glanzparaden auf, sein Gegenüber Jaroslav Hübl ließ in denselben Momenten leichte Gegentreffer zu. So leicht kann eine Drei-Tore-Differenz entstehen ...

„Versteckt“ noch jemand seinen Schuss so gut wie Linz-Flügel Andrew Kozak? Wenn er den Puck in seinen Körper zieht, von den Hashmarks abzieht und vielleicht noch einen Verteidiger als Screen verwendet, ist er vielleicht der torgefährlichste Stürmer der Liga.

Linz ist weiterhin vielleicht eines der besten Transition-Teams der Liga. Rob Daums Mannen überbrücken das Mitteldrittel schnell und schnörkellos. Die Zukunft wird zeigen, wie sehr die neuen Regeln, die handballartige Züge ins Eishockey gebracht haben (das Spiel im Mitteldrittel macht mehr und mehr dem in den Endzonen Platz), diesen Vorteil reduzieren könnten.

 

21.9.: Orli Znojmo – HC Bozen 2:3

 

Irgendwie haben die Znaimer an Teamspeed verloren. Zwar können Adam Havlik und Jan Lattner immer noch das Tempo anziehen, aber Oldies wie Roman Tomas und Pavel Rosa passen gut auf, wo sie hingehen und das sind nicht unbedingt die Bereiche, wo Kontakt zu befürchten ist.

Ein Riesenunterschied zwischen dem vorjährigen Team aus Bozen und der Nachfolge-Edition: Die Defensive ist mindestens um eine Klasse schwächer. Topverteidiger Sebastian Piché (sucht in Linz noch seine Rolle) hat keinen Nachfolger gefunden. Der Tryout-Lette Guntis Galvins ist nur bedingt beweglich und spielt mit einem sehr kurzen Stock – keine erfolgsversprechende Kombination. John Lee ist ein Defensiv-Verteidiger, der zu sehr in eine offensivere Rolle gepresst wird. Sean McMonagle ist zwar etwas soft, kann aber immerhin mit der Scheibe umgehen - etwas, was wohl nur Freunde und Familienmitglieder über Rich Crowley behaupten würden. Ihn beschützt ebenso wie Enrico Miglioranzi aber sein Nullpunkte-Status. Auch Holdovers wie Kapitän Alexander Egger und Hannes Oberdörfer sind im Lineup zu hoch gereiht, da bedarf es noch ein oder zweier offensiverer Upgrades sowie der Rückkehr des soliden Roland Hofer.

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