Das Geheimnis der Capitals

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EBEL-Auftakt: 73 Punkte und "Scoring by Committee"

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Der Saisonstart ist erfolgt, das erste EBEL-Wochenende ist bereits wieder Geschichte und es hat sich viel getan in den Eishallen des Landes.

LAOLA1 hat im Vorfeld der ersten beiden Runden zwei Spiele herausgepickt und Scout Bernd Freimüller zunächst am Freitag in den "Bunker" nach Graz und anschließend am Sonntag nach Wien-Kagran geschickt, um den Protagonisten auf die Beine zu schauen.

Für Trends ist es freilich noch viel zu früh, doch Gesprächsstoff gibt es bereits genug. Freimüller analysiert die vier Mannschaften und ihre ersten Auftritte in der noch jungen Saison.

Vienna Capitals

  • Vier Powerplaytore, zwei davon, bevor der Hallen-Sprecher überhaupt die Strafen ansagen konnten: Vor allem das Trio Foucault-Watkins-Ferland bewegt die Beine gut und kreiert damit Verkehr um das Tor herum.
  • Apropos Kris Foucault: Der 23-jährige Flügel könnte der perfekte Spieler für Europa sein: Smart, guter Eisläufer, kein großer Hitter, aber alles andere als soft. Sieht das Eis gut und trifft die richtigen Entscheidungen zwischen Pass und (scharfem Handgelenks)-Schuss.
  • Zwei Spiele, neun Tore, nur Kapitän Ferland traf bis jetzt zweimal. "Scoring by Committee" wird auch in der ganzen Saison das Erfolgsrezept sein. Viel mehr als drei Gegentore (wohl eher nur zwei) wird man pro Spiel nicht zulassen und die dann zum Sieg nötigen Tore sind im ganzen Lineup versteckt.
  • Peter MacArthur hat sich nicht in puncto Einsatz, aber im Scoring gegenüber der Champions Hockey  League vorläufig etwas abgekühlt. Immerhin erkundigte sich schon ein AHL-Team über die Leistungen des noch auf Probe spielenden Amerikaners.

Fehervar AV19

  • Goalie Josh Robinson zeigte ein wackeliges Debüt. Kämpfte den ganzen Abend mit der Scheibe und sein Winkelspiel ist auch sehr verbesserungswürdig.
  • Center Csanad Erdely sieht bereits wie ein vollwertiger EBEL-Spieler aus, einzig seine Beine bräuchten noch ein Upgrade. Es drängt sich die Frage auf, was Österreich am gleichwertigen Spielern in diesem Alter anzubieten hat? In der Liga kaum jemanden. Einzig der in Schweden spielende Lukas Haudum (Jahrgang 1997) kann talentweise mithalten. Immerhin ließ Caps-Coach Tom Pokel in der Schlussphase auch den gleichaltrigen Verteidiger Dominic Hackl (Jahrgang 1996) aufs Eis.

  • Anwärter auf den „Ein Jahr zu lange in der Liga“-Pokal: Frank Banham. Schon letzte Saison mit einer schwachen zweiten Saisonhälfte, lauert er einfach nur mehr auf den One-Timer und agiert äußerst fahrig. Wird aber über kurz oder lang wieder eine Chance an der Seite Andrew Sarauers bekommen, um dort noch vorhandenes Scoring-Potential nachzuweisen.

Graz99ers

  • Mit Jesse Jyrkkio kam ein Rechtsschütze (der einzige unter den Verteidigern)  ins Team, der im Powerplay mit Mark Kelly ein schussstarkes Duo bildet. Defensiv und körperlich hat er sich seit seinen Tagen im finnischen Juniorenteam kaum verbessert, erhöht aber das Skillset des Teams im Überzahlspiel.
  • Anders Bastiansens Beine werden zwar nicht mehr schneller, sein Auftaktwochenende gibt aber Hoffnung, dass er noch genug Offensiv-Power in seinem Spiel mitbringt.
  • 15 Legionäre, 73 (!) Punkte im Kader, Zusevics, Wilenius (sein verbleib ist eher unwahrscheinlich), Woger, Reinthaler, Scholz alle nicht mit dabei, die am Spielbericht angeführten Wiedergut (ich zählte genau einen Shift), Petrovitz, Strohmaier, Moderer und Konceny ohne Eiszeit – die Grazer Personalpolitik findet in der Liga keine Parallelen…
  • Mit Pinter, Ganahl und Unterweger kamen damit genau drei Österreicher zu regelmäßiger Eiszeit. Clemens Unterweger, letzte Saison anhand von zeitweise neun Verteidigern im Kader nach Finnland auswaggoniert, spielte sehr solide, steckte sogar einen Desbiens-Hit ohne Wimpernzucken weg. Der 22-Jährige hat sicher das Zeug dazu, ein brauchbarer Ergänzungsverteidiger zu werden.
  • Wer auf Martin Orazes Debüt wartete, wartete vergeblich: Nach drei Trainings überzeugte er Coach Todd Bjorkstrand in einem Gespräch nicht, andrerseits waren die Kombination eines Tryouts (nach 13 Jahren in der Liga!) und eines sehr überschaubaren Gehalts auch für den 29-Jährigen nicht gerade attraktiv.

Dornbirner Eishockey Club

  • Das 1:5 täuschte, das Spiel war knapper als das Resultat. Ein Riesenunterschied allerdings das Goaltending: Während Sabourin solide agierte, konnte Mike Murphy die Zweifel an ihm nicht beseitigen. Seine Beine sind gut, er schneidet auch die Winkel ab und zu explosiv ab, jedoch schafft er das nicht oft genug. Insgesamt wirkt er klein im Tor. Als harter Trainierer gilt der 25-jährige ohnehin nicht, eine deutliche Steigerung ist nötig. Allerdings: Auch sein Vorgänger, Adam Dennis, hatte letzte Saison einen schwierigen Start und der hatte immerhin Europa-Erfahrung aufzuweisen. Etwas Geduld ist bei Murphy also noch angebracht.
  • Garnet Exelby schien bei seinem Europadebüt vom Tempo überrascht zu sein und kam daher kaum in die Zweikämpfe. Auch seine Spieldauerdisziplinar-Strafe am Sonntag resultierte aus einem schlecht getimten Check.
  • Guillaume Desbiens parkte sich rollenmäßig im Powerplay vor dem Tor ein und ist dort nur schwer wegzubringen. Ein Spieler, den ein Team stets im Auge haben muss: Sein Speed, Gewicht und Wille zum Körperspiel könnten Gegner und DOPS im Laufe der Saison noch beschäftigen.
  • Stichwort „Aussagekraft der Preseason“: Justin Di Benedetto, bester Dornbirn-Vorbereitungsscorer, stand völlig neben sich…
  • Kommt es zu einer Rückkehr Martin Orazes nach Dornbirn? Die Verpflichtung eines siebten Verteidigers wird wohl zeitnah erfolgen, Coach Dave MacQueen hat aber auch zwei Legionäre in der Hinterhand.

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