Deadlines und der EBEL-Transfermarkt

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41 neue Legionäre (davon 21 aus Nordamerika) heuerten bis jetzt in der EBEL an – Business as usual oder ein besonderer Sommer?

LAOLA1 wirft einen Blick auf einige alte und neue Eckdaten am Spielermarkt und deren Bedeutung für die Personalplanungen in Europa und der EBEL:

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15. Juni

Signing Deadline für: Draftpicks aus vergangenen Jahren und Free Agents, die Europa Richtung NHL verlassen.

Betrifft: Länder, die Teil des NHL-IIHF-Agreements sind (Schweden, Finnland, Tschechien, Slowakei, Deutschland, Schweiz, Dänemark, Frankreich, Norwegen)

Mit der Ausnahme von Russland einigten sich die obengenannten Nationen im letzten Sommer auf ein neues Transferabkommen mit der NHL. Davor herrschte für gewisse Zeit ein vertragsloser Zustand, was niemanden so recht zufriedenstellte.

Die NHL-Teams mussten mit den europäischen Teams direkt verhandeln, was allerdings so gut wie nie vorkam. Denn die Agenten aller nur irgendwie für die NHL in Frage kommenden Spieler bauten Ausstiegsklauseln ein, die europäischen Teams schauten daher durch die Finger. Jetzt sind die Regularien klar, pro in die NHL gewechselten Spieler sind 240.000 Dollar fällig, ab dem elften Spieler pro Land 325.000.

Dieses Geld wird von der NHL direkt an die Landesverbände überwiesen, diese zahlen das Geld anteilsmäßig an die Teams aus, die den Spieler innerhalb der letzten vier Jahre unter Vertrag hatten, sodass auch kleinere Organisationen für ihre Jugendarbeit belohnt werden.

Kickert wurde von NHL-Scouts beobachtet

Kickert in der Auslage

NHL-Prospects sind in unserer Liga zwar so rar wie griechische Vegetarier, aber ganz auszuschließen ist dies nicht.

So brachte eine hervorragende Junioren-WM Capitals-Backup David Kickert immerhin Matchbesuche und Interviews von Scouts der Edmonton Oilers, New York Rangers und Washington Capitals ein. Zum Draft reichte es dann nicht, die Kombination seines Alters (20), seines im Sommer abzuleistenden Präsenzdienstes sowie einer nur schwer abzuschätzenden Entwicklung in der nächsten Saison sprachen gegen ihn.

Als Europäer muss Kickert noch durch einen weiteren Draft, bevor er in der übernächsten Saison als Free Agent gilt. Da im Sommer 2016 auch sein Vertrag in Wien ausläuft, könnte dieses Agreement zum Tragen kommen.

Bedeutung: Für die EBEL ist diese Deadline fast bedeutungslos, für den Rest von Europa dagegen nicht. So verlor der schwedische Meister Skelleftea  gleich fünf Spieler an die NHL, immerhin wusste das Team aus dem Norden darüber schon bis Ende Mai Bescheid und konnte sich so rechtzeitig um Ersatz umsehen.

Ende Juni/1. Juli

Deadline für: Qualifying Offers

Betrifft: NHL Restricted Free Agents

Das Datum für die Vertragsangebote ändert sich ab und an um einige Tage, der Prozess ist aber immer der gleiche: Die NHL-Teams müssen ihre Spieler, deren Einstiegsvertrag (Entry-Level-Contract) abgelaufen ist, die aber noch keine Unrestricted Free Agents sind, ein Angebot machen, damit sie die Recht an ihnen nicht verlieren.

Das verläuft nach einem genau festgelegten Muster. Je nach bisheriger Vertragssumme muss entweder das gleiche Gehalt oder eine Gehaltserhöhung von fünf bis zehn Prozent angeboten werden. Nimmt der Spieler dieses Angebot (Qualifying Offer) mit Datum 1. Juli an, verlängert sich sein Vertag um ein Jahr

Wenn er es ablehnt, bleibt er trotzdem ein Restricted Free Agent und kann zu keinem anderen NHL-Team wechseln. Meist einigen sich Teams und Spieler jedoch über eine längerfristige Zusammenarbeit.

Foucault war auch im Visier von Dornbirn

Bedeutung: In Europa wird dieses Datum öfters von so manchen Managern oder Coaches genannt: „Im Juli kommen dann wieder viele Legionäre auf den Markt.“ Das ist nur bedingt richtig.

Spieler, die kein Vertragsangebot von ihrem alten Verein bekommen, können ja in jeder anderen NHL-Organisation unterschreiben, für „reine“ AHL-Spieler gilt diese Deadline ohnehin nicht. Und während viele Spieler noch bis ins höhere Alter auf ihre NHL-Chance hoffen, schauen sich andere schon relativ früh in Europa um.

So fand der erste Kontakt von Neuzugang Kris Foucault mit den Vienna Capitals schon Monate vor dieser Deadline statt. Die andauernde Trainersuche in Wien machte ein Vertragsangebot jedoch lange unmöglich, Ende Juni meldete Wien dann zeitgleich mit Dornbirn wieder Interesse an. Der 23-jährige Kanadier entschloss sich für die Caps und wartete das Ausbleiben des Qualifying Offers von Minnesota gar nicht ab.

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14. August

Anmeldefrist für: Erste Phase der Champions Hockey League

Betrifft: Teilnehmende Teams

Im Gegensatz zur Vorgängerversion „European Trophy“ scheint die CHL ihre Deadlines etwas ernster zu nehmen. Es genügt nicht mehr nur eine bloße Kadermeldung, die Spieler müssen bei der IIHF registriert und für Legionäre internationale Transfercards ausgestellt werden.

Damit wird die für die jeweilige Liga anstehende Papierarbeit lediglich um einige Wochen vorverlegt, Red Bull Salzburg meldete Zdenek Kutlak und Try-Out Kyle Beach auf dem letzten Drücker an.

Doch wie die EBEL sah sich auch die CHL in puncto Bozen vor die Frage gestellt: „Ligaausschluss oder einknicken?“. Wo andere Teams 24 Spieler melden mussten, sollten für Bozen vorläufig zehn Cracks reichen…

Bedeutung: Nur für die 44 CHL-Teams, wer in dieser Liga spielen soll, muss halt dementsprechend früh gefunden und angemeldet werden.

Daten bleiben - Marktlage variiert

Diese drei Daten werden sich auch in Zukunft bestehen bleiben, doch die Marktlage ändert sich von Jahr zu Jahr und ist auch nicht vorhersehbar. Tommy Cijan, nicht erst seit gestern im Agentenbusiness, sah heuer einen extremen Transfersommer:

„So viele gute Spieler ohne Vertrag gab es noch nie.“ Ein Segen für Bozen, die in ihrer Personalplanung den anderen Vereinen um Monate nachhinkte. Langjährige Ligaspieler wie Justin Keller oder Mark Cullen mussten es gegenüber den Vorjahren wesentlich billiger geben, Stützen wie Goalie Jaroslav Hübl oder Powerflügel Ziga Pance fanden trotz Topsaisonen keine neuen Arbeitgeber.

Piche unterschrieb sehr früh in Linz

VSV-Manager Stefan Widitsch sieht die Marktlage und eventuelle Deadlines überhaupt gelassen und macht schon seit drei Jahren einen „Buyer’s Market“ aus, wenn es um Legionäre geht: „Wir schlagen dann zu, wenn ein Spieler uns gefällt und sein Preis mit unseren Finanzen im Einklang steht. Das kann früher, aber auch später sein.“ Einzig die CHL-Anmeldefrist war für ihn von Bedeutung.

Oft Wochen zwischen Unterschrift und Bekanntgabe

Am ruhigsten lebt natürlich, wer sich unabhängig von Deadlines und Agentenangeboten macht. Augsburg-Coach Larry Mitchell, der wie kaum ein anderer in Europa den Legionärsmarkt kennt, suchte diesen Sommer einen rechtsschießenden Flügel mit Offensivqualitäten.

Aufgrund unzähliger Scouting-Trips in Europa und Übersee fertigte er eine Liste mit 30 Kandidaten an und strich seelenruhig Spieler aus, die woanders unterschrieben. Als die Preise dann gesunken waren, fand er Ende Juli mit Dan DaSilva einen Crack, der von Beginn an zu seinen Topkandidaten gehörte.

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Eines gilt es aber auch zur berücksichtigen: Vertragsunterschrift und Bekanntgabe derselben liegen oft Wochen oder Monate auseinander. So verpflichtete Linz-Manager Christian Perthaler, der seine Hausaufgaben gerne eher früher als später macht, Sébastien Piché schon, als unsereins erste Weihnachtsgeschenkte auswählte.

Zum Glück für ihn und sein Budget, denn eine überragende Saison und der Meistertitel mit Bozen hätten Pichés Marktwert noch weiter nach oben getrieben

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