Safron: "Nicht nur Wien und Salzburg tragen Liga!"

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Sie sollte Österreichs Eishockey revolutionieren, den ausufernden Transfermarkt regulieren und das Liga-Geschehen in eine gesunde Zukunft lotsen.

Im Jahr 2007 wurde ein unkonventionelles, europaweit einzigartiges Instrument implementiert – die Punkteregel (Hier geht’s zur Erklärung). Eine Reform, welche man rückblickend als gescheitert betrachten könnte.

Ursprünglich wollten sich die Vereine der drohenden Kostenexplosion entziehen, jene kam allerdings lediglich mit etwas Verspätung zutage. Eine Legionärs-Flut und die intransparente Konzeption drohen nun den heimischen Kufensport zu zerstören.

Folgerichtig fordert ÖEHV-Präsident Dieter Kalt (Das Interview zum Nachlesen) umgehend die Lossagung von diesem „international belächelten System“. Nämlich bereits für die Saison 2012/13.

Was hält nun die Erste Bank Eishockey Liga vom Vorpreschen während der Viertelfinal-Phase, die am Dienstag (ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker/ServusTV überträgt KAC-Salzburg) in ihre zweite Runde geht?

LAOLA1 fragte bei Oberhaupt Karl Safron nach.

Das Feilschen um die Macht

„Die Punkteregel ist für das neue Jahr festgelegt. Wir können diesen Beschluss nicht aufheben, da die Vereine seit Monaten auf jener Basis einkaufen“, verneint Safron eine sofortige Abkehr, zeigt jedoch Verständnis für sein Pendant. „Es ist mir vollkommen klar, dass Herr Kalt einen Contra-Punkt setzen wollte, damit eine gewisse Bewusstwerdung Platz greift.“

Über kommende Spielzeit hinaus vernimmt er „positive Signale“ von einigen Teilnehmern, „die sehr offen gegenüber Neuerungen sind.“ In der Gegenwart beginnt zuerst das große Feilschen. Denn: Wegen des auslaufenden Kooperationsvertrages befindet man sich derzeit in einem „luftleeren Raum“, wie es Kalt verdeutlicht.

Die Verhandlungen zwischen Liga und Verband laufen auf Hochtouren, dabei geht es vorangig um die Machtverhältnisse. Letzterer beansprucht mehr Mitspracherecht. Angestrebt wird die Schaffung eines Gremiums, „in welchem wir gleichberechtigt über Vorschläge diskutieren und mit einer Zunge an die Öffentlichkeit gehen.“

Misstönen zwischen den Fronten, die hinderliche Spekulationen anheizen, sollte künftig vorgebeugt sein.

Eine Liga ohne Caps und Salzburg?

Ob der anstehenden Findungsphase zeigt sich Safron daher zuversichtlich: „Es wird weiterhin eine Zusammenarbeit geben, institutionalisiert im Austrian Hockey Board. Damit kann man in rund drei Monaten rechnen. Die Parteien werden dort paritätisch sitzen und anfallende Probleme besprechen.“

In welche Richtung sich Österreichs Eishockey entwickeln sollte, darüber haben ÖEHV wie auch EBEL ihre eigenen Vorstellungen. Einigkeit NOCH Fehlanzeige!

Bei all den Überlegungen nimmt das umstrittene Punktesystem eine tragende Rolle ein. Nicht minder bedeutend sind die Intentionen des Investors. Sofern die Erste Bank - wovon fast auszugehen ist – ihr Engagement fortsetzt, pocht man zwangsläufig auf ein…

  • Internationales Modell:

„Der Hauptsponsor ist stark verzweigt und daran interessiert, dass wir mit der länderübergreifenden Spielklasse weiterarbeiten.“ Safron erteilt somit Präferenzen des ÖEHV eine klare Absage. Kalt verfolgt durchaus die Absicht eines rein nationalen Kräftemessens.

„Ich würde es liebend gerne sehen, wenn wir eine österreichische Meisterschaft spielen könnten, wo jedes Bundesland ein Team stellt.“ Nichtdestotrotz weiß der „Alte Hase“ im Funktionärswesen ganz genau: Wer das Geld liefert, hat eben das Sagen.

„Die Liga hat zu entscheiden, wo sie hingehen will. Ob sie international bleibt oder nicht. Klarerweise ist die Erste Bank auf ihre Niederlassungen in Ungarn, Kroatien oder Slowenien bedacht“, gibt Safron zu verstehen und verweist auf den Erfolg des Fünf-Länder-Formats: „Was Zuseher als auch wirtschaftliche Richtwerte betrifft, sind wir ausgesprochen zufrieden.“

Daran hat Verbands-Boss Kalt keine Zweifel, blickt gleichwohl etwas besorgt auf die Entwicklung des Nationalteams.

„Ungarn und Slowenen profitieren mehr“

„Ich sage in aller Offenheit, die Ungarn und Slowenen profitieren derzeit mehr als wir“, erläutert Kalt die Sachlage. Während Zagreb mit kanadisch-kroatischen Doppelstaatsbürgern für Furore sorgt, sind die ausländischen Mitstreiter meist gezwungen, auf Talente zu setzen. „In Jesenice ist die finanzielle Situation nicht rosig, da spielen 90 Prozent der Jugend- und Nationalspieler Sloweniens. Genauso in Fehervar.“

Nachwuchs-Hoffnungen müssen demnach früh ihren Mann stehen, nicht jedoch die Österreicher. „Sie erhalten nicht so viele Möglichkeiten. Die Talente spielen zwar ebenfalls in der EBEL, bekommen aber weniger Eiszeit und Verantwortung. Wegen der Notwendigkeit zu siegen, greifen Trainer in kritischen Phasen auf Ausländer zurück.“ Solange dies der Fall sei, werde die rot-weiß-rote Auswahl stagnieren. Oder weiter abstürzen.

Und da kommt neuerlich die ominöse Punkteregel ins Kreuzfeuer der Kritik. Dass internationale Klubs bei einer etwaigen Änderung im Regulativ abspringen, hält Kalt für unwahrscheinlich: „Aus Ungarn und Slowenien höre ich, dass man die Ausschreibung in jeder Form akzeptiert.“

Ob eine solche die Branchen-Könige aus Salzburg oder Wien gutheißen, darf bezweifelt werden. Aller Voraussicht steht eine Zerreißprobe bevor, sogar der "Worst Case" scheint denkbar:

EBEL bald ohne Meister & Hauptstädter?

  • Eine Liga ohne das potente Duo

Von deren Avancen möchten sich die Granden nicht mehr unter Druck setzen lassen, damit machte man schon in der Vergangenheit Bekanntschaft. Serien-Meister RB Salzburg und die Vienna Capitals zogen wie häufig bei solchen Debatten einen Ausstieg in Erwägung, bisher blieb es bei leeren Drohungen. Ihre Wirkung verfehlten sie dennoch nicht, denn Liga und Verband beließen es ebenfalls dabei.

Ungeachtet dessen verschärfte sich die Konstellation in den letzten Monaten zusehends. Offenkundig sorgen sich VSV, Black Wings Linz und Graz99ers um ihr sportliches Bestehen. Trotz „Gönnerin“ Heidi Horten wolle überdies der KAC auf die Kostenbremse treten. Kalt weiß: „Somit haben Salzburg und die Capitals EBEL-intern keine leichte Position.“

Ein neues Abkommen zwischen Vereinen, Verband sowie Liga scheint unausweichlich, und damit auch ein Abscheid? „Die Tendenzen gehen Richtung europäischer Liga. Da hat die IIHF (Anm.: International Ice Hockey Federation) nicht das letzte Wort gesprochen. Läuft es wie eine Champions League im Fußball ab, sehe ich allenfalls ein Termin-Problem. Das können wir bewältigen“, eröffnet Safron. Liebäugelt das Duo mit dem Eintritt in eine neue Liga, würde man dies nicht zwangsläufig boykottieren.

„Mehr Aushängeschilder als Salzburg und Capitals“

„Als Verband legen wir uns nicht quer. Wenn sich jemand über die Grenzen hinaus entwickeln will, Kapazität und Rückhalt hat, sollen sie es versuchen. Wobei ich in Vorgesprächen betonte, die Teams sollten zuerst an unserem Bewerb teilnehmen“, schildert Kalt. Die EBEL ohne zwei Publikums-Magneten und europaweite Aushängeschilder, kaum vorstellbar. Und ein herber Verlust.

Dem entgegnet Safron: „Wenn wir uns die Playoffs anschauen, werden wir bemerken, dass nicht nur Wien und Salzburg das österreichische Eishockey tragen. Es gibt mehr Aushängeschilder, welche die Liga zu dem machen, was sie heute ist. Wobei der Meister ein Sonderfall wäre. Ich halte sie vom Nachwuchs her potent genug, um mit der zweiten Mannschaft teilzunehmen.“ Eine fragwürdige Einstellung.

Vielmehr sollte der Anspruch sein, die heimische Elite zu vereinen. „Das Beste wäre es natürlich, sich weiter in den Westen zu entwickeln und zwei oder drei Vereine hoch zu ziehen.“ Also eine...

  • Aufstockung mit Nationalliga-Vereinen

Safron bekräftigt: „Es wäre wünschenswert 14 Mitglieder zu haben.“ Das selbe Verlangen hegt der Verband – eine der seltenen Gemeinsamkeiten. Nur sei das Geschehen in aktueller Form für das Gros der Zweitligisten unleistbar. Eine Reorganisation nach knapp fünf Saisonen wäre erforderlich, davon ist Kalt überzeugt: „Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind, die Ausländerfrage in den Griff zu bekommen.“

Traditionsklubs á la VEU Feldkirch und HC Innsbruck, das wegen enorm in die Höhe geschnellter Liga-Budgets den bislang erfolglosen Antrag zur Einbindung in Italiens Serie A stellte, sollen wieder zurück gelockt werden. Doch um wettbewerbsfähig zu sein, bedarf es einer Vielzahl an sündhaft teuren und qualitativ hochwertigen Legionären. Für einen Aufsteiger unmöglich, vorausgesetzt man wirtschaftet mit Verstand.

„Es gibt eine konkrete schriftliche Anfrage Dornbirns, die aber mit dem Wunsch nach Sponsoren-Geld verbunden ist. Hier sollten wir behilflich sein, ich hoffe, wir können das. Dann wären sie bereit in der nächsten Saison mitzuspielen“, betont Safron. Dass zwingend die Punkteregel fallen muss, hält er für einen Irrglauben.

Die Reform der Reform

„Ich stehe mit Präsident Kalt in ständigem Kontakt. Es gibt verschiedene Zugänge. Man muss sich vor allem anschauen, wie es mit den EU-Gesetzen aussieht“, kennt der einstige EBEL-Rechtsberater die zu meisternden Hürden. Ob die seitens des ÖEHV vorgetragene 15+7-Formel - demnach dürften am 22-Spieler-Blankett nicht mehr als sieben Legionäre stehen – der Weisheit letzter Schluss ist, möchte Safron nicht erwidern.

„Es könnte auch ein Misch-System sein. Herr Kalt ist nicht darauf fixiert, das ist in etwa die Relation, welche er sich vorstellt. Vielleicht erreicht man mit einer allfälligen Reduzierung der Punkte mehr.“ Brilliert die EBEL derzeit mit Ausgewogenheit, würde bei Umwälzungen die Leistungs-Budget-Schere auseinander klaffen – so argumentieren die System-Protektionisten.

Antagonist Kalt entgegnet dem, er appelliert an die Vernunft: „Hätten wir weniger Legionäre, würden alle ein sportlich schlechteres Niveau spielen. Wobei in Kampfgeschehen, Hektik und Dynamik ändert sich für Zuseher nicht viel. Was ich deponieren muss: Klubs, die mehr Geld haben, können sich immer stärkere Spieler leisten.“

Die Entscheidungsträger haben mittlerweile erkannt: Die Reform der Reform ist unumgänglich. Womöglich fällt sie weniger revolutionär, dafür umso effektiver aus.

Zum Wohle des rot-weiß-roten Eishockeys.

Christoph Köckeis

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