"System an Schweiz anlehnen"

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Welche Alternativen gibt es zur Punkteregelung?

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Es war das bestimmende Thema des Eishockey-Sommers: die Punkteregelung.

Selten zuvor äußerten Österreichs Kufensportler ("Der EBEL droht der Kollaps") derart geschlossen Kritik.

Während die ÖEHV-Granden nach dem bitteren WM-Abstieg eine Reaktion forderten, scheint diese Einsicht nun endlich die Vereins-Verantwortlichen erreicht zu haben. Zumindest teilweise.

„Ich warte bis zur Liga-Sitzung am 3. September in Szekesfehervar. Hoffentlich werden da Nägel mit Köpfen gemacht“, äußert sich Giuseppe Mion, VSV-Obmann und Verbandskapitän in Personalunion, gegenüber LAOLA1. Zuversicht, welche der Kärntner begründet.

„Kann nicht immer auf Einzelne achten“

„Durch den Einstieg der Erste Bank steht die Liga wirtschaftlich sehr gut da. Aber das Wirtschaftliche und das Sportliche muss Hand in Hand gehen. Und da haben wir einige Defizite, dieser Meinung sind auch die Graz99ers, Jesenice oder Linz.“ Und wie sieht es mit dem Rest der Liga aus?

„Jeder Verein wird nicht mitziehen, aber man kann nicht immer Rücksicht auf Einzelne nehmen. Wir sind verpflichtet, in erster Linie auf das heimische Eishockey zu achten.“ Gerade deshalb birgt diese Causa so viel Zündstoff, die EBEL steht vor einer Zerreißprobe.

Doch was muss geschehen, damit das Nationalteam wieder konkurrenzfähig wird und auch die Liga auf gesunden Beinen steht? LAOLA1 bietet Alternativen zur Punkteregelung.

  • Legionärs-Beschränkung:

Zur Jahrtausend-Wende stand die höchste Spielklasse vor dem Super-GAU. Die Budgets stiegen ins Unermessliche, die Ausmaße an ausländischen Cracks nahmen Überhand. Eine Reduktion zwang die Verantwortlichen vermehrt heimische Spieler einzusetzen, doch Durchschnitts-Akteure erreichten nach sieben Jahren ein zu hohes Gehalts-Niveau.

„Wir wollten Kosten senken, das Gegenteil ist passiert. Es wird von Jahr zu Jahr teurer, weniger Österreicher werden produziert und im Nachwuchs hinken wir im international Vergleich hinterher. Wir sind am Limit“, konkretisiert Mion die Entwicklung nach Einführung des Punktesystems. Nun soll die Rückkehr zur Legionärsbeschränkung einem neuerlichen Liga-Crash vorbeugen.

Gert Prohaska, Ex-Torhüter des Villacher SV, sieht die Eidgenossen als Vorbild: „Österreich ist keine Eishockey-Nation, es ist bei uns nicht die Nummer eins Sportart. Daher verstehe ich nicht, warum wir etwas Neues erfinden wollen. Ich würde unser System an die Schweiz anlehnen. Dort gibt es relativ wenig Ausländer, sehr viel gute einheimische Spieler.“

Seit vergangener Saison dürfen die Vereine der Nationalliga A lediglich vier Legionäre pro Spiel einsetzen. Dennoch wäre eine Reduktion auf sechs bis sieben Spieler bereits ausreichend und vor allem förderlich für die Identifikation des Publikum mit ihren „Helden auf dem Eis“. Davon ist Marco Pewal überzeugt: „Nach der Partie wollen die Fans eher mit den Cracks auf ein Bier gehen, anstatt zehn bis zwölf Ausländer auf dem Eis herumfahren zu sehen.“

  • Salary Cap:

Wie in der National Hockey League könnte eine festgelegte Gehallts-Ober-/Untergrenze die Budgets regulieren. „Das wäre der richtige Weg, dann hättest du nicht mehr eine solch auseinander klaffende Gehaltsschere. Einige Spieler verdienen Unmengen, andere laufen fast für einen Hungerlohn auf. Wir sind Profis und machen den Sport gerne, aber es geht auch sehr viel Zeit drauf“, gibt VSV-Angreifer Roland Kaspitz zu bedenken. Aus diesem Grund suchen viele Talente ihr Glück abseits der Eisfläche.

„Zu einem Jugendlichen kann ich nicht mehr sagen: Mach die Schule fertig und spiele Eishockey, weil du ein halbwegs vernünftiges Geld verdienen kannst“, gibt Dalpiaz, Österreichs Rekord-Team-Goalie, zu verstehen. Außerdem sieht der 39-Jährige ein grundlegendes Problem: „Das ist eine gute Option, aber in Österreich undenkbar. Dann müsste sich jeder in die Bücher schauen lassen, das funktioniert in Amerika, aber nicht bei uns.“

Dennoch wäre ein solcher Salary Cap zusätzlicher Anreiz für die Traditionsvereine VEU Feldkirch oder HC Innsbruck, glaubt Kaspitz: „In der ersten Liga findet immer ein Wettrüsten statt. Die Vorarlberger haben vier Teams in der Nationalliga, spielen ausverkaufte Derbys, haben viel weniger Budget als wir und wollen sich die höchste Spielklasse derzeit einfach nicht leisten.“

  • Österreicher-Topf:

Die dritte Alternative zur umstrittenen Punkteregelung. In der Saison 2004/05 wurde in Österreichs Fußball-Bundesliga der Österreicher-Topf beschlossen. Mit dem Sinn und Zweck der steigenden Zahl an Ausländern entgegenzuwirken, sprich eine Parallele zur Situation der EBEL. Seither werden die Klubs für Einsätze heimischer Akteure finanziell entlohnt.

Um an der Auszahlung teilzunehmen, müssen mindestens zwölf Heimat-Kicker auf dem Spielbericht stehen. Der Anteil ist abhängig von den Minuten, jene der U22-Spieler werden doppelt gewertet. Seit der Einführung erhielten die ÖFB-Talente vermehrt Chancen im Oberhaus und etablierten sich häufig als Stützen. Für das Nationalteam eine nachhaltige Investition in die Zukunft. Also weshalb sollte dies im Eishockey nicht klappen?

Claus Dalpiaz liefert gegenüber LAOLA1 die Begründung: „Wer finanziert das? Wie ich das Geschehen in den letzten Jahren miterlebt habe, wird kein Verein irgendeine Ambition haben, Geld in einen Topf zu zahlen.“

Der 3. September bringt möglicherweise erste Ergebnisse. Abwarten, in welche Richtung Österreichs Eishockey steuert: Ob in einer erfolgreiche Zukunft, oder blindwegs in den zweiten Crash.

Christoph Köckeis

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