Die NHL-Cracks der Anderen

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Diese Lockout-Cracks sorgen für Furore

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Dank des NHL-Lockouts erobern seit rund einem Monat die Stars der National Hockey League (NHL) die Erste Bank Eishockey Liga (EBEL).

Kaum ein Tag vergeht an dem nicht ausführlich über die Österreicher Thomas Vanek, Michael Grabner oder Andreas Nödl berichtet wird.

Auch die Verpflichtungen des KAC, Tyler Myers und Sam Gagner, sowie der Salzburger, Tobias Enström und David Clarkson, finden reichlich Beachtung.

Vanek und Co. im Fokus

Die NHL-Cracks der ausländischen EBEL-Teilnehmer fristeten hingegen ein Schattendasein im heimischen Blätterwald.

Zu Unrecht.

Geht man rein nach den erzielten Punkten pro Spiel, so sind Jan Mursak, Dustin Jeffrey und Bryan Bickell sogar die besten Verstärkungen aus Übersee.

Ein Trio, das Interesse verdient

Doch es sind nicht nur die nackten Zahlen, welche die Lockout-Transfers von Olimpija Ljubljana, Medvescak Zagreb und dem HC Znojmo so interessant machen.

LAOLA1 stellt die Spieler vor, die in Slowenien, Kroatien und Tschechien die Herzen der Fans höher schlagen lassen.

Jan Mursak - Olimpija Ljubljana

Jan Mursak lernte das Eishockeyspielen in seinem Heimatort Maribor. Nach einem kurzen Gastspiel in der tschechischen U20-Liga beim HC Ceske Budejvice wurde er 2006 von den Detroit Red Wings an Position 182 gedrafted und ging nach Nordamerika.

Nach einigen Saisonen in OHL und AHL konnte er 2010/2011 in der NHL Fuß fassen und absolvierte 19 Partien für die Red Wings. Er war damit nach Anze Kopitar erst der zweite Slowene, dem der Sprung in die beste Liga der Welt gelungen war.

Im Jahr darauf kam er auf 25 Einsätze, keine berauschenden Werte, aber bei einem Kader mit dem Offensivpotential des Stanley-Cup-Siegers von 2008 ist es für einen Stürmer, dessen Stärken ganz klar im eisläuferischen Bereich und im Spielverständnis liegen, nicht einfach, einen Stammplatz zu ergattern.

Erster NHL-Crack mit „Schwanz“

Unter den Fans der Red Wings ist Mursak nicht nur durch seine Aktionen auf dem Eis bekannt. Für das Spiel gegen die Minnesota Wild machten sich 18 seiner treuesten Fans auf den Weg von Slowenien nach Detroit in die Joe Louis Arena und zogen durch ihre Plakate und Anfeuerungen die Aufmerksamkeit des restlichen Publikums und des amerikanischen Fernsehens aufs sich.

Ligaweite Bekanntheit erlangte Mursak allerdings auf unfreiwillige Art und Weise. In einem Spiel gegen die Calgary Flames verfing sich bei einem Zweikampf mit Blair Jones dessen Schläger in Mursaks Jersey und so musste er bis zur nächsten Unterbrechung mit einem Stock als „Schwanz“ herumfahren.

In die EBEL kam Mursak bereits eine Woche nach der Bekanntgabe des Lockouts. Der 24-Jährige unterschrieb in seiner Heimat bei Ljubljana und bestritt seither zwölf Spiele in der Liga. Er steht momentan bei beachtenswerten 22 Punkten, davon sieben Tore. Coach Bojan Zajc weiß genau was er an ihm hat und so verwundert es nicht, dass der Red Wing vor allem im Powerplay und in den heißen Phasen enorm viel Eiszeit erhält.

Dustin Jeffrey - Medevescak Zagreb

Dustin Jeffrey ist wie Mursak 24 Jahre alt und steht bei den Pittsburgh Penguins, von denen er 2007 an 171. Stelle gedrafted wurde, unter Vertrag. Zu seinem NHL-Debüt kam er zwar bereits 2008/2009, über 20 Einsätze absolvierte allerdings auch er erst ab 2010.

Durch die Gehirnerschütterung von Superstar Sidney Crosby war für Jeffrey ein Stammplatz in Reichweite. Unglücklicherweise verletzte er sich aber ebenfalls schwer und fiel nach einer Knieoperation für die restliche Saison aus.

In der folgenden Spielzeit konnte er sich, gehemmt durch die langwierige Rehabilitation, nicht steigern und kam nur auf 26 Spiele, was in den Staaten schon den Running Gag entstehen ließ, dass er es sich angeblich aufgrund eines amourösen Abenteuers mit der Frau eines Klub-Offiziellen mit dem Coach verscherzt habe.

Nach Zagreb wegen der Landsleute

Der Lockout und die damit verbundene Zeit in Europa bedeuten für Jeffrey einen Neuanfang. Nach Zagreb zog es ihn wegen Al Letang, der in Sarnia, Jeffreys Heimatstadt, spielte.

„Gleich nachdem der Lockout in Kraft trat nahm ich mit Al Kontakt auf und besprach die Möglichkeit herzukommen. Es sind viele Nordamerikaner in der Mannschaft, mit drei von ihnen habe ich schon einmal zusammen gespielt, es war eine einfache Wahl“, begründet der 24-Jährige seinen Wechsel in die EBEL, wo es ihm vor allem die Stimmung angetan hat.

„Die Fans feuern uns an und singen das ganze Spiel durch, dazu die Trommeln und Fahnen, so etwas kannte ich nur von europäischen Fußballspielen“, ist der Kanadier fasziniert.

Seine Begeisterung für die Liga drückt sich auch auf dem Eis aus: 15 Punkte in acht Spielen sprechen eine deutliche Sprache und sind ein Mitgrund, warum Zagreb seit seiner Ankunft von Sieg zu Sieg eilt.

Bryan Bickell - HC Znojmo

Im Gegensatz zu Mursak und Jeffrey hat Bryan Bickell den Durchbruch in der NHL bereits geschafft. Nicht nur das, er kommt sogar mit der Empfehlung eines Stanley-Cups-Sieges in die EBEL.

Gleich in seiner ersten vollen Saison mit den Chicago Blackhawks durfte der 2004 an 41. Stelle gedraftede Flügelstürmer die begehrteste Trophäe im Klub-Eishockey in die Höhe stemmen.

Bickell wird bei den Blackhawks bevorzugt in der Checking-Line, der vierten Linie, die gegnerische Angreifer aus dem Weg räumen soll, eingesetzt wird. Um bei Lockout-Ende gegenüber den ständig nachrückenden jungen Talenten aus der AHL keine körperlichen Defizite aufzuweisen, flüchtete er nach Europa.

Pitbull-Fan in der Checking-Line

Der passionierte Hundehalter - er und seine Verlobte besitzen einen Pitbull und kämpfen gegen die Vorurteile, die dieser Hunderasse anhaften - hatte am Anfang etwas mit dem ungewohnten Spielfeld zu kämpfen. „Man muss hier viel eislaufen. Auf der großen Eisfläche ist es schwer, die kleinen, schnellen Spieler zu checken“, ließ er über Twitter verlauten.

Mittlerweile hat er sich aber an die europäischen Verhältnisse gewöhnt und ist mit seinem aufopferungsvollen Stil genau der Typ, den die Tschechen neben ihren technisch starken Offensivkräften brauchen.

Da er im Gegensatz zur NHL bei Znojmo vorwiegend in der ersten Linie zum Einsatz kommt, produziert er auch Punkte am Fließband. In acht Spielen markierte er zwei Treffer und assistierte zehnmal, vor allem Youngster Richard Jarusek profitiert enorm davon, mit dem erfahrenen Mann in einer Linie zu spielen.

 

Fabian Santner

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