Szücs: "Hätte gerne 22 Philipp Lukas' im Team!"

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„Er ist das Gesicht des Linzer Eishockeys!“

Selbst zwei Jahre nach dessen Karriereende huldigen die Anhänger der Black Wings ihrem Idol. Noch immer werden mit Vorliebe Trikots mit dem Namen von Mark Szücs getragen.

Während seiner zehn Saisonen schoss sich der Austro-Kanadier tief in die Herzen der Oberösterreicher. 154 Mal versetzte er die Linzer Fans in Ekstase.

Als der Torjäger 2010 in das zweite Glied rückte, trug die Landeshauptstadt geschlossen Trauer. Doch die Rolle der Identifikationsfigur konnte einer nahtlos ausfüllen. Sein Name: Philipp Lukas.

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Im ersten Finalspiel gegen den KAC krönte sich der Kapitän zum Rekordler. Die zwischenzeitliche 1:0-Führung war zugleich sein 155. Treffer für seinen Lebensverein.

Nicht umsonst adelt die lebende Legende Szücs, nunmehr Assistant Coach im Betreuerstab, Lukas mit eingangs erwähntem Zitat.

„Bin nicht der Klasse-Torjäger“

Es hätte der große Abend des Jubilars werden sollen. Nachdem die Linzer in Person von Rob Hisey die Führung ausbauten, sah alles danach aus. Ein siegreicher Auftakt und die neue Bestmarke - zu schön, um wahr zu sein. Dagegen hatten die Gäste aus Klagenfurt etwas einzuwenden.

Am Ende musste man die bittere Pille der 2:3-Niederlage schlucken. „Leider reichte ein 2:0 nicht zum Erfolg, das wäre mir sicher lieber gewesen“, betont Lukas. Nichtdestoweniger kann er den persönlichen Meilenstein mit Abstand durchaus genießen: „Es ist schön. Ich freue mich darüber, so oft zum Erfolg des Teams beigetragen zu haben.“

Nach der Jahrtausendwende heuerte er bei den Black Wings an. Schnell wurde der gebürtige Wiener zum unverzichtbaren Bestandteil. Eine solche Zahl wollte er sich damals nicht erträumen, auch da er mit Selbstironie betont: „Ich bin nicht der Klasse-Torjäger.“

Meistertitel als bisherige Krönung

Mag sein, dass der Angreifer nicht gerade eine Offensiv-Maschine ist. Dafür glänzt er mit besonderen Vorzügen, wie Szücs eindringlich klarstellt: „Wenn er auf dem Eis steht, agiert er so, als wäre das sein letztes Mal. Du weißt genau, was du bekommst. Nämlich 110 Prozent Einsatz sowie Einstellung. Er ist einer, der für die Mannschaft spielt.“

Davon konnte sich der Austro-Kanadier über zwölf Saisonen überzeugen. Schon bei der VEU Feldkirch lief das Duo gemeinsam auf, ehe beide den Lockrufen der Linzer folgten. Und sie sollten es zu keinem Zeitpunkt bereuen. Mit dem Meistertitel 2002/03 gelang die Krönung.

„Wenn man so lang bei einem Verein ist, erlebt man einiges und überwindet Tiefpunkte. Ich bin noch immer froh, Teil dieser Organisation zu sein.“ Jener fühlt sich Lukas nämlich äußerst „verbunden“.

Zukunft noch unklar

„Ich schätze das Umfeld sehr, vor allem wie der Klub geführt und Spieler ohne Ausnahmen behandelt werden. Zudem habe ich eine innige Beziehung zur Stadt und den Leuten, die mir liegen“, wird er nahezu sentimental. Ob dieses Gefühl über die Saison hinaus bestehen bleibt, ist fraglich. Im Sommer läuft sein Kontrakt aus, einer Verlängerung sollte allerdings nichts im Wege stehen. Oder?

„Auf das kann ich nicht eingehen. Mein Vertrag läuft aus, man wird sehen. Im Moment konzentrieren wir uns auf die Finalserie. Wir haben eine Mission, welche wir positiv abschließen wollen. Dann bleibt genug Zeit, um über alles andere zu reden. Noch ist nichts passiert.“

Stress bezüglich eines Engagements quält den Dauerbrenner nicht, mit Auftritten wie jenem in Finale eins erhöht er seinen Marktwert zusehends. Allgegenwärtig ist vorerst nur ein Traum. Jener vom zweiten Meister-Triumph der Vereins-Historie.

"Luki" ist unumstrittener Leader der Linzer

Parallelen zur Titel-Premieren

„Man spürt, wie die Stadt mitfiebert und uns unterstützt. Sie ersehnen diesen Titel. Wir werden alles unternehmen, dass wir den realisieren.“ Für Lukas sind die Parallelen zur Premiere 2003 unverkennbar. Damals wie heute scheint ganz Linz euphorisiert, der Hunger nach Erfolg ist förmlich spürbar.

„Black-Wings-Schauen“ erlebte schon in der Regular Season eine Renaissance. Karten für die Eishalle zählen zu den heißen „Aktien“. Rund 3650 Eishockey-Affine konnten die begehrte Ware für das Duell mit dem Rekordmeister ergattern. Überdies wurde auf dem direkt gegenüber liegenden Gelände der Tabakfabrik eine Fanzone eingerichtet.

Der Druck ist enorm. Dass jener die Hauptdarsteller vielleicht eher belastet als sie zu beflügeln, weist der 32-jährige Routinier Lukas zurück: „Es ist doch ein tolles Gefühl, wie die Leute mitgehen. Ich glaube, jeder wäre glücklich, wenn wir es schaffen. Und traurig, wenn nicht.“

Nicht die letzte Parallele.

„Kann es nicht. Und darf es nicht!“

Die mögliche „Perfect Season“, bestehend aus Gewinn der Regular Season und klarerweise dem Titel, erinnert ebenfalls an die glorreiche Saison 2002/03. Gedanken an den Durchmarsch verschwendet man keineswegs. „Wir müssen nicht gewinnen, sondern wir können“, so Forward Gregor Baumgartner. Ist die Euphorie durch die 2:3-Pleite nun gebrochen?

„Kann es nicht. Und darf es nicht“, verneint Lukas entschieden und ergänzt: „Es steht 0:1 in der Serie, mehr nicht. Wenn man sich jetzt bremsen lässt, wäre es ein riesiger Fehler. Man muss zurückkommen und den Schwung wieder aufnehmen. Das muss man sich erarbeiten. Gewinnen wir in Klagenfurt, ist alles offen.“

Von den eigenen Qualitäten ist man beim Grunddurchgangs-Dominator weiterhin überzeugt. Es gäbe keinen Grund, warum dies nicht der Fall sein sollte, erklärt Baumgartner: „Wir hatten diverse Auf und Abs. Man darf das nicht überbewerten. Wir meisterten bisher alle Hürden, das ist eine weitere.“

Die wohl schwierigste im Viertelfinale. Als die Vienna Capitals einen Showdown in Spiel sieben erzwangen.

„Er ist ein wahrer Profi“

„Wir konnten das gegen Wien abhaken. Natürlich war es am Donnerstag zach, aber das vergisst man schnell“, gibt „Co“ Szücs zu verstehen: „Die Akteure haben genug Erfahrung.“ Allen voran Lukas, dem er den Rekord von ganzem Herzen vergönnt.

„Ich freue mich sehr für ihn. Er ist einer, der auf dem Eis und abseits davon hart arbeitet. Im Sommer und im Trocken-Training ist er ein wahrer Profi. Das war eine Frage der Zeit. Hoffentlich kann er noch viel mehr Tore schießen, es wäre super für uns.“

Die Verdienste seines Spielführers kennt Head Coach Rob Daum bestens. Trotz der Degradierung Lukas‘ in die vierte Linie produziert jener beständig. Unmut kam niemals auf. Wahrscheinlich auch, weil der kanadische „Professor“ stets seine Wertschätzung kundtat.

„Er ist unser Rädelsführer“

„Er ist ein wichtiger Part des Erfolges. Wir vermissen ihn, wenn er nicht im Lineup ist. Er macht einen großartigen Job, was Penalty Killing betrifft und gibt unserem Team zusätzliche Tiefe. Das erlaubt uns, mit vier Linien zu spielen“, unterstreicht Daum. Ebenso unumstritten ist der 155-fache Goalgetter im Kreise der Kollegen. Seiner unermüdlichen Einstellung sei Dank.

Baumgartner kennt seine Bedeutung: „Er ist ein Urgestein, schon ewig lange hier. Jeder, der die Black Wings unterstützt, identifiziert sich mit ihm. Er hat ein großes Kämpferherz, ist unser Kapitän, weil er immer das Beste gibt und vollen Einsatz zeigt. Er ist einfach unser Rädelsführer.“

Das Schlusswort gehört seinem langjährigen Weggefährten Szücs: „Die Nummer 21 wird irgendwann das Dach der Halle zieren. Als Trainer würde ich gerne 22 Philipp Lukas‘ im Team haben.“

Nicht umsonst ist er das Gesicht des Linzer Eishockeys.

Christoph Köckeis

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