Mit eigenen Waffen geschlagen

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Linzer schlagen mit den KAC-Waffen zu

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Gleiches Ergebnis. Ähnlicher Spielverlauf. Anderer Sieger.

Der neutrale Beobachter erlebte in Finale zwei der EBEL ein Déjá-vu. Diesmal allerdings mit positivem Ausgang für die Black Wings Linz.

Nach der Auftakt-Pleite von manchen schon abgeschrieben, schlug das oberösterreichische Imperium zurück. Die Genugtuung war in den Worten Rob Daums nicht zu überhören.

„Einige Leute dachten, wir würden nicht mehr zurückkommen. Genau dies ist uns gelungen, was sehr schön ist“, gab der Chef-Betreuer gegenüber „ServusTV“ zu verstehen.

Die voreiligen Kritiker wurden beim 3:2-Auswärtssieg gegen den KAC Lügen gestraft. Nicht zuletzt, da der Rekordmeister mit „eigenen Waffen“ geschlagen wurde. Parallelen zum ersten Showdown waren nicht zu übersehen.


  • Druckvoller Start:

Wie in der „Keine Sorgen Arena“ starteten die Hausherren, in dem Fall der KAC, unheimlich druckvoll. Ein ums andere Mal warf Schlussmann Alex Westlund, der am Donnerstag nicht die glücklichste Figur machte, sein ganzes Können in die Waagschale. Einzig dem US-Amerikaner war es zu verdanken, dass man nicht früh in Rückstand geriet.

Klagenfurt dominierte den ersten Abschnitt. Wir hatten viele Turnovers in der eigenen Zone, waren im Umschalten nicht schnell genug“, analysierte der kanadische Taktiker Daum. Mit intensiven Forechecks setzten die „Rotjacken“ immer wieder Nadelstiche – erfolgreich.

Selten konnten die Gäste ihr gewohntes Kombinationsspiel aufziehen. Doch als der anfängliche Druck überstanden war, schlug man an vorderster Front eiskalt zu. Die nächste Gemeinsamkeit.

  • Effektive Gäste:

„Wir machten unsere Chancen nicht, hätten in den ersten Minuten einige Tore machen können.“ Das Statement kommt einem irgendwie bekannt vor. Hätte jenes am Donnerstag problemlos aus dem Linzer Lager stammen können, haderte diesmal KAC-Head-Coach Christian Weber mit der fehlenden Kaltschnäuzigkeit seiner Schützlinge.

Entnervte zuletzt Andy Chiodo anstürmende „Wings“, sorgte im zweiten Leistungsvergleich sein Gegenüber für „rot-weißen“ Frust. Das unterstreicht auch die Statistik. Im ersten Abschnitt kamen 18 teils brandgefährliche Schüsse auf das Tor. „Wir können wirklich gut Speed machen, es fehlt da nicht viel“, dachte Tyler Spurgeon, Torschütze zum 1:1, zu diesem Zeitpunkt.

Während der 29-fache Meister häufig am eigenen Unvermögen scheiterte, hatten sie auch nicht das nötige Quäntchen Glück auf ihrer Seite. Gregor Baumgartners Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 ging ein Abseits - zugegeben ein denkbar knappes – zuvor.

Zur Abschluss-Stärke gesellte sich danach noch eine hervorragende Performance.

  • Gäste kontrollieren:

In der Pause war KAC-Sportdirektor Manny Viveiros überzeugt: „Wir kommen zurück und gewinnen.“ Sein durchaus berechtigter Optimismus erhielt in den zweiten 20 Minuten einen Dämpfer. Von der offensiven Durchschlagskraft war wenig übrig, vielmehr kontrollierten die Linzer das Geschehen.

„Wir haben defensiv viel besser gespielt“, resümierte Daum. Seine Truppe war an diesem Abend ideal auf die überfallsartigen Sturmläufe eingestellt. Verspielte man zu Hause einen 2:0-Polster, verwaltete man den minimalen Vorsprung auf fremdem Eis geschickter. Anstatt blind in das eigene Verderben zu stürmen, wartete man intelligent ab, um gezielte und blitzschnelle Gegenstöße zu fahren.

Daums Vorgabe, die neutrale Zone zügiger zu überbrücken und Turnover zu vermeiden, konnte fast zur Perfektion umgesetzt werden. In den Zweikämpfen schien man geistig einen Schritt schneller, das zeigte sich besonders in den Unterzahl-Situationen.

Schon in Spiel eins übernahmen die Gäste mit Fortdauer das Kommando. Den entscheidenden Schub erarbeitete man sich dank der Special Teams. Selbiges Kunststück gelang am Sonntag den Linzern.

  • Das Penalty Killing:

Fragte man im Vorfeld nach den Schlüssel-Faktoren während der Playoffs, bekam man immer wieder Powerplay zu hören. Und erneut sollte sich dies bewahrheiten. Gleich aus dem ersten Überzahl-Spiel konnten die Oberösterreicher in Person Brian Leblers Profit schlagen - die erhoffte Führung. Der KAC lief im Gegensatz dazu im zweiten Abschnitt vier Minuten bei Fünf-gegen-Vier dem Rückstand nach, während der Konkurrent deutlich bessere Möglichkeiten vorfand.

Zum wiederholten Male wusste das von Kapitän Philipp Lukas, welcher per Shorthander in Linz sein 155. Tor und den vereinsinternen Rekord verbuchte (Eine Legende adelt den Nachfolger), angeführte Penalty Killing zu überzeugen. „Sie haben die Räume eng gemacht und uns wenig Platz gegeben“, unterstrich Weber. Hier kommt ein viel strapaziertes Unwort zum Tragen, das Momentum. Jenes befand sich durch die vergebenen Chancen auf Seiten der Linzer.

„Sie bringen uns immer wieder aus dem Konzept“, gestand Johannes Kirisits, mit seinem Doppelpack in Spiel eins noch Party-Crasher (Der Nachbericht), während eines Power-Breaks in der Schlussphase. Rund vier Minuten vor der Sirene waren die „Rotjacken“ dann im Powerplay doch noch erfolgreich, zu spät. Die Schluss-Offensive blieb unbelohnt.

 

Erstmals in den Playoffs fiel die Eishockey-Festung Klagenfurt, von allzu großer Enttäuschung ob der Niederlage war dennoch keine Spur. Der Blick richtet sich sofort auf die kommenden Aufgaben, also Finale drei am Dienstag. „Wir haben sehr gut gespielt, Linz auch. Jetzt steht es 1:1, nun holen wir uns eben den nächsten Sieg“, wartete Weber mit einer Kampfansage auf

Sein Pendant Daum atmete danach kräftig durch: „Die letzten Minuten ist der KAC nochmals wirklich stark aufgekommen.“ Die Revanche ist den Black Wings jedenfalls geglückt.

Trotz aller Parallelen.

Christoph Köckeis

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