Die große LAOLA1-GD-Analyse: Teil II

Aufmacherbild
 

Der Grunddurchgang der Saison 2012/13 ist Geschichte und die Teilnehmer der Platzierungs- bzw. Qualifikationsrunde stehen fest.

In 44 Runde mit insgesamt 264 Spielen kamen die Eishockey-Fans voll auf ihre Kosten. Egal ob Freiluftspiele, NHL-Imports, Trainerentlassungen oder andere Geschichten, die die EBEL-Welt bewegt haben, die Regular Season hatte eine Menge Highlights zu bieten.

LAOLA1 analysiert die Auftritte der einzelnen Mannschaften im Grunddurchgang und nimmt nach der Platzierungsrunde (Hier gehts zur Analyse) nun die Teams der Qulaifikationsrunde unter die Lupe.

HC Znojmo

Verpasste man in der Debüt-Saison die Platzierungsrunde noch deutlich, kämpften die Tschechen in ihrem zweiten Jahr in der EBEL bis zwei Spieltage vor Schluss um einen Platz unter den Top sechs. Vor allem in der Fremde zeigten sich die „Roten Adler“ stark verbessert und belegten in der Auswärtstabelle Rang fünf und gehen nun mit vier Bonuspunkten in die Qualifikationsrunde.

Man to watch: Die Tschechen verfügen über eine große Anzahl von Spielern, die Jahrgang 1991 und jünger sind und sich noch entwickeln können. Neben dem bereits erwähnten Jarusek macht vor allem Petr Beranek in seiner ersten EBEL-Saison auf sich aufmerksam. Der 19-Jährige stand als einziger EBEL-Spieler bei der U20-WM in Russland auf dem Eis.

Pechvogel: Adam Havlik glänzte in der letzte Saison noch mit 39 Punkten, was ihm den zweiten Platz in der teaminternen Scorerwertung einbrachte. Momentan steht er mit 18 Punkten nicht so stark da, was aber keineswegs an schlechteren Leistungen liegt, aber irgendwie scheint er seine Kaltschnäuzigkeit verloren zu haben. Anders lassen sich die zahlreichen vergebenen Großchancen und Aluminiumtreffer kaum erklären.

Spieler des Grunddurchgangs: Obwohl er erst 21 Jahre alt ist, drückte Richard Jarusek dem Grunddurchgang seinen Stempel auf. Lief er vergangene Saison noch unter „Durchschnitt“, blühte er in dieser Spielzeit regelrecht auf. Mit 41 Punkten in 42 Spielen führt der 0-Punkte-Spieler die interne Rangliste überlegen an und belegt ligaweit den zwölften Platz in dieser Kategorie. Bleibt abzuwarten, wie lange er noch in der EBEL spielt.

"Kurioses": „So ein schmutziges Eishockey habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, so charakterisierte Salzburg-coach Pierre Page den Auftritt der Tschechen im Volksgarten. Interessante Aussage. Vor allem wenn man bedenkt, dass Znojmo die Fair-Play-Wertung anführt. Die „Roten Adler“ kassierten als einziges EBEL-Team weder eine Match- noch eine Spieldauerdisziplinarstrafe.

RB Salzburg

„Wer bei Red Bull arbeitet, lernt sehr schnell, dass nur Siege zählen“, antwortete Pierre Page vor der Saison auf die Frage nach den Saisonzielen. Damals wusste der Kanadier noch nicht, was in den folgenden Monaten alles schief gehen würde. Schwache Leistungen, zahlreiche Transfers, die Posse um die NHL-Spieler… Salzburg wirkte wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Gegen Ende des Grunddurchgangs brachte man endlich ein wenig Stabilität in die Mannschaft, zu spät, um der Qualifikationsrunde noch zu entgehen. Zu wenig für die Ansprüche des Dosen-Imperiums, bei welchem wie erwähnt nur Siege zählen.

Man to watch: Luca Gracnar - Der Slowene ist gerade mal 19 Jahre alt und verdrängte unter anderem den arrivierten NHL-Goalie Alex Auld auf die Bank und später aus dem Kader. In 22 Spielen kam Gracnar auf eine Save-Percentage von 92,36 und schaffte es im Midterm-Ranking des Central Scouting Service der NHL auf den fünften Rang der europäischen Torhüter.

Pechvogel: Der Nationalspieler Daniel Welser bekam im Spiel gegen den VSV unglücklich den Puck ins Gesicht und erlitt einen Kieferhöhlen- und Nasenbeinbruch sowie ein Cut an der Oberlippe. Nachdem er kurz in der Kabine genäht wurde, spielte Welser trotz Verletzung die Partie noch zu Ende. Am 42. Spieltag wiederholte sich die Geschichte. Der 29-jährige Verteidiger wurde erneut von einem Schuss im Gesicht getroffen. Der Puck kam mit solcher Wucht, dass das Plexiglas-Visier zerbarst. Glück im Unglück: Welser zog sich nur eine schmerzhafte Gesichtsprellung zu und stand im nächsten Spiel natürlich wieder auf dem Eis.

Mann des Grunddurchgangs: Wenn auch nicht immer positiv, hat Pierre Page den Grunddurchgang seiner Mannschaft weit über die normalen Verhältnisse eines Coaches geprägt. Unfassbar, was der Kanadier in diesem Grunddurchgang mit seinem Kader anstellte. 15 Legionäre, die NHL-Profis nicht mitgezählt, holte Page in den letzten Monaten nach Salzburg. Die Lockout-Spieler, mit Ausnahme von Johnny Boychuk und Derek Dorsett, suchten allesamt nach kurzem Engagement in der Mozartstadt das Weite. Angeblich wegen Differenzen mit dem Head Coach. Die Unruhen im Verein, die zu den schwachen Leistungen führten, waren zum größten Teil selbstverschuldet.

„Kurioses“: Die Affäre mit den NHL-Spielern hatte etwas Merkwürdiges. Als hätten sie einen Geist gesehen, verließen Derick Brassard, Michael Duco und David Clarkson fluchtartig die Mozartstadt. Ersterer holte nach seinem Abgang noch verbal aus und verpasste dem Klub so manche Spitze (Hier geht’s zum Zitat). Der Klub rechtfertigte sich, sah den Fehler bei den Spielern. So oder so, die Transferaktivitäten mit den Lockout-Spielern warfen kein gutes Bild auf den Verein.

Fehervar AV19

Die Ungarn spielten einen soliden Grunddurchgang, mehr aber auch nicht. In 44 Spielen waren die roten Teufel nur 15 Spieltage in den Top sechs. Zudem hat Fehervar seit Weihnachten eine wahre Niederlagenserie hingelegt - in den letzten elf Matches gingen die Magyaren acht Mal als Verlierer vom Eis. Einfacher wird es für Fehervar nicht werden. Denn mit den überraschenden Abgängen von Balazs Ladanyi und Eric Johansson, verlor der Klub aus der Stadt der Könige zwei ihrer besten Punkt-Spieler. 

Spieler des Grunddurchgangs: Istvan Sofron. Das ist jetzt nicht die große Sensation, aber der 24-Jährige hält bei 18 Treffern, 17 Assists und ist somit die Lebensversicherung des östlichsten EBEL-Mitgliedes.

Man to watch: Bence Balizs. Der 22-jährige Torhüter gehört zu den positiven Überraschungen des heurigen Grunddurchgangs. Balizs spielte in 18 Partien und hält bei einer Fangquote von 91,67 Prozent. Immerhin lässt er EBEL-Größen wie Andy Chiodo oder Frederic Cloutier hinter sich.

Pechvogel:  Viktor Tokaji. Der Verteidiger ist nicht gerade als torgefährlicher Spieler bekannt. Vor zwei Jahren traf der Routinier zumindest noch zweimal, letzte Saison einmal und heuer muss der mittlerweile schon 36-Jährige vergeblich auf einen Torjubel warten.

„Kurioses“: Mit 14. Oktober trennte sich der Verein von Trainer Kevin Primeau. Brisantes Detail, der Kanadier ist weiterhin Coach der ungarischen Nationalmannschaft. Der 58-Jährige wird somit in die kommende B-WM mit seiner ehemaligen Truppe gehen. Denn bekanntlich besteht das ungarische Nationalteam fast nur aus Spielern von Fehervar AV19.

Olimpija Ljubljana

Nach dem im Sommer erfolgten Umbruch, erwartete keiner Großes von den „Drachen“. Doch dank Lockout-Crack Jan Mursak verfügten die Slowenen über eine der gefährlichsten Angriffsreihen der EBEL. Die Toplinie, in der neben Mursak noch Brock McBride, der bei den Vienna Capitals das Tryout nicht überstand, und Chris D’Alvise spielten, sammelte 138 Scorerpunkte. Insgesamt verfügt der Ljubljana-Kader aber über zu wenig Tiefe, weswegen Platz 10 auch nicht überraschend ist.

Spieler des Grunddurchgangs: Auch wenn Mursak nicht mehr im Kader von Ljubljana steht, führt am Spieler der Detroit Red Wings kein Weg vorbei. Während des NHL-Lockouts absolvierte der 23-jährige Angreifer 30 Spiele für Olimpija und verbuchte 48 Punkte, davon 19 Tore und 29 Assists.

Man to Watch: Der 21-jährige Miha Verlic verdoppelte in seiner zweiten EBEL-Saison seine Punkteausbeute. Der 1,94 Meter große Center überzeugte mit sechs Toren und ebenso vielen Vorlagen. Zweimal erziele er dabei das Game-Winning-Goal.

Pechvogel: Ein schlechteres Timing als Heikki Mälkiä kann man fast nicht haben. Der finnische Coach kam im Sommer aus Jesenice zu den „Drachen“ und wurde nach nur einem Sieg in den ersten sechs Runden entlassen. Gleich danach wurde Mursak verpflichtet. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass Mälkia mit dem Red Wing im Team bessere Resultate abgeliefert hätte.

"Kurioses": Neben den erfolgreichen Open-Air Spielen im Bezigrad-Stadion, die von jeweils 9.000 Zuschauern verfolgt wurden, und einem überaus sehenswerten Penalty von Peter Ratchuk machten die Slowenen vor allem als Riesentöter auf sich aufmerksam. Sie konnten als einziges Team der EBEL gegen die Vienna Capitals, Medvescak Zagreb und den VSV jeweils drei der vier Grunddurchgangs-Partien gewinnen.

Dornbirner Eishockey Club

Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Das musste man in dieser Saison auch in Vorarlberg feststellen. Im historischen ersten Spiel in der höchsten österreichischen Spielklasse kassierten die Bulldogs eine 0:6-Niederlage gegen den VSV, wobei man nach acht Minuten bereits 0:3 zurücklag. In Laufe der Saison steigerte sich das „Ländle-Team“ und ließ vor allem Mitaufsteiger Innsbruck deutlich hinter sich. Mit Fortdauer der Meisterschaft kamen auch immer mehr Zuschauer in die Messehalle. Das Projekt scheint also langsam zu greifen.

Man to Watch: Die Dornbirner haben es auf ihre Fahne geschrieben, jungen Spielern die Chance zu geben, sich auf höchste Niveau zu präsentieren. Einer, der diese Möglichkeit derzeit zu nützen weiß, ist Alexander Feichtner. Nachdem ihm der Durchbruch bei RB Salzburg verwehrt bliebt, zeigt der 23-Jährige bei den Bulldogs, dass durchaus Potential in ihm steckt.

Pechvogel: Chris Harand absolvierte ein Tryout bei den Vorarlbergern, konnte aber aufgrund einer Fingerverletzung nur sieben Spiele machen. Der ehemalige Nationalspieler wollte sich wieder in Rampenlicht spielen, nachdem er ein ganzes Jahr lang bei den Vienna Capitals gestanden war. Sein Körper machte ihm einen Strich durch die Rechnung und Dornbirn sah von einer Verpflichtung ab.

Mann des Grunddurchgangs: Ohne Zweifel ist Luciano Aquino DIE absolute Entdeckung, nicht nur für Dornbirn, auch ligaweit. Mit 60 Punkten liegt er in der Wertung der Top-Scorer nur einen Punkt hinter dem führenden VSV-Stürmer Derek Ryan. Herauszustreichen ist außerdem Andrew Kozek, der bereits 30 Treffer erzielen konnte und damit der torgefährlichste Stürmer des gesamten Grunddurchgangs war.

„Kurioses“: Verteidiger David Printz weilte bereits in Lustenau, um die Vorarlberger im Kampf um die Meisterschaft in der Inter-National-League zu unterstützen. Der Verein aus der größten Marktgemeinde Österreichs hatte den Transfer des 32-Jährigen auch bereits offiziell verkündet, bis ein Angebot der Dornbirner ins Haus flatterte. Der EHC Lustenau zeigte sich galant und ließ Printz ziehen.

HC Innsbruck

Es war zu erwarten, dass das erste Jahr in der EBEL für den Nationalliga-Meister kein Zuckerschlecken wird. Und dass der „Tiroler Weg“ ein steiniger werden wird, war den Verantwortlichen auch bewusst. Dass man aber der Konkurrenz, allen voran dem Mitaufsteiger aus Dornbirn, so weit hinterherhinkt, hatte man bei den „Haien“ nicht erwartet. Zuletzt zeigte man immerhin mit ansprechenden Leistungen und Auswärtssiegen gegen Zagreb und den KAC auf.

Man to Watch: Wenn Christoph Echtler körperlich zulegt, kann er seine Schnelligkeit in Zukunft zu mehr Punkten nutzen. Das Potential ist bei dem 23-Jährigen sicherlich vorhanden. Daneben gilt Mario Huber als das Toptalent und hatte mit 16 schon zwei Einsätze in der ersten Mannschaft.

Pechvogel: Andreas Hanschitz verpasste erst aufgrund eines Autounfalls und dem deshalb erlittenen Schleudertraumas den sensationellen Auswärtserfolg gegen den KAC, dann verletzt er sich nach wenigen Minuten im nächsten Spiel gegen Graz am Knöchel.

Spieler des Grunddurchgangs: Andreas Nödl, weil es ihm gelungen ist, so etwas Ähnliches wie Euphorie auszulösen, auch wenn sie nur von kurzer Dauer war. So war das Heimspieldebüt von Nödl gegen den VSV auch die einzige Partie, bei der das „Ausverkauft“- Schild in der TIWAK- Arena ausgepackt werden musste.

„Kurioses“: Umso fremder, umso besser. Sechs von acht Siegen wurden auswärts gefeiert, fünfmal war der Gegner kein österreichischer Club (2xLjubljana, 1x Zagreb, 1x Znojmo, 1xFehervar). Dass sich Bryan McGregor auf eine Schlägerei mit Salzburgs Derek Dorsett eingelassen hat, fällt unter die Kategorie „Leichtsinn“. Dieser genießt in der NHL nämlich einen Ruf als Raufbold, dementsprechend wurde der gute McGregor ordentlich vermöbelt.

Platzierungsrunde: 1. Runde (Dienstag, 19.15 Uhr)
VSV - Zagreb
Graz - Linz
KAC - Capitals

Qualifikationsrunde 1. Runde (Dienstag, 19.15 Uhr)
Znojmo - Innsbruck
Salzburg - Dornbirn
Fehervar - Ljubljana

Sebastian Rauch, Fabian Santner, Alexander Planasch

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen