Der kleine, feine Unterschied

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Brandner: "Wir waren sicherlich das bessere Team"

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„Das ist Eishockey – für Österreich!“

Kicker Stefan Maierhofer war am Dienstag nicht in der Linzer Eishalle. Wäre er in jener gewesen, er hätte seinen legendären Fußballer-Sager wohl auf den schnellsten Teamsport der Welt umgemünzt.

Keine Frage, das EBEL-Finale 2012 bot auch in seiner dritten Ausgabe tolles Eishockey mit großer Qualität: Hohes Tempo, hohe Intensität sowie tolle Einzelaktionen und Tore – alles war dabei.

Die 3650 Zuschauer in der aus allen Nähten platzenden „Keine-Sorgen-Arena“ kochten über. Freilich war dies mehr den Gastgebern geschuldet, die mit einem 6:2-Sieg in der Serie auf 2:1 stellten und als erste Mannschaft einen Heimerfolg verbuchen konnten.

„Sieg zu hoch“

Ein Kantersieg, der sich erst spät abzeichnete. Woraufhin sich alle Protagonisten einig waren: Vom Ergebnis ein zu deutlicher Unterschied.

„Das 6:2 ist auf jeden Fall zu hoch“, musste etwa Linz-Verteidiger Robert Lukas nach seinem 700. Liga-Spiel eingestehen. „Das war keinesfalls ein 2:6-Spiel", pflichtete ihm wenig überraschend KAC-Goalie Andy Chiodo bei.

So temporeich die 60 Minuten von statten gingen, so schnell gab es auch Grund zum Jubeln. Bereits nach 36 Sekunden hatte es geklingelt, als Daniel Oberkofler die Linzer in Führung brachte.

Was wie ein „Eiertor“ aussah, entpuppte sich als Unglück für den Schlussmann der Klagenfurter. Die Scheibe hatte sich kurz vor dem Tor versprungen und fand den Weg ins Gehäuse.

„Das passiert im Eishockey nunmal“

 „Ich wollte einfach auf das Tor schießen, um für einen Rebound zu sorgen“, war der Torschütze selbst überrascht. Chiodo kommentierte danach trocken: „Das passiert im Eishockey nunmal.“

Selbst die Linzer konnten mit dem Kanadier mitfühlen. Wie etwa „Bobby“ Lukas: "Das Eis ist nicht das Beste. Was soll er sich vorwerfen? Die Scheibe ist blöd vor ihm aufgesprungen, dass es ein ‚Eiertor‘ ist, ist unglücklich. Uns ist gegen Wien ein Tor gegeben worden, das keines war. Alles kommt zurück.“

Auch der KAC. Wieder einmal. Wie schon in Spiel eins holten die Gäste einen 0:2-Rückstand auf, drehten ihn diesmal aber nicht zum zweiten Sieg, sondern kassierten selbst die Niederlage.

„Das 3:2 war keine Frage der Knackpunkt. Wäre es umgekehrt passiert, hätte das Spiel natürlich auch in die andere Richtung kippen können“, wusste Lukas.

Nur 37 Sekunden nach dem Ausgleich durch Joey Tenute brachte der Linzer Top-Torjäger Mike Ouellette mit seinem ersten Final-Tor die Hausherren zurück auf die Siegerstraße.

KAC-Coach Weber musste sich ärgern

„Wir waren am 3:2 näher als sie, aber genau dann schießen sie es“, ärgerte sich KAC-Trainer Christian Weber, der darin die Wurzel der Niederlage sah: "Wir müssen die Tore machen, daran liegt es."

Der Schweizer Trainer legte nach: "Wir haben eine Zeit lang dominiert, gutes Powerplay und Penalty-Killing gespielt. In den entscheidenden Momenten haben wir die Tore nicht gemacht, sondern sie. Das ist der Unterschied. Weil etwa auch vom Läuferischen waren wir heute besser als Linz."

Christoph Brandner schlug in dieselbe Kerbe: "Wir waren sicherlich das bessere Team, haben auch genügend Druck gemacht. Es fehlt aber etwas das Glück, um zu treffen. Jedes Mal, wenn wir nur noch warten bis es klingelt, kriegen wir eines. Das bricht den Spielfluss, danach ist es schwierig.“

Keine Trauer, keine Euphorie

Der Kapitän hob aber hervor: „Auch in dieser Partie sind wir wieder zurückgekommen. Nach dem vierten Tor war es aber vorbei, da haben wir gewusst, dass heute nichts mehr geht."

Nichtsdestoweniger wirkten die „Rotjacken“ ob der letztlich klaren Niederlage nicht geknickt.

"Das kann man absolut wegstecken, es war nur ein Spiel. Es ist besser man verliert 2:6 als 2:3“, meinte etwa Raphael Herburger.

„Nach den Gegentoren ist es klar, dass man hinten etwas aufmacht. Ob du dann 2:4 oder 2:6 verlierst ist völlig egal“, meinte Weber.

Egal war Rob Daum dieser Sieg sicher nicht. Der Linzer Coach zeigte sich zufrieden: „Wir haben heute einiges besser gemacht.“

Zum Beispiel? "Wir haben, vor allem im 2 gegen 1 und 3 gegen 2, kaum Chancen zugelassen. Wenn sie dann Möglichkeiten hatten, war Alex zur Stelle und hat seinen Job gemacht.“

„Momentum ist nicht so wichtig“

Mit Alex ist Goalie Westlund gemeint, der wie zuletzt beim 3:2-Sieg in Klagenfurt toll aufspielte. Den zwei Gegentreffern gingen zwei „offensichtliche Fehler“ (Daum) seiner Mitspieler voraus.

"Das Team hat wirklich gut gespielt. Wir haben es dieses Mal besser gemacht, nämlich dass wir das Spiel im dritten Drittel auch unter Kontrolle hatten. Das war bei den ersten beiden nicht der Fall", weiß Westlund.

Wie auch: "Das Momentum ist nicht so wichtig, es zählt, wie du das nächste Spiel spielst."

Wo wir wieder beim nächsten Konsens wären. "Donnerstag beginnt es von neu“, meinte Herburger. "Wir sind erst bei der Hälfte“, blieb Daum bescheiden.

"Es ist nicht so, dass der eine so viel besser war als der andere. Es sind diese bekannten Kleinigkeiten, die heute für uns gesprochen haben“, hielt Lukas fest.

Richtig, es war nur ein Spiel. Aber was für eines.

 

 Bernhard Kastler

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