Die "kalte" Demontage

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Kalt: "So kommt eben die Verstimmung zustande!"

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Dieter Kalt wirkt ratlos, fast perplex. Der ansonsten wortgewandte und eloquente Interview-Partner konnte den Schock noch keineswegs verdauen.

Monatelanges Rätselraten über die Zukunft endete Montags während eines Gesprächs mit Hellmuth Reichel, dem Vize-Präsidenten des KAC. Danach hatte der 37-Jährige die bittere Gewissheit.

Der mit Saisonende ausgelaufene Kontrakt wird nicht verlängert. Sein Lebensverein legt schlichtweg keinen Wert mehr auf die Dienste des Urgesteins.

„Der Klub hat keinen Platz mehr. Ich habe mich in mehreren Positionen angeboten, doch das Interesse ist nicht vorhanden. Das gilt es zu akzeptieren“, betont ein hörbar geknickter Kalt gegenüber LAOLA1.

Wo liegt nun seine Zukunft? Noch ein weiteres Jahr als Aktiver? Oder Karriereende? Darüber machte er sich bislang keine Gedanken.

Zu allgegenwärtig sind die Geschehnisse, zu viel Glas scheint zerbrochen.

Langes Warten war vergeblich

Auf Nachfrage gibt der gebürtige Klagenfurter einen Einblick in seine Gefühlslage: „Die Enttäuschung ist da, keine Frage. Der KAC war stets die erste Option, sämtliche Gespräche mit der sportlichen Leitung wurden hingehend der Vertragsverlängerung geführt. Letztlich zog sich all das länger hinaus, deshalb war es für mich keine so große Überraschung.“

Schon im Januar lief der Prozess an, eine weitere Zusammenarbeit schien lediglich eine Frage der Zeit zu sein. Die Realität sieht anders aus, seine insgesamt elfte Saison sollte die letzte für die „Rotjacken“ bleiben.

„Das Ärgerlichste bei dem Ganzen ist, dass es solange dauerte. Ich wollte frühzeitig die Planungen abschließen, allerdings warteten meine Familie und ich vergeblich. Jetzt ist eine konkrete Aussage gekommen. Es ist so, wie es ist.“

Um darüber informiert zu werden, „musste ich erst zum Vorstandschef gehen. Das ist enttäuschend.“ Dabei schwingt reichlich Frust mit.

Verstimmung über sportliche Leitung

Auf diesen fahlen Beigeschmack hätte Kalt bei seinem Abschied gerne verzichtet, wie er unmissverständlich klarstellt: „Hellmuth (Anm: Reichel) sagte mir: Coach Christian Weber hätte die Entscheidung zwischen mir und einem Ausländer gehabt, da bevorzugte er Letzteres. Obwohl kürzlich der Sportdirektor anders darüber sprach. So kommt eben die Verstimmung zustande.“

Der Sportdirektor, damit ist Manny Viveiros – langjähriger Trainer und Wegbegleiter – gemeint. Erst kürzlich wurde der Austro-Kanadier selbst in das zweite Glied regelrecht zurückgedrängt, fühlte sich nicht fair behandelt. Wenige Monate später spielte ausgerechnet er nicht mit offenen Karten?

Was Schuldzuweisungen betrifft hält sich Kalt zurück. In der Öffentlichkeit jemanden anzuschwärzen, war noch nie sein Stil. Konflikte über die Presse noch viel weniger. Was er sagen möchte, sage er den Betroffenen ins Gesicht.

„Sollte auf eine faire Art und Weise geschehen“

„Die Führungsetage muss das machen, was sie glauben, dass das Beste ist. Man kann absolut keine Rücksicht auf private Befindlichkeiten legen. Das wäre ein großer Fehler. Wenn jemand für das Team besser ist als ein anderer, dann gilt es so zu entscheiden. Solche Dinge sind nicht persönlich zu nehmen“, kennt der „alte Hase“ die Methoden im Eishockey-Business.

Die Verantwortlichen haben schließlich – wie die Bezeichnung vermuten lässt – die Verantwortung zu tragen. Bei Erfolg und Misserfolg. Aber: „Es sollte auf faire Art und Weise geschehen. Dann kann man sich hinterher in die Augen schauen. Was soll ich sagen? Der KAC will mich eben nicht mehr.“

Ein Statement, welches eindeutige Schlüsse zulässt. Denn der unrühmliche Abschied hat einen Hauch von Demontage. Und Viveiros dürfte wohl mit schuld sein. Trainer Weber möchte Kalt indes keinen Vorwurf machen.

Kalt war „für alles offen“

„Er kann Wünsche äußern, jene werden von oberster Stelle abgesegnet. Mir gegenüber war Christian sehr ehrlich und fair. Wie die Kader-Planung aussieht, ist für mich uninteressant. Es geht nur darum, dass sie mich nicht mehr benötigen.“ Nicht als Aktiver. Und nicht in anderweitiger Tätigkeit.

Durchaus hätte sich Kalt mit dem Gedanken anfreunden können, die aktive Karriere zu beenden, um in der Eishockey-Hochburg weiter zum Erfolg beizutragen: „Mehrere Funktionen wären möglich gewesen. Noch bin ich in einem Alter, wo ich einige Jahre anhängen könnte. Eröffnen sich allerdings Optionen, wo man sich hocharbeiten oder einbringen kann, wäre das zu überlegen gewesen.“

Laut eigenen Angaben war er „für alles offen“. Warum letztlich eine Eishockey-Ikone nicht an den traditionstreuen KAC gebunden wird, dafür findet der Leidtragende keine Erklärung.

„Ich bin hier aufgewachsen, habe mein Handwerk hier erlernt. Über 30 Jahre war ich Botschafter des Vereins - im Ausland und in der Heimat“, so ein nachdenklicher Kalt.

„Durch das Theater die Lust verloren“

Wohin seine sportliche Reise nun führt, darüber „gilt es mit der Familie zu beraten“. Konkretes kann er nach derart kurzer Zeit nicht vermelden: „Da der KAC meine erste Adresse war. Ich fliege zuerst zur A-Weltmeisterschaft, dort werde ich ein Coaching-Symposium besuchen.“

Weiterbildung für die Zeit danach? „Um meine Lizenz zu behalten, muss ich gewisse Fortbildungen besuchen. Beim größten Kongress dabei zu sein, ist der beste Anlass. Auch um Kontakte aufleben zu lassen“, gibt Kalt, der vor eineinhalb Jahren seine Trainer-Ausbildung abschloss, zu verstehen.

Nach dem ernüchternden Ende seiner Ära in Klagenfurt steht ein selbiges der Karriere offener denn je zur Diskussion. „Durch das ganze Theater habe ich etwas die Lust verloren. Ich brauche Zeit, um das Ganze sacken zu lassen.“

Der Schock sitzt bei Dieter Kalt noch immer tief.

Christoph Köckeis

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