"Es gab 2, 3 Optionen für Vanek"

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Bei ihm erkundigte sich Vanek über die 99ers

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Vor wenigen Tagen läutete bei Harry Lange das Telefon. Am anderen Ende der Leitung eine dem Eishockey-Legionär vertraute Stimme. Jene von Thomas Vanek.

„Er wollte sich bei mir über die 99ers und die Bedingungen in Graz erkundigen“, verrät der ÖEHV-Crack in Diensten des deutschen Oberligisten (dritte Leistungsstufe) Bad Nauheim.

„Er hat gefragt, wie der Coach, die Leute im Klub und die Trainingsmöglichkeiten sind. Ob es beispielsweise eine Kraftkammer gibt“, lässt der Kärntner durchblicken, dass er von Vaneks sensationellen Lockout-Intermezzo in der Murstadt bereits ein wenig früher als der „Otto-Normal-Fan“ wusste.

Dass sich der NHL-Star da ausgerechnet an Lange wendet, ist indes weniger sensationell, schließlich sind die beiden langjährige Freunde und der Ex-99er sogar Vaneks Trauzeuge.

Auch andere Möglichkeiten

Für den Goalgetter der Buffalo Sabres bietet das Gastspiel in der Erste Bank EHL eine tolle Gelegenheit, um sich einerseits für die NHL fit zu halten und andererseits Zeit bei seinen Eltern zu verbringen.

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„Thomas sieht das als Vorbereitungsphase, er möchte sich fit halten“, bestätigt Lange im Gespräch mit LAOLA1.

In der EBEL seien die 99ers keineswegs die einzige mögliche Adresse für den Center gewesen. „Zwei, drei Vereine“ sollen sich angeboten haben. Welche das waren, wollte Lange zwar nicht verraten, doch dies läge laut dem 28-Jährigen ohnehin auf der Hand, womit es sich wohl nur um die Vienna Capitals, die mit Corey Potter nur einen Tag später einen NHL-Crack holten, und die durch Dosen-Millionen beflügelten Salzburger handeln kann.

Taten statt Worte

Der Grund, warum die Wahl letztendlich auf Graz fiel, ist naheliegend: Es ist die Ruhe, die er bei seinen Eltern genießt.

„Über andere Klubs hat er auch gar nicht mit mir gesprochen. Er freut sich, daheim spielen zu können“, unterstreicht Lange, der den Millionen-Stürmer als ruhigen Typen beschreibt.

„Thomas ist kein Mann der großen Worte, er lässt lieber Taten sprechen. Obwohl er in Amerika ein Superstar ist, hat er sich kein bisschen verändert. Um kein einziges Grad – egal, wie viele Nullen auf seinem Bankkonto hinten dazugekommen sind“, charakterisiert Lange seinen Kumpel, mit dem ihm bereits seit rund 15 Jahren eine Freundschaft verbindet.

„Einer, der für jeden Spaß zu haben ist“

Des Öfteren war Lange auch schon in Minnesota, um der berüchtigten Nummer 26 einen Besuch abzustatten.

„Wenn es gut geht, sehen wir uns zwei, drei Mal im Jahr. Wenn ich dann mal zu ihm rüber fliege, nützen wir die Zeit meistens für andere Dinge als Eishockey“, grinst Lange, der für die Trainingseinstellung des nationalen Idols selbstredend nur lobende Worte findet.

Vanek löst eine Euphorie in Graz aus

Auch während Vaneks alljährlichem Elternbesuch sehen sich die beiden.

Während des 99ers-Gastspiels würde sich für Lange der ein oder andere Abstecher nach Graz anbieten, doch „das wird nicht so einfach. Die deutsche Oberliga ist vergangenen Sonntag in die neue Saison gestartet“, weiß der ehemalige Kapitän der Murstädter noch nicht, ob es der Spiel- und Trainingsplan zulässt.

Riesen-Chance für Graz

In Graz steht den Vereinsverantwortlichen eine Vanek-Mania ins Haus. Der Run auf die Karten für die sieben Heimspiele (zum Spielplan) hat begonnen. „Für Graz ist es einmalig“, verfolgt Lange das Geschehen bei seinem Ex-Klub nach wie vor genau.

„Damit gibt Thomas dem Grazer Publikum, das in den letzten Jahren sehr viel leiden musste, sehr viel zurück. Ich finde es für die ganze Liga gut.“

Auf den in die Jahre gekommenen Bunker wartet ein Fan-Ansturm.  Zumal sich die 99ers mit starken Leistungen in der noch jungen Saison auf den vierten Tabellenplatz vorgearbeitet haben. „Und jetzt kommt auch noch Thomas. Na wenn das keinen Schub gibt, dann gibt es für das Grazer Eishockey überhaupt nie wieder einen Schub“, so Lange.

Beste Grüße an die „Schönwetter-Fans“

Die entstehende Vanek-Mania stimmt Lange aber auch nachdenklich. Zu gut sind ihm noch die Unkenrufe im Ohr, als der Top-Angreifer aufgrund von Verletzungen nicht für das Nationalteam auflief.

„Was da vor allem von einigen Zeitungen und den sogenannten Schönwetter-Fans auf ihn eingeprasselt ist, war nicht gerechtfertigt. Hinter teils vorgehaltener Hand wurde gesagt: So verletzt kann er gar nicht sein, wenn er für Buffalo spielen kann. Aber ich sage: Die Sabres sind nun mal sein Arbeitgeber, das ist halt so. Und wenn er glaubt, dass er zu hundert Prozent fit ist, dann kommt er gern zum Team. Das hat er immer betont“, redet sich Lange den Frust von der Seele.

Hat diese Kritik aus Österreich an Vanek genagt? „Nein, überhaupt nicht. Da steht er drüber. Ich bin jetzt nicht Mutter Teresa, mache mir aber über einen Freund sehr wohl Gedanken. Aus den USA ist er sicherlich ganz andere Kritik gewohnt, daher ist das für ihn kein Thema. Aber ich möchte im Moment der ganzen Hysterie nicht vergessen, dass genau die Fans, die sich jetzt über sein Kommen so freuen, jene sind, die davor hingehauen haben.“

Doch mehr will Lange, der bei Aufstiegs-Aspiranten Bad Nauheim einen Einjahres-Vertrag hat, auch gar nicht kritisieren.

„Jetzt lasst es uns einmal genießen, dass Thomas da ist.“

Reinhold Pühringer

Vanek LIVE bei LAOLA1.tv: Freitag, 5.10., ab 19:10 Uhr Graz 99ers-Zagreb

Alle Highlights in der "Servus Hockey Night" ab 23:15 Uhr.

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