Von kiffenden Spielern und neuem Torrekord

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Die Erste Bank Eishockey Liga befindet sich vor ihrer 23. Runde, oder anders gesagt, die Hälfte des Grunddurchgangs ist gespielt.

Grund genug, dass LAOLA1 die Tops und Flops, die bisherigen Überraschungen, die Schmankerln abseits des Eisrinks und vieles mehr der 22 Runden nochmals in Erinnerung ruft.

Was fiel positiv auf?

Mut zur Offensive: Nach 22 Runden haben die zwölf EBEL-Klubs 886 Tore erzielt. Das ist ein Torschnitt von 3,35 Treffern pro Spiel und somit eine Steigerung zur Saison 2011/2012, in der nach dem Grunddurchgang ein Schnitt von 3,02 zu konstatieren war.

Das Lernen aus Fehlern, am Beispiel VSV und Vienna Capitals: Vergangene Saison noch die Enttäuschungen der Liga, haben sich bis dato alle im Sommer getroffenen Entscheidungen als goldrichtig erwiesen. Hauptsächlich haben beide Vereine bekannte Spieler aus der EBEL geholt und zudem mehr auf den Charakter als auf die Statistik geachtet. Und siehe da, die Hauptstädter sind mit der besten Defensive Tabellenzweiter, die Draustädter sind mit der besten Offensive Dritter.

Zagreb ist eine Bereicherung für die Liga

Nicht-Österreich: Im Zuge des EBEL-Finales 2011/2012 zwischen den Black Wings Linz und dem KAC, freute sich Liga-Präsident Dr. Karl Safron, dass es ein „österreichisches Finale gäbe.“ Dass aber ein Drittel der Liga-Teams von nicht-österreichischen Vereinen gestellt wird, wurde nicht erwähnt. Auch dass der jährliche Zuschaueranstieg mit HC Znojmo, Medvescak Zagreb, SAPA Fehervar AV19 und Olimpija Ljubljana Hand in Hand gehen, wurde gekonnt verschwiegen.

Umso erfreulicher kann festgehalten werden, dass speziell die ausländischen EBEL-Vertreter die Liga gehörig aufmischen. Zagreb lacht zur Halbzeit von der Spitze herab. Znojmo ist in seiner zweiten Saison auf dem vierten Rang und Fehervar behauptet aktuell den fünften Platz. Zudem wurde die EBEL dank der kroatischen Gladiatoren-Festspiele im Amphitheater von Pula in den amerikanischen Medien erwähnt. Und zusätzlich findet derzeit vor 15.000 begeisterten Fans das jährliche „Ice Fever“ in der ARENA von Zagreb statt.

Strafen: Ob die Liga fairer geworden ist oder die Schiedsrichter besser bzw. schlechter pfeifen, kann nicht eindeutig gesagt werden. Fakt jedoch ist: Die Strafminuten pro Spiel nehmen ab. War vergangene Saison ein Strafminuten-Schnitt von 19,01 zu erkennen, so ist dieser bis dato auf 17,48 Minuten pro Spiel geschrumpft.

Luciano Aquino: Auch wenn der Aufsteiger aus dem Ländle nur auf dem vorletzten Platz rangiert, mit Luciano Aquino haben die Dornbirner einen wahren Glücksgriff getätigt. In 22 Spielen erzielt der 27-Jährige sagenhafte 33 Punkte, oder: Bei 48,53 Prozent aller „Bulldogs“-Treffer hat der Kanadier seinen Schläger mit im Spiel.

Der KAC-Gönnerin (re.) ist viel zu verdanken

Heidi Horten: Die KAC-Gönnerin ermöglicht dem Rekordmeister die Verpflichtung von drei NHL-Spielern. Mit Sam Gagner von den Edmonton Oilers, Tyler Myers von den Buffalo Sabres und Andrew Cogilano von den Anaheim Ducks, laufen drei Übersee-Cracks während des Lockouts in der Klagenfurter Messehalle auf.

 

Was muss verbessert werden?

Die zahnlosen „Haie“ aus Innsbruck: Der Aufsteiger aus Tirol hat zwar vor der Saison von einem Lernprozess geredet, aber mit 125 Gegentreffern in 22 Spielen, oder einen Schnitt von 5,6 Toren pro Match, müssen einige Spieler zum Nachsitzen.

RB Salzburg: Der Budgetkrösus hat nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus in der letzten Saison die halbe Mannschaft ausgetauscht. Trainer Pierre Page sprach von gesättigten Spielern und baute daraufhin ein neues Team auf. Bis jetzt haben sich die Veränderungen aber noch nicht zum Positiven entwickelt.

Im Gegenteil, NHL-Lockout-Spieler flüchten in einer Nacht und Nebel Aktion aus der Mozartstadt, ÖEHV-Goalie Bernd Brückler wird geholt um auf der Tribüne oder auf der Bank Platz zu nehmen, Pfeifkonzerte sind im Volksgarten keine Seltenheit mehr und Page wirkt, als würde ihn das alles kalt lassen. Zumindest kommt mit Stanley-Cup-Sieger Johnny Boychuk eine weitere Verstärkung zu den „Bullen“. Mal sehen, wie lange es der Boston-Bruins-Defender an der Salzach aushält.

Checks gegen den Kopf sind lebensgefährlich

Checks gegen den Kopf: Warum manche Spieler den Gegner mit einem Kopf-Check außer Gefecht setzen wollen, kann nicht nachvollzogen und toleriert werden. Im Moment fallen mit Thomas Hundertpfund, Jonathan Ferland, Gregor Hager und Patrick Harand vier Spieler auf unbestimmte Zeit mit einer Gehirnerschütterung aus. Die Liga muss in Zukunft strenger gegen solche Fouls vorgehen.

Black-Wings-Präsidium: Der absolut verdiente, aber doch überraschende Vorjahres-Meister Black Wings Linz hat sich in der Vergangenheit als Einheit präsentiert. Trainer-Professor Rob Daum bekundete des Öfteren, dass er kurzfristige Engagements von NHL-Lockout-Spielern als nicht-stimmungsfördernd betrachtet.

Doch nach einer Niederlagen-Serie, in der der Meister generell sehr schlecht spielte, fanden Christian Perthaler und Co. mit Goalie und Publikumsliebling Alex Westlund einen raschen Sündenbock. Der einstige Hexer war das Bauernopfer der desaströsen Defense. Von der hochbeschworenen Einheit, war im Linzer-Tief wenig zu vernehmen.

Über was wurde sonst noch gesprochen?

Lockout-Spieler: Während in Übersee die Vertreter der NHL und der Spielergewerkschaft weiterhin keine Einigung erzielen, schnüren von Woche zu Woche immer mehr Lockout-Spieler in der EBEL ihre Schlittschuhe. Mit den Engagements von Thomas Vanek, Michael Grabner, Andreas Nödl und Co. wurde ein Zuschauer-Boom ausgelöst, der schon lange nicht mehr in der Alpenrepublik wahrzunehmen war.

Nicht jeder Rauch ist vom Gesetz gedeckt

Kiffende Verwechslungs-Aktionen: Nicht nur dass die Innsbrucker Haie mit ihrer schwachen Liga-Performance allen Grund zum Nachdenken haben, kommt zusätzlich mit einem Marihuana-dealenden Profi die nächste Unruhe hinzu. Der Spieler, dessen Name weiterhin in einer Dunstwolke des Schweigens verborgen ist,  wurde auf freiem Fuß angezeigt.

Von einer legalen Droge hat VSV-Stürmer Antti Pusa während der Länderspielpause zu viel konsumiert. Der Villacher spielt bei einem Hobby-Eishockeyturnier in Klagenfurt, um danach den Boden so mancher Gläser genauer zu betrachten. Fazit der Geschichte: Der Publikumsliebling findet nicht nach Hause, läutet aus Versehen bei der falschen Wohnungstür und verletzt beim Wegrennen einen Polizisten.

Graz99ers versus Strafsenat: „Wir werden bewusst benachteiligt“, erklärt NHL-Superstar Thomas Vanek die Niederlage seiner Graz99ers bei den Black Wings Linz (2:5). Zuerst wurde Trainer Mario Richer wegen „beleidigenden Sprachgebrauchs“ für fünf Spiele gesperrt. Kurze Zeit später bekommen die Murstädter wegen einer nicht funktionierenden Torkamera im Spiel gegen Ljubljana (2:3 n.V.) eine Geldstrafe aufgebrummt.

Und zu guter Letzt wird nach einer Massenschlägerei beim Match gegen Medvescak Zagreb ein überforderter Schiedsrichter nicht Herr der Lage und der Grazer-Protest gegen die Wertung des Spieles wird abgelehnt. Geht der Fight „Graz vs. Autorität“ in die nächste Runde?

In Summe betrachtet, hatte die erste Halbzeit einiges zu bieten. Die Liga entwickelt sich kontinuierlich von Saison zu Saison weiter. Wenn die verbleibenden 22 Spieltage an die bereits Absolvierten anschließen, kann am Ende des Grunddurchgangs mit Recht behauptet werden: Die Liga ist gegenüber der Saison 2011/2012 wieder einen Schritt weiter.

 

Alexander Planasch

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