"Blau-Weiß" dominiert die EBEL

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Villach hat allen Grund zum Jubeln

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Nach dem 5:2-Auswärtserfolg im 294. Kärntner-Eishockey-Derby, hat der VSV seine derzeitige Vormachtstellung in der EBEL eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Ein Blick auf die Tabelle unterstreicht dies. Die Villacher haben von 24 möglichen Punkten 23 geholt. Einzig die Vienna Capitals konnten am 3. Spieltag im Penalty-Schießen den Draustädtern einen Punkt abluchsen.

Für alle anderen Teams gab es in 60 Minuten nichts zu holen.  Zum Vergleich, vergangene Saison hatten die „Blau-Weißen“ nach zwölf Spieltagen vier Punkte auf dem Konto und zierten abgeschlagen das Tabellenende.

Grund genug, dass sich LAOLA1 auf Spurensuche begibt und der Frage nachgeht, wo sind die großen Unterschiede zwischen der Saison 2011/2012 und 2012/2013.

1. Kompletter Umbruch

Der VSV hat seine Lehren aus der Katastrophensaison gezogen. Jedoch war das blamable Aus im Grunddurchgang nur die Folgeerscheinung von vielen Jahren des Misswirtschaftens.

Die einst gefürchteten „Adler“ waren in der jüngeren Vergangenheit ein gefundenes Fressen für jedes Playoff-Team. In den letzten fünf Jahren scheiterten die Villacher dreimal im Viertel- und einmal im Halbfinale. In jeder Serie waren die „Blau-Weißen“ chancenlos.

Im Sommer wurde deshalb vom Ligakonkurrenten Olimpija Ljubljana Trainer Hannu Järvenpää verpflichtet. Der erste finnische Coach an der Villacher Bande brachte als Einstiegsgeschenk Justin Taylor, Brad Cole, Scott Hotham, Jean-Philippe Lamoureux und den MVP der Saison 2011/2012 John Hughes aus der slowenischen Hauptstadt mit an die Drau. Zudem stieß Derek Ryan von Fehervar AV19 zum Kärntner Traditionsverein. 

Der VSV konnte bereits 54-mal jubeln

Wo in der vergangenen Saison das VSV-Präsidium noch mit Ho-Ruck-Aktionen Spieler jenseits ihres Leistungszenits verpflichtet haben, bewiesen sie im heurigen Transfersommer Weitblick und verjüngten das Team signifikant.

2. Alle wollen treffen

Mit dem Kader-Turnaround haben die „Blau-Weißen“ ein gutes Händchen bewiesen. Von 25 Feldspielern haben nach zwölf Runden bereits 19 Spieler einen Treffer erzielt. Von diesen 19 Profis sticht der US-Amerikaner Derek Ryan mit fünf Toren und 15 Assists besonders hervor. Der Ex-Ungarn-Legionär ist zudem der einzige Liga-Spieler der aktuellen Saison, der in jedem Pflichtspiel einen Punkt erzielte.

Mit der Nachverpflichtung des slowenischen Verteidigers Klemen Pretnar haben sich die „Adler“ zusätzlich ausgezeichnet. Durch Jesenices Ligaausstieg war der Defender frei am Markt und die Draustädter ließen sich die Chance nicht entgehen.

Sie taten gut daran, denn der 26-jährige Nationalteamspieler führt überlegen die Plus/Minus-Wertung der EBEL an. Eine Statistik, welche gerne als die einzig Wahre bezeichnet wird. Denn der Spieler erhält einen Pluspunkt, wenn er bei einem Tor seines Teams am Eis steht und einen Minuspunkt bei einem Gegentreffer.

3. Sehr gute Fangquote ersetzt sehr gute Fangquote

Der einzige Akteur der in der Saison 2011/2012 positiv hervorstach, war Goalie Bernhard Starkbaum. Mit einer Fangquote von 93,6% war der Nationaltorwart der beste Keeper der Liga. Es wurde vermutet, dass sein Wechsel zu Modo in die schwedische Eishockeyliga ein großes Loch hinterlassen würde.

Lamoureux ist jetzt schon ein Publikumsliebling

Lamoureux hat dieses Loch aber sehr schnell zu schließen gewusst. Der introvertierte US-Amerikaner spielt sich nicht nur mit großartigen Paraden in die Herzen der Fans, sondern untermauert seine Stärke auch mit einer Fangquote von 94,16%. Dies ist zugleich der aktuell beste Ligawert.

4. Villach setzt wieder auf Villach

Ein weiteres Credo des Vorstands an den neuen Trainer ist die vermehrte Einbindung des Villacher Nachwuchses in die Kampfmannschaft. Järvenpää veranstaltete in der ersten August-Woche ein Tryout, um sich ein Gesamtbild über seinen Kader zu verschaffen.

Die Jungen zahlten ihm diesen Vertrauensbeweis mit Einsatz und Leidenschaft zurück und dürfen zeitweise mit der Ersten mittrainieren. Die letztjährigen U-20 Meister Göhringer und Platzer wurden bereits heuer in die 4. Linie eingebaut und konnten sich im ersten Saisonderby der Öffentlichkeit mit Toren vorstellen.

5. Härte ist nicht alles

Lange Zeit wurde die „Villacher-Härte“ als „Villacher-Tugend“ verkauft. Doch dieses Bild hat sich ebenso zu 180-Grad gewendet. Aus physischer Überlegenheit wurde psychische Dominanz. Der VSV gehört zu den vier fairsten Teams der Liga und spielt zudem das zweitbeste Unterzahlspiel der EBEL.

In der Saison 2012/2013 ist erst ein Viertel gespielt. Euphorie sollte demnach im Süden Österreichs noch keine ausbrechen. Jedoch wissen nun die anderen Teams der Liga, mit dem VSV ist wieder zu rechnen.

 

Alexander Planasch

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