EBEL-Zwischenbilanz: Elf Teams, elf Erkenntnisse

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Bis Sonntag wird Spielern und Trainern eine Verschnaufpause gewährt. Zeit, um Kraft zu tanken.

Acht Teams überstanden die Zäsur, das heiße Stadium steht unmittelbar bevor. Unterdessen dürfen die Akteure aus Villach, Graz wie auch Jesenice ihren verfrühten Urlaub buchen.

Schon die Qualifikationsrunde bescherte der Eishockey-Community in einem teilweise „langwierigen“  Grunddurchgang pure Spannung. Von überschaubarer Wertigkeit war indes die Platzierungsrunde. 54 mehr oder weniger bedeutende Partien sind vorüber und boten jede Menge Konfliktpotenzial.

Elf Vereine, elf Erkenntnisse - LAOLA1 blickt vor den Playoffs nochmals zurück.

1. Black Wings Linz

Scherben bringen Glück:

...besagt der Volksmund. Ginge es danach, wären die Black Wings unschlagbar. In der „Keine Sorgen Arena“ bereitet ausgerechnet die Plexiglas-Umrandung ebensolche. Was sonst eine Rarität darstellt, wurde in Linz zum „Running Gag“. Nämlich Glasbrüche. Nahmen es Beteiligte und Anhänger anfangs noch mit Humor, wurde der Scherbenhaufen nach dem 22. Mal zum größten Ärgernis. Und auch zum einzigen. Denn sportlich demonstrierten die Oberösterreicher dank „Professor“ Rob Daum ihre neue Vormachtstellung. Der 54-jährige Kanadier, auf dessen Expertise der ÖEHV bei seinem Neuanfang baut, formte eine schlagkräftige Einheit. In den Playoffs soll eine „Perfect Season“ vollendet werden, das Glück wird ihnen dabei jedenfalls hold sein.

2. Medvescak Zagreb

Einfach nur „bärig“:

Wer dachte, Schlager-Star Hansi Hinterseer sowie Eishockey wären unvereinbar, der irrt. Zu allererst ein fettes Sorry, nur treffender als das markige Adjektiv des passionierten Moonboots-Trägers könnte der Werdegang Zagrebs nicht analysiert werden. Die „Bären“ fletschen vor der Postseason die Zähne. Nach Halb- und Viertelfinal-Einzug in den letzten Jahren nimmt der 15-fache kroatische Meister eine Steigerung ins Visier, sprich Endspiel. Linz‘ schärfster Widersacher ist überdies ein Zuschauer-Magnet. Der 6.300 fassende Dom Sportova ist meist restlos ausverkauft. Das „Ice Fever“ im Januar lockt regelmäßig bis zu 15.000 frenetische Fans an. Und das Freiluft-Spektakel im Salata Oval zählt zu den Hauptattraktion. Zagreb boomt - einfach „bärig“.

3. Fehervar AV19

Die drei Musketiere:

Einer für alle, alle für einen – oder alle für Istvan Sofron? Dass der Ungar durchaus Potenzial besitzt, konnte schon in der Vergangenheit erahnt werden. Dass er die Schützenliste mit 31 Treffern anführt, ist hingegen eine faustdicke Überraschung. Die kongenialen Nebenleute, Balazs Ladany sowie Marton Vas, sind nicht zu verachten. Vor allem Ersterer brilliert mit seinen Stats. 48 Punkte sind zwar nur der fünfbeste Output, bei nur 41 Einsätzen jedoch ein überragender. Abseits des Paradetrios überzeugen Derek Ryan (44), einer von sechs Legionären, und Krisztian Palkovics (47). An der Scorer-Spitze ist der Goalgetter vom Dienst, Sofron, der gleich 20 Mal assistierte. Also doch: „Einer für alle, alle für einen!“

4. RB Salzburg

„Gemma Turco schauen“:

Jene Schlagzeile prangte in großen Lettern von der Salzburger „Kronen Zeitung“. Es war der Transfer-Coup des Jahres. Bereits während des Kurz-Gastspiels beim Red Bulls Salute begeisterte Marty Turco die Massen. Zehn Saisonen und 650 Begegnungen unter der Elite machen den Kanadier hierzulande zur Goalie-Legende. Selbst weniger Eishockey-affine Mozartstädter wollen dem gestandenen NHL-Profi bei der Arbeit zu sehen. Der 36-Jährige soll dem Titelverteidiger den oftmals vermissten Rückhalt in der Hintermannschaft verleihen und im April für vorgezogene „Salzburger Festspiele“ sorgen. Krönt er „Europas Nummer eins“ zur heimischen Nummer eins, liegt ihm die Kulturstadt wohl endgültig zu Füßen. Die Fans werden ihn jedenfalls genau beäugen.

5. KAC

Alte Liebe rostet doch:

Manny Viveiros ist ein Sympathieträger. Er hat sich der Eishockey-Hochburg Klagenfurt verschrieben. Die Anhängerschaft liebt ihn, seine Spieler schätzen ihn. Mit drei Meistertiteln in elf Saisonen, davon sieben als Aktiver, schuf sich der 46-Jährige ein Denkmal, das im zwölften Jahr regelrecht demontiert wurde. Vom KAC-Vorstand. Im Sommer verordnete man der in die Jahre gekommenen Mannschaft eine Verjüngungs-Kur, das nahm der Austro-Kanadier ohne Murren zur Kenntnis. Er vollzog den Umbruch, war gar angetan vom österreichischen Weg. Wie aus heiterem Himmel, Vorsicht Sarkasmus, fehlten plötzlich die Siege. Es folgte eine Posse: Ultimatum, Befreiungsschlag gegen Ljubljana und Rückversetzung in das zweite Glied (Sportdirektor). Nicht würdig für eine Legende der „Rotjacken“.

6. Olimpija Ljubljana

Gestatten - Hughes, John Hughes:

Ähnlich smart wie Agenten-Schönling James „007“ Bond geigt der kanadische Spielmacher auf. Nicht zuletzt die überlegene Führung der Punktewertung (68) manifestiert den Eindruck, dass Hughes einer der komplettesten – wenn nicht gar der kompletteste – Crack ligaweit ist. Mit begnadetem Händchen gesegnet, zählt er zum Besten, was das heimische Geschehen zu bieten hat. Nur wenige wissen, dass der 24-Jährige erstmals 08/09 damals in Diensten der „Vize-Bullen“ eine Duftmarke (43) setzte. Mit Ljubljana möchte der Assistkönig (44 Vorlagen) nun hoch hinaus. Ob Hughes auch kommende Saison in Slowenien zu bestaunen ist, darf bezweifelt werden. Denn seine Glanztaten blieben den Top-Vereinen nicht vorenthalten.

7. HC Znojmo

Neu, aber so gar nicht scheu:

Wer hätte damit gerechnet? Von der abgestempelten Schießbude entwickelte sich der „Liga-Rookie“ zum allseits gefürchteten Favoriten-Schreck. Dominator Linz sah gegen die Tschechen bis zum vierten und letzten Kräftemessen kein Land. Und als es um die Verlängerung der Saison ging, agierte Znojmo furchtlos. Unbeirrt wurde alles auf die Qualifikationsrunde ausgerichtet - mit Erfolg. Mit fünf Erfolgen und drei Niederlagen löste man das Viertelfinal-Ticket. Dort wartet das zweitbeste Team aus Zagreb. Auch den „Bären“ wird die von Ex-NHL-Crack Mike Danton (hier gibt’s das Portrait) angeführte Truppe, einen furchtlosen Kampf liefern. Eines ist klar: Znojmo hat seine Berechtigung in der EBEL.

8. Vienna Capitals

Touristen unerwünscht:

Rettung in höchster Not: Die Wiener schossen sich dank des 11:3-Spektakels über Jesenice doch noch in die Playoffs. Der hoch gehandelte Titel-Anwärter wendete die Bruchlandung trotz Turbulenzen ab. In diese missliche Lage manövrierte sich die sportliche Führung selbst, zu viele Fehlgriffe gefährdeten das Gefüge. Hans Schmid platzte schon Wochen zuvor der Kragen. „Wir kauften Eishockey-Touristen, die durch Europa tingeln und eine gute Vergangenheit haben, aber aufpassen, sich nicht zu verletzen, da sie an nächste Saison denken“,  leistete der Präsident gegenüber „Die Presse“ wohl den Sager des Jahres. Pat Kavanagh sowie Ross Lupaschuk wurden Ende Januar gegangen, gerade noch rechtzeitig. Die Konsequenz: Sportdirektor Martin Platzer trat zurück und Touristen sind künftig unerwünscht.

9. VSV

Ein Pensionisten-Paradies:

Zugegeben eine überspitzte Formulierung. Dennoch: Villachs Roster strotzt nur so vor Erfahrung. Den bewährten Kräften wie Gerhard Unterluggauer (35), Greg Kuznik (33), Marco Pewal (33) oder Roland Kaspitz (30) stellte man wegen eines miserablen Starts und zahlreicher Transfer-Flops noch die routinierten Markus Peintner (31), Shayne Toporowski (36), Rob Shearer (35) sowie Mike Craig (40) zur Seite. Vor allem das Engagement der zwei Letztgenannten überraschte, wurden sie doch von den Arbeitgebern BW Linz beziehungsweise KAC altersbedingt vor die Tür gesetzt. Selbst die „Eishockey-Pensionisten“ konnten das enttäuschende Aus nicht abwenden. Erstmals seit 1987 werden die „Adler“ nicht in den Playoffs vertreten sein.

10. Graz99ers

Achtung Baustelle - Betreten auf eigene Gefahr:

Nahezu der komplette Roster wurde im Sommer ausgetauscht, während der entscheidenden Saison-Phase ist man dennoch nur Zuschauer. Dabei sah alles so vielversprechend aus. „Baumeister“ Mario Richer formte aus vielen Charakteren eine funktionierende Einheit. Dank Teamspirit ließen die 99ers in der Qualifikationsrunde lange die qualitativ höherwertige Konkurrenz aus Wien oder Villach hinter sich. Bis zum letzten Spiel. Denn in Villach (1:3) stürzte das steirische Konstrukt ein. Folgt jetzt erneut ein Umbau? Was passiert mit Richer nach dessen erstem Jahr als Head Coach? Und wann beschließt die Stadt den überfälligen Renovierung des, wieso auch immer, denkmalgeschützten Bunker? Fragen über Fragen auf der Grazer Baustelle.

11. HK Jesenice

Ein Hauch von Griechenland:

Was haben die Hellenen und der HK Jesenice gemeinsam? Über beiden kreisen die Pleitegeier. Dank politischer Unterstützung brachte Sloweniens Talenteschmiede planmäßig die Qualifikationsrunde zu Ende. Mit stark abgespecktem Aufgebot – „Stars“ flohen aufgrund ausbleibender Gehaltszahlungen – sorgte man für Achtungserfolge. Ob der Verein darüber hinaus eine Zukunft in der EBEL hat, scheint mehr als ungewiss. Die 3:11-Blamage bei den Vienna Capitals könnte demnach der Schlusspunkt des wenig ruhmreichen Kapitels gewesen sein. Zu viele Fragezeichen zieren die Budget-Kalkulationen, zu häufig strapazierte man die Geduld der Liga-Granden. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Christoph Köckeis

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