Erkenntnisse der EBEL-Saison

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Die Erkenntnisse der EBEL-Saison 2011/12

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Was für eine EBEL-Saison 2011/12!

Die Black Wings Linz krönten sich dank makelloser Saison zur neuen Eishockey-Hauptstadt. Selbst der KAC, seines Zeichens Rekordmeister, konnte den Feldzug nicht stoppen.

308 Begegnungen mit jeder Menge Highlights sind nun Geschichte. Mit zahlreichen Tiefschlägen. Und mindestens genau so vielen Gewinnern und tragischen Helden.

Der Zeitpunkt scheint gekommen, um all das nochmals Revue passieren zu lassen. LAOLA1 blickt auf das Erlebte zurück, würdigt die Hauptdarsteller und hat zudem interessante Erkenntnisse parat.

Der Most Valuable Player

Zugegeben, es gäbe ein Dutzend Linzer, welche sich diese persönliche Auszeichnung redlich verdient hätten. Ebenso zahlreiche Cracks aus der rot-weißen Eishockey-Metropole. Doch jene Kategorie muss ohne Finalgeprüftem auskommen. Gewonnen hat John Hughes, Ausnahmekönner Ljubljanas. Der 24-jährige Kanadier führte die „Ein-Mann-Organisation“ mit 80 Scorerpunkten sogar unter die Top-Vier. Gegen den späteren Champ konnte jedoch selbst der ligaweite Topscorer nichts ausrichten. Hughes‘ Zukunft in der EBEL scheint ob eindrucksvoller Saison äußerst fraglich. Wir würden ihn vermissen.

Der Rückhalt

„Hex Hex“, mit diesen magischen Worten erfüllte sich Bibi Blocksberg einst Wünsche. Ähnlich müsste sich dies beim Linzer Schlussmann Alex Westlund verhalten. Nur mit einer „höheren“ Macht ist es zu erklären, weshalb der Puck mit schlafwandlerischer Sicherheit nahezu immer im Fanghandschuh des US-Amerikaners zappelte. Unvergessen ist die „Wahnsinns-Save“ in Finale fünf gegen KAC-Urgestein Dieter Kalt. Glanztaten, welche den Weg zum Durchmarsch ebneten. „Du gewinnst in solchen Zeiten nicht ohne beständigen Torhüter“, würdigt Head Coach Rob Daum, der selbst lobgepriesen wurde.

Der Taktiker

Stoisch ruhig, stets eloquent und freundlich – sowohl bei bitteren Niederlagen als auch Erfolgen ganz besonderer Art, Professor Daum behielt die Fassung. Der Meistermacher ist kein Mann großer Worte, aber passender. Selbst nach Tiefschlägen wie dem Phantom-Tor der Vienna Capitals richtete er seine Schützlinge erfolgreich auf. Der „Psychologe“ hat das gewisse Feingefühl im Umgang mit Spielern, im Sommer bewies er selbiges bei der Kader-Zusammenstellung. Puncto Taktik ist der gewiefte „Fuchs“ sowieso einsame Klasse. Mit der nötigen Raffinesse überlistete Daum den KAC, eine Meisterleistung.

Die tragische Figur

Mit der 1:3-Niederlage in Spiel fünf platzten nicht nur die Titel-Träume der „Rotjacken“, zugleich war es der Schlusspunkt einer einzigartigen Karriere. Jener Christoph Brandners. Der nunmehr 36-Jährige zählt zu den rot-weiß-roten Eishockey-Pionieren. Als erster Österreicher erzielte der Angreifer am 12. Oktober 2003 für die Minnesota Wild einen Treffer in der NHL. Überdies wurde er 2002/03 in der DEL zum „Spieler des Jahres“ gekürt. Nun ist die Bilderbuch-Story zu Ende, ohne Happy End. „Natürlich ist Wehmut dabei. Dennoch möchte ich allen danken“, verabschiedete sich Brandner in seine „Pension“. Stehende Ovationen der Linzer sorgten für einen emotionalen Höhepunkt.

1. Erkenntnis: Unbezahlbare Werbung

Black Wings Linz versus KAC - eine Endspielserie, welche wahre Begeisterungsstürme auslöste. Selten zuvor erlebte Eishockey Österreich ein derart hochklassiges Kräftemessen, darüber herrschte sowohl bei Experten als auch Kontrahenten Konsens. Mit einem unglaublichen Tempo agierten beide Teams, mit immenser Härte fuhren sie Forechecks, ihr Spielwitz riss das Publikum regelmäßig von den Sitzen. Eine bessere Werbung konnte es für den leidgeprüften, heimischen Kufensport nicht geben. Die EBEL wusste sich damit in die Riege europäischer Top-Ligen zu hieven.

2. Erkenntnis: "Linz-Schauen" ist populär...

Die Begeisterung in Linz kennt keine Grenzen. Durch das ansprechende Niveau auf dem Eis und dem Erfolgslauf der Stahlstädter strömten die Zuschauer wie Lemminge in die „Keine-Sorgen“-Arena. Doch nicht nur in der Meister-Stadt herrscht reges Interesse am schnellsten Mannschaftssport der Welt. Die Erste Bank Eishockey Liga konnte in der abgelaufenen Saison ein deutliches Zuschauerplus von 4,5 Prozent verbuchen. Insgesamt verfolgten 1.148.595 Fans die 308 Spiele, was einen Zuschauerschnitt von 3.729 ergibt. Fast jede vierte Partie war ausverkauft, meisterlich  in dieser Kategorie waren ebenfalls die Black Wings, in deren Halle von 35 Spielen 25 Mal alle Plätze besetzt waren.

3. Erkenntnis: „Mission 30“ als „Mission impossible“…

Der KAC muss sich zum zweiten Mal en suite im Finale der Erste Bank Eishockey Liga geschlagen geben. Hatten die Klagenfurter im Vorjahr noch in der Verlängerung von Spiel sieben das Nachsehen, musste sich der Rekordmeister 2012 in fünf Duellen geschlagen geben. Daher muss die eishockey-verrückte Kärntner Landeshauptstadt zumindest ein weiteres Jahr auf den 30. Meistertitel der Vereinsgeschichte warten. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Saison des KAC nach der verkorksten Zwischenrunde und dem Trainerwechsel mit dem Vize-Meistertitel ein doch noch relativ versöhnliches Ende fand.

4. Erkenntnis: Legionäre als Schlüssel...

So triumphal der Linzer Titel anmutet, hat er dennoch einen fahlen Beigeschmack. Im Sommer wurde unter der Regie Daums eine komplette Umstrukturierung vollzogen. 13 teils unbeschriebene Blätter - zumeist Fremd-Arbeiter - lotste die sportliche Führung in die Stahlstadt. Im Roster fanden sich gleich elf Legionäre aus Schweden und Übersee, zudem mit den Gebrüdern Lebler, Brian und Michael, zwei Doppelstaatsbürger. Kein  Mannschaft, ausgenommen Medvescak Zagreb, vertraute auf derart viele Ausländer wie die Black Wings. Natürlich erfolgreich, aber mit einem nicht zu verachtenden Makel.

5. Erkenntnis: Es fliegen die Fäuste...

Eishockey ist kein Sport für „Weicheier“ und die EBEL schon gar nicht. Auch in der abgelaufenen Saison ließen die Profis des Öfteren ihre Fäuste sprechen, wenn es sportlich nichts mehr zu argumentieren war. Höhepunkt mit Sicherheit die Massenschlägerei im ersten Halbfinal-Spiel zwischen dem KAC und Medvescak Zagreb, in welche sogar die zwei Goalies Andy Chiodo und Robert Kristan verwickelt waren. Herauszuheben auch der „Amoklauf“ von Caps-Crack Jonathan Ferland der am 2. Oktober versuchte die gesamte Ljubljana-Bank aufzumischen. Faustkämpfe gehören in der EBEL zum täglich Brot und geben dem Sport noch einen zusätzlichen Kick.

6. Erkenntnis: Schiedsrichter im Blickpunkt...

Es wurde bedeutend weniger öffentlich über die Schiedsrichter geschimpft, als dies noch in der letzten Saison der Fall war. Dies liegt wohl weniger daran, dass die Schiedsrichter unter der Führung von mit Lyle Seitz keine Fehler mehr machten, sondern vielmehr, dass sich Spieler, Trainer und Funktionäre zurückhielten, öffentlich Kritik zu üben. Dennoch hat die Liga noch sehr viel Nachholbedarf in Sachen Unparteiische, besonders wenn sich Fehler einschleichen wie jener in Spiel sechs der Viertelfinal-Serie in Wien-Kagran. Trotz deutlichen Bildern im Videobeweis entschieden die Refs auf Tor. Diese Ansicht hatten sie aber wohl exklusiv.

8. Erkenntnis: Ausländer im Vormarsch...

Auch wenn es nicht mit einer Final-Teilnahme geklappt hat, haben die ausländischen Vereine die Liga ordentlich durchgemischt. Mit Medvescak Zagreb und Olimpija Ljubljana standen zwei nicht-österreichische Mannschaften immerhin im Halbfinale, in den Viertelfinal-Begegnungen duellierten sich immerhin vier ausländische Vereine mit vier Vertretern aus dem Inland. Die Villacher verpassten erstmals seit 1987 die Postseason und auch die Graz99ers hatten sich vor der Saison wohl stärker eingeschätzt als zum Beispiel den HC Znojmo.

9. Erkenntnis: Znojmo setzt Ausrufezeichen

Der Liga-Neuling hatte zu Beginn der Saison noch Start-Schwierigkeiten. Die „Roten Adler“ mussten sich zuerst an das Tempo und den Spielbetrieb gewöhnen. Spätestens in der Zwischenrunde hatten sich die Tschechen aber akklimatisiert und zeigten beherztes und schnelles Eishockey. Zwar wurde Znojmo im Viertelfinale gegen Zagreb gesweept, dennoch ist die Teilnahme der jungen und ambitionierten Mannschaft mit Sicherheit eine Bereicherung für die Liga. Besonders bemerkenswert: Im gesamten Kader stehen mit drei Slowaken und einem Kanadier nur vier Ausländer. Der Rest des Aufgebots sind Tschechen.

10. Erkenntnis: Österreich fehlen die Scorer...

Unter den besten 40 Scorern der Liga stehen mit Thomas Raffl (8.), Gregor Baumgartner (9.), Roland Kaspitz (26.) und Thomas Koch (37.) lediglich vier heimische Cracks. Im Vorjahr waren es mit acht Spielern noch doppelt so viele. Der Linzer Baumgartner ist der einzige rot-weiß-rote Akteur, der, immerhin auf Rang drei, in den Top 20 der Torschützenliste aufscheint. Mit Michael Raffl (damals VSV), Koch, Manuel Latusa (RBS) und Christoph Brandner (KAC) waren auch in dieser Statistik im Vorjahr deutlich mehr Österreicher in dieser Statistik zu finden. Eine Entwicklung, gegen die etwas unternommen werden muss.

Christoph Köckeis/Sebastian Rauch

7. Erkenntnis: Keine heimischen Trainer...

Selbst  wenn Manny Viveiros eigentlich gebürtiges Kanadier ist, war er der letzte Österreicher der einen Head Coach Posten in der Erste Bank Eishockey Liga inne hatte. Der KAC ersetzte ihn durch Christian Weber, seines Zeichens ein Schweizer. Bei Graz leitet Mario Richer (Kanada) das Training. In Salzburg ist Pierre Page (Kanada) der Chef, die Capitals setzen mit Tommy Samuelsson auf das Know-How aus Schweden.  Das Mastermind in Linz ist mit Rob Daum ebenfalls ein Kanadier. Villach trennte sich zum Saisonende von Mike Stewart (eingebürgerter Kanadier), ein Nachfolger wurde noch nicht bestimmt. Die Chance, dass ein einheimischer Coach in Zukunft auf der VSV-Kommandobrücke steht, geht gegen null. Österreich hat nach wie vor keine Trainer, die sich den Posten eines Head Coachs zutrauen würden bzw. setzen die Vereine lieber auf Fachwissen aus den großen Eishockey-Nationen.

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