Kieferbruch oder Monster-Check?

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Aufreger und Überraschungen der Saison

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Eishockey ist derzeit in Österreich in aller Munde.

Dies hat der schnellste Mannschaftssport hierzulande vor allem dem Tarifstreit in der NHL zu verdanken. Die Verschiebung des Saisonstarts in der besten Liga der Welt ermöglichte es Spielern wie Thomas Vanek oder Sam Gagner in der Erste Bank Eishockey Liga ein Stelldichein zu geben.

Die Stars aus Übersee lösten in den heimischen Hallen einen plötzlichen Boom aus, den wohl nur die wenigsten dem Sport hierzulande zugetraut hätten.

Vanek füllt die Halle

Mittlerweile stehen zehn NHL-Profis bei Vereinen der erste Bank Eishockey Liga unter Vertrag, lediglich der Dornbirner Eishockey Klub, Fehervar AV19 und Meister Black Wings Linz haben sich noch nicht an dem umfangreichen Angebot an Starspielern in Übersee bedient.

Vor allem Vanek löste mit seiner Ankunft eine Euphorie aus, die in der heimischen Szene bisher seines gleichen gesucht hat. Der wohl beste Eishockey-Spieler der österreichischen Geschichte brachte das Kunststück zu Wege, dass aufgrund seiner Präsenz der Grazer Bunker erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ausverkauft war. Und das in bisher allen vier Heimspielen, in welchen der Stürmer der Buffalo Sabres auf dem Eis stand.

Die Erwartungen in den Heimkehrer, der zwar in Baden bei Wien geboren, den Großteil seiner Jugend aber in Graz verbracht hat, waren unsäglich hoch. Gleich im ersten Spiel gegen Medvescak Zagreb traf Vanek für die 99ers, der Jubel kannte keine Grenzen. Doch der Superstar hatte in den folgenden Spielen seine Schwierigkeiten. Die Mannschaft verlor Spiel um Spiel, obwohl die Grazer ansehnlich in die Liga gestartet waren, und Vanek avancierte nicht zum Heilsbringer wie dies der durchschnittliche Fan erwartet hatte. Er selbst sprach noch von „Sommer-Eishockey“ und war mit seinen Performances alles andere als zufrieden.

VSV und Altmann im Vormarsch

Doch die Tatsache, dass Vanek und seine Kollegen aus Übersee den Weg in die EBEL gefunden haben, ist nicht die einzige Überraschung der noch jungen Saison. So spielt der VSV nach einem verkorksten letzten Jahr bisher eine starke Saison und steht verdient an erster Stelle. Es scheint, als hätte Trainer Hannu Järvenpää jeden seiner Spieler nochmals besser gemacht.

Allen voran Verteidiger Mario Altmann, der nach einigen Profi-Jahren endlich seine Torgefährlichkeit entdeckt hat. Aber auch die Rückkehr von KHL-Export Bernd Brückler nach Österreich respektive Salzburg war nicht zu erwarten.

Ist der Knoten geplatzt?

Dann kam das Spiel zu Hause gegen Dornbirn am 14. Spieltag und die Situation sollte sich schlagartig ändern. Die Grazer fegten mit 6:2 über den Liga-Neuling hinweg und Vanek erzielte im ersten Drittel binnen sechseinhalb Minuten zwei Treffer und einen Assist.

„Ich bin total happy. Gegen Dornbirn ist es endlich einmal so gelaufen, wie ich mir das vorstelle. Die Fans in Graz sind ein Wahnsinn“, so der NHL-Star.

Es scheint als wäre der Knoten geplatzt. Doch wie seht ihr das? Wird Vanek in den ausständigen Spielen regelmäßig zum Matchwinner oder war die Performance gegen den DEC ein Ausreißer nach oben.

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NHL-Imports für die EBEL

Der erste Lockout-Spieler in der EBEL war der Slowene Jan Mursak, der kurz nach Bekanntgabe des Lockouts bei Olimpija Ljubljana anheuerte. Nachdem die „Drachen“ im Sommer den größten Teil ihrer Truppe an den VSV verloren haben, liegt es an dem 24-Jährigen die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Mit 17 Punkten in bisher acht Einsätzen, darf man behaupten, dass ihm dies gelungen ist.

Page sicher im Sattel

Apropos Salzburg: Die Bullen befinden sich derzeit nur auf dem schwachen achten Tabellenplatz. Dennoch scheint Trainer Pierre Page, ganz Red Bull unlike, fest im Sattel zu sitzen. Diese Rückendeckung hat jedoch nicht jeder.

Mit Heikki Mälkiä musste seinen Stuhl als Ljubljana-Coach bereits am sechsten Spieltag räumen. Auch das kam zu diesem Zeitpunkt der Saison doch etwas überraschend.

Doch was war für euch die größte Überraschung der bisherigen Spielzeit?

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Der größte Aufreger

Die NHL-Stars wären aber allesamt nicht hier, gäbe es nicht den NHL-Lockout, der zweifelsohne als größter Aufreger der Saison gesehen werden kann.

Aber auch Pleiten, Pech und Pannen fallen unter diese Kategorie. Dazu zählt ein ausgefallenes Kühlaggregat, welches ein wettbewerbskonformes Match beim Freiluft-„Spektakel“ in Pula quasi unmöglich machte.

„Gespielt“ wurde trotzdem. Die Frage sei allerdings erlaubt, ob – technischer Defekt hin oder her – Eishockey unter freiem Himmel Mitte September an der Adriaküste bei Temperaturen um die 30 Grad eine gute Idee ist.

Der KAC ließ sich hingegen lange Zeit, holte dann aber zwei Kracher. Bei Sam Gagner und Tyler Myers muss man noch die nächsten Spiele abwarten, um ihre Leistungen entsprechend bewerten zu können. Eines ist aber klar. Rein von den Namen sind es zwei Cracks, die das Herz jedes Hockey-Fans höher schlagen lassen und die Liga sicherlich bereichern werden.

Und dann wären da noch Corey Potter und Bryan Bickell. Ersterer wurde von den Caps als Bjornlie-Ersatz geholt und macht seinen Job unaufgeregt aber effektiv, Letzterer kam mit der Empfehlung eines Stanley-Cup-Sieges zum HC Znojmo. Er ist nicht der große Scorer, aber seit Bickell mit Richard Jarusek in einer Linie spielt, blüht der 21-Jährige regelrecht auf.

Welcher ausländische NHL-Import ist die beste Verpflichtung?

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Der Meister enttäuscht

Natürlich waren bisher nicht alle gebotenen Leistungen in der EBEL berauschend. Ein paar Mannschaften fielen bislang eher negativ als positiv auf. Allen voran die „Bullen“ aus Salzburg. Nach 14 gespielten Runden stehen nur sechs Siege auf der Habenseite des Finanz-Krösus der Liga.

Vor allem in der Defensive präsentierte sich die junge Truppe von Coach Pierre Page ein ums andere Mal mehr als wackelig. Mit der Verpflichtung des Keepers Bernd Brückler und Lockout-Crack Tobias Enström wurde bei den „Bullen“ allerdings bereits gegengesteuert.

Auch die Black Wings Linz bekleckerten sich in den ersten Saisonspielen nicht gerade mit Ruhm. Der Meister steht zwar immerhin auf dem sechsten Tabellenrang, musste aber einige empfindliche Niederlagen einstecken. Die Konstanz der Vorsaison scheint wie weggeblasen.

Lebler im Glück

Der Fall Brian Lebler erregte die Gemüter der Fans ebenfalls. Der Black-Wings-Stürmer erhielt nach seinem Check gegen den Kopf von Gregor Hager nur ein Spiel Sperre. Grund: Die TV-Bilder waren nicht aufschlussreich genug. Wurde der Check absichtlich gefahren, bedeutet dies ein Armutszeugnis für die Liga. War der Zusammenprall aber tatsächlich ein „blöder Zufall“, so haftet dem Ganzen ein fahler Beigeschmack an, da Lebler nie wirklich entlastet werden konnte.

Doch nicht nur die Spieler leben gefährlich, auch die Unparteiischen sind nicht vor den Gefahren auf dem Eis nicht gefeit. Den Schiedsrichter Thomas Berneker traf in der Partie des KAC gegen Salzburg ein Befreiungsschlag mitten im Gesicht. Ein Kieferbruch und der Verlust von insgesamt acht Zähnen waren die Folgen.

Der Vorarlberger konnte übrigens nur 19 Tage nach dem „Volltreffer“ wieder aufs Eis zurück. Länger ausfallen werden die Nationalspieler Rafael Herburger und Mario Fischer, die beide aufgrund von Schulterverletzungen wohl die ganze Saison zuschauen müssen.

Was war für euch bisher der Aufreger der EBEL-Saison?

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„Tiroler Weg“ sehr steinig

So löblich der nach außen propagierte „Tiroler Weg“ des HC Innsbrucker auch ist, so enttäuschend sind die bisherigen Leistungen der „Haie“. Vier magere Punkte und nur ein voller Erfolg bedeuten den abgeschlagenen letzten Tabellenplatz. So wird man in der EBEL keine Zukunft haben.

Bei Fehervar AV19 war abzusehen, dass der Abgang von Derek Ryan eine große Lücke in der Offensive hinterlassen würde, mit nur 39 erzielten Toren und somit dem drittschwächsten Angriff der gesamten Liga rechnete bei den Ungarn wohl aber auch niemand, weswegen Coach Kevin Primeau bereits seinen Hut nehmen musste.

Wer ist für euch die größte Enttäuschung der bisherigen EBEL-Saison?

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Sebastian Rauch/Fabian Santner

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