Der EBEL-Marathon im Rückblick

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Der EBEL-Marathon im Rückblick

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Das Marathonprogramm der Erste Bank Eishockey Liga in den letzten Wochen mit elf Spielen in 24 Tagen ist seit Sonntag beendet.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Rückblick auf diesen Zeitraum  - welche Teams häuften Punkte an und welche brachen ein?

Und was tut sich hinter den Kulissen?

 

1. Black Wings Linz (19 Punkte)

Trotz Verletzungen einiger Leistungsträger (Daniel Oberkofler, Philipp und Robert Lukas, Franklin MacDonald) spielten die Linzer groß auf, gingen nur in einem einzigen Spiel (2:4 gegen Innsbruck) ohne Punkte aus. Sebastian Piché hat endgültig seine Form aus der Meistersaison gefunden, an vorderster Front ragen Andrew Kozek und Brian Lebler noch heraus. Die Black Wings agieren wie fast immer in der Ära Rob Daum wie eine gut geölte Maschine und werden nach 44 Runden wohl auf dem zweiten Platz stehen.

 

2. RB Salzburg (18)

Auch die Roten Bullen gingen nur einmal (2:4 gegen Dornbirn) ohne Punkte aus und das, obwohl mit Brian Fahey und Florian Mühlstein zwei Verteidiger lange ausfielen. Doch die Salzburger sind natürlich so tief besetzt wie kein anderes Team, drei Linien können Offensive nach Belieben produzieren, dazu kommen noch schussstarke Verteidiger. Allerdings muss einer der beiden Goalies (Luka Gracnar oder Bernd Brückler) die Zügel an sich reißen und konstante Leistungen abliefern. Auch noch zu klären: Kommt Fahey nach seinen Rückenproblemen zurück? Vier Bonuspunkte sollten den Roten Bullen aber sicher sein.

 

3. HC Bozen (17)

 

Die Bozener haben sich in die Top-6 vorgekämpft, gewannen dabei sieben ihrer acht letzten Spiele. Mit einer einem Profiteam würdigen Preseason wären sie schon längst ein Top-4-Team, so wird es ein Bangen bis zum letzten Spieltag. Alle Spieler sind an Bord, die Bozener spielen ein smartes, abgeklärtes Hockey, aufgebaut auf abgeschmierten Routiniers wie Mark Cullen und Bryan Rodney sowie dem einheimischen Stamm (Egger, Gander, Bernard, Insam). Bei Punktegleichstand gingen die Tie-Breaker allerdings an Fehervar und Znojmo.

 

4. VSV (16)

Welch einen Unterschied zwei Spieler doch machen können: Nicht nur, dass Jason Krog und Darren Haydar natürlich um Eckhäuser besser als ihre Vorgänger Fortier und Ringrose sind, sie ermöglichen es anderen Spielern auch in ihre wahren Rollen zu schlüpfen: Brock McBride als Zweit- und Eric Hunter als Drittliniencenter, dazu John Lammers als Komplementärspieler und nicht als Spielträger. Statt einer Truppe mit Löchern im Lineup sind die Villacher nun – auch weil völlig fit – tief besetzt, dazu kommt noch mit J. P. Lamoureux der heuer beste Goalie der Liga. Im Fernkampf mit den Capitals um den dritten Platz könnte sich allerdings der Rückstand von zwei Punkten sowie der Nachteil im Direktduell auswirken.

5. Vienna Capitals (13)

Nach der unglücklichen 1:3-Niederlage im Spitzenduell in Salzburg fielen die Capitals in ein Loch (fünf Niederlagen in Serie), aus dem sie sich allerdings langsam wieder herauskämpften und danach regelmäßig punkteten. Langzeitverletzte wie Markus Schlacher, Niki Hartl und Adam Naglich kosten natürlich einiges an Kadertiefe. Von Neuzugang Nicolas Deschamps war bis jetzt nichts zu sehen, er wurde dem Ruf seiner letzten Stationen als Zweikämpfe meidender „Perimeter Player“ gerecht. Allerdings fanden die Caps zuletzt wieder etwas mehr Scoring im Lineup (13 Tore in den letzten drei Siegen). Es dürfte auf den dritten Platz nach 44 Runden hinauslaufen.

 

6. HC Znojmo (11)

Die Tschechen standen vor Wochen vor dem Sprung auf dem zweiten Platz, sackten dann aber aufgrund ihrer Auswärtsschwäche (acht Niederlagen en suite) in der Tabelle ab und zittern nun um den Top-6-Platz. Mit den Caps und Villach kommen noch zwei starke Gegner nach Znaim, da sind Heimsiege keineswegs vorprogrammiert. Goalie Chris Holt muss sich ebenso steigern wie die Teamdefensive, zu oft erlaubt jene es dem Gegner, um das eigene Tor wie an einem Punschstand herumzuhängen. Das Spiel in der letzten Runde in Szekesfehervar könnte entscheidend sein, die Tie-Breaker gegen die Ungarn und Bozen gehen jedenfalls an die Tschechen.

 

7. HC Innsbruck (10)

Fünf Siege, sechs Niederlagen im Weihnachtsmarathon, das entspricht dem Potential des Teams. Trotzdem kommen die Tiroler vom vorletzten Platz nicht weg. Unter Christer Olsson agiert das Team natürlich weit strukturierter und physischer als in den Vorsaisonen, bei den Niederlagen haperte es meist an der Offensive. Vier Siege in den Saisonduellen gegen seinen einstigen Arbeitgeber KAC müssen für den Schweden jedoch Genugtuung sein. Damit der eine oder andere Bonuspunkt noch herausschaut, muss Goalie Adam Munro (nahm sich schon seine jährliche Verletzungspause) gesund bleiben und Stürmer wie Matt Siddall oder Kris Beech ihren Output (wieder) erhöhen.

 

7. Dornbirner Eishockey Club (10)

Nach dem katastrophalen Saisonstart kämpfen sich die Vorarlberger langsam nach oben, um dann wieder in ein Loch (vier Punkte aus den letzten sieben Spielen) zu fallen. Die Situation um Rückkehrer Luciano Aquino ist ein Pulverfass, er legt es offenbar auf einen Machtkampf mit Coach Dave MacQueen an. Bei Neuzugang Ryan Kinasewich wird nach seiner langen Verletzungpause Geduld angesagt sein, ob und wann er wieder in Topform kommen kann, ist ungewiss. Von drei bis zu gar keinem Bonuspunkt ist alles möglich. Als einziges Team der Liga haben die Bulldogs bereits zwei Tauschvorgänge verbraucht.

9. Olimpija Ljubljana (9)

Dass die Laibacher in fast jedem Spiel mithalten können, ist beachtlich, wenn man die Umstände kennt: Wie in den Vorjahren bleiben seit Monaten die Gehaltszahlungen aus, einzig die Topkräfte wie Andy Chiodo und Goalgetter Hunter Bishop versucht man mit pünktlichen Zahlungen bei der Stange zu halten. Für Gehaltsforderungen von Ex-Spielern wie Jeff Ulmer oder Jamie Fraser hat man ohnehin nicht einmal ein müdes Lächeln über. Szenekenner sehen unter der derzeitigen Klubführung keinerlei Aussicht auf Verbesserung der Lage. Der letzte Platz in der Tabelle spiegelt nicht die gute Arbeit von Coach Fabian Dahlem und die Topeinstellung der einheimischen Spieler wieder.

 

10. Fehervar AV19 (8)

Die Ungarn schienen lange Zeit ein sicherer Anwärter auf einen Top-6-Platz zu sein, fielen zuletzt aber in ein Leistungsloch. Spielträger wie Jeff LoVecchio beschäftigten sich mehr mit Angeboten für die nächste Saison als mit der derzeitigen Lage, das 1:8 in Villach sollte aber endgültig ein Weckruf sein. Fehervar liefert sich mit Znojmo und Bozen ein Dreierrennen um zwei Plätze, ihr Vorteil dabei: Noch vier Heimspiele, darunter in der letzten Runde gegen Znojmo. Mit 127 kassierte man die meisten Gegentreffer der Liga, leicht zu sehen also, wo der Schuh drückt. 

 

11. KAC (7)

Vier Saisonniederlagen gegen Innsbruck, zwei gegen Ljubljana – eigentlich ein Wunder, dass man in der Tabelle noch vor diesen Teams steht. In der Branche ist angesichts der Leistungen nur mehr Kopfschütteln angesagt, von einem Ausrutscher in der Vorsaison kann jetzt keine Rede mehr sein. Auch unter Coach Doug Mason ruft kaum ein Spieler sein Leistungspotential ab, als Ausnahmen gehen am ehesten noch Jamie Lundmark und Oliver Setzinger durch. Inzwischen weiß kein Mensch mehr, bei welchen Cracks es am Können und bei welchen es am Wollen scheitert. Jeder Bonuspunkt ist derzeit schon ein Gottesgeschenk. 

 

12. Graz 99ers (5)

Kein anderes Team in der Liga ist mehr von Verletzungen und Krankheiten geplagt als das der Grazer – einer der Gründe für den rapiden Leistungsabfall der letzten Wochen. Drei Bonuspunkte wären schon ein Erfolg für das Team von Todd Bjorkstrand, dazu bedarf es aber auch besserer Goalieleistungen,  mehr Tiefe und Qualität in der Defensive sowie zumindest der dauerhaften Rückkehr von Kapitän Olivier Latendresse nach bereits drei Verletzungspausen. Noch sind zwei Tauschvorgänge sowie ein eventueller Goaliewechsel möglich. 

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