NHL, AHL oder doch EBEL?

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Nödl: Vergangenheit und Zukunft des Ex(?)-NHLers

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LAOLA1-Scout Bernd Freimüller beleuchtet heute die Karriere von Andreas Nödl.

Der Neuzugang der Vienna Capitals, der auf 195 NHL-Einsätze verweisen kann, hatte zuletzt unter anderem wegen einer schwerwiegenden Knieverletzung keinen leichten Stand und musste seine Zelte in Nordamerika abbrechen.

Warum es mit einem weiteren Engagement in Nordamerika sehr schwer wird, was man sich von ihm in der EBEL erwarten kann und seine Zukunftsaussichten erörtert Freimüller im Scouting Report:

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Nödls NHL-Karriere:

Draft: 2. Runde (insgesamt 39.) im Jahre 2006 durch die Philadelphia Flyers.

Verträge: Nach zwei Jahren College-Hockey (St. Cloud State University) unterzeichnete er einen Entry-Level-Vertrag über die üblichen drei Jahre (Zwei-Weg, sein NHL-Gehalt stieg dabei von 660.000 Dollar im letzten Jahr auf 735.000 Dollar an). Unterschreib einen neuen Zwei-Jahres-Vertag im Sommer 2011 (Ein-Weg, Gehalt jeweils 845.000 Dollar)

Teams: Pendelte in den Saisonen 08/09 und 09/10 zwischen den Flyers und deren Farmteams. War Stammspieler bei den Flyers in der Saison 10/11, zu Beginn der darauffolgenden Saison aber öfters ein „Healthy Scratch“. Als ihn die Flyers ins Farmteam schicken wollten, verpflichteten ihn die Carolina Hurricanes per „Waivers“ und er verblieb auch dort im NHL-Team (die Hurricanes und die Flyers teilten sich das Restgehalt auf).  Nach dem Lockout zu Beginn der Saison 12/13 und einem Gastspiel in Innsbruck schickten ihn die Hurricanes nach dem Kurzcamp ins Farmteam nach Charlotte. Bei seiner Rückkehr nach Carolina beendete ein Kreuzbandriss schon nach wenigen Spielen (vorläufig?) seine NHL-Karriere.

Datum seines letzten NHL-Spiels: 24. Februar 2013 (Islanders – Carolina)

Insgesamt: 183 NHL-Spiele (15 Tore/21 Assists) sowie 12 Playoff-Spiele (0 Punkte)

Bei den Flyers hatt Nödl seine beste Zeit

Nödls Rolle in der NHL:

Nödl machte sich vor seinem NHL-Debüt (22. Oktober 2008, San Jose – Flyers) an einen Ruf als defensiv verlässlicher Flügel mit guter Physis und brauchbaren Beinen.

Seine beste Zeit hatte er in der Saison 2010/11, als er den Schwung aus den Playoffs der Vorsaison mitnahm. Coach Peter Laviolette schickte ihn an der Seite von Mike Richards gegen die Toplinien des Gegners aufs Eis, auch im Penalty Killing kam Nödl regelmäßig zum Einsatz.

Zu Beginn der darauffolgenden Saison teilte Laviolette die Defensivarbeit auf mehrere Schultern auf, vor allem Zac Rinaldo und Harry Zolnierczyk nahmen dem Wiener Eiszeit weg.

Nach seinem Wechsel nach Carolina fand Nödl mit Brandon Sutter wieder einen Defensivcenter für eine Shutdown-Rolle, kam aber im Penalty-Killing kaum zum Einsatz.

Eingeschränkte Scoring-Upside

Nödl war in den NHL-Hierarchien der Flyers und Hurricanes meist zwischen den Stürmerplätzen neun bis dreizehn angesiedelt, eine typische Eiszeit für ihn war mit ungefähr zehn bis zwölf Minuten bemessen.

Wie so viele jüngere Offensivproduzenten (er wies im College mehr als einen Punkt pro Spiel auf) fand er sich in der NHL in einer der hinteren Reihen wieder, füllte diese Rolle aber anfänglich gut aus.

Zum Schluss galt er allerdings nur mehr als reiner Viertlinienspieler mit höchst eingeschränktem Scoring Upside.

Austauschbare Tiefenspieler

Ein Report eines langjährigen NHL-General Managers aus dieser Zeit spiegelt Nödls NHL-Status wider: „Defensiv verlässlich, guter Körper, aber kein Hitter und schon gar kein Fighter. Ich denke mir immer, dass ihn ihm mehr Offensive steckt, als er zeigt, aber wie lange kann man darauf warten?“

Nödl war zum Schluss einer jener austauschbaren Tiefenspielern, die sich an das NHL-Karussell anklammern müssen, dann aber doch abgeworfen werden. Jüngere und billigere (Zwei-Weg-Verträge) Spieler rücken hier ebenso nach wie Cracks mit einem mehr definierteren Spiel (mehr Physis,  größeres offensives Potential oder eine besondere Rolle in der Kabine).

Allerdings beendete erst ein Kreuzbandriss im Februar 2013 seine NHL-Karriere, ohne diesen wäre ein Zwei-Weg-Vertrag als „Recall Player“ oder zumindest eine Einladung in ein Camp möglich gewesen.

Gelingt Nödl der Sprung von den Capitals nach Nordamerika?

Nödls Rolle in der EBEL:

Kam während des Lockouts nach Innsbruck, wurde aber von Thomas Vaneks Gastspiel in Graz in den Schatten gestellt.

Agierte von Inkompetenz umgeben solide und doch mit offensivem Upside. Das Kurzgastspiel in Klagenfurt sollte nicht angerechnet werden, Nödl war sichtlich noch nicht fit.

In Salzburg dauerte es auch noch einige Zeit, bis er zu guter Form auflief, im Monat vor Olympia überzeugte er jedoch vor allem in den Nahkämpfen ums Tor herum.

Fiel bei Olympia nur durch einen Check gegen den Norweger Holos, der das Plexiglas zum Zersplittern brachte, auf. Der Rest der Saison war danach ein Desaster, seine Leistungskurve sowie sein Verhältnis zu Coach Don Jackson sanken rapide ab.

Nödls Rolle in Wien:

Nödl hat seinen Vertrag vor allem seinem Punktewert zu verdanken – seine 2.5 Punkte bringen den Wiener Kader genau auf 60 Punkte, ein Importspieler muss so oder so gehen.

Sein Verbleibt würde einzig die Möglichkeit, bei einer Verletzung von David Kickert mit Weinhandl oder Penker nachbesetzen zu können, zunichte machen.

Ohne Spielpraxis kann Nödl natürlich noch nicht in Hochform sein, doch die Bandbreite seines Könnens ist vorgegeben: Bei einem EBEL-Spitzenteam wie den Capitals ist Nödl ein Rollenspieler vom Zuschnitt eines MacArthurs oder Naglich, er sollte aber im Bestfall das körperlich mächtigste Team der Liga noch stärker machen.

Offensiv limitiert

Seine Offensive (13 Tore in 71 Ligaspielen) ist limitiert, nur selten sieht man von ihm Finten oder außergewöhnliche Pässe. Er kann aber die Spielzüge beim Zirkulieren der Scheibe im Drittel erhalten, müsste sich aber noch mehr in den Slot bewegen und dort mit seiner Statur für Unruhe sorgen.

Seine Linie mit Rotter und Naglich wies in den Spielen am Wochenende zwar immens viel Eiszeit im gegnerischen Drittel auf, Torchancen resultierten daraus aber nicht immer zwingend.

Nödl fügt sich im Wiener Defensivkonzept gut ein und überschreitet auch seine Eiszeiten nicht. Die Kernfrage lautet: Hat ihm seine Knieverletzung einen halben Schritt (oder mehr) gekostet?

An manchen Tagen kann er etwas träge wirken, allerdings sind in seiner Beinarbeit von Spiel zu Spiel Fortschritte feststellbar. In Special-Teams kommt der 27-jährige bisher nicht zum Einsatz.

Sein Tryout-Vertrag ist bis zum 18. November datiert, durch die Champions-League-Spiele, für die er fristgerecht nachgemeldet wurde, hat er zusätzliche Möglichkeiten, Argumente für einen Verbleib zu sammeln.

Wieso spielt Nödl nicht in der NHL, AHL oder anderen Topligen?

Anklagende Fragen, warum er nicht mehr in der NHL spielt, beweisen, dass Österreich kein Eishockeyland ist.

In einem Land wie Schweden, das jährlich eine zweistellige Zahl von Spielern in die NHL exportiert, sieht man solche Schicksale weit gelassener als hier.

Wenige Spieler werden Stars, einige halten sich länger in der Liga, andere kehren nach einiger Zeit wieder nach Europa zurück, ohne als Versager zu gelten.

Fünf Jahre in der besten Liga

Nödl kann auf fünf Jahre in der besten Liga der Welt zurückblicken, das schaffen ohnehin nur sehr wenige Cracks auf diesem Planeten.

Doch wenn man als Spielertyp so austauschbar ist und dann noch eine Verletzung vor Vertragsende dazukommt, kann es schnell gehen.

Das Problem, dass man in Österreich einen Ex-NHLer – egal ob Scorer oder Rollenspieler – automatisch auf ein Piedestal stellt, ist ihm nicht anzulasten und viele NHLer sind auch in schwächeren Ligen in ihren Mitteln beschränkt.

AHL bleibt wohl ein Traum

Teams aus Ligen wie Schweden oder Finnland sehen in ihm bestenfalls einen Drittlinienspieler und diese Rollen können sie – selbst ohne Ausländerbeschränkung – wohl selbst besetzten.

Und in Ligen wie der DEL oder in der Schweiz wird jede Legionärsverpflichtung aufgrund der dortigen Limitierungen gründlich durchleuchtet. Auch hier strebt man eher keine Tiefenspieler an, schon gar nicht in der finanzstarken NLA.

Die Möglichkeit, sich über die AHL wieder in Nordamerika hochzudienen, gibt es auch nur in der Theorie:

Sämtliche AHL-Teams sind Farmteams von NHL-Organisationen und diese haben Interesse daran, ihren jüngeren Prospects Spielpraxis zu geben. Zwar kann ein AHL-Team pro Spiel fünf „Veterans“ (= mehr als 320 Profispiele) einsetzen, diese sind aber vor allem herausragenden AHLern mit Führungsqualitäten vorbehalten.

Liga Spiele Tore Assists Punkte +/-
AHL 127 23 39 62 -15
NHL 195 15 21 36 -10
EBEL 71 13 25 38 0

Bei Olympia ließ es Nödl nur einmal krachen

Wo liegt Nödls Zukunft?

Klar ist: Seine erste Präferenz wäre immer Nordamerika, sein Lebensmittelpunkt liegt schon seit Jahren in Minnesota. Doch in den letzten zwei Saisonen reichte es nur mehr zu EBEL-Engagements, obwohl sein Agent Klaus Hille sehr gut vernetzt ist.

Dass er stets im Schatten der anderen rot-weiß-roten NHL-Cracks wie Vanek oder Grabner gestanden ist, liegt nicht nur am Leistungsunterschied: Nödl betrieb nie Eigen-PR, war für Journalisten nicht oder nur sehr schwer zu erreichen und die durch die Presseabteilungen in der EBEL angeordneten Interviews sind eher zähe Angelegenheiten.

Das spricht nicht unbedingt gegen ihn, nicht jeder Athlet muss ein Entertainer sein, aber auch ehemalige Coaches wurden mit ihm nicht so recht warm.

"Lonesome Cowboy"

Keiner spricht direkt schlecht von ihm, aber Aussagen wie „Introvertiert“, „Sehr, sehr ruhig“ und „Bringt sich in der Kabine kaum ein“ unterstreichen den Eindruck eines „Lonesome Cowboys“.

Irgendwie hat sich Nödl –  nicht nur durch seine Verletzung bedingt – in die EBEL-Ecke gepinselt und aus der ist es nicht so leicht wieder herauszukommen.

Das zu schaffen, liegt nicht an Coaches wie Tom Pokel, Don Jackson oder Nationaltrainern wie Manny Viveiros oder  Dan Ratushny, sondern nur an ihm und seinen Leistungen in den nächsten Wochen und Monaten.

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