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Wiener Angriffs-Schwäche und defensive Drachen

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Schwächelnde Caps, defnesiv agierende Drachen und neue Gesichter in der Liga.

Wie nach jedem EBEL-Wochende nimmt LAOLA1-Scout Bernd Freimüller auch nach dem 2. Advent die vergangenen Spiele der Erste Bank Eishockey Liga unter die Lupe und gibt seine Sicht der Dinge zum besten.

Im heutigen Scouting-Report erörtert er, warum es bei den Vienna Capitals derzeit nicht rund läuft, was Ljubljana-Coach Fabian Dahlem richtig macht und schätzt außerdem den neuen Znojmo-Goalie Chris Holt ein.


7.12..: HC Znojmo - Olimpija Ljubljana 2:3 n.P.

Kompliment an Olimpija-Coach Fabian Dahlem: Er holt aus seiner Laibacher Truppe das Maximum heraus. Das ist nicht immer schön anzusehen, sein Team wird von allen Trainern als das defensivste der Liga angesehen, lieben es die Slowenen doch, den Gegner mit ihrem 1-3-1 in die Falle zu locken.

Allerdings ist nur so Überleben angesagt, zu dürftig ist nämlich die Qualität im Team. Doch die Laibacher kämpfen um jeden Meter und Andy Chiodo ist an guten Tagen ein wertvoller Rückhalt. Allerdings ist er weiter ein Gambler, tendiert zum „Overcommitting“ und lässt daher manchmal große Teile des Tores offen.

Holt eine gute Verstärkung

Doch die Slowenen und Chiodo trieben die Tschechen an den Rande der Verzweiflung, vor allem nach dem 2:0 hätten die Gäste das Spiel schon frühzeitig entscheiden können. Da war Znojmos neuer Goalie Chris Holt mehrmals gefordert.

Der Ex-NHL-Crack präsentierte sich als nervenstarker Charakter, der ohne überflüssige Bewegungen auskommt und  in längeren Phasen der Untätigkeit seine Konzentration nicht verliert. Holt soll vor allem in den Playoffs die langjährigen Goalieprobleme der Tschechen vergessen lassen.

Znojmo ist derzeit von Verletzungen gebeutelt, zu den Ausfällen Martin Baca, Ales Sova, Pavel Rosa und Jakub Grof kam während des Spiels noch Jan Lattner dazu.

Kurioses Shootout

Dass ein Spieler wie Ondrej Fiala aber trotzdem nur als 13. Stürmer begann, zeigt wie tief die Adler zumindest in der Offensive besetzt sind.

Bei einem Punktewert von 56 ginge sich sogar noch eine Importverstärkung aus.

Kurios das Shootout: Erst traf keiner der ersten zehn Schützen, dann vier der nächsten fünf. Dabei hatten die Adler zweimal vorgelegt, doch Gregor Koblar und zweimal Tom Zanoski überwanden Holt.

Bishop zeigt auf

Gibt es einen Grund, warum Hunter Bishop nächste Saison nicht zu einem besseren EBEL-Team wechseln könnte?

Schon jetzt interessieren sich DEL-Mannschaften für den Laibacher Flügel, viel schnellere Spieler als ihn gibt es in beiden Ligen nicht.

Er ist einer jener Cracks, die in der AHL als Tiefenspieler kategorisiert waren, in Europa mit mehr Qualitätseiszeit jedoch beweisen, dass sie auch in der Offensive zulegen können.

8.12.: Vienna Capitals – KAC 3:4

Von den “besten Caps aller Zeiten” zur längsten Heimniederlagenserie der Vereinsgeschichte: Die Wahrheit in Wien liegt wie immer in der Mitte.

Nach den neun 2:1-Siegen zu Saisonbeginn bleibt die Scheibe jetzt eben kurz vor Schluss vor der gegnerischen Torlinie liegen.

Zwar traf die Truppe von Tom Pokel zweimal en suite dreimal, aber wenn sich die Defensive und Goalie Matt Zaba nur durchwachsene Tage leisten, reicht das neuerdings nicht mehr.

Holen die Caps noch einen Stürmer?

Das Offensivpotential bei den Caps ist definitiv überschaubar.

Ob es wirklich noch zu einer Verstärkung kommt, falls Ben Gratton (geht nach seiner OP auf einen vierzehntägigen Heimaturlaub) und Hugh Jessiman (kommt aus reichem Haus und kann daher sein Schicksal gelassen sehen) ihre Verträge absitzen?

Vom Gefühl her ja, aber wohl eher später als früher. Im Jänner und Februar könnten wieder Teams ohne Playoff-Chancen ihre Kader reduzieren und so auch interessante Spieler freisetzen.

KAC-Lazarett lichtet sich

Gerade vor Beginn der heißen Weihnachtsphase und der U20-WM meldeten sich beim KAC mit Stefan Geier (sehr starkes Comeback) und Patrick Harand zwei Spieler wieder zurück.

Neuverpflichtung Marcel Rodman sollte zumindest Routine und Ligakenntnis mitbringen, große offensive Beiträge sind von ihm nicht mehr zu erwarten. Er ersetzt den leistenverletzten Kim Strömberg.

Ein eventuelles Comeback von David Schuller würde die Klagenfurter aber endgültig über die 60-Punkte-Grenze befördern, der gerüchtemäßig gehandelte Markus Pirmann würde diese hingegen noch nicht sprengen.

Setzinger mehr Playmaker

Und wie fiel das Wien-Comeback von Oliver Setzinger aus? Er lieferte sicher eines seiner besseren Spiele im KAC-Sweater ab, seine sanften Hände und Ruhe am Puck wird er natürlich nie verlieren.

Die Zeiten, als er regelmäßig Speedduelle aufnahm und auch gewann, sind allerdings vorbei.

Er ist nun eher ein Playmaking Winger, der im Perimeter-Bereich agiert und dessen Schüsse meist aus dem Bereich der Hashmarks kommen.

Aus der Liga:

Bei den Black Wings Linz könnte am Donnerstag gegen den KAC das Comeback von Philipp Lukas und Daniel Oberkofler bevorstehen. Da gilt es aber noch die Trainingseindrücke der nächsten Tage abzuwarten.

 

Nach Znojmo könnte auch Fehervar in den nächsten Tagen auf der Goalieposition nachlegen, zu inkonstant agiert Josh Robinson im Kasten der Ungarn. Hilfe könnte aus dem Norden Europas kommen. Allerdings steht auch der am Knie verletzte Miklos Rejna bald wieder vor einem Comeback.

 

Die verletzungsgebeutelten Grazer verpflichteten mit Miikka Männikko einen Spielertyp, der in Scoutingkreisen gerne als „Waterbug Player“ bezeichnet wird: Klein, aber kampfkräftig, sticht meist ins Auge, schnelle Beine. Bleibt abzuwarten, welche Effizienz der 35-jährige noch aufweisen kann.

Die Grazer brauchen nach den Ausfällen von Lassen, Kelly, Cuma, Latendresse, Petruska und Werner (alle Punkte wurden schon schlagend) jede Hilfe, die sie bekommen können.

Zuletzt wies die Truppe von Todd Bjorkstrand zeitweise nur vier funktionstaugliche Verteidiger auf, eine vierte Sturmlinie schickt der Amerikaner selbst in Bestbesetzung kaum aufs Eis. Die Grazer sind das erste Team der Saison, das bereits einen Tauschvorgang in Anspruch nehmen musste.

 

Für Innsbruck bleibt nur zu hoffen, dass sich Torhüter Adam Munro nicht gerade jetzt seine jährliche Verletzungsauszeit nimmt: Was Patrick Machreich als Ersatz abliefert, ist nicht einmal in Ansätzen ligatauglich. Allerdings stünden auch die Ein-Goalie-Teams aus Graz (Dany Sabourin) und Bozen (Jaroslav Hübl) bei Verletzungen mit ungetesteten bzw. fragwürdigen Alternativen da.

 

Die EBEL begibt sich auf die Spuren der AHL. Ab nächster Saison wird die siebenminütige Overtime übernommen. Vergleichszahlen dazu aus der heurigen Saison in der NHL-Zubringerliga: Statt 67 Prozent gingen nur mehr 23 Prozent der Spiele ins Shooutout, bei vier gegen vier Spielern fiel im Schnitt alle elf Minuten ein Tor, bei drei gegen drei alle drei Minuten.

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