Teil 2: Das „objektive Punktesystem“ – die Parameter

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Die Geschichte des Systems, dessen Stärken und Schwächen

In Teil 2 beleuchtet Bernd Freimüller die "Objektive Punkteregel", deren Parameter sowie die Problematik des Systems genauer:


Computergestütztes System

Spieler durch die gegnerischen Teams zu bewerten, erwies sich bald als nicht zielführend. Nicht nur, dass die meisten Coaches und Vereinsmanager schon genügend damit zu tun haben, die eigenen Cracks richtig einzuschätzen, stand diesem System ein Problem entgegen:

Jeder Verein wollte natürlich die gegnerischen Spieler so hoch wie möglich bewertet sehen (das eigene Team wurde nicht beurteilt). Auch wenn dann ein Mittelwert gebildet wurde, mussten Kompetenz und Intent immer ein großes Fragezeichen darstellen – eigentlich ein Wunder, dass dieses System vier Jahre lang hielt. 

Die Liga entwarf also ein computerunterstütztes System, das jedem Spieler – so nicht Torhüter, Legionär oder Nullpunkter – einen Punktewert zuwies. Dies sind die  Parameter für die laufende Saison: 

A – Stärke der Liga, in der der Spieler zuletzt gespielt hat

B – Erfahrung (Alter)

C – zugewiesener Punktewert letzte Saison

D1 – Anzahl der Spiele in der letzten Saison (in der Relation zu den jeweiligen Spielen der Liga)

D2F – nur für Angreifer: Erzielte Punkte pro Spiel 

D2D – nur für Verteidiger: Erzielte Punkte pro Spiel sowie Plus/Minus-Statistik

E – Hat der Spieler an einer der letzten fünf Seniorenweltmeisterschaften teilgenommen? Wenn ja, wird die jeweils am wenigsten weit zurückliegende WM berücksichtigt, die jeweiligen Nationalteams werden noch aufgrund ihrer Platzierung in der Weltrangliste gewichtet. Testspiele oder –turnier wurden hierbei nie berücksichtigt.

Parameter x Faktor = Punktewert

Jeder dieser Parameter wird mit einem gewissen Faktor eingestuft, diese dann addiert, was zu einem (auf- oder abgerundeten) Gesamtwert zwischen 0.5 und 4 (beide Extremwerte sind aber Ausnahmen) führt.

Ein Beispiel: Nationalteamcenter Istvan Bartalis kehrte nach Jahren in der Allsvenskan im letzten Sommer in seiner ungarische Heimat zurück und unterschrieb bei Fehervar. So berechnete sich sein Punktewert:

A – Allsvenskan –Faktor 0.750

B – geboren 1990 – Faktor 0.100

C – Punktewert letzte Saison – war Nullpunkter, daher Faktor 0.000

D1 – absolvierte 45 von 52 möglichen Spielen, damit mehr als 85 % - Faktor 0.500

D2F – 12 Punkte (8 Tore, 4 Assists) in 45 Spielen ergibt 0, 27 Punkte pro Spiel – Faktor 0.200

E – Spielte bei der WM 2013 – Faktor 0.200

Istvan Bartalis hat eine Punktewert von 2,0

Der Gesamtwert der Faktoren ergibt einen Gesamtwert von 1.750, der laut Tabelle aufgerundet wird – Bartalis'  Punktewert ist daher 2,0.

Die Problematiken der einzelnen Parameter

A – Nur wenige inländische Spieler kommen aus dem Ausland zurück, daher ist dieser Faktor meist der gleiche. Interessant, dass die EBEL sich selbst mit dem gleichen Faktor wie die international kaum beachteten dänischen und norwegischen Ligen (0.875) oder die bereits über den Jordan gegangen Central Hockey League bewertet. Kaum aufrechtzuerhalten: Der finnischen Liiga wird die gleiche Spielstärke zugeordnet wie der schwedischen SHL (1.500), die jämmerliche slowakischen Extraliga wird der tschechischen (1.000) gleichgesetzt. Und dass die KHL und die NHL sich auf dem gleichen Niveau bewegen (Faktor 2.000), behaupten mittlerweile nicht einmal mehr die russischen Ligabosse.

Völlig verwirrend: Die Western Hockey League (0.875) wird gelistet, ihre geografischen Counterparts OHL und QMJHL dagegen nicht.

Aber wie gesagt: Diese Faktoren kommen ohnehin eher selten zur Geltung, am ehesten noch bei den ausländischen Vereinen. Znojmo etwa holt logischerweise die meisten Spieler aus der tschechischen Extraliga.  

B – Hier werden die Spieler im Alter zwischen 28 und 31 Jahren am höchsten bewertet, was natürlich höchst arbiträr ist. Dass aber Spieler über 35 gleich hoch bewertet werden, kann diskutiert werden. Schon klar, dem Nationalteam helfen sie kaum mehr, aber für geleistete Dienste noch bestraft zu werden, ist auch nicht in Ordnung.

C – Der Punktewert der letzten Saison geht wohl auch deshalb ein, um zu große Bocksprünge zu vermeiden

D1 – Hiervon profitieren vor allem Spieler, die lange verletzt waren und so einen Großteil der Saison versäumten.

D2F – Bei Stürmern geht es vor allem um die erzielten Punkte, komisch, dass hier die Plus/Minus-Statistik überhaupt nicht einfließt

D2D – Punkte und Plus/Minus bei den Verteidigern – wie auch am Spielermarkt werden Offensivverteidiger hier mehr geschätzt als reine Zerstörer.

E – Nationalteamspieler bekommen noch einen Zuschlag, Diese Kategorie war nicht dazu gedacht, Teamspieler zu bestrafen, man ging nur logischerweise davon aus, dass diese bessere Spieler sind und man so einen weiteren Faktor für die Spielstärke finden könnte.

Diese Kategorie war wohl die umstrittenste und wurde für die nächste Saison auch gestrichen. Doch dieser Faktor machte ohnehin nur einen sehr geringen Prozentsatz des Punktewertes aus und veränderte den Status der Nationalteamspieler nur geringfügig.

 

Soviel zum "Objektiven Punktesystem". Doch wie steht es um die Stärken und Schwächen dieser Regelung? Im 3. Teil der Serie erfährst du mehr.

Die Geschichte des Systems sowie dessen Stärken und Schwächen

Teil 1: Die Geschichte der Punkteregelung

Teil 2: Das objektive System – Die Parameter

Teil 3: Die Stärken und Schwächen des Systems

Die finanziellen Aspekte sowie die Auswirkungen auf Österreichs Eishockey

Teil 4: Die Punkteregelung als Salary Cap?

Teil 5: Schaden Legionäre Österreichs Eishockey?

Teil 6: Die Internationalität der EBEL – Fluch oder Segen?

Andere Systeme und deren Auswirkungen

Teil 7: Die Alternativen zur Punkteregelung

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