So sah der Scout den EBEL-Start

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So gut waren die Dornbirner noch nie besetzt

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Die Sommerpause ist vorüber und sogar das erste EBEL-Wochenende dieser Saison ist bereits wieder Geschichte.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat sich drei Spiele angesehen und berichtet von seinen Beobachtungen, Eindrücken und einem eventuellen Geheimfavoriten...

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HC Znojmo - Black Wings Linz 4:0 (1:0,2:0,1:0)

Tore: Horn (19.,40.), Stach (27.), Stehlik (56.).

Znojmo, 2.831 Zuschauer. Strafminuten: 13+Spieldauer Lattner bzw. 6.

Eine klare Linzer Niederlage in Znojmo? Alles andere als eine Überraschung, die Trips der Stahlstädter nach Tschechien enden eigentlich regelmäßig in Debakeln. Die Tschechen nahmen ihre gute Pre-Season-Form in die Saison mit, die Linzer ließen entscheidende Momente ungenutzt: Ein 5-3 im ersten Drittel, ein DaSilva-Breakaway beim Stande von 0:1 und eine fünfminütige Überlegenheit im Schlussdrittel.

Dieses Fünf-Minuten-Powerplay war das Resultat einer mutigen Entscheidung von Referee Vladimir Babic: Jan Lattner haut Fabio Hofer von hinten „die Bock weg“, Babic entscheidet auf „Slew-Footing“. Im Gegensatz zum IIHF-Regelbuch (automatische Matchstrafe) gibt das EBEL-Casebook hier den Refs mehr Möglichkeiten, Babic entschied sich für eine 5 + Spieldauer, genau das richtige Strafmaß, ebenso wie die  Zwei-Spiele-Sperre gegen Lattner.

Wie agierten die neuen Linzer in den drei Topblöcken? Dan DaSilva kreierte einige Chancen in der Anfangsphase, konnte diese aber nicht verwerten. Das Duo Altmann-Palin hatte gegen die schnellen Tschechen natürlich Probleme. Olivier Latendresse hatte nur wenige auffällige Momente, da vor allem den Pass für das DaSilva-Breakaway. Brett McLean agierte ziemlich unauffällig. Eines haben diese Cracks bei all ihren Fähigkeiten gemeinsam: Den Teamspeed heben sie sicher nicht…

Sieben Verteidiger bei Linz

Ziemlich ungewohnt agierte Linz-Coach Rob Daum mit sieben Defendern. Bernhard Fechtig hatte aber stets seine liebe Müh, ein fast zwei Minuten dauernder Shift im ersten Drittel resultierte aus einem Giveaway. Und beim zweiten Gegentreffer wusste der 22-jährige überhaupt nicht mehr, wie ihm geschah…

Das DaSilva-Breakaway machte Znojmo-Goalie Patrik Nechvatal mit einem Split-Save zunichte. Der Tscheche ist wohl der einzige Torhüter in der Liga, der diese aus den Lehrbüchern längst verbannte Technik noch aufrecht erhält…

Colton Yellow Horn stellte sich gleich mit zwei Treffern vor, bei beiden traf er hoch ins Eck. Seine Schusstechnik gehört sicher zu den besten der Liga, sein Spiel ohne Scheibe ist natürlich (wie auch bei Teamkollegen Ondrej Sedivy) ausbaufähig. Das sieht wohl auch Coach Jiri Reznar so: Der Kanadier durfte die Fünf-Minuten-Strafe gegen Lattner absitzen…

VSV - Dornbirner EC 2:3 (0:3,1:0,1:0)

Tore: Hunter (30./PP), Verlic (54.) bzw. Siddall (6.), Crawford (18.), Arniel (20.).

Villach, 3.249 Zuschauer. Strafminuten: 11+Spieldauer Bacher bzw. 20+Spieldauer D'Aversa.

Nach zwei Spieltagen werden noch keine Meister gekürt und auch keine Playoff-Teilnahmen festgezurrt. Doch eines steht fest: So gut und tief wie heuer waren die Dornbirner noch nie besetzt.

Die neuen Defensivlegionäre Mike Caruso (etwas unbeweglich) und Andrew MacKenzie (wie Caruso mit guter Größe und Reichweite) sind keine Kapuzunder, aber absolut EBEL-tauglich. Bei fünf Legionärsdefendern fiel auch der frühe Ausfall von Jon D’Aversa (Bandencheck gegen den sich im Straucheln befindlichen Eric Hunter) nicht so ins Gewicht.

Im Angriff kommen zur Paradelinie D’Alvise/Arniel/Grabher-Meier gleich zwei weitere gute Linien: Greentree/Zagrapan/Livingston und Petrik/Sylvester/Siddall. Kyle Greentree stellte sich gleich mit einem für ihn typischen Treffer ein (Wrister hoch ins kurze Eck).

Mangel an offensiven Gamebreakern

James Livingston ist ein großer Körper, der im Penalty Killing erste Wahl ist. Dort agieren auch Dustin Sylvester und Matt Siddall, verfügen daher über regelmäßige Eiszeit und bringen bei 5-5 weit mehr Offensivqualitäten mit als viele andere dritte Linien. Coach Dave MacQueen bringt auch Verteidiger Sieben (Alexander Jeitziner) ebenso regelmäßig wie seine vierte Linie mit Macierzynski/Häußle/Putnik. Diese bedankten sich dann auch in Wien mit dem Siegestreffer…

„Wir wollen euch kämpfen sehen“ – dieser Gesang aus dem Villacher Fansektor im letzten Drittel war natürlich eine Themenverfehlung. Das Team gab alles, hatte auch zu Beginn und am Ende des Spiels lange Druckphasen, doch der Mangel an offensiven Gamebreakern wird über die Saison ein Problem sein. Dustin Johner arbeitete hart, sein Eislaufen ist besser als erwartet, schaut aber auch etwas kraftraubend aus. Er kann eine Linie jedoch nicht alleine tragen, vor allem wenn ein Spieler wie Mark Santorelli einen schwarzen Tag erwischt.

Problematisch die Besetzung an der blauen Linie: Nach Andy Canzanellos Abschied (einige Wochen nach dem Einstiegs-Fitnesstest) muss Gerhard Unterluggauer wieder Eiszeit nehmen, die in seinem Alter nicht anzuraten ist. Vor allem im Powerplay kamen nur für Goalie Florian Hardy leicht sichtbare Schüsse, Matt Kelly ist halt auch kein perfekter Quarterback. Hier muss sicher noch nachgelegt werden, viel Qualität gibt der Markt aber auch nicht her, wie Ligarivale Bozen zur Stunde erfahren muss…

Problem mit Instigator-Strafen

Es spricht für Stefan Bachers Herz, dass er sich D’Aversa nach dessen Check vorknüpfen wollte, auch wenn er dann mit Olivier Magnan Vorlieb nehmen musste. Nur: Eine klarere Instigator-Strafe als diese (Bacher fuhr D’Aversa über das halbe Eis nach) gibt es nicht, es spricht nicht für die beiden Refs Peter Gebei und Daniel Gamper, dass sie diese erst nach einer langen Bedenkzeit aussprachen.

Der vor Ort anwesende Schiri-Chef Lyle Seitz verzweifelt schon seit langem daran, dass seine Schützlinge die Instigator- und Aggressor-Strafen (jeweils 2+5+Spieldauer) nicht und nicht umsetzen…

Richtig dagegen die (Nicht)-Entscheidung vor dem zweiten Dornbirner Tor: Marek Zagrapan erwischte zwar Dustin Johner mit einem hohen Stock im Gesicht, das war aber eine Follow-Through-Bewegung nach einem Schussversuch und daher auch nicht strafbar…

Graz99ers - KAC 4:5 n. OT (2:0,1:3,1:1,0:1)

Tore: Almtorp (9./PP), Natter (20.), Poulsen (26./PP, 54.) bzw. Geier (24./SH), Desantis (34.), Jacques (34.), Ganahl (54.), Setzinger (65.)

Graz, Zuschauer:3.020. Strafminuten: 14 bzw. 13 + Spieldauer Popovic

Der KAC war zwar das bessere Team, allerdings hielten die Grazer stets dagegen und fanden mehr Offensive in ihrem Lineup als zuletzt.

Nicht nur aufgrund seiner zwei Tore zu loben: Morten Poulsen ist ein kräftiger, kampfstarker Flügel, der Raum für sich und andere schafft. Er und Goalie Sebastian Dahm sind wesentlich bessere Imports aus der dänischen Liga als Todd Bjorkstrands letztjährige Mitbringsel Tomas Petruska und Mitch Ganzak…

Daniel New und Mike Marcou bilden ein Verteidigerpärchen, das unter Druck Probleme hat, die richtigen Entscheidungen zu treffen. New hat allerdings ausgezeichnete Beine, „can‘t be outskated“ würde in seinem Scoutingbericht stehen. Jamie Lundmark versuchte es mit einigen angetäuschten Richtungsänderungen in der 3-3-Overtime, musste aber schließlich kapitulieren…

Nordqvists bisher bestes Spiel

Interessante Aufgabe für Thomas Hundertpfund in nummerischer Unterlegenheit: Ein Verteidiger, der Face-Offs bestreitet…

Jonas Nordqvist hat schon genug Fett abbekommen, dieses Spiel dürfte aber sein bisher bestes im Klagenfurter Dress gewesen sein. Man sieht, dass er unter Druck die Scheibe gut weiterleiten kann, öfters zu sehen: Er trägt die Scheibe entlang der rechten Bande ins Drittel, bleibt stehen und macht einen netten Drop-Pass.

Zwei Probleme gibt es aber weiter für ihn: Er kommt wirklich schwerfällig daher, hat einfach keinen zweiten Gang. Und im Powerplay besetzt Oliver Setzinger den Baugrund an den rechten Half-Boards, den Nordqvist in Schweden über Jahre innehatte. Doch Nordqvist fügt sich in sein Schicksal und gab beim zweiten KAC-Treffer sogar den Prellbock vor dem Tore, eine Rolle für die er sicher nicht geholt wurde. Jean-Francois Jacques fälschte dann 37 Sekunden später einen Kapstad-Schuss im Slot ab und bewies damit, dass er eigentlich im Powerplay den Rammbock spielen sollte…

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