Auf Linz und KAC wartet ein Umbruch

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Im Schatten der Finalserie und der ersten WM-Testspiele feilt der Rest der Liga an den Kadern für die nächste Saison.

LAOLA1 wirft einen Blick auf die Halbfinalverlierer Linz und KAC - woran scheiterten sie und wie geht es weiter?

Außerdem gibt es am Ende des Scouting Reports wie gewohnt Wissenswertes aus der EBEL:

Black Wings Linz

Die Stahlstädter agierten lange Zeit souverän, in den  Playoffs kamen sie aber ins Schwimmen und schieden schließlich klar und verdient gegen die Vienna Capitals aus. Das Saisonende muss für die Linzer unbefriedigend sein, doch woran haperte es?

Ständige Rückstände kosteten Kraft

Schon gegen Bozen brauchten die Oberösterreicher sieben Spiele, ohne dass die Südtiroler überragend agierten. Das kostete sicher Energie, wenngleich auch das erste Spiel gegen die Caps gewonnen wurde.

Doch zu oft gerieten die Black Wings im ersten Drittel in Rückstand, die dauernden Aufholjagden gegen die physisch starken und verletzungsfreien Wiener konnten auf die Dauer nicht gutgehen.

Hier einige Gründe für das Ausscheiden und wie man darauf reagieren (aber sicher nicht überreagieren) könnte:

Der Goalie:

Michael Ouzas spielte schwache Playoffs. Er zeigte kaum Quality Saves und wurde zu leicht und zu früh bezwungen. Es schien ihm etwas an Energie zu fehlen – gerade bei seinem Stil, der auf explosiver Fußarbeit und guten Reflexen basiert, natürlich ein zu großes Manko.

Konsequenzen: Keine. Ouzas ist noch unter Vertrag und spielte die letzten zwei Jahre zu gut, um groß in Frage gestellt zu werden.

 

Die Tiefe im Kader:

Der Ausfall von Fabio Hofer kosteten den Linzern schon viel an Dynamik und Speed, als auch noch Center Rob Hisey weg brach, war eine der Top-EBEL-Linien endgültig gesprengt. Das wirkte sich nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Quantität aus – die vierte Linie kam kaum zum Einsatz. Zum Vergleich: Die hieß zuletzt Macierzynski-Gaffal-Pirmann. Im Vergleich dazu die vierte Linie aus der (verletzungsfreien) Meistersaison? B.Lebler-P.Lukas-Spannring…

Konsequenzen: Aufgrund der Punkteregelung nicht so leicht zu handhaben. Dass schon zwei Verletzungen jedem Team an Tiefe kosten, ist bekannt. Mit Kevin Moderer steht bis jetzt lediglich ein neuer Österreicher in den Startlöchern, allerdings fällt mit dem Neo-Gastronomen Matthias Iberer auch ein Qualitätsinländer weg. Die Linzer sollten nächste Saison bei Vollbestand wieder auf vier brauchbare Linien kommen, doch im Angriff ist vom Eigenbestand einzig Stefan Gaffal ein größerer Sprung zuzutrauen.

Alter und Beine: 

Gegen die schnelleren und physischeren Wiener wirkten die Linzer zweitweise arg träge. Bestes Beispiel: Ohne Hisey bestand die „1-2 Combo“ auf der Centerpostion in Brad Moran  und Mike Ouellette, beiden fehlt es mittlerweile ganz einfach an Dynamik und Speed für diese exponierten Rollen. Ouellettes Comeback in Linz war sicher keine Erfolgsgeschichte, sein Vorgänger, Chad Rau, hätte zumindest mehr Speed ins Lineup gebracht.

 

Curtis Murphys Zeit in Linz ist abgeulaufen

An der blauen Linie agierte Curtis Murphy einerseits für einen 39-jährigen immer noch bewundernswert, aber er hat viel von seine Offensive und natürlich Beinarbeit verloren. Selbst wenn Sebastien Piche bliebe (seine Entscheidung wird sich noch hinausziehen), brauchen die Linzer zumindest einen Qualitätsverteidiger mit Powerplay-Fähigkeiten – Rechtsschützen bitte vortreten.

Konsequenzen: Insgesamt steht Coach Rob Daum (hatte mit Augsburg nie Kontakt, diesen Job bekommt Mike Stewart) und Manager Christian Perthaler der größte Umbruch seit vier Jahren bevor. Vor allem wenn Piche und Lebler (hat Ausstiegsklausel bis nach der WM) abwandern, wartet ein arbeitsreicher Sommer auf die beiden. Mit Moderer und dem fintenreichen Olivier Latendresse alleine wird es natürlich nicht abgetan sein.

Fixabgänge: Curtis Murphy, Brad Moran, Mike Ouellette, Kevin Macierzynski, Matthias Iberer

Fixzugänge: Kevin Moderer, Olivier Latendresse

Fragezeichen: Brian Lebler, Sebastien Piche, Franklin MacDonald, Markus Pirmann

Punktewert des österreichischen Grundkaders: 18 (Mitterdorfer, R. & P. Lukas, Spannring, Oberkofler, Hofer, Moderer, Lebler)

KAC:

Im Gegensatz zu den Linzern konnten sich die Klagenfurter erst zum Ende einer völlig verkorksten Saison wieder etwas Respekt verschaffen.

Die „Rotjacken“ sind auf den letzten Drücker in die Playoffs gerutscht, haben dort Znojmo souverän bezwungen, und wurden dann gegen Salzburg trotz guter Leistungen gesweept. Doch nicht mit Schimpf und Schande aus der Saison verabschiedet zu werden, kann ja nicht der Anspruch des KAC sein.

Klar, die wirre Entscheidung, Martin Stloukal als Trainer zu verpflichten, kann dem allmächtigen Hellmuth Reichel keiner abnehmen, das konnte einfach nicht funktionieren. Nur: Stloukal und seine Entscheidungen für alle Probleme dieser (KAC)-Welt verantwortlich zu machen, akzeptieren auch nur naive Gemüter.

Was hatte er etwa mit der Vorsaison zu tun, als der fast idente österreichische Kern des Teams die Playoffs überhaupt verpasste? Zwei miese Saisonen, von denen Stloukal genau vier Spiele hinter der Bande stand – als alleiniger Sündenbock kann der exzentrische Tscheche hier nicht herhalten.

Top-Spieler müssen Leistung bringen

Eins zeigten die letzten Wochen der Saison: Wenn Spieler wie Jamie Lundmark, Thomas Pöck, Thomas Koch, Oliver Setzinger oder Thomas Hundertpfund an ihre Leistungsgrenzen gehen, sieht es schon einmal gut aus.

Jean-Francois Jacques wandelte sich in ihrem Soge dann auch vom Megaflop zu einem brauchbaren Crease-Crasher. Dazu kommen noch Cracks wie Manuel und Stefan Geier und Patrick Harand, die wichtige Rollenspieler sein können als auch Martin Schumnig, der vom Abstellgleis zurückkam.  Manuel Ganahl dürfte der einzige österreichische Neuzugang bleiben, Qualität geht hier vor Quantität.

Eigentlich eine gute Grundlage für die nächste Saison – wie bereits gesagt, stets unter der Prämisse, dass die höchstbezahlten Spieler (der Liga) auch ihre Leistungen abrufen. Lundmark verzichtete auf „Money“ zugunsten von „Term“ und unterschrieb für zwei Jahre bei geringerer (aber immer noch sehr guter) Entlohnung.

Was wird aus Siklenka?

In puncto Legionäre kann Manager Oliver Pilloni fast bei Null beginnen – so man ihn lässt.

Ein von Hellmuth Reichel angesprochenes Comeback von Mike Siklenka (steht noch ein Jahr unter Vertrag) fällt ja fast unter den Tatbestand der gefährlichen Drohung.

Ist Siklenka einer dieser Vampire, der sich mit einem Pflock im Herzen kurz vor Filmschluss noch einmal aus seinem Sarg wälzt? Dazu darf es eigentlich schon aus Gründen der Kabinenhygiene nicht kommen, Coach Doug Mason, der Siklenka bereits einmal eliminiert hat, wäre so schon zu Saisonbeginn bloßgestellt.

Team steht zu Coach Mason

Pilloni kann neben Jacques und Lundmark sechs Legionärsplätze neu besetzen. Im Tor ist noch offen, ob der oftmals zappelige Pekka Tuokkola mit Rene Swette weiter ein Duo bilden wird.

Dringend vonnöten sind zwei brauchbare Powerplayspezialisten an der blauen Linie sowie ein Topcenter, der sich mit Koch um die Einserrolle matchen kann. Und am Flügel würde Pilloni für eine jüngere Ausgabe von Mike Craig seinen rechten Arm hergeben.

Nach einigem Hin und Her durfte Doug Mason als Trainer bleiben, das Team sprach sich für ihn aus, muss diesen verbalen Zuneigungen dann umso mehr Leistungen folgen lassen. Kirk Furey bleibt als Co-Trainer ebenfalls erhalten.

Fixabgänge: Maxi Isopp, Kirk Furey, Luke Pither, Kim Strömberg,

Fixzugänge: Manuel Ganahl

Fragezeichen: Pekka Tuokkola, Mike Siklenka, David Schuller, Marcel Rodman, Jason DeSantis

Punktewert des österreichischen Grundkaders: 27 (Swette, Reichel, Pöck, Schumnig, Harand, Koch, S. & M. Geier, Hundertpfund, Setzinger, Ganahl)

Foucaults CHL-Auftritte bescherten ihm ein Engagement in Zürich

Aus der Liga:

Wie kam es eigentlich zum Engagement von Caps-Topscorer Kris Foucault bei den ZSC Lions?

Das Ganze begann mit seinen guten Leistungen in den CHL-Spielen, die ZSC-Granden inklusive Coach Marc Crawford zeigten sich von ihm höchst angetan. Es folgte ein Scouting-Besuch in Wien durch Sportchef Simon Schenk, die Kontakte zwischen Foucault und den Schweizern hielt Agent Martin Krainz aufrecht.

In Unwissen dessen bot inzwischen Foucaults eigentlicher Agent Michael Bühler Foucault in Deutschland an, konkrete Angebote gab es weder von dort noch von den Caps. Erst in den letzten Wochen zeigten Ingolstadt, Wolfsburg und Köln etwas Interesse, Schriftliches hatte Foucault aber nur aus Zürich vorliegen.

Foucault wohl fünfter Ausländer

Foucaults Rolle beim derzeitigen NLA-Finalisten: Wahrscheinlich die des fünften Ausländers (vier dürfen eingesetzt und acht verpflichtet werden). Zwar stehen mit Marc-Andre Bergeron und Ryan Shannon erst zwei Legionäre für die nächste Saison unter Vertrag, doch die Zürcher können sich natürlich fast jeden Spieler auf dem Markt schnappen.

Als einziges NLA-Team leistet sich der ZSC mit den GCK Lions ein Farmteam in der NLB, von wo nach Bedarf jederzeit Spieler nach oben gezogen werden können. Das soll nun auch mit Foucault als Legionär passieren, er wird aber auch bei den CHL-Spielen des ZSC zum Einsatz kommen.

Anders als über den Umweg des Farmteams würde ein EBEL-Legionär für eine Organisation wie den ZSC nie in Frage kommen, selbst wenn er wie Foucault auf eine ausgezeichnete Saison zurückblicken kann. Finanziell verbessert es sich der 24-jährige auf jeden Fall: Die wohl größte Mezzie der EBEL verdreifacht fast ihr diesjähriges Gehalt.

Pokel in Bozen ante portas

Villach sieht sich bei der Besetzung der restlichen Legionärspositionen weiter vor allem innerhalb der Liga um: Bozens Rick Schofield hat ein Angebot aus der Draustadt vorliegen. Am einheimischen Markt bleibt Patrick Platzer für ein weiteres Jahr erhalten.

Apropos Bozen: Alles andere als ein Comeback von Tom Pokel hinter der Bande würde überraschen. Auch Verteidiger Matt Tomassoni könnte nach Südtirol zurückkehren.

Der 32-jährige Kanadier Brendan Cook (derzeit Bremerhaven) könnte der erste Legionärszugang in Graz werden. Mit Dany Sabourin verschwand der letzte Gutverdiener von der Gehaltsliste, Ersatz für ihn sucht man schon seit Wochen. Noch offen: Kommt ein klarer Einsergoalie oder eine Lösung mit einem vertrauenswürdigen Backup? Innsbruck und Dornbirn sind ebenfalls auf dem Goaliemarkt aktiv, ein Mann wie Drew MacIntyre dürfte aber für alle diese Teams unerschwinglich sein.

Die beiden Salzburger Defensiv-Legionäre Brian Fahey und Troy Milam spielen in der Finalserie um neue Verträge. Fahey wird jedoch auch mit SHL-Aufsteiger Karlskrona in Verbindung gebracht

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