LAOLA1-Scout sucht die beste Liga-Defense

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Puck-moving Defenders, also Verteidiger mit guten Fähigkeiten an der Scheibe: Nichts ist schwieriger auf dem Spielermarkt zu bekommen als dieser Spielertyp.

LAOLA1 wirft einen Blick hinter die Kulissen: Welche EBEL-Teams sind auf dieser Position gut bestückt, welche weniger?

 

 HC Znojmo: Lubomir Stach ist weiterhin der Einserverteidiger, vor allem im Powerplay. Marek Biro an seiner Seite hält die Sache einfach. Altspatz Rastislav Pavlikovsky wurde verabschiedet, mit Jakub Sulak (mobil) und Jakub Stehlik (Bombenschuss) kam ein gutes Zweier-Paar dazu. Als Gruppe ok, das Skilllevel ist nicht überragend, aber in Ordnung, defensiv werden die Playoffs der Belastungstest.

 Vienna Capitals: Troy Milam schlug in Wien voll ein, der 35-jährige hat in der internen Hierarchie Jamie Fraser eigentlich überflügelt. Wer zwei solche Spitzenleute hat, ist schon gut aufgestellt, dazu kommt Flo Iberer (nach schwächerem Saisonstart wieder im Aufwind) und Klemen Pretnar, dessen eisläuferische Fähigkeiten aber nicht unbedingt in Punkte münden.

Für die Defensive und das Körperspiel zuständig: Patrick Peter, Sven Klimbacher und Phil Lakos. Das ergibt auch ohne das verletzte Talent Dominic Hackl eine Defensive, die zu den Top-3 der Liga gehört. Wozu dann das Engagement von Tyler Cuma?

Der Austro-Kanadier ist bereits ein Vorgriff auf die nächste Saison, schließlich sind Lakos (35), Klimbacher (34) und Iberer (32) schon über den Dreißiger hinaus, nicht alle dürfen mit einer Vertragsverlängerung rechnen, bei Iberer spießte es sich schon heuer im Sommer lang.

Cuma, ein Defensiv-Verteidiger mit passablen Beinen, aber wenig Offensivbeiträgen, kann sich also heuer als Alternative präsentieren. Punktemäßig füllt er – wie im Vorjahr Andreas Nödl – die Lücke zu den 60 Punkten, ein Legionär muss dann bei Vollbestand aber noch gehen.

Es bleibt abzuwarten, wie Jim Boni die Eiszeit unter acht Defendern verteilen wird.

 

>>>Vienna Capitals vs. HC Bozen, Freitag, 17:55 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv<<<


 Black Wings Linz: Ein Wunschtraum von Rob Daum: Ein junger Curtis Murphy! Doch woher nehmen? Mit Grant Lewis machte man einem Defender mit relativ guten Puckskills ein Angebot, der lehnte dieses jedoch gegen den Ratschlag seines Agenten ab.

Nicht sehr clever, denn Lewis steht heute noch ohne Job da, hat sein letztes Spiel für München vor einem Jahr gespielt. Mit Brett Palin holten die Stahlstädter dann einen physisch starken Defender, sein erster Pass unter Druck fällt jedoch nicht immer klar aus. Im Powerplay ist er aufgrund seines Schusses ein Mann für das zweite Paar, aber weder er noch Mario Altmann sind richtige Puckmovers.

Sebastien Piche, ein Riverboat-Gambler vor dem Herrn, ist für den Großteil der Offensiv zuständig, Marc-Andre Dorion ist ein ziemlich unterschätzter Sekundant. Aber die Dreierpostion könnte im Vergleich zur Konkurrenz etwas besser besetzt sein.

 KAC: Eine sehr tief besetzte blaue Linie. Kevin Kapstad, wie Piche ein Risk-Taker, nimmt sowohl bei 5-5 als auch im Powerplay Risiken, konnte diese in seiner Karriere auch meist mit Punkten rechtfertigen. Mark Popovic, eine wesentliche Verstärkung, bringt unter Druck die Scheibe zu seinem Nebenmann und war in jungen Jahren auch eine Powerplaywaffe.

Thomas Pöck hat über die Jahre einen Teil seiner Offensive gegen mehr physisches Spiel eingetauscht, kann aber Angriffe sehr wohl noch auslösen. Jason DeSantis müsste weit mehr produzieren, um sein oft energieloses Spiel zu rechtfertigen. Bei besserer Produktion würde er eine sehr starke Top-4 veredeln. Martin Schumnig ist wiedererstarkt, findet sich daher zu Recht auch im Powerplay wieder.

Mit Steven Strong verfügen die Klagenfurter sogar über einen mehr als nur brauchbaren Sechser-Verteidiger, sein Engagement war ein wichtiger Bonus. Wie genau seine Rolle in der EBEL über die Jahre ausfallen wird, ist noch unklar, aber er kann eislaufen und verfügt zumindest über grundlegende Fähigkeiten mit der Scheibe.

 Dornbirner EC: Die blaue Linie der Bulldogs wurde im Sommer sicher upgegradet, allerdings nicht unbedingt mit Puckmovern. Jon D’Aversa definiert sich über seinen Schuss, der derzeit verletzte Nick Crawford kann die Scheibe gut zirkulieren. Der Rest (Mike Caruso, Drew MacKenzie, Olivier Magnan) sind fast reine Defensivspezialisten, vor allem im Falle von Magnan sollte einmal ein Upgrade angestrebt werden. Die durchaus interessante Stürmercrew könnte von besserem Management profitieren…

 HC Bozen: Nach zwei Defendern wird noch gefahndet, mit dem Schweden Markus Nordlund versucht man ein relativ großes Kaliber an Land zu ziehen. An Puckmovern und Powerplay-Experten fehlt es der Gruppe von Tom Pokel bis jetzt. Sean McMonagle hat sich seit Mitte der letzten Saison gesteigert, ist aber in Ermangelung eines Besseren an der Spitze dieser Crew. Brett Flemming und Tryout-Crack Matic Podlipnik sind brave Spieler, aber doch limitiert in ihren Mitteln, Oldie Alexander Egger verfügt über „Basic Skills“. Die Stürmer-Legionäre können auch erst bewertet werden, wenn sie von der blauen Linie besser gemanagt werden.

 

>>>Vienna Capitals vs. HC Bozen, Freitag, 17:55 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv<<<


 Red Bull Salzburg: Auf dem Papier natürlich am tiefsten besetzt, derzeit hapert es noch mit der Umsetzung auf dem Eis. Das Paar Dominique Heinrich - Matthias Trattnig ist in Bestform weit über alle anderen Pärchen in der Liga zu stellen, vor allem eisläuferisch und mit ihren Puckskills.

Derzeit wirken die beiden mitunter so, als ob sie mit ihren Gedanken woanders wären. Brian Fahey – wenn fit – wäre bei den meisten Teams ein Kandidat für die Einserpostion, ähnliches gilt für Zdenik Kutlak, bei dem aber manchmal die Konzentration fehlt.

Bei allem Verständnis, dass man nicht mit vier Vertretern der Generation 34+ in die Saison starten wollte: Aber der Tausch Troy Milam gegen Brian Connelly war bis jetzt ein Schuss in den Ofen, Milam präsentiert sich in Wien überragend, Connelly eher durchschnittlich. Mich verwundert vor allem, dass aus dem Trio Milam-Fahey-Kutlak derjenige gehen musste, der am wenigsten verletzungsanfällig war.

Trotzdem ist diese Top-5 formidabel, dazu kommt mit Alexander Pallestrang noch ein Teamverteidiger mit durchaus guten Puckskills. Und selbst Layne Viveiros und Philipp Lindner haben (auf EBEL-Niveau noch nicht nachgewiesene) brauchbare Hände, Salzburg ist damit das einzige Team ohne reinen Defensivspezialisten.

HC Innsbruck: Nick Schaus, Dustin VanBallegooie und Nick Ross sind hier für das spielerische Element zuständig. Alles brauchbare Leute, allerdings nicht ohne Mängel: Schaus wandelt zeitweise auf komischen Postionswegen, Ross fehlt die eisläuferische Dynamik, VanBallegooie agiert solide, aber bei 5-5 kommt bei ihm auch nicht mehr viel. Trotzdem ein auch im Powerplay brauchbares Trio, vor allem wenn man die finanziellen Mittel der Tiroler kennt. Allerdings: Dahinter kommt überhaupt nichts mehr, Dave Liffiton ist ein Mann fürs Grobe. Werden die drei im Lauf der Saison überspielt?

 VSV: Irrungen und Wirrungen in der Suche nach einem offensivstarken Defender: Bei Andy Canzanello hätte eine Recherche aber ergeben, dass er ein Eishockeytourist ist. Ein durchaus netter Kerl, aber aus steinreicher Familie und daher eher den schönen Seiten des Lebens (z. B. Skifahren und gutes Essen) zugetan. Am Eis resultiert das in einem potentiellen Puckmover, der aber nur sehr überschaubare Offensivbeiträge leistet.

Mit Ryan McKiernan wurde ein Mann an Land gezogen, der schon eher dem Anforderungsprofil entspricht. Warum wurde der nicht schon im Sommer geholt? Nun, zu Verträgen gehören immer zwei. Manager Stefan Widitsch war an ihm schon länger dran, McKiernan träumte aber lange noch von einem lukrativen SHL-Vertrag. Träume blieben Schäume, auch nach einem Agentenwechsel von Martin Krainz zu Francois Guay. Sein derzeitiges Gehalt stellt sich aber so dar, dass er bei gleichbleibenden oder steigenden Leistungen als Schnäppchen durchgeht.

Mike Kelly kommt zwar meist zu seinen Punkten, aber schon in Graz musste man im Powerplay von der blauen Linie näher zum Tor verfrachten. Als großen Offensivbringer würde ich ihn auf EBEL-Niveau nicht sehen, dazu tendiert er zu Laissez-Faire-Defensiv-Verhalten.

Gerhard Unterluggauer wäre in jungen Jahren hier ein klarer Einserverteidiger, trotz des Verlusts von neun Kilo ist sein Alter aber natürlich nicht mehr wegzuleugnen. Markus Schlacher rundet die Top 4 gut ab, er kann die Scheibe gut tragen, verzögert aber seinen (Rechts)Schuss im Powerplay etwas zu lange.

Keine schlechte Top-4, McKiernan und Kelly müssen auf dem Scoresheet aber anschreiben.

 Fehervar AV19: Der Ausfall von Aaron Brocklehurst, der nach seinem Fingerbruch aber bald wieder zurückkehren sollte, war natürlich ein gewichtiger Faktor für die derzeitige Niederlagenserie – der Kanadier ist in Bestform ein mobiler Puckmover, auch wenn die letzten beiden Saisonen nicht gerade gut ausfielen. Kevin Wehrs ist ein typischer „In-Betweener“, weder ein brillanter Puckmover noch ein physischer Verteidiger. Er sollte nicht – wie etwa in den letzten Playoffs – mit einer zu großen Rolle vertraut werden. Bence Sziranyi kann schießen und bewegt sich ok, der Rest (Attila Orban, Ryan Martinelli, Arnold Varga) sind kantige Defensivriegel.

Ein Upgrade könnte hier nicht schaden, aber dieser muss und wird eher im Sturm erfolgen: Istvan Bartalis, Andrew Sarauer und Frank Banham leiden immer noch unter den Folgen ihrer Operationen in der Offseason, der Ex-Dornbirner Ryan Kinasewich dürfte in Kürze als Ersatz einspringen. Er darf von der blauen Linie ligadurchschnittliches Management erwarten.

 Olimpija Ljubljana: Schmalhans ist spielerischer Küchenmeister, aber woher sollten sich die Slowenen auch spielerisch starke Defender leisten können? Ein zusätzlicher Mann für das Powerplay wäre ein Wunschtraum von Fabian Dahlem. Kein Wunder, denn keiner seiner Verteidiger wäre bei einem anderen Team unter den ersten Vier gesetzt.

Nur logisch, dass Dahlem im Powerplay zwei Stürmer zurückzieht - wenn Miha Logar die schnittigste Offensivwaffe ist, ist die Suppe dünn. Fabian Scholz könnte spielerisch sicher Beiträge leisten, aber auch bei seiner vierten EBEL-Station ist er derzeit nur eine Randerscheinung und Defender Nr. 7.

 Graz99ers: Neuer Trainer, neues Glück, aber mit viel Talent kann auch Ivo Jan an der blauen Linie nicht arbeiten. Kevin Mitchell sollte im Powerplay mit seinem Schuss eigentlich eine Waffe sein, die Betonung liegt bis jetzt auf „eigentlich“. Bei 5-5 sind seine Beiträge überschaubar.

Mike Little ist ein durchaus brauchbarer Mann, allerdings beweist er auch, warum er es über die ECHL nicht hinaus geschafft hat: Er kann ohne Druck die Scheibe passen und führen, aber es fehlt ihm an Dynamik und Ruhe unter Druck.

Beide stehen aber in puncto Puckskills noch weiter über dem Rest der Gang, Mike Marcous Stärken sind noch Verschlusssache, Victor Panelin Borg ist sehr limitert. Anzunehmen, dass Ivo Jan seinen Landsmann Sabahudin Kovacevic fördern wird, aber auch er ist alles andere als ein Puckmover. Viel Nachschub von hinten kommt für die Stürmer hier nicht…

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