Knarzen in Linz, überzeugendes Duo bei Bozen

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LAOLA1-Scout Bernd Freimüller nahm in den vergangenen Tagen drei Spiele genauer unter die Lupe.

Welche Erkenntnisse nahm er aus Wien, Graz und Znojmo mit?

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Vienna Capitals - HC Bozen 1:2 (1:0, 0:0, 0:2)

Tore: McLean (13./PP) bzw. Pollastrone (41./PP), Vause (60.).

Wien, 4.850. Strafminuten: 10 bzw. 8.

Ein aufgrund eines Milam-Giveaways glücklicher, aber keineswegs unverdienter Sieg der Bozener, sie gestatteten den Wienern kaum längere Druckphasen.

Die Caps wirkten ziemlich müde, das kommt im Laufe der Saison schon einmal vor. Coach Jim Boni wird sich im Nachhinein noch bekreuzigen, dass das CHL-Abenteuer mit dem Spiel in Litvinov beendet war.

Das Durchspielen in der November-Pause war nämlich der Anfang vom Ende seines Vorgängers Tom Pokel im letzten Jahr in Wien.

Vause und Pollastrone überzeugten

Wer sind die besten Legionäre der Bozener, sprich Kandidaten für Villacher Importpositionen für die nächste Saison?

Taylor Vause präsentiert sich - so wie aus Nordamerika angekündigt - als kleiner, wendiger Spieler mit guten Händen. Ein typisches Beispiel für einen Crack, der in der AHL in der dritten oder vierten Linie festgenagelt war, kaum Offensivzeit bekam und so nur wenig Punkte anschreiben konnte. Soviel zur These „Es gibt keine jungen Legionäre auf dem Markt.“

Jerry Pollastrone hat seinerseits eine fast märchenhafte Karriere aufzuweisen – in der ECHL und Central Hockey League mit katastrophalen Statistiken, danach in Holland und in der britischen Liga. Nach diesen Stationen eigentlich ein Wunder, dass er ein Engagement bei Mora in der schwedischen Allsvenskan bekam, dort wurde er aber sogar zum Publikumsliebling. In Bozen präsentiert er sich als körperlich kompakter Flügel mit gutem Antritt, der auch mit der Scheibe nicht langsamer wird. Beide belohnten sich zu Recht mit den beiden Treffern.

Zumindest ein Verteidiger mit guten Puckskills soll und muss noch nach Bozen kommen, ein Engagement des Finnen Markus Nordlund wäre sicher ein Coup.

Nikolic griff durch

Kompliment an Manuel Nikolic: Im Gegensatz zu seinen Kollegen verarztete der Innsbrucker Head endlich einmal den Dauerpatienten Danny Bois mit einer Strafe. Bois glaubt nämlich, jeden Spieler, der sich nur im selben Verwaltungsbezirk wie Goalie Nathan Lawson aufhält, straffrei eine mitgeben zu können. Seine oft überhebliche Gestik sollte Nikolic aber schnellstens eindämmen, international wird so etwas gar nicht gerne gesehen.

Großes Manko bei Lineswoman Bettina Angerer: Viele Faceoffs sind sehr unrein, vor allem in entscheidenden Phasen kann das für große Unruhe sorgen.

Graz99ers - Black Wings Linz 2:4 (0:1, 1:1, 1:2)

Tore: Kovacevic (24.), DeSimone (52.) bzw. Hofer (18./PP, 34.), Kozek (48.), Göhringer (60./EN).

Graz, 1.710 Zuschauer. Strafminuten: 4 bzw. 10.

Die Linzer Saison knarzt trotz des guten Tabellenranges bis jetzt: Bezeichnend, dass genau zwei Cracks mit mehr als zwei Saisontreffern in das Spiel gegen Graz gingen: Fabio Hofer und Andrew Kozek.

Diese beiden tragen dann auch in einem ausgeglichenen Spiel, aber irgendwann werden Oliver Latendresse (wenig Intensität) und Brett McLean (zeitweise zu unscheinbar) anschreiben müssen. Latendresse tat dies auch zwei Tage später gegen den VSV.

Lob für Hofer und Spannring

Fabio Hofer hat die Gabe - wie bei seinen beiden Treffern demonstriert -, dass er aus Nahdistanz die Scheibe hoch und schnell aufs Tor bringt. Flach fallen ja ohnehin kaum Tore. Hofer nähert sich der Form vor seiner Verletzung an, Linienkollege Patrick Spannring steigert sich von Saison zu Saison. Bezeichnend seine Arbeit vor Hofers zweitem Tor: Zweimal hielt Spannring den Spielzug in der Ecke am Leben, überhaupt war die Linie um Center Rob Hisey mit Abstand die stärkste der Linzer.

Im Gegensatz zu früher, wo Spannring ein reiner Grinder war, fordert er nun auch den Puck und initiiert sogar Spielzüge. Bezeichnend auch eine Szene im zweiten Drittel, als Spannring sich tief in der eigenen Zone die Scheibe holte und Sekunden später nach einem schnellen Give-and-go zu einem Semi-Breakaway kam. Sowohl Spannring als auch Hofer sollten im Aufgebot für die November-Länderspiele stehen.

Starke Leistung von Dechel

Im Duell der beiden Backup-Goalies überzeugte vor allem Thomas Dechel (Thomas Höneckl trug aber keine Schuld an den Gegentoren): Der gebürtige Wiener macht sich im Tor größer als er ist, hält die Schultern hoch (wenn auch mit etwas abrupten Bewegungen) und schneidet bei freier Sicht auch den Winkel gut ab. Noch Arbeit besteht für den 22-jährigen bei schnellen Post-to-Post-Moves, etwa bei Wraparounds. Für einen Backup beim ersten Einsatz aber ein fast perfektes Spiel.

Memo an Bernhard Fechtig (7. Verteidiger) und David Franz (erster Saisoneinsatz): Die Karten für mehr Eiszeit verbessern sich, wenn man nicht bei den wenigen Shifts dumme Strafen abholt: Fechtig bei einem Haken in der Ecke, Franz mit einem Kniecheck tief in der gegnerischen Zone.

Graz präsentiert sich unter Ivo Jan aggressiver als zuvor, beim 1-3-1 geht man im Forecheck mehr Risiken ein, im eigenen Drittel geht man mehr auf den Mann als die zuvor verwendete „Collapse“-Defensive. Aber nach einem Scorer für solch knappe Partien fahndet auch Jan bis jetzt vergebens.


HC Znojmo - HC Innsbruck 5:0 (1:0, 2:0, 2:0)

Tore: Lattner (17.), Sedivy (26.), Sulak (33.), Boruta (41.), Yellow Horn (52.).

Znojmo, 2.312 Zuschauer. Strafminuten: 21+Spieldauer Csamango bzw. 23.

Die Innsbrucker hielten zu Beginn gut mit, kamen auch zu mehreren Chancen. Im Überschwang der Gefühle gestatteten sie den Gästen aber ein Odd-Man-Break, bei dem Andy Chiodo noch dazu patzte. Danach lief das Spiel fast nur mehr in eine Richtung.

Die Tiroler sind wie in der letzten Saison „top heavy“, sprich die Spitzenspieler bekommen eine Menge Eiszeit. Vor allem die dünne Defensive wird im engen Spielplan der nächsten Monate zu einem Problem werden. Aber wären die punktuell eingesetzten Dominique Saringer und Mario Ebner für mehr Eiszeit bereit? Gefühlsmäßig eher nicht, Saringer verschuldete auch den zweiten Treffer mit, als er zu wenig Druck auf den Stock brachte und dann aus dem Stillstand heraus agieren musste. Allerdings sah er sich auch drei anstürmenden Gegnern ausgesetzt.

Im Angriff sieht es personell etwas besser aus, weitere Verletzungen (Tyler Scofield könnte am übernächsten Wochenende zurückkehren) wären aber letal. Die Centerposition der vierten Linie blieb aber wie in der letzten Saison unbesetzt.

Legionäre am Median

Wie präsentierten sich die neuen Legionäre bei den Innsbruckern? Irgendwie rund um den Median, die einen etwas darüber, die anderen etwas darunter. David Liffitons Defizite werden halt gerade in einem Spiel gegen die Tschechen offensichtlich, schnelle Richtungsänderungen bereiten ihm große Schwierigkeiten und sein Spiel mit der Scheibe ist ohnehin nicht existent.

Nick Schaus hingegen präsentierte sich als mobiler Defender mit brauchbarer Offensive, der auch im Zweikampf präsent ist. Etwas zu sehr sogar: Für ein Frustfoul in den Schlussminuten suchte er sich mit Stepan Csamango ausgerechnet einen körperlich starken Gegner aus, der ihm auch einen Satz heißer Ohren verpasste.

Tyler Spurgeon, den ich auch schon einige Zeit nicht mehr gesehen habe, ist natürlich weiter ein Kämpfer vor dem Herren, dessen Spielstil aber eine kräftigere Hülle vertragen würde. Auch in Znojmo bekam er zweimal eine ab, dass man um sein Wohlergehen bangen musste.

 

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