NHL-Erstrundenpicks in der EBEL

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Vier NHL-Erstrundenpicks in der EBEL unter der Lupe

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Oft mit vollmundigen Presseaussendungen angekündigt und von den Fans eifrig diskutiert: Mit Jakub Koreis, Hugh Jessiman, Kyle Beach und Marek Zagrapan kamen in den letzten Wochen vier ehemalige NHL-Erstrundendraftpicks in die EBEL.

LAOLA1.at befasst sich mit den Karrieren der vier, ihren Leistungen in der Liga und stellt auch exklusiv einen weiteren First Rounder mit Wiener Wurzeln vor, der bald in Österreich spielen könnte.


Jakub Koreis (Center/Flügel, 30, KAC)

Draft: 2002, 19th overall, Phoenix Coyotes – eine Draft fast ohne Stars

Wer wurde nach ihm gedrafted: Alexander Steen (24, zuletzt dominant für St. Louis), Duncan Keith (54, bester Verteidiger des Vorjahres)

Scouting Report des Magazins „Red Line Report“ vor dem Draft: „“Groß, stark wie ein Bulle und sehr gut bei Faceoffs“, „In allen Dritteln gleich gut“, „Sehr gute ‚Hand-Eye-Coordination‘“, „Hat die Kraft, sich zum Tor durchzupowern und die feinen Hände für ‚Saucer Passes‘ im Verkehr, „Wird als Power Forward gegen Spieler wie Lindros, Holik und Brind’Amour bestehen können“

NHL-Spiele: Keine

Was passierte mit seiner Karriere: Ein typisches Beispiel für einen großen und kräftigen Spieler, dessen Upside ganz einfach als zu hoch eingeschätzt wurde. Seine körperlichen Vorteile waren gegen Männer nicht mehr so groß und sein Offensivspiel hat sich nie entwickelt. Bestes Beispiel: In zehn Profijahren (AHL, Finnland und Tschechien) erzielte er nie mehr als sechs (!) Tore in einer Saison.

Seine Rolle in der EBEL: Koreis ist, was er ist – ein großer, defensiv solider, körperlich guter Drittlinienspieler, das gilt für fast jede Liga, in der er spielt. Kann eventuell eine Defensivlinie führen und bringt Größe ins Lineup, verfügt aber über keinerlei Finesse. Ist das wirklich der Typ von Spieler, der dem KAC fehlte? Hat einen Tryout-Vertrag über drei Monate, es würde überraschen, wenn er so lange oder gar darüber hinaus bleibt…


Hugh Jessiman (Flügel, 30, Vienna Capitals)

Draft: 2003, 12th overall, New York Rangers – eine der besten Drafts aller Zeiten

Wer wurde nach ihm gedrafted: Dustin Brown (13, zweifacher Stanley-Cup-Sieger mit Los Angeles), Brent Seabrook (14, zweifacher Stanley-Cup-Sieger mit Chicago), Zach Parise (17, Offensivkünstler für New Jersey und Minnesota)

Scouting Report „RLR“: „Spitzname ‚Huge Specimen’ – müssen wir mehr sagen?“, „Kann ein absolutes Monster werden“, „Tolle Übersicht und Hände“, „Ausgezeichneter Speed“, „Im eigenen Drittel verloren, aber das wird er lernen, da er intelligent und leicht zu coachen ist“

NHL-Spiele: Zwei in der Saison 2010/11 für die Calgary Flames

Was passierte mit seiner Karriere: Wurde aus einer schwächeren College-Division gedrafted, das dürfte sein Leistungsvermögen verzerrt haben. Verletzte sich dann am Knöchel und verließ das Dartmouth College vorzeitig, um in die AHL zu wechseln – eine im Rückblick schlechte Entscheidung. Zeigte sein Potential ab und an, aber insgesamt entwickelte er sich überhaupt nicht weiter. Die Größenvorteile im College verwischten sich in der AHL, dazu kommen noch weitere Verletzungen. Hat Ruf als „Happy-Go-Lucky-Guy“, der sich damit zufrieden gibt, überhaupt Eishockey spielen zu können, wollte und konnte sich nie auf das nächste Level pushen. Entwickelte auch nie einen „Mean Streak“ und verwendete seinen massigen Körper nie als Waffe.

Seine Rolle in der EBEL: Auch in Wien bis jetzt eine Enttäuschung. Ein oder zweimal pro Spiel verwendet er seine Reichweite so, dass ihm niemand die Scheibe wegnehmen kann, zeigt auch öfters gute Pässe oder einen harten Schuss. Allerdings gehen zu viele Shifts vorüber, ohne dass er einen Eindrück hinterläßt, wirkt dann äußerst träge und langsam. Auch viel zu selten mit Präsenz vor dem Tor.  Wird wahrscheinlich nicht der überzählige Spieler nach der Kaderreduzierung im November sein, ganz auszuschließen ist dies allerdings auch nicht. Ein frustrierender Spieler für jeden Coach und ein gutes Beispiel für das Mantra eines NHL-Scouting-Directors: „Die Karriere von 18-jährigen Spielern vorherzusagen ist so schwer, wie in eine Maturaklasse zu gehen und dort die verschiedenen Berufslaufbahnen abzuschätzen.“

 

Marek Zaprapan (Center, 27, Graz99ers)

Draft: 2005, 13th overall, Buffalo Sabres – trotz Sid Crosby ein schwacher Draft

Wer wurde nach ihm gedrafted: Martin Hanzal (17, Arizona-Center mit riesiger Reichweite). Tuukka Rask (21, Supergoalie für die Boston Bruins)

Scouting Report „RLR“: „Außergewöhnlicher Playmaker – muss sechs Augen haben“, „Überragende Spielmacherfähigkeiten, kann alle Arten von Pässen geben“, „Anderen Spielern um Lichtjahre voraus, wenn es um das Erkennen von Situationen geht“, „Könnte ruhig etwas eigensinniger spielen“, „Muss körperlich zulegen“

NHL-Spiele: Keine

Was passierte mit seiner Karriere: War in der Juniorenliga in Quebec überragend, der dort freizügige und wenig körperliche Spielstil dürfte ihm entgegengekommen sein. Spielte über Jahre in Buffalos Farmteam Rochester, machte dort auch seine Punkte, galt aber bald als Spieler, der sich nicht quälen kann und dessen technische Qualitäten von seinem Mangel an Engagement überlagert wurden. Nach Stationen in der KHL, Finnland und Tschechien reichte es im Sommer nur mehr zu einem erfolglosen Tryout beim slowakischen Meister Kosice.

Seine Rolle in der EBEL: Nach einigen Wochen ohne Engagement verpflichteten ihn die Graz 99ers, wo er am Sonntag in Villach sein Debüt feierte. Ob er unter Todd Bjorkstrand seine über Jahre verlorengegangen Stärken wiederbeleben kann? Sehr fraglich, der Spieler, den ich letzte Saison zweimal sah, schien nicht mehr an sich zu glauben. Sollte es mit Graz für ihn nicht klappen, ist für Zagrapan der Weg nach Italien oder Dänemark fast vorgezeichnet, die 99ers sind für den Slowaken schon der „Last Chance Saloon“.

 

Kyle Beach (Flügel, 24, Red Bull Salzburg)

Draft: 2008, 11th overall, Chicago Blackhawks – ein Draft mit einigen Superstars (Steven Stamkos, Drew Doughty, Erik Karlsson)

Wer wurde nach ihm gedrafted: Erik Karlsson (15, Norris-Trophy-Gewinner für Ottawa), Jordan Eberle (22, Charakterspieler für Edmonton)

Scouting Report „RLR“: „Tolle Kombination von Größe, Technik und Härte“, „Tolle Einstellung, hasst Niederlagen“, „Ausgezeichneter Scoring-Touch ums Tor herum“, „Sieht Spielzüge voraus und hat sehr guten Hockey Sense“, „Power-Forward-Paket“, „Eislaufen hält ihn zurück, wenig Speed und Beweglichkeit“, „Probleme abseits des Eises könnten ihn ein paar Plätze im Draft kosten“

NHL-Spiele: Keine

Was passierte mit seiner Karriere: Konnte in der Western Hockey League aufgrund seiner Physis dominieren, war dort in seiner letzten Saison auch bester Torschütze. Aber einige Aktionen abseits des Eises verfolgten ihn bis zum Draft und darüber hinaus – als er etwa für das Team Canada spielte, klebte er sich einen Sticker „Team Ontario“ auf seinen Dress, um so gegen die Bevorzugung von Spielern aus Ontario zu protestieren. Einige Teams wollten dann auch beim Draft nichts mit ihm zu tun haben, Chicago schreckte aber nicht zurück. Nach einigen Jahren im Farmteam in Rockford  (mit einer schweren Schulterverletzung) und einer Ausleihe nach Schweden tradeten ihn die Blackhawks zu den Rangers, auch dort reichte es nur für das Farmteam in Hartford. Dort sah ich letzte Saison einen Spieler, der weder in puncto Spielauffassung, noch Eislaufen, höheren Ansprüchen genügte und dumme Strafen nahm.

Seine Rolle in der EBEL: Bestandteil der vierten Linie mit Rauchenwald und Cijan, beide fielen ihm gegenüber sicher nicht ab. Soll als Beschützer für die talentierten Spieler agieren, ist aber für aktives Körperspiel zu langsam. Versucht Gegner bei Spielunterbrechungen zu provozieren. Seine Probevertrag läuft mit Ende des Monats aus, es würde überraschen, wenn dieser verlängert wird.

Vier Legionäre also, die ihre mehr oder weniger ins Stocken gekommene Karriere in der EBEL retten wollen. LAOLA1.at hat jedoch einen weiteren Erstrundenpick entdeckt, der bald in unsere Liga übersiedeln könnte – und das als Österreicher!

 

Tyler Cuma (Verteidiger, 24, zuletzt Iowa Wild)

Draft: 2008, 23rd overall, Minnesota Wild

Scouting Report „RLR“: „Guter Eisläufer, defensiv sehr solide“, „Verläßlich und konstant“, „Spielt physisch und mit großem Herz, mental sehr gut“, „Guter erster Pass, aber obwohl ein früherer Center mit wenig offensiven Qualitäten“, „Macht kaum Fehler – ein sicherer Pick“

NHL-Spiele: Eines (Saison 2011/12)

Was passierte mit seiner Karriere: Entwickelte sich einfach nicht weiter, auch aufgrund einiger Verletzungen (Kreuzbandriss). Wurde ein solider AHL-Defender, aber ohne große Entwicklungssprünge. Iowa-Wild-Coach Kurt Kleinendorst, dessen Beschreibung von Caps-Neuzugang Kris Foucault zu 100 Prozent zutraf, legt aber für ihn die Hand ins Feuer: „Sehr guter Charakter, eher ein ruhiger Mensch. Guter Eisläufer, kann guten ersten Pass spielen. Sehr gut im Penalty Killing, kann auch im zweiten Powerplay-Unit eingesetzt werden. Ein ehrlicher Spieler, der Schüsse blockt und seine Checks zu Ende fährt.“

Was hat er mit der EBEL zu tun: Vorläufig noch nichts, doch das könnte sich bald ändern. Cumas Mutter kommt aus Wien, seine Familie mütterlichseits lebt noch in der Bundeshauptstadt. Versucht derzeit, einen österreichischen Pass zu bekommen, im Gegensatz zu anderen nordamerikanischen Spielern mit rot-weiß-roten Vorfahren hat er seine Papiere dafür schon zusammen. Wurde einigen Teams auch schon angeboten, wäre für Graz, Innsbruck oder Dornbirn sicher eine Verstärkung, wenn auch kein absoluter Heilsbringer. Aufgrund der Verteidigermisere hierzulande sollte Cuma der Liga und dem ÖEHV nach Möglichkeit nicht verlorengehen. Allerdings: Da Cuma bereits einmal  für Kanada bei einer U18-WM  gespielt hat, müsste er in der EBEL vier Jahre ununterbrochen tätig sein, bevor er Team Österreich vertreten darf…

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