Der Rekordmeister gegen den Liga-Dominator

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Das Traumfinale steht. Zumindest aus österreichischer Sicht.

Sowohl die Black Wings Linz als auch der KAC setzten sich in ihren Halbfinal-Serien mit 4:1 durch und schickten Olimpija Ljubljana respektive Medvescak Zagreb vorzeitig in den Sommer-Urlaub.

Die Oberösterreicher stehen somit nach 2002, 2003 und 2010 zum vierten Mal in ihrer Geschichte im Endspiel der Erste Bank Eishockey Liga.

Zweimal hatte man in der Finalserie das Nachsehen, 2003 konnte der erste und bisher einzige Meistertitel eingefahren werden. Bei den Klagenfurtern ist eine Teilnahme an der letzten Serie des Jahres keine große Sache mehr, vielmehr schielen die Fans der „Rotjacken“ auf das mögliche Jubiläum. Der 30. Meistertitel könnte in diesem Jahr eingefahren werden.

Der Weber-Effekt

Die Mannschaft hat definitiv das Zeug, sich nach dem Vize-Meistertitel im letzten Jahr, in dieser Saison die Krone aufzusetzen. Die Kärntner haben sich in den Halbfinal-Begegnungen gegen Zagreb im spielerischen und mentalen Bereich äußerst stark präsentiert.

Seit Neo-Coach Christian Weber das Ruder beim KAC übernommen hat, funktioniert die Mannschaft wie ein Uhrwerk. Die Defensive steht kompakt, die Umstellungen im Lineup, vor allem in Powerplay-Situationen tragen Früchte und machen die Klagenfurter unberechenbarer.

Der Schweizer kennt die Stärken seiner Spieler genau und setzt sie dementsprechend ein. So bekommt Mike Siklenka fast nur noch in Überzahl Eiszeit, da er von der blauen Linie zwar Gefahr ausstrahlt, im sonstigen Vergleich mit seinen Kontrahenten aber schlicht zu langsam ist. Plötzlich blühen auch die während der Regular Season stark gescholtenen Thomas Koch und Dieter Kalt wieder auf. Die beiden Leistungsträger haben gegen Zagreb bewiesen, wie wichtig sie für die Mannschaft sein können und durch effektives Spiel überzeugt.

Kleiner Exkurs in Sachen Koch: Der Stürmer ist der Final-Garant. Der Nationalspieler wechselte 2006 aus Schweden zurück nach Österreich (Salzburg) und bestritt seither jede Endspiel-Serie.

Glaube in die eigene Stärke

Aber zurück zum Auftritt der Mannschaft gegen die „Bären“. Die Gelassenheit, mit welcher der Rekordmeister im Hexenkessel zu Zagreb agiert hat, war beeindruckend. Ein Beispiel: Unterzahl für den KAC gegen die für ihr starkes Powerplay bekannten Kroaten.
Martin Schumnig erkämpft sich die Scheibe, doch anstatt den Puck blind und überhastet aus dem Drittel zu befördern, dreht der Defender ab und spielt seinen Verteidiger-Kollegen hinter dem Tor an, um weiter Zeit zu gewinnen. Was hier wie die simple Schule des Eishockeys klingt, war in der Zwischenrunde beim KAC alles andere als selbstverständlich. Ebenso das Führungstor durch Joey Tenute machte einen Standpunkt unwiderruflich klar. Das Selbstvertrauen ist zurückgekehrt.

Ein Fakt, der bei den Black Wings Linz nie zur Debatte stand.

Die Linzer gingen als Sieger des Grunddurchgangs und der Zwischenrunde als absoluter Favorit in die Playoffs und haben spätestens in Spiel sieben gegen die Vienna Capitals bewiesen, dass sie auf den Punkt ihre Leistung abrufen können.

Im Halbfinale nicht gefordert

Die Auftritte gegen Ljubljana waren jedoch von überschaubarer Qualität, was aber in erster Linie dem Gegner geschuldet war. Die „Drachen“ hatten in der Halbfinal-Serie nicht den Hauch einer Chance.

Gefährlich wurde es für die Oberösterreicher nur dann, wenn sie sich dem Tempo und der Spielweise der Slowenen anpassten. Die komplette Serie verlief äußert diszipliniert von beiden Seiten und die Brisanz einer Playoff-Serie kam nie ganz zum Tragen. Die Black Wings mussten nicht und Ljubljana konnte nicht über die Grenzen gehen.

Zur Verteidigung der Mannschaft von Hannu Järvenpää ist anzuführen, dass der Finne verletzungsbedingt auf einige Leistungsträger verzichten musste, allen voran Stammtorhüter Jean Philippe Lamoureux.

Die Black Wings hatten lediglich Pat Leahy vorzugeben, wobei seine Rückkehr in Spiel fünf zeigte, wie wichtig der US-Amerikaner für die Stahlstädter noch werden kann. Der 32-Jährige könnte in den Spielen gegen den KAC das Zünglein an der Waage sein. Durch die Genesung des Stürmers wurde der in Hochform agierende Brian Lebler in die dritte Reihe zurückversetzt, die somit offensiv produktiver wird. Sollte sich Leahy nach seiner Verletzung wieder schnell einfinden, wäre die ohnehin schon äußerst gefährliche Offensive der Oberösterreicher, um eine weitere Optionen reicher.

Ein Duell auf Augenhöhe

Die Linzer bringen alle Voraussetzungen mit um sich im Endspiel gegen den KAC durchzusetzen. Ob die Halbfinal-Serie gegen Ljubljana ihnen jedoch einen Gefallen getan hat, sei dahingestellt.

Zum einen waren die Begegnungen bei weitem nicht so intensiv wie jene des KAC gegen Zagreb. Im Großen und Ganzen war das Semifinale für die Linzer ein Spaziergang.

Nun kann man argumentieren, die Black Wings wären dadurch ausgeruhter als der Kärntner Konkurrent und hätten sich Kräfte sparen beziehungsweise besser einteilen können. Es lässt sich entgegnen, dass die Stahlstädter Gefahr laufen den Beginn der Serie zu verschlafen, da sie bisher körperlich nicht zu hundert Prozent gefordert wurden.

Doch die Mannschaft von Rob Daum hat bereits im Viertelfinale gegen die Capitals bewiesen, dass sie auf den Punkt bereit sein kann.

Einem Traumfinale auf Augenhöhe steht somit nichts mehr im Wege.

Sebastian Rauch

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