"Wir spielen momentan sehr gut"

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Corey Potter ist in Wien, um zu gewinnen

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Corey Potter ist gut gelaunt.

Warum auch nicht! Der 28-jährige Neuzugang aus der NHL, der normalerweise für die  Edmonton Oilers auf dem Eis steht, eilt mit den Vienna Capitals von einem Sieg zum nächsten.

Inklusive European Trophy haben die Wiener zuletzt vier Spiele in Folge gewonnen. Und das obwohl die Erste Bank Eishockeyliga so stark und ausgeglichen ist wie nie.

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„Die Liga hat ein gutes Niveau. Das Spiel an sich ist zwar etwas anders, als ich es gewohnt bin, da die Eisfläche ein Stück größer ist. Aber es sind einige technisch starke und schnelle Spieler in der Liga. Die EBEL ist ein guter Wettbewerb“, ist sich auch Potter im Gespräch mit LAOLA1 dieses Umstandes bewusst.

Spätzünder

Für den Verteidiger ist es allerdings kein Problem, sich anzupassen. Er gehört nicht zu den Cracks, die bereits in jungen Jahren einen Stammplatz in der besten Liga der Welt innehaben. Er musste lange mit der AHL Vorlieb nehmen, sich immer wieder neu beweisen und auf seine Chance warten.

In der Saison 2011/2012 gelang ihm bei den Edmonton Oilers der Durchbruch. Er absolvierte 62 Spiele, verbuchte dabei 21 Scorerpunkte und kam auf 24 Strafminuten.

„Ich war vier Jahre bei den New York Rangers, kam aber fast nie zum Einsatz. Sie hatten immer hohe Draft Picks, die mir vorgezogen wurden. Es ist ein Geduldspiel, man muss die richtige Gelegenheit abpassen“, erklärt Potter, warum es anfangs nicht wie gewünscht lief. „Bei Edmonton hatte ich das Glück, dass es am Anfang ein paar Verletzte gab. Ich habe die Chance bekommen einzuspringen und zu beweisen, dass ich auf NHL-Level spielen kann.“

Über Agenten in eine „traumhafte Stadt“

Da er endlich in der NHL Fuß fassen konnte, war die Nachricht vom Lockout umso bitterer für den 28-Jährigen. Aber anstatt Trübsal zu blasen, sah er sich über seinen Agenten sofort in Europa um, da er sich unbedingt unter Wettkampfbedingungen fit halten wollte.

„Ich hatte einige Angebote aus Europa, aber das der Caps sagte mir am meisten zu. Mit Matt Zaba habe ich einen Freund in der Mannschaft, mit dem ich beim Hartford Wolf Pack in der AHL gespielt habe und der angebotene Vertrag war für mich genau das Richtige“, so der Amerikaner, der seine Frau zum „Abenteuer Europa“ mitgenommen hat.

Vielleicht ist Potters „bessere Hälfte“ auch mitverantwortlich dafür, dass der Crack – anders als man es von einem Profisportler erwarten würde – schon etwas von Österreichs Hauptstadt gesehen hat.

„Ich habe die Stadt schon erkundet und mir das Parlament und das Rathaus angesehen. Ich war auf dem Donauturm und am Stephansplatz. Es ist wirklich traumhaft hier. Heute werde ich mir etwas die Umgebung ansehen. Es ist eine tolle Erfahrung hier zu sein und Wien kennenzulernen“, verrät Potter.

Potter gehört zu den Führungskräften bei den Edmonton Oilers

Leader auf dem Eis, ruhig in der Kabine

Bei all den Sehenswürdigkeiten, die Wien zu bieten hat, vergisst er aber natürlich nicht, warum er eigentlich hier ist. Der 1,91-Meter-Mann wurde als Ersatz für den verletzten Dan Bjornlie geholt und soll die Lücke füllen, die der Ausfall seines Landsmannes in der Hintermannschaft der Caps hinterlassen hat. „Ich will meinem Team helfen zu gewinnen und dazu gehört, dass ich die Verteidigung anführe. Das will ich jedes Jahr aufs Neue, das ist hier nicht anders.“

So sehr er auf dem Eis zum Erfolg der Mannschaft beitragen und mit gutem Beispiel vorangehen will, so sehr hält er sich aber in der Kabine zurück.

„Ich bin schließlich der Neue hier. Ich bin nicht so laut, wie ich woanders wäre. Wir haben andere in der Mannschaft, die das Wort ergreifen und das Team anführen“, weiß der NHL-Crack um die Wichtigkeit einer funktionierenden Mannschaftshierarchie.

Großer Fan der Fans

Nicht nur was seine Rolle innerhalb der Mannschaft betrifft, muss sich Potter umstellen. Die bereits angesprochene größere Eisfläche bereitet ihm zwar keine wesentlichen Probleme, ein Umdenken in seinem Spiel war dennoch vonnöten.

„Ich würde sagen hier kommt es etwas mehr auf die individuellen Fähigkeiten und die Geschwindigkeit der Spieler an, zu Hause wird mehr Wert auf mannschaftsdienliches Spiel gelegt“, erklärt der Defender den Unterschied zum Eishockey in Nordamerika.

Trotz der Umgewöhnung macht es Potter großen Spaß in Österreich zu spielen. Am meisten angetan haben es ihm die Fans, deren Unterstützung er in dieser Form aus der NHL gar nicht gewohnt ist.

„Die Fans hier sind voller Leidenschaft dabei. Mit den ganzen Gesängen und den Fahnen auf den Rängen macht es unheimlich Spaß, hier zu spielen“, ist er vom Publikum begeistert.

Potter vertraut auf die Stärke der Caps

Vanek-Hype verständlich

Auch gegen die Graz99ers sollen die Fans wieder auf ihre Kosten kommen und das obwohl die Murstädter mit Neuerwerbung Thomas Vanek nach Wien kommen werden. Geht es nach Potter, macht es allerdings keinen großen Unterschied, ob die Steirer mit oder ohne ihrem NHL-Star in der Albert-Schulz-Halle auflaufen.

Er kann zwar den Hype, der in Österreich um Vanek gemacht wird, absolut nachvollziehen, schließlich ist der Neo-Grazer „einer der besten Spieler der gesamten NHL“, dennoch sieht er keinen Grund, warum die Caps das Eis nicht als Sieger verlassen sollten.

„Ich glaube, wir sollten gar nicht zu viel verändern. Wir spielen als Mannschaft momentan sehr gut, sowohl vorne als auch hinten. Wir haben unsere letzten paar Spiele gewonnen und unseren Job erledigt. Dass uns jetzt ein NHL-Crack gegenüber steht, sollte uns nicht aus dem Konzept bringen“, baut der Verteidiger auf die eigenen Stärken.

 

Wie lange er diese noch bei den Capitals ausspielen kann, sprich, wie lange der Lockout noch andauert, traut sich Potter nicht vorherzusagen. Zu unterschiedlich sind die Positionen der NHL und der Gewerkschaft noch. Er ist aber „immerhin froh, dass es zum ersten Mal ein ernstzunehmendes Angebot der Liga an die Spieler gegeben hat“.

Obwohl er auf „auf ein baldiges Ende des Tarifstreits“ hofft, kann er sich gut vorstellen, länger in Wien zu bleiben:

„ Die Stadt ist großartig und mit der Mannschaft läuft es auch rund. Es macht viel Spaß hier zu sein und dem Team zu helfen, Spiele zu gewinnen.“

Aus Capitals-Sicht sollte man demnach auf einen längeren Lockout hoffen.

 

Fabian Santner

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