Rotter: "Ein 08/15-Job ist sicherlich anstrengender"

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Rafael Rotter und die Vienna Capitals.

Diese zwei Begriffe sind so untrennbar verbunden wie Gerhard Unterluggauer und der VSV, Philipp Lukas und die Black Wings, Matthias Trattnig und RB Salzburg oder Joe Reichel und der KAC.

Der 27-jährige Wiener ist aus dem Line-Up der Caps kaum mehr wegzudenken. Sieben Saisonen oder genauer gesagt 346 Spiele absolvierte Rotter bisher für "seine" Kagraner. Und man merkt schnell, dass man es mit einem Hockeyverrückten zu tun hat.

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Mit den Caps steht Rotter nun in der Finalserie der Playoffs, die Salzburg mit 1:0 führt. Der 1,75 Meter große Flügelstürmer erzielte im Halbfinale den Game-Winner in Spiel 5 und beendete dadurch eine lange persönliche Durststrecke, ist Rotter ja nicht unbedingt für seine Torjäger-Qualitäten bekannt.

"Der Game-Winner gegen Linz war schön. Aber ich hab schon öfters gesagt, dass ich nicht an meinen Toren gemessen werden will. Ich bin ein Spielmacher und habe andere positive Aspekte in meinem Spiel. Die Scheibe zu verteilen, liegt mir mehr, als Treffer zu erzielen. Trotzdem sollte ich vielleicht mehr Tore schießen."

In Playoffs blüht Rotter auf

Bei einem Blick auf seine Statistik merkt man schnell, dass der Crack eine Vorliebe für die "fünfte Jahreszeit" hat. Sowohl bei den Toren, als auch bei den Vorlagen, gehen die Zahlen in den Playoffs jedes Jahr steil nach oben. Auch heuer zeigt sich Rotter in den Playoffs von seiner Schokoladenseite und hält derzeit bei 14 Punkten aus zwölf Partien.

Eine Erklärung ist rasch gefunden: "Es ist die wichtigste Zeit in der Saison und dadurch bereite ich mich auch jedes Mal im Hinblick auf diese Monate gut vor. Natürlich heißt das nicht, dass ich in der Regular Season nicht 100 Prozent gebe, aber man spielt eben das ganze Jahr nur für diese Zeit. Das ist die heiße Phase und dann gilt es, dick da zu sein."

"Ich will diesen Titel unbedingt. Dieses Mal soll es klappen."

"Dick da" sind Rotter und seine Mannen auf jeden Fall. Die Stimmung in der Kabine ist im und auch abseits des Rinks trotz der 1:6-Niederlage in Finale 1 gegen Salzburg hervorragend.

Zeit zum Abschalten nach anstrengenden Trainingseinheiten oder intensiven Playoff-Matches findet Rotter meistens gemeinsam mit seinen Mitspielern.

"Die ganze Maschinerie Eishockey ist eh nicht so anstrengend, wie man vielleicht glauben mag. Ich spiele gerne und nehme die Pressearbeit oder das Workout in der Fitnesskammer liebend gern in Kauf, wenn ich dafür am Eis stehen darf. Und nach den Einheiten gehen wir meistens essen oder es kocht von den Burschen jemand. Da kann man locker abschalten. Ein 08/15-Job ist sicherlich anstrengender, als das, was ich mache."

Rotter hat gewissen Status

Seiner Leidenschaft könnte Rotter auch bald im Ausland nachkommen. In seiner bisherigen Karriere zog es ihn erst einmal in die Fremde - in die Ontario Hockey League zu den Guelph Storm (2005-2008). Nun wäre es wieder an der Zeit, einen Tapetenwechsel zu vollziehen. 

Vorstellen könnte er sich dies in vielen Ländern. "Schweden, Finnland, Schweiz, ein paar Teams in Deutschland wären interessante Adressen – da gibt es viele Möglichkeiten. Es wird zurzeit mit vielen Vereinen gesprochen, aber ich versuche mich komplett auf die Capitals zu konzentrieren. Eines ist aber klar: Ich bin jetzt 27 und bin jemand, der in Österreich immer viel Eiszeit bekommen hat. Das muss man alles berücksichtigen bei einem Wechsel."

Rotter hat die Chance auf sein persönliches Highlight: den Meistertitel. Zehn Jahre nach dem letzten Meisterschaftstriumph stehen die Capitals zum dritten Mal im Endspiel. Bei der letzten Meisterfeier in Kagran stand Rotter noch als Ligakonkurrent in Salzburg am Eis.

"Darum spiele ich Eishockey. Ich will diesen Titel unbedingt. Seit sieben Jahren probiere ich es schon, mit Wien diesen Pokal zu holen. Dieses Mal soll es klappen. Es glauben alle daran und wir sind auch im Stande, es zu schaffen."   

Bei einem Titelgewinn würde auch ein Tattoo einen Platz auf seinen Körper finden. Angesprochen auf seine Passion meint er: „Ich war schon immer von Tattoos fasziniert, durfte aber als Kind nie eines haben, da ich zu viel Angst vor meinen Eltern hatte und die strikt dagegen waren. Als mein Großvater starb, bekam ich in Gedenken an ihn mein erstes Tattoo. Einen Davidstern am Rücken mit seinem hebräischen Namen und Sterbedatum.“

Raffi zwitschert mit Fipo

Seit damals kamen geschätzte 15 mit dazu. "Das ging dann recht schnell", so der "Tattoo-Süchtige", wie sich Rotter auch selber sieht.

Einen Tweet zu seinen neuestem Körperschmuck vermisst man allerdings. "Das mit Twitter und Vine ist bei mir schon wieder vorbei. Das war damals mit meinem ehemaligen Mitspieler Philipp Pinter so eine Geschichte. Jetzt habe ich aber kaum Zeit, meinen Account zu pflegen", gesteht "rotti6" (sein Twitter-Name).   

Zurück zum Sport: Die Saison verlief holprig. Eine gute Champions-League-Phase, ein schlechter Beginn in der Meisterschaft, dann eine durchwachsene Zwischenrunde, aber eine versöhnliche Post-Season zum Abschluss.

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Rotter bilanziert positiv: "Eine Finalniederlage würde die Saison auf keinen Fall dämpfen. Wir haben nach fünf sehr schlechten Monaten dank Jim (Anm. Coach Boni) die Kurve gekratzt und den Spaß am Eishockey wiedergefunden. Wir wollen Meister werden."

Und das ist, was zählt.

 

Paul Preisig

Neben all dem ist der Wohlfühlfaktor für Rotter sehr wichtig. Eine Komponente, die in Kagran gegeben ist. "Die Stadt ist super. Der Verein spielt jedes Jahr um die Meisterschaft mit, außerdem sind wir nächste Saison wieder in der Champions Hockey League. Das wird auch wieder einige Fans in die Albert-Schultz-Halle locken."

Apropos Fans: Zu dieser brisanten Thematik – Coach Boni äußerte in den Playoffs Kritik an dem mangelnden Support der Wiener – hat Rotter eine klare Meinung: "Es ist ihr gutes Recht, sich aufzuregen, wenn es nicht nach Wunsch läuft. Natürlich ist es aber immer besser, wenn die Anhänger auf deiner Seite sind und du gemeinsam gewinnst. Wenn sie dich mögen, dann ist das okay, wenn nicht – auch okay. Sie sollen mich so nehmen, wie ich bin. Im ersten Spiel verlierst du die Scheibe bei einem Turnover und bist der Buhmann, im zweiten triffst du den Game-Winner und bist auf einmal der Held. Das kann schnell gehen. Du darfst aber auf so etwas nicht zu viel Wert legen."

Erstes Tattoo für den Großvater

Die Unterstützung des Wiener Fanlagers ist im zweiten Finalspiel gegen RB Salzburg auf jeden Fall gefragt.

"Es wird ein schweres Spiel für uns. Die "Bullen" sind das beste Team der EBEL und hatten eine unglaublich starke Saison. Dennoch werden wir versuchen, ihnen alles abzuverlangen."

Auf die Stärken der Mozartstädter angesprochen, weiß Rotter: "Eisläuferisch sind sie sehr gut, außerdem können sie mit der Scheibe perfekt umgehen, aber im Großen und Ganzen müssen wir den Fokus auf uns legen. Wir werden unsere Chancen sicher bekommen."

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