Hat der Fluch ein Ende?

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Der Halbfinal-Fluch der Vienna Capitals

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Der 23. März 2005.

4.500 Zuseher bejubeln in der Albert-Schultz-Halle den Finaleinzug der Vienna Capitals.

Mit einem 5:3-Sieg in Spiel drei der Halbfinal-Serie schaffen die Wiener gegen den VSV den Sprung in das Finale, wo sie später den Meistertitel einfahren.

Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass diese Art von Jubel in der Donaustadt länger nicht mehr erschallen wird.

Seit 2005 konnten die Wiener nämlich keinen Fuß mehr in ein EBEL-Finale setzen, was vor allem an einem Team lag: Red Bull Salzburg.

Halbfinal-Fluch gegen RB Salzburg

Die „Bullen“ wurden in den vergangenen sieben Jahren fünf Mal zum Sargnagel der Caps – jedes Mal im Halbfinale.

Am Sonntag (17:45 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) bietet sich die Chance, der Unserie ein für alle Mal ein Ende zu bereiten – ausgerechnet gegen den Erzfeind.

Nur mehr ein Sieg fehlt zum Einzug ins große Finale und damit zur Rache für fünf bittere Halbfinal-Niederlagen. „Es werden Kleinigkeiten entscheiden. Wer aggressiver, schneller und am Ende auch glücklicher ist, gewinnt“, prophezeit Caps-Coach Tommy Samuelsson, um nachzusetzen: „Wir sind bereit.“

Die Salzburger hegen naturgemäß großes Interesse daran, die Halbfinal-Erfolgsserie gegen den Hauptstadt-Klub zu prolongieren.

Schon nach der Niederlage in Spiel fünf stellte Daniel Welser die Marschrichtung klar: „Nun hilft uns nur noch siegen, das muss allen klar sein. Wir werden beißen, kratzen und alles tun, um ein Spiel sieben in Wien zu erzwingen.“

Vergangenheit im Hinterkopf?

Wenngleich auf Seiten der Capitals mit Philippe Lakos nur mehr ein einziger Akteur aus dem Kader von 2005/06, als die „Bullen“ die Wiener Titelträume erstmals in der Vorschlussrunde beendeten, im Kader steht, werden die Enttäuschungen der letzten Jahre wohl doch bei dem einen oder anderen Akteur im Hinterkopf stecken.

Vor Spiel sechs im Volksgarten wirft LAOLA1 einen Blick zurück auf den Playoff-Fluch der Capitals:

2006, Halbfinal-Aus gegen Red Bull Salzburg:

Der erste Halbfinal-Streich der Salzburger. Trattnig und Co. feierten auf dem Eis fünf Siege in fünf Spielen, eines wurde allerdings wegen dem Einsatz des nicht spielberechtigten Patrick Thoresen zugunsten der Capitals strafverifiziert. Die Wiener hatten dem späteren Vizemeister nichts entgegenzusetzen und verloren 1:6, 2:3, 3:6 (5:0 am grünen Tisch), 3:5 und 1:4. „Sie waren in allen Belangen besser“, befand Caps-Trainer Jim Boni. Die Geschichte der Serie schrieb Dieter Kalt: Der Teamkapitän in Diensten der Mozartstädter, 2005 noch Meister mit den Caps, erzielte im vorentscheidenden Spiel vier zwei Treffer gegen seinen Ex-Klub.

2007, Halbfinal-Aus gegen Red Bull Salzburg:

Selber Tatort, selber Täter: Auch 2007 scheiterten die Capitals im Halbfinale an den Red Bulls. Schon im ersten Spiel der Vorschlussrunde, die damals in einem Best-of-five-Format ausgetragen wurde, setzte der spätere Meister eine kräftige Duftnote und schoss die Gäste mit 9:3 vom Eis. Frank Banham wurde mit fünf Treffern zum alleinigen Schreckgespenst von Keeper Scott Fankhouser. Nach einem Heim-3:5 in Spiel zwei standen die Caps bereits mit dem Rücken zur Wand und konnten auch im abschließenden Auswärtsspiel nicht mehr nachlegen. Eine 5:6-Schlappe beendete die Saison 2006/07.

2011, Halbfinal-Aus gegen Red Bull Salzburg:

Nach dem Oberösterreich-Ausflug setzten die Caps ihren Halbfinal-Fluch 2011 gegen den altbekannten Gegner fort: Salzburg war in einer packenden Serie eine halbe Nummer zu groß. In allen sieben Spielen ging das jeweilige Heimteam als Sieger vom Eis, Highlight aus Wiener Sicht war ein 9:1-Sieg in Spiel vier. Die entscheidende siebente Partie stand für die Hauptstädter unter schlechten Vorzeichen: Topscorer Francois Fortier, der sich in Spiel drei eine schwere Fußverletzung zuzog und danach unter Schmerzen gespielt hatte, musste nach Spiel sechs endgültig w.o. geben. Zudem schaltete Daniel Welser Benoit Gratton mit einer brutalen Attacke schon in der 9. Minute aus – im Nachhinein fasste der Übeltäter dafür eine Sperre von acht Spielen aus, erhielt während des Spiels aber keine Matchstrafe. Die Caps konnten den Ausfall ihrer zwei wichtigsten Leistungsträger nicht verkraften und mussten in der 56. Minute das ebenso vorentscheidende wie umstrittene 3:1 hinnehmen: Von Welsers Schlittschuh und Martin Ulmers Hand rutschte der Puck ins Tor, der Treffer hielt der Video-Überprüfung stand. Der Schuldige war nach der Niederlage schnell gefunden: „Vier Schiris sehen nicht, dass das eine Matchstrafe war. Das ist lächerlich“, war Caps-Trainer Gaudet erzürnt.

2012, Viertelfinal-Aus gegen die Black Wings Linz:

Nach Niederlage Nummer fünf gegen die „Bullen“ mussten die Caps auch 2012 wieder die A1 nehmen, diesmal war aber schon in Linz Endstation. Bereits im Viertelfinale traf man nach einem durchwachsenen Grunddurchgang auf dessen Sieger, nach einem 4:3-Overtimesieg in der Auftaktpartie schöpften die Außenseiter Hoffnung. Die Oberösterreicher antworteten in einer von unkonstanten Leistungen aller Beteiligten geprägten Serie mit drei Siegen in Folge, die Caps erzwangen dennoch ein Entscheidungsspiel, das in Linz über die Bühne ging. Ein Blitzstart verschaffte dem späteren Meister aus der Stahlstadt nach nur neun Minuten eine komfortable 3:0-Führung, im zweiten Drittel fiel die endgültige Entscheidung. Gegen eine zerfallende Caps-Defensive stellten Justin Keller (mittlerweile ein Mitglied der Capitals) und Co. binnen neun Minuten auf 8:0, die hoffnungslos unterlegenen Gäste konnten danach nur mehr Ergebniskosmetik betreiben. Mit einer 3:8-Schlappe mussten sie sich in den Urlaub verabschieden.

Exakt acht Jahre und einen Tag nach dem letztmaligen Finaleinzug wollen die Caps am Sonntag (ab 17.45 Uhr beide Spiele im LAOLA1-LIVE-Ticker) die bitteren Niederlagen gegen die Erzfeinde aus der Mozartstadt vergessen machen. Ein einziger Sieg würde genügen.

Martin Schauhuber

2008, Halbfinal-Aus gegen Red Bull Salzburg:

Auch 2008 bekamen die Wiener Eishockeyfans dasselbe Bild geboten. Diesmal war man als Sieger der Zwischenrunde mit einem 3:0 gegen den HC Innsbruck ungefährdet ins Semifinale gekommen, Salzburg hatte mit dem VSV deutlich härter zu kämpfen. Trotz den geänderten Vorzeichen verlief die Serie wie in den Jahren zuvor. Die „Bullen“ dominierten auf dem Eis und verpassten ihren Kontrahenten vier Niederlagen in ebenso vielen Spielen. Zum Abschluss setzten sie mit einem 7:1 im Volksgarten noch ein Statement. „Es war ein Alptraum“, gestand Caps-Coach Kevin Gaudet, dessen nominell starker Kader die Leistungen des Grunddurchgangs in den Playoffs nicht fortsetzen konnte.

2009, Halbfinal-Aus gegen Red Bull Salzburg:

Déja-vu, die Dritte: 2009 hieß die Halbfinal-Paarung zum vierten Mal in Folge Vienna Capitals gegen Red Bull Salzburg. Schon im ersten Spiel machte sich das böse Blut aus den vergangenen Saisonen bemerkbar. Nach ungeahndeten Brutalo-Fouls beim 4:3-Overtimesieg der Caps sprach der Strafsenat gegen je zwei Akteure beider Teams Sperren von insgesamt neun Spielen aus. Der Auftakt-Erfolg der Wiener sollte der letzte bleiben: Mit einem hochspannenden 4:2-Heimsieg riss der spätere Vizemeister das Ruder herum und ließ danach nichts mehr anbrennen. Mit 4:1, 2:1 und 5:3 wurden der gesperrte Benoit Gratton und Co. aus den Playoffs gekegelt.

2010, Halbfinal-Aus gegen die Black Wings Linz:

2010 wurde den Capitals ausnahmsweise ein anderer Halbfinal-Gegner vorgesetzt. Gegen die Black Wings Linz wollte man der Durststrecke ein Ende bereiten. Nach drei Spielen sah es schon sehr gut aus. 4:0, 3:1 und 5:4 – nur mehr ein mickriger Sieg fehlte den Wienern auf den Einzug ins Finale, wo wieder der Angstgegner gewartet hätte. Spiel vier ging in die Overtime, wo Martin Grabher Meier die Entscheidung mit dem Treffer zum 2:1 vertagte. Eines der verrücktesten Spiele der jüngeren Playoff-Geschichte fand anschließend in der Albert-Schultz-Halle statt. Mit einer 4:1-Führung Mitte des zweiten Drittels wähnten sich die Wiener schon im Finale, neun unglaubliche Minuten stellten die Partie aber völlig auf den Kopf. Erst traf Michael Mayr zum 2:4, dann gelangen den Linzern drei Unterzahl-Tore in Serie – in vier Minuten! Ein Genickbruch für die Wiener, das Spiel ging schlussendlich 4:6 verloren. So kam es zu einem Spiel sechs. Nächste Chance, nächster Matchpuck, nächster Thriller: 48 Sekunden vor Schluss rettete Patrick Leahy die Oberösterreicher vor ausverkauftem Haus in die Overtime, in der ein Penalty von Brad Purdie ein Entscheidungsspiel erzwang. Dort kam es, wie es kommen musste: Mit einem 7:5-Sieg gelang es den Black Wings als erstes Team der EBEL-Geschichte, einen 0:3-Serienrückstand noch zu drehen.

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