Das Erfolgs-Puzzle der Black Wings

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Halbfinale, Endspiel, Meistertitel.

Dies ist nicht etwa die planmäßige Route der Black Wings Linz zur "Perfect Season", sondern ein Drei-Jahres-Plan für den zweiten Triumph der Vereins-Historie.

„Die Runde der letzten Vier gaben wir als Ziel aus, und das konnten wir erfüllen“, klärt Manager Christian Perthaler im LAOLA1-Talk auf. Die im Sommer angedachten Vorstellungen wurden längst übertroffen, dementsprechend selbstbewusst kündigt er an: „Wir haben noch viel vor.“

Zurückhaltung wäre ob der neu erlangten EBEL-Dominanz ohnehin nicht besonders passend. Vielmehr unterstrichen die Oberösterreicher in Halbfinale eins gegen Olimpija Ljubljana ihre Ambitionen.

Nach dem 4:2-Triumph soll nun in Slowenien die nächste Macht-Demonstration erfolgen (LIVE-Stream ab 19:15Uhr). Im Vorfeld ging LAOLA1 der Frage nach, was und vor allem wer hinter dem unaufhaltsamen Höhenflug steckt?

Geglückte Reform im Sommer

Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter, nicht anders verhält sich dies in der Landeshauptstadt. Selten zuvor erlebte Linz zu Saisonbeginn einen derartigen Aderlass. Bewährte Stützen á la Brad Purdie oder Rob Shearer wurden nach dem ernüchternden Viertelfinal-Aus des damaligen „Vizes“ ausgemustert.

Im Gegenzug verstärkten 13 teils unbekannte Spieler – zumeist Fremdarbeiter - das Kollektiv. Und all das geschah obendrein unter der Leitung einen neuen Feldherrn. Sein Name: Rob Daum. In Österreich bis zu diesem Zeitpunkt lediglich Eishockey-Insidern ein Begriff.

„Wir hätten es vor der Saison nicht erwartet, dass wir so stark sind. Die Mannschaft arbeitet hart und der Trainer sehr gut mit ihnen“, freut sich Perthaler, welcher nach dem Karriereende 2008 umgehend in das Management wechselte, über seine Glücksgriffe.

Sich aufgrund dessen im Ruhm zu sonnen, ist jedoch nicht der Stil des 43-Jährigen. Eine reelle Chance auf den Titel wagte er sich nicht einmal zu erträumen.

„Professor“ Daum als Schlüssel-Personalie

„Vergangene Saison war nicht zufriedenstellend. Wir vollzogen einen Umbruch und hätten gar nicht damit gerechnet, den Grunddurchgang als Erster abzuschließen. Es ist perfekt, wir können damit sehr zufrieden sein.“ Während der Übertrittszeit war die Trainer-Bestellung eine Schlüssel-Personalie.

Lange Zeit coachte Daum lediglich auf Universitäts-Ebene, ehe der Kanadier 2005 den Einstieg in das AHL-Business wagte. Überdies kam der nunmehr 54 Lenzen zählende "Ruhepol" in den Genuss eines speziellen Lehrjahres. Die Edmonton Oilers beorderten ihn 2007/08 als Assistant Coach in die NHL.

Sein ausgezeichneter Ruf als Talente-Förderer in Nordamerika weckte Begehrlichkeiten in Österreich, besser gesagt Oberösterreich. Die Visionen Daums, der in Übersee keine baldige Beförderung auf höchstem Niveau kommen sah, überzeugten Perthaler vollends: „Viele Gespräche später dachte ich: Wenn er das umsetzt, was er mir erzählt, dann ist es gut für uns.“

Dass der starke Mann auf der Kommandobrücke binnen weniger Monate ein derart funktionierendes Konstrukt formt, war der Führungsriege natürlich damals schon bewusst. Oder?

„Dass es so aufgeht, ist grandios“

„Keinesfalls, aber ich habe es gehofft“, antwortet Perthaler mit einem verschmitzten Grinsen, jedoch betont er im gleichen Atemzug: „Wären wir nicht überzeugt gewesen, hätten wir ihn nicht engagiert. Dass es so aufgeht, ist grandios.“ Ungeachtet dessen, braucht ein Eishockey-"Professor" der Güteklasse Daums ebenfalls ein qualitativ hochwertiges Material.

„Wir haben einen super Trainer und gute Spieler, welche ihre Anweisungen umsetzen – was will man mehr. Das Paket passt, darum stehen wir ganz oben“, betont der gebürtige Innsbrucker. Bis es soweit war, wurde kräftig selektiert. Selbstredend in Absprache mit dem sportlichen Mastermind.

„Vereinen wird eine Vielzahl angeboten, hier gilt es ein Ausleseverfahren durchzuführen. Erst suchen wir, was ungefähr passen könnte. In dem Prozess tauschen wir uns stetig aus. Einmal finde ich einen, den sich Rob anschaut. Oder er legt mir seine Entdeckungen ans Herz.“

Anhand der Vorauswahl betreibt man erste Nachforschungen. Um die Gefahr eines Transfer-Flops zu minimieren, gilt hier: Je mehr, desto besser.

Kontakt anzapfen statt Scouting

„Man nimmt die Akteure genauer unter die Lupe. Über Kontakte werden Informationen eingeholt. Damit arbeitet man dann und sagt: Der passt zu uns, der nicht“, veranschaulicht Perthaler seine Tätigkeit während der Sommer-Monate. Eine übergeordnete Funktion nimmt dabei stets der finanzielle Aspekt ein. Wir haben kein so hohes Budget wie viele Gegner.“

Fehlendem Etat sei es geschuldet, weshalb Scouting bestenfalls eher stiefmütterlich betreut wird. „Es wäre optimal, nur in unserer Situation nicht möglich“, gesteht der Strippenzieher im Hintergrund. Für professionelle Talentespäher, wie sie in Top-Ligen zur Grundbelegschaft zählen, fehlt schlichtweg das Kapital. Zusätzlich bemängelt der Manager den Faktor Zeit.

„Ich befinde mich derzeit in Verhandlungen für die kommende Saison. Wir haben viele Sponsoren, aber eher kleinere und sind dadurch sehr breit aufgestellt. Das ist mit viel Aufwand verbunden, da ginge es sich nicht aus, Spieler zu beobachten.“

Deklarierter Wunsch wäre logischerweise ein Beobachtungs-System nach dem Vorbild NHL, nur eben in deutlich abgespeckter Version. Um dies künftig zu verwirklichen, bedarf es potenterer Investoren. Nur wie zieht man einen solch dicken Fisch an Land?

Neue Halle für Spitzen-Eishockey?

„Die Entwicklung muss vorangetrieben werden. Dafür benötigt es eine größere Halle, so könnten wir uns wirtschaftlich besser platzieren.“ Eine Aufstockung der knapp 3.800 Zuschauer fassenden „Keine Sorgen Arena“ ist erforderlich, um die Konkurrenzfähigkeit zu wahren. „Sofern die Stadt Linz auch in der Zukunft Spitzen-Eishockey will, brauchen wir eine neue Halle. Ohne wird es nicht gehen.“

Daum erreicht Spieler mit den Anweisungen

Die überragende Leistung der Mannschaft wurden von der Anhängerschaft honoriert, selten blieben Plätze unbesetzt. Zwischen Angebot sowie Nachfrage klaffte eine enorme Lücke, Einbußen dieser Art können und wollen sich die Black Wings nicht mehr leisten. „Wir könnten viel mehr Geld lukrieren“, so Perthaler, der ein positives Echo bezüglich Um- oder Neubau aus der Politik entnimmt.

Noch ist all das Zukunfts-Musik. Bekanntlich können sich derartige Beschlüsse - wie das Beispiel KAC beweist - beträchtlich verzögern. In der Gegenwart gilt es die bestehenden Ressourcen bestmöglich auszuschöpfen - dies gelang im Vorjahr nahezu zur Perfektion.

„Der Star ist das Team“

Topscorer Mike Ouellette (65 Scorerpunkte), Danny Irmen (52) oder Rob Hisey (50) gehören offensiv zum Besten, was die EBEL zu bieten hat. Auch in der Defensive bewies der einstige Stürmer Perthaler mit Adrian Veideman wie auch Curtis Murphy sein glänzendes Gespür.

„Wir haben den Roster gut zusammengestellt, es ist uns viel aufgeganen. Es wird nicht immer der Fall sein, das ist im Sport so. Einmal geht es besser, dann weniger gut. Heuer war es eben perfekt“, kennt der Entscheidungsträger das schnelllebige Geschäft.

Die mediale Präsenz lenkt er nicht zuletzt deshalb lieber auf das Kollektiv. „Unser Erfolgsgeheimnis ist die Mannschaft. Wir wollten keine Größen verpflichten, sondern ein Gefüge aufbauen. Der Star ist das Team. Jeder erfüllt die ihm zugeordnete Rolle.“

Während Perthaler trotz durchschlagender Einkaufspolitik Bescheidenheit walten lässt, findet Trainer Daum lobende, aber vor allem ehrliche Worte.

„Perthaler ist ein ehrenwerter Mann“

„Er macht einen exzellenten Job und ich genieße es, mit ihm zu arbeiten. Er ist ein ehrenwerter Mann des Eishockeys, verfügt über großartiges Wissen was Linz und die Akteure in der EBEL betrifft. Zudem kann er gut mit den Agenten", charakterisiert Daum seinen Vorgesetzten.

Goalgetter Gregor Baumgartner beeindruckt primär die Kontinuität, mit welcher bei den Black Wings über Jahren hinweg gearbeitet wird: „Das ist eine tolle Organisation. Der Verein versucht, den Stamm zu halten. Das imponiert mir. Vergangene Saison war eine Ausnahme.“

In Zukunft verfolgt die Führungsriege wie üblich die „langfristige“ Strategie. Zwar laufen mit Ende der Spielzeit zahllose Verträge aus - wie jener Baumgartners oder Kapitän Philipp Lukas' -, dennoch wird mit dem Gros eine Verlängerung des Engagements angestrebt. Verständlicherweise.

"Wir haben das Dreijahres-Konzept, wollen in der Zeit ein erfolgreiches Team aufbauen“, gibt Daum zu verstehen. Der schnelle Erfolg ließ jedoch Ansprüche steigen, unmissverständlich erklärt Perthaler: „Natürlich wollen wir die Krönung.“

Somit ist der Masterplan klar: Halbfinale, Endspiel, Meistertitel.

Christoph Köckeis

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