Junge Keeper und der Kampf um den Stammplatz

Aufmacherbild
 

Es darf getrost als der Transfer-Coup des Jahres bezeichnet werden. Marty Turco, neuer Goalie bei Meister RB Salzburg, wird den Rest der Saison in der EBEL sein Können und seine Erfahrung aus über 600 NHL-Spielen unter Beweis stellen.

Die Liga jubelt, ob der sensationellen Verpflichtung. Doch des einen Freud, ist des anderen Leid. Thomas Höneckl, seines Zeichen bis dato zweiter Tormann bei den Salzburgern rutscht durch die Verpflichtung des 36-jährigen Kanadiers ins dritte Glied und kann sich Einsätze in der EBEL für den Rest der Saison wohl abschminken.

Doch das Bullen-Eigengewächs befindet sich in guter Gesellschaft. Derzeit haben nur zwei der sechs rot-weiß-roten Mannschaften in der Erste Bank Eishockey Liga auch einen österreichischen Stammkeeper. Reinhard Divis ist die unumstrittene Nummer eins bei den Vienna Capitals. Gleiches gilt für Nationaltorhüter Bernd Starkbaum, der im Grunddurchgang die Lebensversicherung der Adler aus Villach darstellte.

Die Talente wären zwar da, nur finden sie sich nicht zuletzt aufgrund des Erfolgsdrucks in der Liga oft auf der Bank oder gar auf der Tribüne wieder. Selbst zwei Nationaltorhüter müssen sich bei ihren Vereinen dieser Tage mit der Funktion des Back-Ups zufrieden geben.

LAOLA1 nimmt fünf junge österreichische Keeper unter die Lupe und analysiert ihren bisherigen Auftritt in der laufenden Saison.

Lorenz Hirn (Black Wings Linz)

In Linz sind die Rollen klar verteilt. Alex Westlund ist die Nummer eins, der 21-jährige Lorenz Hirn muss sich mit der Rolle des Back-ups zufrieden geben. Nur sporadisch bekommt der Vorarlberger die Chance, sich zu beweisen. Am 4. November, als der US-Amerikaner verletzt passen musste, kam Hirn bei der 2:5-Heimniederlage gegen den VSV zu seinem ersten Saisoneinsatz. Im selben Monat durfte er gegen Fehervar als Starter einen 4:3-Sieg bejubeln. Als die Oberösterreicher bereits als Sieger des Grunddurchgangs feststanden, schenkte Trainer Rob Daum seinem Back-Up in vier weiteren Spielen das Vertrauen. Hirn mag Talent haben, zum Einser-Keeper fehlt ihm aber noch einiges.

Thomas Höneckl (RB Salzburg)

Marty Turco und Josh Tordjman sind Kontrahenten, die sich in Österreich wohl kein Keeper wünscht. Wie schon erwähnt ist der Salzburger bei den Bullen nur noch Keeper Nummer drei. Zu stark ist die Konkurrenz, als dass sich der 22-Jährige nach dem Eintreffen Turcos noch ernsthafte Hoffnungen auf einen Einsatz in der höchsten österreichischen Spielklasse machen dürfte. Bisher durfte Höneckl 17 Mal in dieser Saison für die Bullen das Tor hüten. Zuletzt stand er am Freitag für den erkrankten Tordjman in Linz im Kasten. Dabei musste er vier Mal hinter sich greifen und seine Save-Percentage von 88.1 über die gesamte Saison, ist nicht gerade ein Bewerbungsschreiben für weitere Einsätze. Dabei war der Stern des Eigengewächs im Finale 2011 gegen den KAC aufgegangen. Nachdem sich Reinhard Divis an der Schulter verletzte, musste der junge Keeper im Verbund mit Artiom Konovalov die Kohlen für die Mozartstädter aus dem Feuer holen. Mit zwei überzeugenden Leistungen avancierte er in Spiel sechs und sieben der Finalserie zu einem der Matchwinner für die Mannschaft von Pierre Page. Doch von diesem Ruhm ist nicht mehr viel übrig.

Rene Swette (KAC)

Der gebürtige Vorarlberger in Diensten des KAC ist eines der größten Talente auf dem Goalie-Sektor. Aufgrund der Verletzung Andy Chiodos als Nummer eins in die Saison gestartet, konnte er seinen Stammplatz gegen den wiedergenesenen Kanadier jedoch nicht verteidigen. Unter Neo-Teamchef Manny Viveiros kam er in der laufenden Saison auch zu Teamehren, doch während er im September, Oktober und November noch 19 Spiele absolvierte, folgten im Dezember und Jänner nur noch deren fünf. Mit 91,96 Prozent gehaltener Schüsse in 24 Spielen hat er vier Partien mehr bestritten als sein kanadischer Konkurrent und auch eine bessere Fangquote als Chiodo (91,57 %). Swette ist auf dem Weg zum Einser-Keeper beim KAC, doch solange Chiodo verletzungsfrei bleibt, wird er die meisten Spiele wohl von der Bank aus miterleben.

Fabian Weinhandl (Graz99ers)

Bei der WM in Kosice teilte er sich mit Jürgen Penker noch die Nummer eins im Nationalteam und ging als einer der wenigen Sieger aus dem Turnier hervor. Zu Saisonbeginn war der 25-Jährige in Graz unumstritten, doch Trainer Mario Richer holte mit Frederic Cloutier während der Saison einen weiteren Keeper, der als erfahrene Nummer zwei seinen Einser-Goalie entlasten sollte. Doch das Blatt hat sich gewendet und der Kanadier gibt sich nicht mit der Rolle des Back-Ups zufrieden. Sein Debüt gab der 30-Jährige am 18. November gegen Salzburg und wusste prompt zu überzeugen. Zwar konnte sich Weinhandel immer wieder zurückkämpfen, doch in den letzten zwei wichtigen Spielen in der Qualifikationsrunde gegen die Vienna Capitals und den VSV vertraute Coach Richer dem Kanadier. Gegen die Adler feierte er sein drittes Shutout im elften Spiel. Weinhandl brachte es bei 31 Auftritten nur auf zwei Zu-Null-Spiele. Es sieht so aus, als hätte der Nationaltorhüter seinen Stammplatz bei den Steirern verloren.

Artiom Konovalov (Graz99ers)

Nach der Verpflichtung von Josh Tordjman hatte der österreich-russische Doppelstaatsbürger die Flucht aus Salzburg angetreten, in der Hoffnung in Graz zu mehr Spielanteilen zu kommen. Kein schlechter Ansatz, heuerte doch auch sein Trainer aus dem Salzburger Farmteam Mario Richer bei den Murstädtern als Chef-Coach an. Man konnte annehmen, dass der Kanadier die Stärken des Schlussmanns kannte und ihn deshalb auch mit nach Graz nahm. Doch im Kampf um das Stammleiberl sah der 21-Jährige gegen Weinhandl kein Land und durfte nur zwei Mal für die Grazer das Tor hüten. Mit der Verpflichtung von Frederic Cloutier war der Traum von mehr Spielpraxis endgültig ausgeträumt. Konovalov hat erneut den Verein gewechselt, unterschrieb kürzlich einen Vertrag in Kitzbühel und verschwindet als Torhüter damit in der sportlichen Bedeutungslosigkeit.

Der VSV kann sich alle zehn Finger abschlecken einen Bernhard Starkbaum in seinen Reihen zu haben. Der 25-Jährige ist der beste Keeper der Liga (Save-Percentage: 92.95 %) und liegt mit sechs Shutouts unangefochten an der Spitze. Er stellte die Lebensversicherung der Adler in dieser Saison dar. Zwar leistete er sich gegen die Graz99ers beim ersten Tor einen schweren Schnitzer, doch im Vergleich, wie viele Spiele er in dieser Saison für die Villacher schon gewonnen hat, ist dies nicht der Rede wert. Er ist der einzige österreichische Torhüter, der einen Stammplatz hat und in allen Belangen vorbehaltlos überzeugt hat.

Bernhard Starkbaum (VSV)

Der VSV kann sich alle zehn Finger abschlecken, einen Bernhard Starkbaum in seinen Reihen zu haben. Der 25-Jährige ist der beste Keeper der Liga (Save-Percentage: 92.95 %) und liegt mit sechs Shutouts unangefochten an der Spitze. Er stellte die Lebensversicherung der Adler in dieser Saison dar. Zwar leistete er sich gegen die Graz99ers beim ersten Tor einen schweren Schnitzer, doch im Vergleich, wie viele Spiele er in dieser Saison für die Villacher schon gewonnen hat, ist dies nicht der Rede wert. Er ist der einzige österreichische Torhüter, der einen Stammplatz hat und in allen Belangen vorbehaltlos überzeugt hat.

Marco Wieser (VSV)

Wer Starkbaum spielen sieht, wundert sich nicht, dass der 21-Jährige bisher nur auf 59 Minuten Einsatzzeit gekommen ist. Allerdings musste er in dieser Zeit auch sechs Tore bei 30 Schüssen hinnehmen. Wieser ist noch keine Alternative zu Starkbaum und muss die Chance nützen und Starkbaum im Training auf die Kufen schauen. Dieser hatte ebenfalls über Jahre in Gert Prohaska einen starken Mann vor sich, von dem er viel lernen konnte.

Reinhard Divis
Der ehemalige NHL-Keeper ist die unumstrittene Nummer eins in Wien und das, obwohl er im Grunddurchgang nicht immer der Sicherste war. Der mittlerweile 36-jährige muss niemandem mehr etwas beweisen und ist auch abseits des Platzes eine Führungspersönlichkeit. Im letzten Jahr noch Meister mit den Salzburgern, tut er sich im schwächenden Kollektiv der Wiener ebenfalls schwer und neigte in dieser Saison zu mehr Fehlern, als man es von ihm gewohnt war. In den Spielen der Qualifikationsrunde scheint der Routinier aber wieder zu alter Stärke zu finden. Gegen den VSV war er mit Abstand bester Mann der Capitals, beim Blueliner von Gerhard Unterluggauer  war er chancenlos. Die Caps sind auf Divis angewiesen, denn der deutsche Sebastian Stafaniszin reicht selbst an einen schwächenden Divis noch nicht heran.

Reinhard Divis (Vienna Capitals)

Der ehemalige NHL-Keeper ist die unumstrittene Nummer eins in Wien und das, obwohl er im Grunddurchgang nicht immer der Sicherste war. Der mittlerweile 36-jährige muss niemandem mehr etwas beweisen und ist auch abseits des Platzes eine Führungspersönlichkeit. Im letzten Jahr noch Meister mit den Salzburgern, tut er sich im schwächelnden Kollektiv der Wiener ebenfalls schwer und neigte in dieser Saison zu mehr Fehlern, als man es von ihm gewohnt war. In den Spielen der Qualifikationsrunde scheint der Routinier aber wieder zu alter Stärke zu finden. Gegen den VSV war er mit Abstand bester Mann der Capitals, beim Schlagschuss von Gerhard Unterluggauer war er chancenlos. Die Caps sind auf Divis angewiesen, denn der deutsche Sebastian Stafaniszin reicht selbst an einen schwächelnden Divis noch nicht heran.

Sebastian Rauch

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen