Aufbau, Abbau, Umbau - Boni und das EBEL-Schicksal

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Es ist jedes Jahr dasselbe.

Spieler kommen, Spieler gehen, Mannschaften werden auseinander gerissen, neue Teams müssen geformt werden.

Die Mischung muss stimmen

Sieht man von Champion RB Salzburg ab – die „Bullen“ holten mit Brian Conelly und Ben Ferriero lediglich zwei neue Feldspieler – müssen alle Mannschaften der Erste Bank Eishockey Liga erst einmal die Neuen integrieren.

So auch die Vienna Capitals, deren Headcoach Jim Boni keinen Hehl daraus macht, dass dies die wichtigste Aufgabe in dieser Saisonphase ist.

>>>CHL: Vienna Capitals vs. Kärpät Oulu, Samstag, 22.8., 19:30 Uhr im LIVE-STREAM auf LAOLA1.tv<<<

„Die größte Herausforderung ist es, aus den Spielern eine Mannschaft zu formen, eine eingeschworene Einheit“, erklärt der Übungsleiter, der vom vorhandenen Spielermaterial in der Hauptstadt durchaus überzeugt ist. „Manager Franz Kalla hat einen richtig guten Job gemacht. Die einzelnen Teile für ein starkes Team sind da, jetzt liegt es an mir und meinen Co-Trainern, es zu formen.“

Erfolg und Misserfolg hängen in Mannschaftssportarten nun einmal meist nicht von der Stärke der einzelnen Spieler, sondern von vielen anderen Faktoren ab. Die berühmte Mischung muss stimmen.

„Der KAC hatte letztes Jahr keine schlechten Cracks, aber es hat einfach nicht zusammengepasst. Jetzt haben sie sich gut verstärkt, da kann etwas entstehen. Auch Dornbirn und Innsbruck haben fleißig eingekauft. Jetzt kommt es nur darauf an, dass sie auch eine Einheit zusammenbekommen, das ist das Kunststück. Dann können auch diese Teams sehr gefährlich werden“, führt Boni aus.

Caps-Betreuer: Nasheim, Boni und Dolezal

Es gibt nicht alt oder jung, nur gut oder schlecht

So ist es nicht verwunderlich, dass die Caps vor allem routinierte Cracks unter Vertrag nahmen. Derek Whitmore ist 30 Jahre alt, Simon Gamache und Kurtis McLean sind beide 34 und Matt Dzieduszycki zählt sogar 35 Lenze.

„Es war nicht das Ziel, die Mannschaft routinierter zu machen. Wir haben für das Geld, das uns zur Verfügung stand, die besten Cracks geholt, auf das Alter wurde keine Rücksicht genommen“, erklärt Boni, der sich vollkommen bewusst ist, welches Risiko dies birgt:

„Die Verletzungsgefahr ist natürlich größer, aber wenn sie sich hier wohl fühlen, können sie ihren zweiten Frühling erleben. Sie bringen sehr viel Erfahrung aus Europas Top-Ligen mit. Für mich gibt es ohnehin keine alten oder jungen sondern nur gute oder schlechte Spieler.“

Keinen 25-jährigen Super-Stürmer direkt aus Kanada also, aber dennoch keine Ausschussware. So will es Boni jedenfalls verstanden wissen, denn: „Ich bin auch charakterlich von den Neuen überzeugt. Ich versuche nicht nur gute Spieler, sondern auch gute Menschen zu verpflichten.“

Nasheim verstärkt den Trainerstab

Auf einer Position hat er immerhin genau den bekommen, den er wollte: Mit Rick Nasheim steht ihm künftig ein alter Freund als Co-Trainer zur Seite. Die beiden blicken auf eine lange gemeinsame Vergangenheit zurück, so arbeiteten sie schon beim österreichischen Nationalteam, bei den Black Wings Linz und in Ingolstadt zusammen.

„Nasheim war mein absoluter Wunschkandidat. Ich kenne ihn gut, er ist ein feiner Mensch. Er wird auch unseren Stürmern noch den einen oder anderen Kniff beibringen können“, ist sich Boni sicher. Warum auch nicht? Der Austro-Kanadier war in seiner aktiven Zeit ein wahrer Sniper. In insgesamt 17 Saisonen in Österreichs höchster Spielklasse verbuchte der heute 52-Jährige in 679 Spielen 1.057 Scorerunkte, davon 521 Tore.

„Ich sehe mich als Mittelsmann zwischen Headcoach und Spielern. So kann ich beiden Seiten Input geben. Daneben steht natürlich Videostudium sowie die Weiterentwicklung der jungen Spieler auf der Tagesordnung“, sieht Nasheim sein Aufgabengebiet etwas breiter gefächert.

Boni wirkt euphorisch, aber…

Man spürt förmlich, dass der 52-Jährige, der die Caps erst gegen Ende letzter Saison in einer Schwächephase übernahm und bis ins EBEL-Finale führte, die tägliche Arbeit mit den Cracks vermisst hat.

„Es ist das erste Mal seit sechs Jahren, dass ich richtig euphorisch und mit großer Lust auf eine neue Saison nach Europa gekommen bin“, gibt Boni auch unumwunden zu, dass er sich mehr als Trainer, denn als Sportdirektor sieht. Diesen Posten hatte er von 2009 bis 2014 beim ERC Ingolstadt inne.

Der 52-Jährige räumt aber auch ein, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Im Konzert der ganz Großen spielt die EBEL nun einmal noch nicht mit und so muss man bei Transfers eben den einen oder anderen Kompromiss eingehen.

„Talentierte Ausländer im Alter von 25 Jahren kommen nicht nach Österreich. Höchstens nach Salzburg, und das auch nur, wenn die so viel bezahlen wie man beispielsweise in Schweden verdient. So ehrlich muss man sein.“

Die geglückte Verpflichtung von Kris Foucault letzte Saison war laut Boni eine „seltene Ausnahme.“ Der 24-Jährige war vergangen Saison Topscorer der Caps, verließ die Hauptstädter nach nur einer Saison aber wieder und heuerte bei den ZSC Lions an. Dass er dort zunächst lediglich für das zweitklassige Farmteam vorgesehen ist, ist nur ein weiteres Indiz für den geringen Stellenwert der EBEL im europäischen Vergleich.

Acht neue Cracks muss Boni in das Mannschaftsgefüge einbauen

CHL als erste Bewährungsprobe

Vor allem die Gegneranalyse dürfte den Co-Trainer in den letzten Tagen am meisten beschäftigt haben, schließlich steht nicht einmal drei Wochen nach dem ersten gemeinsame Eistraining schon die erste echte Bewährungsprobe in Form der Champions Hockey League an.

Niemand Geringerer als Kärpät Oulu wird am Samstag (19:30 Uhr im LIVE-STREAM auf LAOLA1.tv) in der Albert-Schultz-Halle zu Gast sein. Der finnische Meister ist den Wienern bestens bekannt, schied man doch vergangene Saison im Achtelfinale gegen den späteren Halbfinalisten aus.

Kein Wunder also, dass Boni tief stapelt, vor allem da der Coach die Saisonvorbereitung weiter beinhart durchziehen will.

„Es wird schwer, schließlich werden wir weiter voll trainieren. Wir dürfen unsere Vorbereitung nicht für ein einziges Spiel vernachlässigen. Wenn ich mich jetzt schone, fehlt mir im November die Kraft in den Beinen, schließlich erarbeitet man sich jetzt die Basis für die gesamte Saison“, so der Coach, der „weiß, dass das die anderen Teams genauso handhaben“.

Auf die leichte Schulter nehmen die Capitals die CHL aber keinesfalls. „Wir nehmen den Bewerb natürlich ernst, und wollen immer gewinnen, wenn wir auf dem Eis stehen. Das Ziel ist die nächste Runde. Aber es ist erst August“, warnt der Übungsleiter davor, sich jetzt schon Wunderdinge zu erwarten.

Boni wäre aber nicht Boni, wenn er nicht noch ein Versprechen für die treuen Anhänger der Caps parat hätte: „Mir ist es wichtig, dass wir vor allem hier in der Albert-Schultz-Halle für die sensationellen Fans richtig gutes Eishockey spielen.“

Neues Team, alte Ziele also. So wie jedes Jahr.

 

Fabian Santner

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