Bandscheibenvorfall: Binder beendet Karriere

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Der 29-jährige Kapitän des heimischen Volleyball-Nationalteams, Oliver Binder, muss wegen eines Bandscheibenvorfalls seine Karriere frühzeitig beenden.

Da auch eine intensive Rehabilitation bis zuletzt nicht die erhoffte Wirkung gebracht hat, sagt der Wiener nach knapp 20 Jahren Volleyball „Auf Wiedersehen“.

Im Interview verrät er unter anderem die Hintergründe und blickt auf seine persönlichen Highlights zurück.

Frage: Wie ist es zu diesem großen Schritt gekommen?

Oliver Binder: Begonnen hat alles mit einem Zwicken im Rücken im März dieses Jahres. Das hat sich aber nach zwei Wochen Pause relativ schnell wieder gelegt und ich hab mir nichts weiter gedacht. Der entscheidende „Vorfall“ hat sich dann unmittelbar vor dem Heimauftakt der CEV European League Anfang Juni ereignet. Wir sind mit dem Bus von Steinbrunn zu den Spielen nach Graz angereist. Das Aussteigen war praktisch schon nicht mehr möglich. Danach folgte eine eingehende Untersuchung. Man hat einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule festgestellt. Es war klar zu erkennen, dass sich das Problem über die Jahre aufgebaut hatte, es also nicht wirklich einen konkreten Auslöser gab.

Frage: Wie ist es dann weitergegangen?

Binder: Nach den Untersuchungen war ich über Monate in physiotherapeutischer Behandlung und hatte eigentlich den Eindruck, dass es deutlich besser wurde. Im Herbst habe ich dann einmal ein lockeres einstündiges Training mitgemacht. Das hat bereits wieder für zwei schlaflose Nächte gereicht. Damit stand fest, dass eine Fortsetzung der Karriere nur mit ständigem physiotherapeutischen Aufwand möglich wäre. Ohne einen Verein, der über diese Möglichkeiten verfügt, ist das finanziell als Privatperson natürlich nicht zu schaffen. Die Vereine verpflichten umgekehrt natürlich auch keine rekonvaleszenten Spieler, deren sportliche Zukunft nur vom Physiotherapeuten abhängt.

Frage: Und wie ist Dein aktueller körperlicher Zustand?

Binder: Momentan habe ich keine Beschwerden. Ich merke aber, dass ich ständig am Ball sein muss und entsprechende prophylaktische Übungen machen muss. Tue ich das einige Tage nicht, spüre ich es sofort. Das ist dann schon hart. Erst reicht, weil ich in 20 Jahren im Volleyball mit Ausnahme von Kleinigkeiten zum Glück keine einzige schwere Verletzung hatte. Das Thema Bandscheiben werde ich dafür so schnell nicht mehr loswerden...

Frage: Das trifft zum Glück wohl auch auf viele positive Erinnerungen im Volleyball zu...

Binder: Absolut. Bereits mit acht Jahren habe ich bei Sokol zu spielen begonnen und war fast fünfzehn Jahre im Verein. Aus dieser Zeit sind mir bis heute viele Freunde geblieben. Danach folgten coole fünf Jahre bei den hotVolleys, in der ich auch zum ersten Mal Österreichischen Staatsmeister wurde bzw. wir zweimal den Cup gewannen. Viele Mitspieler aus diesen Jahren sind jetzt irgendwo auf der Welt verstreut. Der Kontakt zu ihnen ist aber bestehen geblieben. Spannend war natürlich mein Auslandsjahr beim CV Mitteldeutschland und die Champions League Saison mit Aich/Dob.

Frage: Deine Karriere ist auch eng mit den ÖVV-Auswahlen verbunden. Immerhin hast Du seit der U15 alle Nationalteams durchlaufen...

Binder: Es war für mich immer eine große Ehre und Herausforderung mit den Nationalteams Österreich zu vertreten. Viele Spieler meiner Generation haben es nicht so lange durchgehalten bzw. sich soweit nach oben gekämpft. Ich bin sehr dankbar, dass ich zum Beispiel Highlights wie die EuroVolley 2011 in Österreich oder den 3:1-Sieg gegen Brasilien miterleben durfte. Das werde ich sicher nie vergessen!

Frage: Gibt es Für Dich auch bestimmte Personen bzw. Trainer, die Dir besonders in Erinnerung sind bzw. bleiben werden?

Binder: In 20 Jahren hatte ich natürlich sehr viele Trainer. Wenn ich zwei hervorheben würde, dann ist es der bereits verstorbene ehemalige Sokol-Trainer Helmut Nitsche und Michael Warm. Von beiden habe ich in der jeweiligen gemeinsamen Zeit sehr viel gelernt.

Frage: Stichwort Lernen: Man spricht immer davon, dass SportlerInnen in ihrer Karriere viele wichtige Erfahrungen für das Leben nach dem Sport sammeln. Was sagst Du dazu?

Binder: Ich bin sicher, dass es da einen Transfer gibt. Wenn ich daran denke, wie oft ich in Mannschaften gespielt habe, die Jahr für Jahr neu zusammengewürfelt wurden. Jedes Mal neue Charaktere, die am Feld zusammenspielen mussten, um erfolgreich sein zu können. Da ist großer Respekt, Teamfähigkeit und Empathie gefragt. Als Sportler lernt man auch den Umgang mit Stresssituationen. Und in meiner Rolle als Zuspieler und Kapitän war ich natürlich auch immer so etwas wie das Bindeglied zwischen dem Trainer und der Mannschaft. Also ein Kommunikator.

Frage: Als Zuspieler warst Du es auch gewohnt, der Denker und Lenker am Feld zu sein. Wie sehen nun Deine Pläne für das Leben nach der Sportlerkarriere aus?

Binder: Klar ist, dass ich ab dem nächsten Semester mein Studium (Sozioökonomie, Anm.) vorantreiben werde. Abgesehen davon, bin ich an der Gastronomie interessiert. Ich arbeite derzeit in einem Kaffee und kann dort meine große Liebe zum Kaffee ausleben. Vielleicht mache ich irgendwann auch ein eigenes Kaffee auf. Zusätzlich arbeitete ich für Laola1.tv im Bereich Videoschnitt. Da kümmere ich mich zum Beispiel um die Highlights-Videos der Volleyball Champions League.

Frage: Wird man Oliver Binder jemals wieder in einer aktiven Rolle im Volleyball erleben?

Binder: Im Moment eher nicht. In der Zukunft kann ich mir aber schon vorstellen, mich zum Beispiel als Trainer einzubringen. Noch dazu, weil es in Wien aktuell keinen Erstliga-Verein gibt. Außerdem werden ich in den Hallen natürlich immer wieder als Zuschauer anzutreffen sein.

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