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Drei Niederlagen - drei Gründe

Optimisten hatten sich für den Spätsommer grassierendes Volleyball-Fieber erhofft. Keine Spur davon.

Volleyball droht in der Berichterstattung bereits nach der Vorrunde der EM wieder das ungeliebte Mauerblümchen-Dasein zu ereilen. Die Euphorie blieb aus, obwohl dafür alles angerichtet schien.

Letztendlich fehlten aber schlichtweg die notwendigen sportlichen Erfolge. Auch wenn diese Heim-EM organisatorisch eine ganz andere Kragenweite hat als jene von 1999, haben sie doch eines gemein: Für das ÖVV-Team ist neuerlich bereits nach den Gruppenspielen Endstation.

Besonders bitter: Wieder gelingt der rot-weiß-roten Sechs nicht einmal ein einziger Satzgewinn.

0:3 gegen Slowenien, 0:3 gegen die Türkei und 0:3 gegen Serbien lauten die Ergebnisse. Drei Spiele, drei Niederlagen - und hier drei Gründe, warum es so gekommen ist:

1. Zu unerfahren

Philip Ichovski ist mit 19 der jüngste im Team

Mit einem Schnitt von 23,7 Jahren schickte Österreich ein sehr junges Team in die EM-Schlacht. Noch viel mehr als die Jugendlichkeit fiel allerdings die rot-weiß-rote Unerfahrenheit ins Gewicht.

Kein einziger Spieler im 14er-Kader von Michael Warm hatte davor ein EM-Match bestritten .

"In den satzentscheidenden Situationen unterliefen uns ungewohnte Fehler", analysierte der Deutsche. "Das ist Lehrgeld, das wir bezahlen müssen."

2. Zu wenig Klasse

Schneider (r.) einer der wenigen Legionäre

Während andere Nationen mit zahlreichen Spielern aus den internationalen Top-Ligen gespickt sind - einige Akteure von Co-Veranstalter Tschechien stehen beispielsweise in Südamerika unter Vertrag - muss Warm großteils auf Kräfte aus den heimischen Breiten zurückgreifen.

Unmittelbar vor der EuroVolley war mit Philipp Schneider (Montpellier) gar nur ein ÖVV-Teamspieler im Ausland engagiert. "Bei unseren Gegnern haben Leute gespielt, die sich jedes Wochenende mit den Besten der Welt messen", so Warm.

Doch Besserung ist in Sicht. Bereits vor der EM haben Thomas Zass (Paris) und Peter Wohlfahrtstätter (Antwerpen) im Ausland unterschrieben. Mit Libero Philipp Kroiss (noch hotVolleys) soll ein weiterer vor dem Absprung stehen. "Das freut mich sehr. Ich hoffe, da folgen noch mehr", erklärt Warm.

3. Zu wenig Zeit

Teamchef Warm bleibt dem ÖVV erhalten

Auch wenn das Abschneiden bei der EM ernüchternd war, befindet sich das ÖVV-Team auf einem guten Weg. Die Leistungssteigerung im abgelaufenen Jahr ist augenscheinlich.

Festzumachen ist dies hauptsächlich an Teamchef Michael Warm. Seit seinem Amtsantritt im April des Vorjahes machte die ÖVV-Sechs einen großen Schritt nach vorne. Um unsere Nationalmannschaft aber tatsächlich europareif zu machen, war die Zeit zu kurz.

Auch der Verband weiß die Arbeit Warms zu schätzen und verlängerte mit ihm bereits vor der EM bis nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

Gleichzeitig muss sich der ÖVV aber die Kritik gefallen lassen, nicht bereits früher einen Teamchef mit vergleichbarem Konzept eingesetzt zu haben. Statt eine landesweite Euphorie auszulösen, verkam die Heim-EM lediglich zu einem Startschuss in eine hoffentlich bessere Zukunft. Eine Formulierung, die bei österreichischen Sportfans schon nahezu allergische Reaktionen auslöst.

Reinhold Pühringer

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