Gavan: "Das ist meine Aufgabe bei der EM"

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Sein Blick ist konzentriert. Sein Fingerleiden hat Daniel Gavan längst vergessen.

Es scheint im EM-Fieber untergegangen zu sein.

„Zwar muss ich noch darauf aufpassen, aber wenn ich auf dem Platz stehe, verschwende ich keinen Gedanken daran“, erklärt der Nationalteam-Kapitän, der Österreich am Samstag (15:30 Uhr) mit dem Auftaktspiel gegen Slowenien in das Abenteuer Heim-EM führt.

Der 34-Jährige ist DER Führungsspieler im Kollektiv von Teamchef Michael Warm. Im LAOLA1-Interview wagt der gebürtige Rumäne einen Ausblick auf die EM, erklärt, wie der Aufstieg gelingen könnte und wie lange er noch die lebende Mauer macht:

LAOLA1: Daniel, ist das Kribbeln schon da?

Daniel Gavan: Noch nicht. Hoffentlich hält es sich bei mir in Grenzen und ist dafür bei unseren Gegner umso mehr da (grinst). Wie jeder andere Spieler spüre auch ich etwas Druck. Ich versuche allerdings, diesen möglichst von mir zu nehmen. Ich bin mir sicher, sobald ich den ersten Ball nehme, ist alle Aufregung dahin.

Daniel Gavan im Gespräch mit LAOLA1

LAOLA1: Teilt auch Teamchef Michael Warm diese Einschätzung?

Gavan: Nein, bei ihm dreht sich das Meiste um das erste Spiel. Aber ich bin Realist, ich weiß, wo wir im Vergleich zu den anderen Nationen stehen. Und da ist eben die Türkei am ehesten in Reichweite. Außerdem kann es gut sein, dass dir am Ende ein Sieg gegen Slowenien gar nichts bringt. Weil wenn du gegen die Türkei verlierst, die Slowenen aber die Türken schlagen, kann es sein, dass du trotzdem nur Gruppen-Vierter bist (die ersten Drei einer Gruppe qualifizieren sich für das Playoff; Anm.).

LAOLA1: Wen hast du in den letzten vier Monaten, in denen ihr euch intensiv vorbereitet habt, öfter gesehen, deinen Zimmerkollegen Philipp Schneider oder deine Frau Anka?

Gavan: Meine Frau habe ich seit sechs Wochen nicht mehr gesehen (schmunzelt). Das ist schon eine schwere Zeit, aber bei Philipp ist es genau dasselbe. Darum freue ich mich schon, wenn die EM vorbei ist, ich nach Hause komme und mit meiner Familie wieder ein normales Leben anfangen kann. Aber was wirklich wichtig ist, kommt jetzt.

LAOLA1: Du bist der Kapitän einer noch sehr unerfahrenen Mannschaft. Welche Aufgaben erwarten dich während der EM?

Gavan: Auf die jungen Spieler kommt so einiges zu. Da sind viele dabei, die noch nie Spiele vor 9.000 Zuschauern gemacht haben. Das kann gefährlich werden für unsere Mannschaft. Da muss ich dann schnell reagieren und versuchen, die Burschen zu motivieren. Ich werde ihnen in Erinnerung rufen, dass das unsere Heim-EM ist und wir versuchen müssen, die Leute zu begeistern. Darin sehe ich meine Aufgabe.

LAOLA1: Ist das Auftaktspiel am Samstag gegen Slowenien für das Aufkommen einer Euphorie bereits die entscheidende Partie? Oder ist Slowenien dafür schlicht zu stark?

Gavan: Ich glaube, der Gegner, den es für uns zu schlagen gilt, ist die Türkei. Gegen sie spielen wir am zweiten Tag. Natürlich werden wir probieren, gegen Slowenien den ersten Satz zu gewinnen und wenn es geht auch die Partie, aber sie sind sehr stark. Sie haben vergangene Woche ein Turnier in Frankreich gewonnen, wo sie Bulgarien, Frankreich und die Türkei geschlagen haben. Davon dürfen wir uns nicht beeindrucken lassen. Wir müssen uns auf den zweiten Tag konzentrieren, das ist für uns der Tag X.

LAOLA1: Wie darf man sich den Vorbereitungs-Alltag bei Philipp und dir vorstellen? Wird da neben den Trainings ständig mit der Frau geskypt?

Gavan: In Steinbrunn hatten wir glücklicherweise Einzelzimmer. Die Privatsphäre hat gut getan. Klar wird da viel geskypt und telefoniert, aber ich betone noch einmal: Unser Ziel ist die EM und dafür muss man eben Kompromisse eingehen. Unsere Frauen verstehen das, weil es das vielleicht nur einmal in einem Sportlerleben gibt.

LAOLA1: Du bist 34 Jahre alt und hast mit der EM einen großen Höhepunkt vor dir. Wäre das nicht ein verlockender Zeitpunkt, um danach aufzuhören?

Gavan: Nein, dafür ist es noch zu früh. Ich möchte noch drei, vier Jahre für Hypo Tirol spielen. Mal schauen, inwiefern ich in Zukunft noch im Stande bin, dem Nationalteam zu helfen. Ich werde sicher nicht mehr den ganzen Sommer mit der Auswahl unterwegs sein, aber bei wichtigen Quali-Turnieren werde ich zur Verfügung stehen. Im November findet eine Ausscheidung für die Olympischen Spiele statt. Ich werde immer bereit sein, wenn der Trainer mich braucht.

Das Interview führte Reinhold Pühringer

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