Friedrichshafen mit Zass gegen das Deja-vu

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„Ich wünschte, die Reisen wären immer so kurz“, freut sich Stelian Moculescu.

Der Coach bezog am Dienstagvormittag mit dem deutschen Volleyball-Riesen VfB Friedrichshafen für das Auftaktspiel der Champions-League-Gruppe A bei Hypo Tirol (Mittwoch, 20:25 Uhr im LIVE-Video) in Innsbruck Quartier.

Im Aufgebot der Baden-Württemberger steht mit Thomas Zass die aktuell heißeste österreichische Volleyball-Aktie. Der Topscorer der heimischen Nationalmannschaft wechselte vor der Saison von Paris Volley an den Bodensee.

Mit den „Häflern“, wie die Friedrichshafener genannt werden, bestreitet der 22-Jährige sein allererstes Match in der Champions League. „Und das ausgerechnet mehr oder weniger in der Heimat gegen Innsbruck. Das ist etwas ganz Besonderes“, sprüht der Brixentaler im Gespräch mit LAOLA1 vor Vorfreude.

Kampf um Rang zwei

Nach der Ankunft unterm Goldenen Dachl stand für den VfB noch ein Video-Studium sowie ein Training am Abend auf dem Programm. „Wir sind früh angereist. Es ist alles sehr entspannt“, meint Zass, der ohnedies kein Mann großer Hektik ist.

Die Favoritenrolle in der Gruppe ist klar vergeben, allerdings weder an Friedrichshafen noch an Tirol. „Kazan ist außen vor“, bringt es Moculescu auf den Punkt. Hinter der russischen Spitzenmannschaft gelten die Deutschen von der Papierform her als aussichtsreichster Kandidat auf den zweiten Platz, der ebenfalls zum Aufstieg in die K.o.-Runde berechtigt.

„Vom Los her hätten wir es schlimmer erwischen können. Mit Knack Roeselare (belgischer Vize-Meister, Anm.) und Innsbruck gibt es zwei Mannschaften, die auf Augenhöhe sind. Davon will ich keine favorisieren“, stuft Zass die Ausgangslage ein.

„Bei Innsbruck weiß jeder, dass sie zu Hause stark sind. Die sind keineswegs zu unterschätzen, was Friedrichshafen in der Vergangenheit ja bereits einmal zum Verhängnis geworden ist.“ Gemeint ist das Aufeinandertreffen vor drei Jahren in der Runde der besten Sechs, als der VfB nach einem 3:1 im Hinspiel durch ein 0:3 noch ausgeschieden ist. Eine Sternstunde für Hypo Tirol. Keine für Friedrichshafen.

Zass: „Das will hier niemand noch einmal erleben.“

Ein Team, das noch nicht fertig ist

Ein Vorteil für die Tiroler könnte sein, dass Friedrichshafen sich in der neuen Saison noch nicht gefunden hat. Zum Liga-Start mussten sich die „Häfler“ auswärts bei Meister Berlin mit 1:3 (-18,30,-18,-23) geschlagen geben.

„Das war noch etwas zu früh für uns“, gibt Zass, der in der Vorbereitung als einer der letzten Spieler zur Mannschaft gestoßen ist, zu. „Wir war noch nicht wirklich eingespielt. Das erste Saisonmatch ist immer schwierig, dazu hat Berlin eine Mannschaft, die ähnlich der von vergangener Saison ist.“

In der zweiten Meisterschaftspartie hatte die Moculescu-Truppe die Abstimmungsprobleme schon weitgehend im Griff, gewann gegen Dresden zu Hause souverän 3:0 (19,19,15).

Von einer Stamm-Sechs sei man dennoch ein gutes Stück entfernt. „Bei uns kann momentan praktisch jeder spielen. Es gibt auf einer Position noch keinen fixen Spieler“, erläutert der frühere Amstetten-Akteur, für den auf der Position des Diagonal-Angreifers dasselbe gilt.

Die Ausgeglichenheit des Kaders wirkt sich auf die tägliche Trainingsarbeit aus. „Dort ist der Positionskampf spürbar. Nicht übertrieben, aber in einem gesunden Maß.“

„Deutsche Gründlichkeit“

Zass hat in Friedrichshafen eine Wohnung bezogen. „Im Zentrum“, wie er meint. Keine Kunst, denn das Städtchen ist mit knapp 60.000 Einwohner nicht groß. Ein Umstand, der dem sprunggewaltigen Legionär durchaus entgegen kommt.

„Eine Großstadt wie Paris war eine Riesen-Erfahrung für mich und es hat mir auch sehr gefallen dort. Friedrichshafen ist wieder etwas Kleineres, so wie ich aufgewachsen bin. Das ist eigentlich eher, was mir liegt.“

Metropole versus Nestwärme - für Zass hat letztendlich beides seine Vorteile. Richtige Unterschiede erlebte er aber im Umfeld der beiden Klubs. Während die Pariser in organisatorischen Angelegenheiten eine gewisse Gemütlichkeit an den Tag legten, zeigt sich der VfB hoch professionell. „Das ist vielleicht auch die deutsche Gründlichkeit.“

Wie sein Eindruck zustande kam? „Als ich am ersten Tag in das Vereinsbüro von Friedrichshafen gekommen bin, hat es geheißen: Hier sind die Wohnungsschlüssel, hier die Autoschlüssel und dann noch hier, hier und hier unterschreiben. Damit war alles erledigt. Bei den Franzosen hat das dann doch ein wenig länger gedauert. Ich weiß noch, wie lange ich gebraucht habe, bis ich in Paris überhaupt einmal Internet aufgetrieben habe.“

Am Bodensee ist das ein wenig anders. „Da hast du rund um die Uhr eine Ansprechperson. Alles, was du noch tun musst, ist dich auf Volleyball zu konzentrieren.“ So auch am Mittwochabend.

Reinhold Pühringer

 

>>> Hypo Tirol vs. VfB Friedrichshafen am Mi., 20:25 Uhr im LIVE-Video <<<

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