Der ungeschlagene "Außenseiter"

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Martin Micheu hat im Volleyball schon viel erlebt. Doch das ist für ihn neu.

Sich mit seinem Klub Aich/Dob für die AVL-Finalserie (Beginn am Mittwoch) zu qualifizieren, kennt der Sportdirektor bereits. Doch dort als Favorit gehandelt zu werden – das hat es noch nie gegeben.

Und da neu nicht zwingend besser ist, will Micheu auch gar nicht in diese Gasse gedrängt werden. „Favorit? Nein! Definitiv nicht“, wiederholt er im Gespräch mit LAOLA1 energisch und mit gebetsmühlenartiger Wiederkehr.

Liegen wir etwa so daneben mit unserer Annahme? Laut den Zahlen zumindest nicht. Aich/Dob hat die aktuelle Saison in der höchsten österreichischen Liga bislang ungeschlagen überstanden. Hinzu kommen ein Vize-Titel in der Mitteleuropa-Liga und die Tatsache, dass die Kärntner alle drei Saisonduelle mit Finalgegner Hypo Tirol für sich entschieden haben. Das kann sich doch sehen lassen, oder?

„Es stimmt, dass wir heuer dreimal gegen sie gewonnen haben“, zeigt Micheu auch durchaus Verständnis für unsere Ansichten, „aber man muss die Kirche im Dorf lassen. Tirol ist eine Champions-League-Mannschaft, der Titelverteidiger und somit auch der Favorit.“

Zumindest bei der Tatsache, dass es bislang eine hervorragende Saison für Aich/Dob war, ist der Volleyball-Macher aus der Region rund um Bleiburg mit uns einer Meinung.

Knappe Angelegenheiten

Dass Micheu ob seiner aversiven Einstellung in puncto Favoritenrolle derzeit eher beschwerlich durch den Alltag kommt, überrascht nicht. „Gerade eben habe ich deswegen mit jemanden diskutiert.“ Ihm habe der Volleyball-Fanatiker Ähnliches erklärt.

„Vor der Halbfinalserie gegen Amstetten war es das Gleiche. Da hat es geheißen: Wieso spielt’s ihr überhaupt , ihr habt’s ja eh schon gewonnen. Aber es war dann doch etwas hart im Halbfinale.“

3:0 endete die Serie. Mit allerdings umkämpften Partien. Umkämpft gilt auch für die Saisonduelle mit den Innsbruckern, deren Resultate 3:2, 3:2 und 3:1 lauten. „Bei zwei Matches waren wir schon mit 0:2 im Hintertreffen“, streicht Micheu noch einmal hervor.

Für ihn liegt das große Plus des Titelverteidigers vor allem in der Erfahrung. Auch was das Budget und die Voraussetzungen anbelangt, sei die Kronthaler-Truppe eine Stufe über Aich/Dob zu stellen. Mitentscheidend könnte auch sein, welche Form die zuletzt verletzten Daniel Gavan und Alex Berger haben.

Ein Leben ganz ohne Nacht-Taxi

Mit Wojciech Wlodarczyk gelang Aich/Dob ein Glücksgriff

Genau diese Zuschauer sollen Aich/Dob, welches das Heimrecht in einem entscheidenden siebten Spiel hätte, auch zur Meisterschaft tragen. Was sich Micheu dann wünschen würde? „Dass die Gemeinde Bleiburg eine Meisterfeier organisiert“, meint er mit ernster Stimme. „Dass man das ehrt, was wir für die Region geleistet haben und welchen Werbeeffekt wir haben“, ist die Unzufriedenheit aus seinen Worten bereits deutlicher zu vernehmen.

Grund dafür seien Erfolge, die zumindest nach dem Empfinden Micheus von Seiten der Kommunalpolitik öfters nur belächelt oder links liegen gelassen worden sind. „Da geht es um Unterstützung, Infrastrukturkosten und Stellenwert.“

„Wenn wir ein Fußball-Klub wären, wir würden wahrscheinlich Tag und Nacht chauffiert werden“, ist sich Micheu sicher. Doch es sei in den vergangenen Jahren bereits besser geworden. „Mit unserer Arbeit und der Medienpräsenz haben wir eine Begeisterung in der Region ausgelöst.“ Doch das Umdenken in den Köpfen der Entscheidungsträger sei eben ein langsamer Prozess.

Der große Gejagte

Während Micheus Spieler und Trainer sich ausschließlich auf die Finalserie konzentrieren, sollte sein Blick als Sportdirektor bereits über das Saisonende hinausgehen. Etwas, das ihm allerdings nicht so recht gelingen mag. „Weil wir erst einmal abwarten müssen, wie es heuer ausgeht. Das wirkt sich dann auch auf die Sponsorensuche aus, die sich immer schwieriger gestaltet. Das Ziel ist natürlich, die Mannschaft zu halten.“

Doch das wird schwierig, denn die finanziellen Mittel werden laut Micheus Einschätzung nicht mehr, sondern „eher weniger.“

Ganz wenig Hoffnung auf einen Verbleib hat er bei Wojciech Wlodarczyk. Den 22-jährigen Polen holte Aich/Dob vor der Saison aus der zweiten polnischen Liga und stattete ihn mit einem Einjahres-Vertrag aus. „Er hat ab dem ersten Spiel überzeugt. Ihn jagt halb Europa.“

Ihn wird man wahrscheinlich in der Finalserie zum letzten Mal im blau-gelben Trikot sehen. Vielleicht dort aber mit dem Meister-Pokal in der Hand.

Reinhold Pühringer

Gasthäuser werden überbewertet

Favorit hin oder her – es steht jedenfalls fest, dass sich Aich/Dob im Aufschwung befindet. Und sollten sie tatsächlich erstmals in der Vereinsgeschichte den Meistertitel holen, wäre es eine Sensation.

Denn wer einen Blick in das Dorf mit den zwei Namen auf der Ortstafel wirft, dem bietet sich ein überschaubares Bild. „160 Einwohner, kein Gasthaus, aber dafür zwei Kirchen“, so die Beschreibung des Klubs auf der Homepage.

Dass hier Österreichs bester Volleyball-Klub beheimatet sein soll, ist nicht nur unvorstellbar, sondern auch tatsächlich nicht die ganze Wahrheit. Der Grund ist die notwendige Halle, welche das Team nach jahrelangem Kampf gegen Windmühlen nun endlich in Bleiburg bekam.

Es ist die erst erste Saison, welche sie dort spielen. „Die Halle ist sehr wichtig, damit wir uns weiterentwickeln können“, weiß auch Micheu. Rund 1.000 Zuschauer passen rein. Soviel erwartet sich der Funktionär auch für die Heimspiele in der Finalserie. Sorgen macht er sich deswegen nicht. „Wir haben das beste Publikum in Österreich. Über das Jahr gesehen haben wir die meisten Zuschauer.“

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