AVL - oder anders: Die Quadratur des Volleyballs

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Markus Gaugl ist auf einer Mission.

Dass diese nicht leicht ist,  war dem ÖVV-Vize-Präsidenten von Vornherein klar. Sein Ziel: Eine schlagkräftige heimische Volleyball-Liga auf die Beine zu stellen.

Bevor am Samstag besagte Austrian Volley League (AVL) mit den ersten Viertelfinal-Spielen in die Playoffs und somit in die heiße Phase geht, zieht der Liga-Chef nach geschlagenem Grunddurchgang eine Zwischenbilanz, die zwiespältig ausfällt.

Gar nicht zufrieden war der Funktionär mit dem chaotischen Spielplan. „Die Entscheidung, dass die Teams der Mitteleuropa-Liga mitspielen, ist damals sehr kurzfristig gefallen. Von daher war einfach zu wenig Vorlaufzeit, dass wir das richtig koordinieren“, spricht auch Gaugl bei LAOLA1 unverblümt von einem „Termin-Desaster“. Erschwerend kam die Olympia-Qualifikation des Nationalteams hinzu, welche für eine dreiwöchige Liga-Pause im November sorgte.

„Alles in allem konnten wir das Potenzial, das eigentlich da gewesen wäre, nicht ausschöpfen.“

Eine Drei-Klassen-Gesellschaft

Ein Blick auf die Grunddurchgangstabelle macht einen weiteren Brennpunkt deutlich: das enorme Leistungsgefälle. Während das erstplatzierte Hypo Tirol von 20 Partien keine einzige verlor und insgesamt nur sieben Sätze abgeben musste, steht am anderen Ende der VC Mils.

Der Liga-Neuling brachte es in der aus elf Klubs bestehenden Spielklasse gerade einmal auf einen einzigen Sieg bei nur acht gewonnenen Sätzen.

„Gerade heuer war das Leistungsgefälle eklatant“, will auch Gaugl nichts schönreden. „Es waren zu viele Mannschaften, das muss man klipp und klar sagen.“ Der Hartberger will damit aber nicht die Schuld bei den schwächeren Vereinen suchen. „Das liegt aber nicht daran, dass sie schlecht arbeiten, sondern vielmehr daran, welche Möglichkeiten sie haben.“

Gefallen habe ihm hingegen der enge Kampf im Mittelfeld der Tabelle. „Vom Dritten bis runter zum Achten, Neunten konnte jeder jeden schlagen. Da war viel Spannung drinnen.“

Wer fällt durch den Rost?

Wie eine Reduktion konkret aussieht, lässt Gaugl noch offen. „Ob jetzt 8er- oder 9er-Liga…es kommt gar nicht so sehr auf die genaue Anzahl an, sondern viel mehr auf die Teams, die dort mitspielen.“

Gaugl legt den Fokus auf gemeinsam mit den Vereinen ausgearbeitete Parameter, die für eine Teilnahme an der ersten Liga eingehalten werden müssen. „Damit für Medien und Zuschauer ein gewisser Level vorhanden und eine sportliche Wertigkeit gegeben ist. Danach wird man sehen, wie viele in der ersten Liga spielen könnten.“

Generell glaube er aber, dass der österreichische Markt nur eine gewisse Anzahl von Teams vertrage und man mit elf momentan definitiv darüber liege. Nächste Saison soll die Einführung einer Zwischenrunde mit sechs Teams nähere Aufschlüsse bringen.

Einsam an der Spitze

Doch während Gaugl und Co. händeringend versuchen, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen, könnten die besten Pferde im Stall schon bald wieder abhandenkommen. Denn Tirol-Manager Hannes Kronthaler äußerte sich bereits im Oktober des Vorjahres negativ über das zu niedrige Niveau in der AVL. Mit Blick auf die Champions League werde seine Sechs zu wenig gefordert. Ein neuerlicher Ausstieg erscheint demnach nicht abwegig.

Markus Gaugl war selbst für Hartberg aktiv

Gaugl reagiert darauf unaufgeregt: „Es liegt in der Hand des Verbands, es so zu steuern, damit es den Vereinen passt. Wir gehen ja nicht hin und machen absichtlich etwas, das einem Top-Verein wie Tirol nicht passt. Wir sind natürlich bestrebt, ein möglichst hohes Leistungsniveau zu erreichen, weshalb wir uns an den starken Vereinen orientieren müssen.“

Andererseits gibt der Liga-Chef aber auch zu verstehen, dass Tirol auch auf die AVL angewiesen sei. Schließlich werden die internationalen Startplätze über die heimische Liga vergeben. „Sollte allerdings jemand mit aller Vehemenz aussteigen wollen, dann werden wir das wohl nicht verhindern“, so Gaugl, der hofft, dass die Innsbrucker im Playoff noch entsprechend gefordert werden.

Doch selbst im Falle eines Ausstiegs wolle er sich mit den jeweiligen Vereinen arrangieren. „Grundsätzlich war es in den vergangenen Jahren mit der Mitteleuropa-Liga nichts anderes. Auch da sind die MEL-Klubs erst im Playoff-Viertelfinale eingestiegen. Das wird auch in Zukunft so bleiben.“

Der deutschen Liga etwas voraus

Für Gaugl sind die Ausstiegs-Tendenzen ein warnendes Signal. „Da müssen wir uns als Verband selbst an der Nase nehmen. Allerdings sind wir auch darauf angewiesen, dass die Klubs mitziehen.“

Laut ihm könne der ÖVV nur die Rahmenbedingungen mit den Vereinen aushandeln und das eine oder andere Zuckerl bieten. „Wenn ich zum Beispiel die deutsche Volleyball-Bundesliga hernehme, die sieht man nirgends im TV. Die AVL wird hingegen live übertragen. Das sind Dinge, die für die Teams nicht unwesentlich sind.“

Alles nur Schikane

Von einer professionellen Liga sei die AVL laut Gaugl zwar noch weit entfernt, dennoch sei man dem ambitionierten Ziel heuer bereits ein kleines Stück näher gekommen.

„Was die Zuschauer, Hallen und Medien angeht, haben viele Vereine besser gearbeitet. Aber das ist auch sicherlich nur deshalb passiert, weil wir die Anforderungen nach oben geschraubt haben.“

Im nächsten Jahr sollen daher neue Auflagen folgen. Für Gaugl ist jetzt schon klar, dass diese nicht überall auf Gegenliebe stoßen werden. „Viele Klubs sehen das nach wie vor als Schikane. Schnell merkst du, ob sie angenommen werden oder du nur auf taube Ohren stößt. Doch vielleicht könnte das auch schon ein Auslese-Verfahren für eine komprimiertere Liga sein.“

Reinhold Pühringer

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